Die Magen-Darm-Grippe, medizinisch als Gastroenteritis bezeichnet, ist eine Entzündung der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts. Sie wird meist durch Viren oder Bakterien verursacht, die durch Nahrungsmittel oder Getränke aufgenommen werden. Babys, Kleinkinder und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen. Obwohl der Begriff "Grippe" im Namen vorkommt, handelt es sich um eine andere Krankheit als die klassische Grippe (Influenza). Für beide Erkrankungen sind jeweils andere Erreger verantwortlich.
Ursachen und Ansteckung
Häufig wird eine Magen-Darm-Grippe von Viren oder Bakterien ausgelöst. Bei Kindern sind oft Noroviren oder Rotaviren die Ursache, während bei bakteriellen Infekten Erreger wie Campylobacter, Salmonellen oder spezielle Escherichia coli-Bakterien eine Rolle spielen. Diese Erreger greifen die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt an, gelangen über den Mund in den Magen, wandern weiter durch den Darm und vermehren sich dort, bevor sie mit dem Kot ausgeschieden werden.
Die Ansteckung erfolgt meist durch Schmierinfektion, bei der die Erreger aufgrund mangelnder Hygiene auf Lebensmittel, Türklinken oder andere Objekte gelangen und von dort in den Mund einer anderen Person. Auch eine Tröpfcheninfektion ist möglich, insbesondere bei Noroviren, die sich über die Luft verbreiten können. Zudem können tierische Produkte wie rohe Eier oder Milch mit Erregern wie Salmonellen oder EHEC kontaminiert sein.
Symptome und Verlauf
Von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit) können einige Stunden bis mehrere Tage vergehen. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, wässriger Durchfall, Bauchschmerzen und -krämpfe. Die Dauer der Beschwerden variiert, legt sich aber in der Regel nach zwei bis drei Tagen. Spätestens nach einer Woche sind die meisten Patienten beschwerdefrei.
Die Ansteckungsgefahr besteht, solange Symptome vorhanden sind, und kann auch vor Einsetzen des Brechdurchfalls sowie einige Tage nach Abklingen der akuten Beschwerden bestehen bleiben. Daher ist es wichtig, auf Hygienestandards zu achten und Gemeinschaftseinrichtungen erst zwei Tage nach Symptomfreiheit wieder zu besuchen.
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Diagnose
Zur Diagnose ist es wichtig, dass der Arzt über die bestehenden Beschwerden, den Verlauf der Erkrankung und eventuelle Vorerkrankungen informiert wird. Dies hilft, die Magen-Darm-Grippe von anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen und das Risiko für mögliche Komplikationen abzuschätzen. Bei Kindern ist es wichtig zu erfahren, ob kürzlich eine Nahrungsumstellung erfolgt ist.
Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf Anzeichen von Flüssigkeitsmangel (Dehydration). Bei Bedarf werden Laboranalysen durchgeführt, um den Krankheitserreger im Stuhl zu ermitteln oder weitere Untersuchungen wie eine Blutanalyse oder eine Darmspiegelung durchzuführen.
Behandlung
In den meisten Fällen heilt eine Magen-Darm-Grippe von selbst. Wichtig ist es, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch Erbrechen und Durchfall auszugleichen.
Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich
Es wird empfohlen, viel Tee (ohne Zucker) oder stilles Wasser zu trinken. Säfte oder Limonaden sind aufgrund ihres hohen Zuckergehalts nicht geeignet. Das Hausmittel Cola und Salzstangen ist ebenfalls nicht empfehlenswert, da es zu viel Zucker enthält und nicht alle Salze ersetzt, die der Körper verliert. Stattdessen können orale Rehydratationslösungen (ORL) aus der Apotheke verwendet werden, die Zucker und Salze in der notwendigen Zusammensetzung enthalten. Bei schwerer Austrocknung kann eine Flüssigkeitszufuhr über eine Infusion erforderlich sein.
Ernährung
Sobald der Zustand es zulässt, sollte man wieder kleine Mengen an Nahrung aufnehmen. In der akuten Phase ist eine Brühe gut geeignet. Nach und nach können Zwieback, Brot, Reisgerichte, Hafer- oder Grießbrei sowie Nudeln verzehrt werden. Fette Speisen sollten vermieden werden.
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Medikamente
Medikamente gegen Durchfall (Loperamid, Kohletabletten) sollten nur zurückhaltend eingesetzt werden, da sie die Ausscheidung der Erreger verzögern können. Der Wirkstoff Racecadotril kann die Dauer des Durchfalls reduzieren. Bei bakteriell verursachten Infektionen kann eine antibiotische Therapie die Erkrankungsdauer verkürzen, sollte aber nur in bestimmten Fällen eingesetzt werden. Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika verordnet werden, während bei krampfartigen Bauchschmerzen Spasmolytika wie Butylscopolamin helfen können.
Hausmittel
Die Symptome einer akuten Magen-Darm-Infektion können auch mit bewährten Hausmitteln gelindert werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Erkrankung keinen schweren Verlauf nimmt und frei von Komplikationen ist.
Gegen Durchfall
Flohsamenschalen und Leinsamen sind Quellstoffe, die im Darm aufquellen und den Stuhl verfestigen können. Auch der Verzehr eines geriebenen Apfels mit Schale wird bei Durchfall empfohlen, da das Pektin des Apfels Viren, Bakterien und deren Giftstoffe im Darm binden kann. Heilerde, Weißem Ton und Aktivkohle wird ebenfalls diese Wirkung zugesprochen. Vor der Einnahme von Adsorbentien sollte man sich beim Arzt oder Apotheker informieren, ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich sind.
Kräutertees
Teezubereitungen aus Heilkräutern können zahlreiche Beschwerden lindern. Fenchel- und Kamillentee beruhigen den Magen-Darm-Trakt und wirken entzündungshemmend. Teesorten mit hohem Anteil an Gerbstoffen wirken zusammenziehend auf die Schleimhaut im Darm und können gegen Durchfall helfen. Das sind beispielsweise Heidelbeertee (aus getrockneten Beeren), Brombeerblättertee sowie grüner und auch schwarzer Tee.
Wärme gegen Krämpfe
Bei Bauchkrämpfen hilft häufig Wärme. Wohltuend sind eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen. Man kann auch einen feuchten Waschlappen zwischen Bauch und Wärmflasche legen, um die Wirkung durch feuchte Wärme zu intensivieren. Wärme wirkt entspannend auf den Körper und kann Krämpfe lindern.
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Probiotika
Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Probiotika die Dauer von Durchfall verkürzen kann. Auch die häufigen Toilettengänge lassen sich während der Durchfallerkrankung deutlich reduzieren. Zum Wiederaufbau der Darmflora nach der Einnahme eines Antibiotikums leisten probiotische Mikroorganismen oft einen hilfreichen Beitrag.
Rezeptfreie Magen-Darm-Mittel
Apotheken bieten diverse rezeptfreie Präparate an, die bei Magen-Darm-Beschwerden helfen können. Viele davon basieren auf Heilpflanzen. So gibt es zum Beispiel Säfte, Tabletten und Tropfen auf Uzarawurzel-Basis. Diese Heilpflanze soll dank ihrer Inhaltsstoffe krampflösend wirken und außerdem die Darmtätigkeit reduzieren.
Wann sind Hausmittel sinnvoll?
Hausmittel gegen Magen-Darm-Grippe sind quasi sofort einsatzbereit: Ein ärztliches Rezept ist nicht nötig, und in den meisten Haushalten sind die jeweiligen "Zutaten" bereits vorhanden. Prinzipiell können bestimmte Hausmittel unangenehme Symptome wie den krankheitstypischen Durchfall reduzieren. Ob und wie gut Magen-Darm-Hausmittel im EInzelfall helfen, ist jedoch von Patient zu Patient verschieden. Richtig angewendet, schaden sie aber zumindest nicht. Was sie nicht können: Die Krankheitsdauer verkürzen.
Generell sollten Sie nur bei einer einfachen, unkomplizierten Magen-Darm-Grippe Hausmittel wie Heilerde oder Apfelpektin ausprobieren. Hausmittel haben jedoch ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden schwer sind, über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen!
Vorbeugung
Um einer Magen-Darm-Grippe vorzubeugen, ist es wichtig, auf Hygiene zu achten. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach dem Toilettengang und vor der Zubereitung von Speisen. Lebensmittel sollten ausreichend gekühlt und erhitzt werden. Auf Reisen sollte man auf die Qualität des Trinkwassers und der Lebensmittel achten und rohe Speisen vermeiden. Gegen das Rotavirus gibt es einen Impfstoff, der insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder empfohlen wird.