Magnet-Ohrringe gegen Migräne: Erfahrungen, Fakten und Alternativen

Viele Menschen, die unter Migräne leiden, suchen nach Wegen, um die Häufigkeit und Intensität ihrer Attacken zu reduzieren. Neben etablierten Methoden wie Biofeedback, Muskelentspannung und Akupunktur hat sich in den letzten Jahren eine neue Methode verbreitet: das Daith-Piercing. Eine weitere Option, die manchmal in diesem Zusammenhang genannt wird, sind Magnet-Ohrringe. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Magnet-Ohrringen und Daith-Piercings gegen Migräne, erklärt die Hintergründe und zeigt alternative Behandlungsmöglichkeiten auf.

Was ist Migräne und wie wird sie behandelt?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederholte, starke Kopfschmerzattacken äußert. Diese Attacken können von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Migräne kann den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen und zu Arbeitsausfällen und einem reduzierten Sozialleben führen.

Zur Behandlung von Migräne gibt es verschiedene Ansätze:

  • Medikamentöse Behandlung: Akutmedikamente wie Triptane und Schmerzmittel können bei einer akuten Attacke helfen. Zur Vorbeugung können Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden. Seit kurzem gibt es auch die Möglichkeit, Migräne mit Antikörpern vorzubeugen.
  • Nicht-medikamentöse Behandlung: Biofeedback, Muskelentspannung, Akupunktur und andere alternative Methoden können dazu beitragen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.

Magnetfeldtherapie: Wie funktioniert sie?

Die Magnetfeldtherapie ist eine alternative Behandlungsmethode, bei der Magnetfelder eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern und die Heilung zu fördern. Grundsätzlich werden zwei Arten unterschieden:

  • Statische Magnetfeldtherapie: Hier werden Dauermagnete direkt auf die betroffenen Körperstellen aufgelegt, beispielsweise in Form von Magnetpflastern, Bandagen, Armbändern oder Einlegesohlen.
  • Pulsierende Magnetfeldtherapie: Dabei wird ein künstliches Magnetfeld mithilfe von Strom erzeugt. Spulen, Röhren, Magnetkissen oder -matten werden eingesetzt, um die betroffenen Körperstellen einem schwachen magnetischen Feld auszusetzen. Eine besondere Form ist die transkranielle Magnetstimulation, bei der Magnetimpulse bestimmte Hirnareale reizen sollen.

Die pulsierende Magnetfeldtherapie findet meist im Sitzen oder Liegen statt. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 15 bis 30 Minuten und wird zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt. Es gibt auch Geräte für die Heimanwendung.

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Magnet-Ohrringe gegen Migräne: Was ist dran?

Magnet-Ohrringe werden oft als eine einfache Möglichkeit beworben, um Migräne zu lindern. Die Theorie dahinter ist, dass die Magneten bestimmte Akupunkturpunkte im Ohr stimulieren und so die Schmerzen reduzieren sollen.

Wissenschaftliche Evidenz: Es gibt jedoch kaum wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von Magnet-Ohrringen gegen Migräne. Die meisten Studien zu Magnetfeldtherapie konzentrieren sich auf andere Anwendungsbereiche, wie z.B. die Behandlung von Arthrose oder Rückenschmerzen. Ob Magnet-Ohrringe tatsächlich einen positiven Effekt auf Migräne haben, ist daher unklar.

Daith-Piercing gegen Migräne: Ein neuer Trend

Das Daith-Piercing ist ein Piercing, das durch den Knorpel über dem Gehörgang gestochen wird. Es basiert auf dem Prinzip der Akupunktur, bei dem bestimmte Punkte im Körper stimuliert werden, um Schmerzen zu lindern. Im Fall des Daith-Piercings wird ein Akupunkturpunkt im Ohr dauerhaft stimuliert.

Funktionsweise: Der Piercer macht den Akupunkturpunkt gegen Migräne im Ohr ausfindig und sticht dort das Piercing. Es gibt viele positive Erfahrungsberichte im Internet, aber die Meinungen sind geteilt.

Wissenschaftliche Evidenz: Von wissenschaftlicher Seite wird das Daith-Piercing nicht als medizinisches Heilmittel anerkannt. Es gibt keine Studien, die eine Wirkung nachweisen. Viele Ärzte und Migräne-Experten stehen dem Daith-Piercing äußerst skeptisch gegenüber. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. rät sogar dringend davon ab.

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Risiken: Neben der nicht nachweisbaren Wirkung birgt das Daith-Piercing auch mögliche Gesundheitsrisiken wie Infektionen, Entzündungen und Knorpelschäden.

Shen Men Piercing: Eine Alternative?

Das Shen Men Piercing ist ein weiteres Ohrpiercing, das in der Akupunktur-Community Aufmerksamkeit erregt hat. Es wird im oberen Bereich des Ohrs platziert, genauer gesagt im Bereich des Helix. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird dieser Punkt oft als "Tor zum Himmel" oder "Shen Men" bezeichnet. Einige behaupten, dass dieses Piercing bei Migräne, Depressionen und Angstzuständen helfen kann.

Wissenschaftliche Evidenz: Es gibt eine systematische Übersichtsarbeit (Zhang et al., 2020), die zeigt, dass Ohrakupunktur die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen reduzieren kann. Eine Studie von Michel-Cherqui et al. (Frontiers in Neurology, 2023) zeigt, dass Auriculotherapie die Häufigkeit von Kopfschmerzen signifikant reduzieren kann. Eine Clinical Trial NCT07024511 (2025) zeigt, dass Akupunktur Migränehäufigkeit reduzieren und Anfallsdauer verkürzen kann. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich alle Studien auf temporäre Akupunkturnadeln beziehen, NICHT auf permanente Piercings. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft rät ausdrücklich von Ohrpiercings zur Migränebehandlung ab. Viele positive Erfahrungsberichte könnten auf den Placebo-Effekt zurückzuführen sein.

Worauf sollte man bei Ohrpiercings achten?

Wenn man sich für ein Ohrpiercing entscheidet, sollte man folgende Punkte beachten:

  • Studioauswahl: Wähle ein professionelles Piercing-Studio mit erfahrenen Piercern. Achte auf Hygiene und Sterilisation der Instrumente.
  • Material: Der Schmuck sollte aus Chirurgenstahl, Titan, 14 Karat Gold oder PMFK Bioplast bestehen.
  • Pflege: Reinige das Piercing regelmäßig mit einer unparfümierten antibakteriellen Seife und einer Salzwasserlösung. Vermeide es, das Piercing zu berühren oder daran herumzuspielen.
  • Risiken: Sei dir der möglichen Risiken wie Infektionen, Abstoßung und Verletzungen bewusst.

Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne

Wenn Magnet-Ohrringe oder Daith-Piercings keine Option sind, gibt es viele andere bewährte Behandlungsmethoden gegen Migräne:

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  • Medikamentöse Therapie: Sprich mit deinem Arzt über die Möglichkeiten einer Akut- und Prophylaxebehandlung mit Medikamenten.
  • Akupunktur: Eine Akupunkturbehandlung durch einen erfahrenen Therapeuten kann helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
  • Biofeedback: Lerne, deine Körperfunktionen bewusst zu beeinflussen, um Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
  • Muskelentspannung: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und Migräne vorzubeugen.
  • Ernährung: Achte auf eine ausgewogene Ernährung und vermeide Triggerfaktoren wie Alkohol, Koffein oder bestimmte Lebensmittel.
  • Stressmanagement: Lerne, mit Stress umzugehen und ausreichend zu schlafen.

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