Die Pubertät ist eine Zeit großer Veränderungen und Herausforderungen für Mädchen und ihre Eltern. Plötzlich scheint sich das Kind zu verändern, wird launisch, zickig und stellt die elterlichen Grenzen in Frage. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für dieses Verhalten und gibt Tipps, wie Eltern damit umgehen können.
Plötzliche Veränderungen in der Pubertät
Es scheint oft ganz plötzlich zu kommen: Ein Mädchen, das eben noch ausgeglichen und fröhlich war, wird zur "Zicke". Ihre Stimmung kann von einem Moment zum nächsten umschlagen, und sie zieht sich zurück. Auch andere Veränderungen sind typisch für diese Phase:
- Veränderungen im Zimmer: Pferdeposter werden durch Bilder von Sängerinnen und Serienstars ersetzt.
- Veränderungen im Kommunikationsverhalten: Lange Telefonate mit Freundinnen am Nachmittag, Rückzug ins Badezimmer am Abend.
- Veränderungen im Kleidungsstil: Plötzlich bestehen Mädchen darauf, ihre Kleidung selbst in bestimmten Läden auszuwählen.
- Veränderungen in Bewegung und Sprache: Ungeschicklichkeit, Nachahmung erwachsener Frauen, "coole" Redensarten, Gekicher und albernes Getue in der Gruppe.
- Rückfälle ins Kindliche: Immer wieder schieben sich zwischen das Teeniegehabe Rückfälle ins Kindliche, was Eltern besonders verwirrt.
Diese Veränderungen können Eltern überfordern und die Pubertät der Tochter als anstrengend erleben lassen. Mütter, die bisher eine enge Vertrauensbasis mit ihrer Tochter hatten, erleben oft eine scharfe Abgrenzung.
Körperliche Veränderungen als Auslöser
Etwa ab dem neunten Lebensjahr beginnt der Prozess der sexuellen Reifung. Die Brüste entwickeln sich, die Hüften werden runder, und erste Haare sprießen unter den Achseln und im Schambereich. Dieser Prozess wird durch Hormone gesteuert und hängt unter anderem vom Körpergewicht ab. Ab etwa 40 Kilogramm werden die Östrogene (weibliche Hormone) vermehrt aktiv. Die Pubertät beginnt deshalb bei jedem Mädchen unterschiedlich.
Ziel dieser hormonellen Aktivitäten ist die Geschlechtsreife, also die Empfängnisfähigkeit. Dies ist eine enorme Veränderung für den Körper. Er unterliegt plötzlich unsteuerbaren Gesetzmäßigkeiten. Die Menstruation beginnt, verursacht Spannungsgefühle, manchmal Schmerzen und Einschränkungen. Gleichzeitig eröffnet sie neue weibliche Lebensperspektiven.
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Diese dramatischen Veränderungen spiegeln sich in der Seele der Mädchen wider. Sie schwanken zwischen der Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit und den Verlockungen des Erwachsenenlebens. Deshalb sind sie beides: liebe Mädchen und aufsässige Zicken. Das Tempo und die Vehemenz dieser Wechsel zeigen, wie heftig sich das innere Drama vollzieht.
Gründe für das Verhalten von Mädchen in der Pubertät
Es gibt verschiedene Gründe, warum Mädchen in der Pubertät "nerven" können:
- Gefühlvolle Erziehung: Mädchen dürfen von klein auf ihre Gefühle zeigen, während Jungen oft dazu angehalten werden, ihre Emotionen zu kontrollieren. Dies führt dazu, dass Mädchen in der Pubertät ihre Gefühle offener ausleben.
- Schwierige Identitätsfindung: Mädchen haben es heute schwer, eine eigene weibliche Identität zu entwickeln. Vorbilder und Rollen sind widersprüchlich. Einerseits gibt es den Anspruch auf Gleichberechtigung, andererseits erleben Teenager oft Mütter, die entweder als Hausfrauen unter mangelnder Anerkennung leiden oder sich im Spagat zwischen Beruf und Familie aufreiben. Keine dieser Rollen ist ein ideales Vorbild. Viele Mädchen müssen sich zudem mit sexuellen Übergriffen auseinandersetzen oder erleben Bewegungseinschränkungen durch ängstliche Eltern. Dies erzeugt Spannungen in Bezug auf ihre Zukunft als Frau.
- Mediale Einflüsse: Medien bieten zwar Orientierung, aber die angebotenen Vorbilder sind oft einseitig und oberflächlich. Die Überbewertung des Äußeren führt dazu, dass andere Eigenschaften und Fähigkeiten abgewertet werden. Manche Mädchen versuchen, dem Ideal mit extremen Mitteln zu entsprechen, was fatale Folgen haben kann.
Was können Eltern tun?
Um die Pubertät ihrer Tochter gut zu begleiten, sollten Eltern Folgendes beachten:
- Beständigkeit bieten: Eltern sollten für ihre Tochter ein Garant für Beständigkeit in einer schwankenden Welt sein. Sie sollten klar und berechenbar bleiben und ihre Meinung vertreten, auch wenn es um strittige Themen wie Schulleistungen, Tabak, Alkohol, Ausgehzeiten oder Kleidung geht.
- Gespräche führen: Eltern sollten mit ihrer Tochter reden, Argumente austauschen und sich von ihren überzeugen lassen, wenn diese stichhaltig erscheinen.
- Kompromisse eingehen: In manchen Fragen, wie z.B. bei der Kleidung, können Eltern Kompromisse eingehen, z.B. ein Budget für Kleidung festlegen, das die Tochter mit ihrem Taschengeld aufstocken kann, wenn sie teure Marken bevorzugt.
- Grenzen setzen: Bei extrem sexualisierter Kleidung oder anderen Grenzüberschreitungen dürfen Eltern sich einschalten, ihre Meinung vertreten und gegebenenfalls ein Outfit verbieten.
- Auseinandersetzungen aushalten: Eltern sollten Auseinandersetzungen nicht scheuen und ruhig mal einen Streit riskieren. Oft ist die Tochter dafür dankbar, auch wenn sie es nicht zugibt.
- Zuhören und ernst nehmen: Eltern sollten aufmerksam zuhören, wenn ihre Tochter etwas erzählt, und ihre Gefühle ernst nehmen. Vorwürfe und Verallgemeinerungen sollten vermieden werden. Stattdessen sollten Eltern in der Ichform sprechen.
- Eigene Grenzen akzeptieren: Eltern müssen nicht immer die richtigen Antworten geben. Wenn sie einmal nicht weiter wissen, sollten sie sich eine Auszeit genehmigen.
- Authentisch bleiben: Eltern sollten nicht versuchen, sich an den Stil der Jugendlichen anzupassen. Sie sind Vorbilder, weil sie eine Richtung weisen.
- Gesprächsbereit bleiben: Eltern sollten den Kontakt zu ihrer Tochter auch dann wieder aufnehmen, wenn es einmal richtig geknallt hat. Sie sollten von ihren eigenen Gefühlen und Gedanken in dem Konflikt erzählen.
- Vertrauen aufbauen: Vertrauen ist besonders wichtig, wenn es um das Thema Sexualität geht. Mütter sollten mit ihrer Tochter über Freundschaft, Liebe, Lust, Frust, Sex und Verhütung sprechen, bevor das Thema "dran" ist.
- Aufklärung bieten: Viele Mädchen wissen trotz Aufklärung in der Schule nicht richtig Bescheid. Mütter sollten das Thema Menstruation nicht aussparen und ihrer Tochter helfen, ihre weiblichen Besonderheiten zu schätzen.
Psychische Probleme bei Kindern
Wenn ein Kind psychische Probleme hat oder ein auffälliges Verhalten zeigt, braucht es fachkundige Hilfe und die einfühlsame Unterstützung in seinem Umfeld. Psychische Gesundheit ist ein beständiger Entwicklungsprozess. Mit jeder neuen Herausforderung muss das Gleichgewicht zwischen Anforderung und Mitteln zu deren Bewältigung neu gefunden oder ausgelotet werden. Jede Aufgabe, die ein Kind im Laufe seines Großwerdens bewältigen muss, bedeutet eine besondere Herausforderung - wenn es zum Beispiel in die Kita oder Schule kommt, der Umgang mit Freunden, Konflikten zu Hause. Manches davon kann es zunächst auch überfordern - denn es muss erst herausfinden, wie es mit etwas am besten umgeht.
Depressionen bei Jugendlichen
Ein Erfahrungsbericht zeigt, wie wichtig es ist, Depressionen bei Jugendlichen ernst zu nehmen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Bericht schildert den Leidensweg eines jungen Mannes, der seit seinem 12. Lebensjahr mit Depressionen lebt und erst im Alter von 22 Jahren die Diagnose erhielt. Er beschreibt die Schwierigkeiten, mit der Krankheit umzugehen, die Suche nach der richtigen Therapie und die Bedeutung von Medikamenten. Der Bericht macht Mut, sich Hilfe zu suchen und die Depression als Teil des Lebens anzunehmen.
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