Die Frage, ob Magnetfelder, insbesondere starke statische Magnetfelder, ein Gesundheitsrisiko darstellen, ist Gegenstand fortlaufender Forschung und öffentlicher Diskussion. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit Gehirntumoren, einer schwerwiegenden Erkrankung, bei der neue Therapieansätze dringend benötigt werden. In diesem Artikel werden die potenziellen Risiken und Vorteile von Magnetfeldern im Zusammenhang mit Gehirntumoren untersucht, wobei sowohl epidemiologische Studien als auch innovative Behandlungsmethoden berücksichtigt werden.
Exposition gegenüber Magnetfeldern im Alltag und in der Medizin
Elektromagnetische Felder (EMF) durchdringen unseren Alltag, von natürlichen Quellen wie dem Erdmagnetfeld bis hin zu künstlichen Quellen wie Mobiltelefonen und Hochspannungsleitungen. Im medizinischen Bereich werden starke statische Magnetfelder in der Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt, einem bildgebenden Verfahren, das detaillierte Bilder des Körperinneren liefert. In der klinischen Praxis übliche MRT-Geräte arbeiten mit magnetischen Flussdichten von 1,5 oder 3 Tesla (T). In der Forschung werden bereits Geräte mit noch höheren Feldstärken von 7 und 11,7 Tesla an gesunden Probanden getestet, mit dem Ziel, diese zukünftig auch in der medizinischen Diagnostik einzusetzen.
Die Exposition gegenüber EMF hat Bedenken hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen aufgeworfen, insbesondere im Hinblick auf das Krebsrisiko. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat in Forschungsvorhaben untersucht, ob starke statische Magnetfelder gesundheitliche Auswirkungen auf Patienten oder medizinisches Personal haben.
Epidemiologische Studien zu EMF und Krebsrisiko
Epidemiologische Studien untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen EMF-Exposition und dem Auftreten von Krebs besteht. Eine frühe Beobachtung deutete darauf hin, dass Leukämie bei Kindern, die in der Nähe von Stromleitungen aufwachsen, möglicherweise häufiger vorkommt. Diese Ergebnisse konnten jedoch in späteren Studien nicht eindeutig bestätigt oder widerlegt werden.
Im Zusammenhang mit hochfrequenten Feldern, wie sie von Mobiltelefonen ausgesendet werden, haben einige Studien an Menschen, die bereits in jungen Jahren und über lange Zeiträume Mobiltelefone genutzt hatten, Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Gehirntumore gefunden. Diese Daten wurden jedoch innerhalb der Expertenkommission der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) kontrovers diskutiert. Trotzdem stufte die IARC hochfrequente Felder vorsichtshalber als "möglicherweise krebserregend" ein (Kategorie 2b). Es ist wichtig zu betonen, dass diese Einstufung nicht bedeutet, dass ein Krebsrisiko als gesichert gilt. Beispiele für Krebsrisiken der Kategorie 1 (krebserregend für den Menschen) sind Asbest oder Tabak.
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Eine dänische Kohortenstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen Handynutzung und Krebserkrankungen im Kopfbereich, da hier die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern am größten ist. Bisherige Studien liefern keine belastbaren Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch Handynutzung, obwohl die Aussagekraft dieser Studien zum Teil durch kurze Latenzzeiten eingeschränkt ist.
Die INTERPHONE-Studie, eine internationale Fall-Kontroll-Studie, untersuchte ebenfalls ein mögliches Risiko für die Entstehung von Hirntumoren durch den Gebrauch von Mobiltelefonen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit mehr als 5.000 Studien kommt zu dem Schluss, dass weder häufige noch jahrzehntelange Handynutzung das Risiko für Hirntumore oder andere Kopf-Tumoren erhöht.
Die MOBI-Kids-Studie, eine große multinationale Studie, untersuchte den Zusammenhang zwischen Hirntumoren und der Nutzung von drahtlosen Telefonen bei Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse dieser Studie sprechen dafür, dass die Benutzung von Mobiltelefonen bzw. schnurlosen Telefonen das Risiko für Hirntumoren bei Jugendlichen nicht erhöht. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass aufgrund möglicher Verzerrungsquellen ein kleiner Risikoanstieg auf Basis dieser Studienergebnisse nicht völlig ausgeschlossen werden kann.
Innovative Therapieansätze: Magnetische Nanopartikel-Hyperthermie
Neben der Untersuchung potenzieller Risiken werden Magnetfelder auch in innovativen Therapieansätzen zur Behandlung von Gehirntumoren eingesetzt. Ein vielversprechender Ansatz ist die magnetische Nanopartikel-Hyperthermie, bei der Nanopartikel in den Tumor injiziert und anschließend durch ein Magnetfeld erhitzt werden, um die Krebszellen abzutöten.
Der Berliner Biologe Andreas Jordan hat eine Methode entwickelt, bei der Nanokügelchen mit einem Eisenoxidkern in den Tumor gespritzt und anschließend in einem Magnetfeld erhitzt werden. Die Nanopartikel sind nur etwa 15 Nanometer groß und haben die Eigenschaft, sich in einem Magnetfeld stark zu erhitzen. Durch den ständigen Wechsel des Magnetfeldes heizen sich die Kügelchen auf bis zu 70 Grad Celsius auf, was die Tumorzellen abtötet.
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Die Thermotherapie, also die Hitzebehandlung von Krebs, ist ein seit langem verfolgtes Konzept. Bisherige Versuche scheiterten jedoch oft daran, dass der Großteil der Hitze von der Körperoberfläche aufgenommen wurde, was zu Verbrennungen führte. Die magnetische Nanopartikel-Hyperthermie ermöglicht eine gezieltere Erwärmung des Tumors, wodurch die umliegenden Gewebe geschont werden.
Jordan behandelte im Rahmen einer ersten klinischen Studie 14 Patienten mit einem bösartigen Gehirntumor. Die Ärzte konnten zeigen, dass die Therapie grundsätzlich auch beim Menschen anwendbar ist. Eine Patientin lebte fünf Jahre nach der Therapie tumorfrei, obwohl bei ihrer Erkrankung eine Lebenserwartung von wenigen Monaten normal gewesen wäre. Derzeit laufen weitere Studien, um die Wirksamkeit dieser Therapieform bei verschiedenen Krebsarten zu untersuchen.
Tumortherapiefelder (TTFields)
Eine weitere innovative Therapieform, die Magnetfelder nutzt, sind die Tumortherapiefelder (TTFields). Diese Therapie basiert auf der Beobachtung, dass rasch wechselnde elektrische Felder die Zellteilung verhindern, indem sie die Spindelbildung in der Mitose stören.
Bei der TTFields-Therapie trägt der Patient eine Haube mit Keramik-Gel-Pads, die elektrische Wechselfelder an das Gehirn abgeben. Eine Phase-3-Studie mit Patienten mit Glioblastom, dem häufigsten und aggressivsten Hirntumor, zeigte, dass die TTFields-Therapie in Kombination mit einer Chemotherapie das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben verlängern kann.
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