Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Während es keine Heilung für Parkinson gibt, können verschiedene Behandlungen helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. In den letzten Jahren hat das Interesse an natürlichen Heilmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung der Parkinson-Behandlung zugenommen. Ein solches Naturprodukt ist Mate Tee, ein traditionelles südamerikanisches Getränk, das für seine anregenden und gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt ist. Dieser Artikel untersucht die potenziellen Vorteile von Mate Tee bei Parkinson, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und traditionellen Anwendungen.
Was ist Mate Tee?
Mate Tee (auch Yerba Mate genannt) ist ein traditionelles südamerikanisches Getränk, das aus den Blättern des Matebaums (Ilex paraguariensis) hergestellt wird. Dieser immergrüne Baum ist in Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien heimisch, wobei die ersten beiden Länder sowie Argentinien als Hauptanbaugebiete gelten. Mate Tee ist tief in der südamerikanischen Kultur verwurzelt und wird oft als Nationalgetränk betrachtet. Er wird traditionell in einer Gruppe, aus einem Gefäß (Kalebasse) und durch einen Metallstrohhalm mit einem Filter am unteren Ende (Bombilla) getrunken.
Inhaltsstoffe und Wirkung von Mate Tee
Yerba Mate enthält eine Vielzahl von bioaktiven Verbindungen, die für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften verantwortlich sind. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören:
- Xanthine: Diese Verbindungen, insbesondere Koffein, wirken als Stimulanzien und tragen zur anregenden Wirkung von Mate Tee bei. Mit etwa 80 Milligramm Koffein pro Tasse enthält Mate Tee etwa die gleiche Menge Koffein wie eine Tasse Kaffee. Koffein kann die Konzentration bestimmter Signalmoleküle im Gehirn beeinflussen, wodurch es sich besonders positiv auf die geistige Konzentration auswirkt.
- Antioxidantien: Yerba Mate ist reich an antioxidativen Verbindungen wie Caffeoylderivaten und Polyphenolen. Diese Antioxidantien können vor Zellschäden durch freie Radikale schützen und somit das Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen, einschließlich Herzerkrankungen, verringern.
- Mikronährstoffe: Mate Tee enthält auch mehrere wichtige Mikronährstoffe, darunter Vitamin C, Thiamin, Riboflavin und Vitamin B6. Es enthält außerdem etwas Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Mangan und Eisen.
Die Wirkung von Mate Tee ist vielfältig und umfasst:
- Anregung des zentralen Nervensystems: Das Koffein in Mate Tee wirkt anregend auf das zentrale Nervensystem, wodurch Müdigkeit reduziert, die Konzentration verbessert und die geistige Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann.
- Stimmungsaufhellung: Koffein erhöht die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin, was zu Glücksgefühlen führen kann. Daher wird Mate Tee oft als "Getränk der Freundschaft" und "Getränk des Glücks" bezeichnet.
- Appetitzügelung: Bitterstoffe in Mate Tee können den Appetit dämpfen, was bei der Gewichtskontrolle hilfreich sein kann.
- Stoffwechselanregung: Das Koffein in Mate Tee kann den Stoffwechsel ankurbeln und die Fettverbrennung fördern.
- Cholesterinsenkung: Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von Mate Tee den Cholesterinspiegel senken kann, insbesondere das LDL-Cholesterin (schlechtes Cholesterin).
Mate Tee und Parkinson: Potenzielle Vorteile
Die Verbindung von Mate Tee mit Dopamin hat zu Studien und Schlussfolgerungen geführt, wonach das Guarani-Getränk von entscheidender Bedeutung für die Vorbeugung und Verringerung der Folgen der Parkinson-Krankheit sein kann, die unter anderem durch Dopaminmangel verursacht wird.
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Eine randomisierte Studie in Neurology (2012) ergab, dass Koffein bei Patienten mit Morbus Parkinson die motorischen Symptome lindern kann. Koffein ist ein nicht selektiver Antagonist am Adenosin2A-Rezeptor, der im Gehirn im Striatum exprimiert wird. Er hat dort eine gegenteilige Wirkung wie Dopamin.
Die Teilnehmer der Studie hatten mindestens 10 von 18 Punkten auf der Epworth Sleepiness Scale angegeben. Die Unified Parkinson’s Disease Rating Scale besserte sich um fast 5 Punkte, was vor allem auf eine Linderung der motorischen Symptome zurückzuführen war.
Darüber hinaus deuten einige Studien darauf hin, dass bestimmte Verbindungen in Yerba Mate eine Wirkung als Monoaminoxidase-Hemmer (MAOI) haben. MAO-Hemmer werden häufig zur Behandlung von Depressionen und der Parkinson-Krankheit verschrieben.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Forschung zu Mate Tee und Parkinson noch begrenzt ist und weitere Studien erforderlich sind, um die potenziellen Vorteile und Risiken vollständig zu verstehen.
Anwendung von Mate Tee
Mate Tee wird traditionell in einem Kürbis (Kalebasse) zubereitet. Um Mate zuzubereiten, füllen Sie das untere Drittel der Kalebasse mit getrockneten oder gerösteten Mate-Blättern, bevor Sie heißes Wasser (nicht kochend) hinzufügen. Getrunken wird der Tee dann mit der Bombilla.
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Für die Tee-Zubereitung übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel Mateblätter mit 150 Milliliter kochendem Wasser und lassen den Aufguss abgedeckt ziehen. Je nach Geschmack seihen Sie die Blätter nach drei bis zehn Minuten ab. Dabei gilt: Je kürzer Sie den Tee ziehen lassen, desto stärker ist die anregende Wirkung.
Sie können ein- bis dreimal täglich eine Tasse Matetee trinken. Allerdings besser nicht abends, weil es sonst zu Schlafstörungen kommen kann.
Mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Yerba Mate ist im Allgemeinen sicher für gesunde Erwachsene, die ihn gelegentlich trinken. Es wird oft bei sehr heißen Temperaturen konsumiert. Allerdings gibt es einige potenzielle Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
- Koffeingehalt: Yerba Mate enthält Koffein. Schwangere Frauen sollten ihre Aufnahme auf maximal 355 ml pro Tag beschränken. Zu viel Koffein kann zu Unruhe, Schlafstörungen und Magenbeschwerden führen.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Aufgrund seines Koffeingehalts kann Mate Tee auch mit bestimmten Muskelrelaxantien oder Antidepressiva interagieren. Vorsicht geboten ist bei der gleichzeitigen Einnahme von MAO-Hemmern (Mittel gegen Depressionen) oder Sympathomimetika, zum Beispiel verschiedene kreislaufanregende Mittel, Asthma-Medikamente, Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, aber auch Amphetamin und Kokain.
- Krebsrisiko: Im Zusammenhang mit Mate-Tee wird ein erhöhtes Risiko für Krebs in der Mundhöhle und Speiseröhre diskutiert. Unklar ist, ob die übliche hohe Trinktemperatur oder der Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) krebserregend sein soll. Vorsichtshalber sollten Sie Mate-Tee nicht dauerhaft, zu häufig und/oder zu hoch konzentriert trinken.
- Kontraindikationen: In folgenden Fällen darf kein Mate-Tee getrunken werden: Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), behinderter Harnabfluss, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Weitere wichtige Hinweise zu Wechselwirkungen mit Medikamenten und Lebensmitteln
Es ist wichtig zu beachten, dass Mate Tee, wie auch andere Lebensmittel und Getränke, die Wirkung von bestimmten Medikamenten beeinflussen kann. Hier sind einige allgemeine Hinweise zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und Lebensmitteln, die bei der Einnahme von Medikamenten beachtet werden sollten:
- Alkohol: Alkohol ist Störfaktor Nummer Eins, wenn es um Wechselwirkungen mit Arzneimitteln geht. Vor allem bei Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Antidepressiva oder anderen Psychopharmaka ist mit Problemen zu rechnen. Alkohol verändert den Stoffwechsel, sodass die in den Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe langsamer abgebaut werden. Wirkungen und Nebenwirkungen können somit länger anhalten. Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu Vergiftungen kommen. Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Paracetamol und Alkohol geboten. Der Alkohol verstärkt die leberschädigenden Wirkungen des Medikaments mit möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen.
- Koffein: Koffein erhöht den Blutdruck. Aus diesem Grund sollte auch auf andere Koffeinquellen wie Schwarz-, Grün- oder Matetee und Cola verzichtet werden, wenn bestimmte Antibiotika, insbesondere Gyrasehemmer, gleichzeitig eingenommen werden. Der Körper kann das Koffein dann schlechter abbauen.
- Tee: Die Gerbsäure in schwarzem Tee behindert die Aufnahme vieler Arzneistoffe ganz erheblich. Beispielsweise wird Eisen fest gebunden. Das hat zur Folge, dass es verstärkt ausgeschieden wird, statt über die Darmwand in den Blutkreislauf zu gelangen. Die um zwei Stunden versetzte Einnahme löst das Problem.
- Kalzium: Viele Arzneimittel wirken in Verbindung mit Kalzium deutlich schlechter, das zum Beispiel in Quark, Joghurt und Milch enthalten ist. Vor allem Antibiotika sind davon betroffen, denn die Wirksubstanz des Antibiotikums bindet sich im Darm an Kalzium. Diese Verbindung kann nicht mehr vollständig aufgenommen werden, sodass zu viel Wirkstoff im Darm verbleibt und ausgeschieden wird. An den Tagen, an denen gegen die Osteoporose Bisphosphonate eingenommen werden, muss jedoch konsequent mindestens eine Stunde vor und mindestens zwei Stunden nach der Mahlzeit auf die Einnahme von Kalzium-haltigen Produkten verzichtet werden. Der Körper kann die Wirkstoffe sonst nicht verwerten.
- Grapefruit: Bereits vier Stunden nach der Einnahme von Grapefruit oder Grapefruitsaft verhält sich der Stoffwechsel in Hinblick auf die Wirkung vieler Arzneimittel fast unkalkulierbar. Dieser Effekt bleibt auch über viele Stunden bestehen, sodass eine zeitversetzte Einnahme alleine nicht ausreicht. Daher gilt: Grapefruit sollte bei der Einnahme von Arzneimitteln besser komplett gemieden werden.
- Lakritz: Bluthochdruckpatienten müssen bei größeren Mengen Lakritz aufpassen. Es kommt zu einer Veränderung des Mineralstoffwechsels mit Natriumanreicherungen und Kaliumverlusten. Die Folge: Ödeme, also Wassereinlagerungen im Gewebe und Muskelschwäche.
- Mineralwasser: Einige Patienten kaufen extra mit Kalzium und Eisen angereichertes Mineralwasser, um sich etwas Gutes zu tun. Doch viele Arzneimittel reagieren auf diese Mineralstoffe mit Wirkungsminderung. So kann zum Beispiel die Wirksamkeit von Osteoporosemitteln und Schilddrüsenpräparaten beeinträchtigt werden. Arzneimittel nimmt man daher am besten mit Leitungswasser ein.
- Vitamin K: Vitamin K benötigt der Körper für die Blutgerinnung. Diese Eigenschaft macht man sich zunutze, um die Wirkweise von Vitamin K gezielt zu blockieren und die Blutgerinnung zu reduzieren. Patienten, die gerinnungshemmende Medikamente, also Blutverdünner, einnehmen, sollten deshalb auf ihre Ernährung achten: Vitamin-K-reiche Lebensmittel wie Salat, Spinat, Grünkohl oder Rosenkohl, setzen die Wirkung dieser Arzneimittel herab.
Bei Unsicherheiten bezüglich Wechselwirkungen sollten Patienten sich immer von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen.
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