Intensitätstechniken im Kraftsport sind ein viel diskutiertes Thema, insbesondere im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem (ZNS). Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Maximalkraftübungen und Intensitätstechniken unter Berücksichtigung der ZNS-Belastung, um ein umfassendes Verständnis für die Trainingsgestaltung zu ermöglichen.
Einführung in Intensitätstechniken und das ZNS
Im Kraftsport, insbesondere im Bodybuilding und in Disziplinen, die auf Muskelaufbau abzielen, erfreuen sich "Intensitätstechniken" oder "fortgeschrittene Trainingstechniken" großer Beliebtheit. Diese Techniken werden auch vereinzelt in den Trainingszielen Kraftausdauer und Maximalkraft eingesetzt. Durch Variation der Satzgestaltung bzw. Art und Weise der Durchführung einer Wiederholung soll durch eine besonders "ausbelastende" Reizsetzung eine Steigerung bzw. Intensivierung der muskulären Anpassung erzielt werden.
Das zentrale Nervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark, spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Muskelkontraktion und somit bei der Leistungsfähigkeit im Sport. Es fungiert als Kontrollsystem des Körpers, das Informationen von Rezeptororganen (z.B. Muskeln) empfängt, auswertet und an die Effektororgane (z.B. Muskeln) zurücksendet. Ermüdung des ZNS kann sich negativ auf die sportliche Leistung auswirken, indem es die Fähigkeit zur Muskelrekrutierung und -kontraktion beeinträchtigt.
Intensitätstechniken im Detail
Intensitätstechniken sind Variationen im Rahmen etablierter bzw. klassischer Trainingsmethoden auf der Ebene der Satzgestaltung oder der Gestaltung einzelner Wiederholungen. Sie dienen dazu, die Muskeln stärker zu fordern und das Muskelwachstum anzuregen.
Arten von Intensitätstechniken
Es gibt eine Vielzahl von Intensitätstechniken, die sich in ihrer Anwendung und Wirkung unterscheiden. Einige Beispiele sind:
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- Supersätze: Unmittelbares Ausführen von Sätzen für unterschiedliche Muskelgruppen ohne Pause. Antagonistische Supersätze trainieren Gegenspieler (z.B. Bankdrücken und Klimmzüge).
- Verbundsätze, Compound Sätze, Gigantensätze, Mammutsätze: Mehrere Übungen für dieselbe Muskelgruppe ohne wesentliche Pause hintereinander.
- Reduktionssätze (Drop Sets): Reduzierung des Trainingsgewichts nach Erreichen des Muskelversagens, um weitere Wiederholungen auszuführen.
- Shockwave Sets: 20 Wiederholungen aufgeteilt auf 5 Minisätze hintereinander absolviert, wobei die Crux an der Geschichte ist, dass das genutzte Trainingsgewicht von Minisatz zu Minisatz ansteigt.
- Muskelversagen: Training bis zum Punkt, an dem keine weitere Wiederholung möglich ist.
- Intensitäts-Pausen-Training: Kurze Pausen während eines Satzes, um weitere Wiederholungen zu ermöglichen.
- 21er Sätze: Teilwiederholungen über verschiedene Bewegungsbereiche.
- Riesensätze: Mehrere Sätze für eine große Muskelgruppe ohne Pause.
- Vorermüdung: Isolationsübungen vor komplexen Übungen, um die Zielmuskulatur vorab zu ermüden.
- Super Slow: Extrem langsames Ausführen der Wiederholungen.
- Abfälschen (Cheating): Nutzung von Schwung, um die Bewegung zu unterstützen.
- Erzwungene Wiederholungen: Hilfe durch einen Trainingspartner, um nach dem Muskelversagen noch weitere Wiederholungen zu schaffen.
- Teilwiederholungen: Ausführung der Wiederholungen nur über einen Teil des Bewegungsradius.
- FST-7 (Fascia Stretch Training): Training mit Fokus auf den Pump und Dehnung der Faszien.
- Negative Wiederholungen: Fokus auf die exzentrische (negative) Phase der Bewegung.
- Spitzenkontraktion: Maximale Anspannung des Muskels in der Endposition.
- Myo Reps: Spezielle Satzstruktur mit Aktivierungssatz und mehreren Myo Reps bis zum Muskelversagen.
- mTor Sätze: Negativsätze zur Steigerung der Proteinsynthese.
Auswirkungen auf das ZNS
Intensitätstechniken können eine erhebliche Belastung für das ZNS darstellen. Dies ist insbesondere der Fall bei Techniken, die bis zum Muskelversagen oder darüber hinaus gehen, da sie eine maximale Rekrutierung von Muskelfasern und eine hohe neuronale Aktivität erfordern.
Faktoren, die die ZNS-Belastung beeinflussen:
- Trainingsvolumen: Ein höheres Trainingsvolumen pro Trainingseinheit führt zu einer längeren Reduktion der Kraft.
- Übungsauswahl: Mehrgelenksübungen (Grundübungen) führen zu einer stärkeren ZNS-Erschöpfung als Isolationsübungen.
- Bewegungsradius: Übungen mit einem großen Bewegungsradius und hoher Spannung bei Muskeldehnung können zu einer länger anhaltenden Erschöpfung führen.
- Belastungsintensität: Sehr schwere Gewichte (über 85 % der Maximalkraft) aktivieren die Typ-II-Muskelfasern bereits ab der ersten Wiederholung, was zu einer höheren ZNS-Belastung führen kann.
Regeneration und Trainingsplanung
Um die Auswirkungen der ZNS-Belastung zu minimieren und ein Übertraining zu vermeiden, ist eine sorgfältige Trainingsplanung und ausreichend Regeneration entscheidend.
Empfehlungen für die Trainingsplanung:
- Periodisierung: Zyklische Variation von Trainingsvolumen und Intensität, um das ZNS nicht dauerhaft zu überlasten.
- Übungsauswahl: Berücksichtigung der ZNS-Belastung bei der Auswahl der Übungen. Bei hoher Trainingsfrequenz sollten Übungen gewählt werden, die den geringsten Grad langanhaltender Erschöpfung auslösen.
- Pausenzeiten: Ausreichend lange Pausen zwischen den Sätzen (2-3 Minuten für Maximalkraft, 1,5-3 Minuten für Muskelaufbau), um die ATP- und Kreatinphosphat-Speicher wieder aufzufüllen und das Nervensystem zu regenerieren.
- Regenerationsphasen: Einplanung von Regenerationsphasen von 48 Stunden zwischen hochintensiven Workouts.
- Schlaf und Ernährung: Ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung zur Unterstützung der Regeneration.
Die Rolle des ZNS bei der Muskelkontraktion und sportlichen Leistung
Das ZNS spielt eine entscheidende Rolle bei der Steigerung der sportlichen Leistung, insbesondere im Hinblick auf Schnelligkeit und Schnellkraft. Es steuert die Muskelrekrutierung, die Geschwindigkeit der Signalübertragung und die Koordination der Muskeln.
Mechanismen der ZNS-Beteiligung:
- Erregung und Hemmung: Das ZNS reguliert die Muskelaktivität durch Erregung und Hemmung. Eine Ermüdung des ZNS verlangsamt die Erregungsgeschwindigkeit, insbesondere bei den schnellzuckenden (FT) Fasern.
- Potenzierung: Sprints vor einem Gewichtstraining oder Plyometrie-Übungen können die Leistung bei der anschließenden Tätigkeit steigern, indem sie die Feuerung der Muskeln potenzieren.
- Maximale Muskelkontraktion: Das ZNS muss in optimalem Zustand sein, um eine maximale Muskelkontraktion zu ermöglichen. Dies erfordert einen erheblichen mentalen und physischen Aufwand sowie eine maximale neuronale Stimulation.
Praktische Anwendung: Übungsauswahl und Trainingsfrequenz
Die Erkenntnisse über die ZNS-Belastung durch verschiedene Übungen und Intensitätstechniken können in der Trainingsplanung berücksichtigt werden, um ein optimales Gleichgewicht zwischen Reizsetzung und Regeneration zu erreichen.
Beispiele für die Übungsauswahl:
- Bizeps-Training: Bei hoher Trainingsfrequenz sollten Übungen vermieden werden, die ihre größte Kraft in der gedehnten Position des Muskels aufweisen, da sie die Regenerationszeit verlängern. Bei niedriger Trainingsfrequenz können Übungen gewählt werden, die nur ein Gelenk und eine Gliedmaße involvieren und ihre größte Kraft bei mittlerer Muskellänge erfordern.
- Quadrizeps-Training: Abwägung zwischen einer vollen Range of Motion für eine bessere dehnungsvermittelte Hypertrophie und der dadurch ausgelösten länger anhaltenden Erschöpfung.
Anpassung der Trainingsfrequenz:
Die Trainingsfrequenz sollte an die Übungsauswahl und die individuelle Regenerationsfähigkeit angepasst werden. Bei einer hohen Frequenz ist es logisch, Übungen zu wählen, die den geringsten Grad langanhaltender Erschöpfung auslösen.
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