Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis: Symptome, Ursachen und Komplikationen

Masern sind eine hochansteckende Virusinfektion, die weltweit verbreitet ist und potenziell schwere Komplikationen verursachen kann. Obwohl die Masernimpfung die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle deutlich gesenkt hat, treten immer wieder Ausbrüche auf, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Eine der seltenen, aber gefürchteten Komplikationen ist die Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE), eine besondere Form der Gehirnentzündung.

Was sind Masern?

Masern sind eine hoch ansteckende Virusinfektion, die durch das Masernvirus verursacht wird. Sie beginnt meist mit grippeähnlichen Beschwerden, bevor sich der typische Masern-Ausschlag entwickelt. In den meisten Fällen heilen Masern problemlos von allein aus. Manchmal kommt es aber auch zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündung oder einer gefährlichen Gehirnentzündung. Anfällig dafür sind besonders kleine Kinder und Erwachsene.

Die Übertragung der Masernviren erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion: Infizierte verteilen beim Sprechen, Husten und Niesen winzige virushaltige Sekrettröpfchen in der Umgebungsluft. Andere Menschen können diese einatmen: Sobald die Viren in den Sekrettröpfchen Kontakt mit den Schleimhäuten in den Atemwegen haben, können sie das neue „Opfer“ infizieren. Mit Masern kann man sich aber auch durch den direkten Kontakt mit infektiösem Sekret aus Nase und Rachen von Infizierten anstecken. Das passiert zum Beispiel, wenn man das Besteck oder Trinkglas von Infizierten benutzt.

Symptome von Masern

Masern verlaufen in zwei Krankheitsstadien (Vorläufer- und Hauptstadium) mit zwei Fieberschüben und weiteren Symptomen:

Vorläuferstadium (Prodromalstadium oder katarrhalisches Stadium)

Typische Masern-Symptome in diesem Stadium sind:

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  • Husten
  • Fieber
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum
  • Tränende und gerötete Augen (Bindehautentzündung) mit Lichtempfindlichkeit
  • Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung sind möglich

Typisch für Masern im Frühstadium sind auch die sogenannten Koplik-Flecken auf der Mundschleimhaut: Das sind kalkspritzerartige weiße Flecken auf hochroter Schleimhaut. Sie bilden sich bevorzugt an der Wangenschleimhaut.

Das Vorläuferstadium dauert etwa drei bis fünf Tage. Gegen Ende sinkt das Fieber zunächst wieder.

Hauptstadium (Exanthemstadium)

Im Hauptstadium steigt das Fieber erneut steil an. Es entwickelt sich der typische Masern-Ausschlag: unregelmäßige bräunlich-rosafarbene Flecken, einzeln und zusammenfließend. Sie bilden sich zuerst hinter den Ohren und breiten sich dann über den ganzen Körper aus.

Weitere häufige Symptome sind Appetitmangel und ein starkes Krankheitsgefühl.

Nach vier bis sieben Tagen verblassen die Masern-Flecken wieder (parallel zum Abklingen des Fiebers). Hinterher beobachtet man meist eine kleieförmige Abschuppung der Haut. Auch die anderen Beschwerden klingen ab.

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Masern können auch mit Bauchschmerzen einhergehen. Zudem haben Erkrankte geschwollene Lymphknoten in mindestens zwei nicht benachbarten Körperregionen, zum Beispiel am Hals und in der Leiste.

Komplikationen von Masern

Eine Infektion mit dem Masernvirus löst eine vorübergehende Immunschwäche aus. Diese kann auch noch Monate bis möglicherweise Jahre nach der Masern-Infektion bestehen.

Die Betroffenen sind aufgrund der geschwächten Körperabwehr anfälliger für andere Infektionen. So kann eine Masern-Infektion diverse Komplikationen nach sich ziehen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Bronchitis
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Durchfall-Erkrankungen
  • Pseudokrupp mit besonders nachts auftretenden Anfällen von trockenem, bellendem Husten und Atembeschwerden (bis hin zu Atemnot)

Selten sind foudroyant (toxisch) verlaufende Masern: Die betroffenen Patienten entwickeln unter anderem Haut- und Schleimhautblutungen. Die Sterblichkeit bei dieser Masern-Komplikation ist hoch!

Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Eine weitere seltene, aber gefürchtete Masern-Komplikation ist eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Sie macht sich etwa vier bis sieben Tage nach Beginn des Masern-Ausschlags mit Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen (bis hin zu Koma) bemerkbar.

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Eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) im Rahmen einer Masern-Infektion führt in rund zehn bis 20 Prozent der Fälle zum Tod. Weitere 20 bis 30 Prozent der Betroffenen tragen bleibende Schäden am zentralen Nervensystem davon.

Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)

Eine sehr seltene Spätkomplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese chronische Gehirnentzündung tritt im Schnitt sechs bis acht Jahre nach der Masern-Infektion auf: Ins Gehirn eingedrungene Masernviren vermehren sich, was irreversible Nervenschäden verursacht.

Das zeigt sich zunächst an Verhaltensänderungen. Im weiteren Verlauf kommen neurologische Störungen wie Muskelzuckungen und Krampfanfälle sowie Nervenausfälle hinzu. Im Endstadium versagen alle Hirnfunktionen - die Betroffenen sterben.

Von 100.000 Masern-Patienten entwickeln durchschnittlich vier bis elf eine SSPE. Besonders anfällig für diese Spätfolge der Masern sind Kinder unter fünf Jahren. In dieser Altersgruppe gibt es schätzungsweise 30 bis 60 SSPE-Fälle pro 100.000 Masern-Erkrankungen.

Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE)

Bei Menschen mit primärer oder sekundärer Immunschwäche können die Masern besonders schwer, untypisch und teilweise tödlich verlaufen. Besonders schwere Komplikationen, die sich hierbei entwickeln können, sind:

  • Riesenzellpneumonie: eine fortschreitende Form von Lungenentzündung
  • Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE): eine besondere Form von Gehirnentzündung

Die Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE) ist eine seltene, akut progrediente Masernvirus-assoziierte Gehirnentzündung. Risikopersonen sind Patienten mit verminderter Immunkompetenz (angeboren oder erworben). Bei der Maserneinschlusskörper-Enzephalitis kommt es meist innerhalb eines Jahres nach der Masernerkrankung zu schwer kontrollierbaren fokalen epileptischen Anfällen. Bis zu 30 Prozent der Patienten versterben innerhalb weniger Monate. An dieser Erkrankung sterben etwa drei von zehn Patienten.

Ursachen und Risikofaktoren

Masern werden durch das hoch ansteckende Masernvirus hervorgerufen. Der Erreger gehört zur Familie der Paramyxoviren und ist weltweit verbreitet. Seine Gefährlichkeit ist nicht zu unterschätzen:

Masern sind weltweit die häufigste Todesursache bei durch Impfung vermeidbaren Erkrankungen im Kindesalter. Im Jahr 2021 starben global schätzungsweise 128.000 Menschen an einer Masern-Infektion - hauptsächlich nicht oder nur unzureichend geimpfte Kinder unter fünf Jahren.

Durch die Einführung der Masern-Impfung konnte die weltweite Zahl an Erkrankungen und Todesfällen durch Masern deutlich gesenkt werden. In den letzten Jahren nahmen die Masernfälle aber wieder deutlich zu - auch in der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Dabei beobachtet man seit einigen Jahren, dass zunehmend Jugendliche und (junge) Erwachsene von der „Kinderkrankheit“ betroffen sind.

Diagnose

Die Krankheitssymptome, vor allem der Ausschlag, geben einen wichtigen Hinweis auf Masern. Allerdings gibt es einige Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, etwa Röteln, Ringelröteln und Scharlach. Um eine Verwechslung zu verhindern, muss deshalb eine Laboruntersuchung den Masern-Verdacht bestätigen. Dabei kommen verschiedene Tests in Frage:

  • Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen Masernviren: Dazu untersucht man eine Blutprobe des Patienten (bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung eventuell auch eine Probe des Nervenwassers = Liquor).
    • Masernspezifische Antikörper der Klasse IgM sind meist ab dem Auftreten des Ausschlags im Blut nachweisbar; mehrere Tage später tauchen dann auch Antikörper der Klasse IgG im Blut von Infizierten auf.
  • Nachweis des Masernvirus-Erbguts (RNA): Dazu sucht man in einer Urinprobe oder einem Rachenabstrich nach Spuren der Masernvirus-RNA. Gefundene Erbgut-Schnipsel lassen sich mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigen und eindeutig identifizieren.

Das Probenmaterial für die Untersuchung kann ab Symptombeginn bis spätestens eine Woche nach Beginn des Ausschlags gewonnen werden.

Fällt das PCR-Ergebnis negativ aus (keine Masernvirus-RNA nachweisbar), schließt das eine akute Masern-Infektion nicht sicher aus. Deshalb ist zusätzlich ein Test auf spezifische Antikörper gegen den Erreger sinnvoll.

Sobald sich erste Symptome einer möglichen Masern-Infektion zeigen, sollte man einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen (wegen der hohen Ansteckungsgefahr die Arztpraxis unbedingt vorher telefonisch kontaktieren!).

Behandlung

Eine spezifische Therapie gegen Masern gibt es nicht. Es lassen sich aber die Symptome lindern und den Heilungsprozess unterstützen.

Dabei hilft Bettruhe in einem abgedunkelten Raum. Letzteres ist sinnvoll, weil eine mit Masern einhergehende Bindehautentzündung die Augen lichtempfindlich macht.

Steigt das Fieber auf über 39 Grad an, kommen fiebersenkende Maßnahmen wie Wadenwickel und fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol) in Betracht.

Der Husten lässt sich bei Bedarf mit einem geeigneten Hustenmittel (Schleimlöser oder Hustenblocker) lindern.

Besprechen Sie die Anwendung von Medikamenten (gegen Fieber, Husten) bei Masern zuerst mit einem Arzt oder einer Ärztin!

Hat sich zusätzlich zur Masern-Infektion eine bakterielle Infektion entwickelt (etwa in Form einer Mittelohr- oder Lungenentzündung), verschreiben Mediziner meist Antibiotika.

Zieht die Masern-Erkrankung Komplikationen wie eine Gehirnentzündung nach sich, ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig!

Vorbeugung

Die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung von Masern und ihren Komplikationen ist die Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine zweifache Impfung gegen Masern im Kindesalter. Auch Erwachsene, die nach 1970 geboren sind und keinen ausreichenden Impfschutz haben, sollten sich impfen lassen.

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