Meningeome sind Tumoren, die von den Meningen, den Hirnhäuten, ausgehen, die Gehirn und Rückenmark umhüllen. Sie machen etwa 15 % aller Hirntumoren aus und treten meist bei Erwachsenen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Obwohl die Mehrzahl der Meningeome gutartig und langsam wachsend ist, können sie aufgrund ihrer Lage, insbesondere im Bereich des Sinus cavernosus, erhebliche klinische Probleme verursachen.
Was ist ein Meningeom im Sinus cavernosus?
Ein Meningeom im Sinus cavernosus ist ein Tumor, der in der Wand des Sinus cavernosus entsteht. Der Sinus cavernosus ist eine wichtige Struktur an der Schädelbasis, die mehrere wichtige Nerven (die Augenmuskelnerven) und die Arteria carotis interna enthält. Meningeome in dieser Region können auf diese Strukturen drücken und verschiedene neurologische Symptome verursachen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Meningeomen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch bekannte Risikofaktoren, die das Auftreten von Meningeomen begünstigen können:
- Ionisierende Strahlung: Dies ist der wichtigste bekannte Risikofaktor. Kinder, die im Kopf-Hals-Bereich bestrahlt wurden, und Überlebende von Atombomben haben ein signifikant höheres Risiko, Meningeome zu entwickeln.
- Neurofibromatose Typ 2 (NF2): Patienten mit dieser genetischen Erkrankung haben ein deutlich erhöhtes Risiko, multiple Meningeome zu entwickeln.
- Hormonelle Faktoren: Es gibt Hinweise auf hormonassoziierte Regulationsmechanismen, die eine Rolle spielen könnten.
- Genetische Syndrome: Meningeome treten gehäuft bei bestimmten erblichen Leiden auf, wie dem Cowden-, Gorlin-, Li-Fraumeni-, Turcot-, Gardener-, von Hippel-Lindau- und dem Multiplen Endokrinen Neoplasie Syndrom Typ I.
Symptome
Da Meningeome in der Regel langsam wachsen, können sie eine beträchtliche Größe erreichen, bevor sie Symptome verursachen. Die Symptome hängen von der Lokalisation und Größe des Tumors ab. Im Bereich des Sinus cavernosus können folgende Symptome auftreten:
- Sehstörungen und Doppelbilder: Diese entstehen durch die Kompression der Augenmuskelnerven.
- Kopfschmerzen: Insbesondere bei größeren Tumoren, die Hirndruck verursachen.
- Gesichtsfeldausfälle: Wenn der Tumor auf den Sehnerv drückt.
- Hormonelle Störungen: Da die Hypophyse in der Nähe des Sinus cavernosus liegt, können Tumoren in dieser Region die Hormonproduktion beeinträchtigen.
- Taube Gesichtsseite: Dies kann durch die Kompression von Gesichtsnerven entstehen.
Diagnose
Die Diagnose eines Meningeoms im Sinus cavernosus erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren:
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- Magnetresonanztomographie (MRT): MRT mit Kontrastmittel ist die Methode der Wahl, um Meningeome darzustellen. Sie zeigt die Lage, Größe und Ausdehnung des Tumors sowie die Beziehung zu umliegenden Strukturen. Ein Navigationsdatensatz zur operativen Planung kann ergänzt werden.
- Computertomographie (CT): Eine CT kann zur Beurteilung der knöchernen Strukturen des Schädels durchgeführt werden.
- Angiographie (CT-Angiographie oder MR-Angiographie): In bestimmten Fällen kann eine Gefäßdarstellung erforderlich sein, um die Beziehung des Tumors zu den Blutgefäßen zu beurteilen.
- PET-MRT oder PET-CT: Wenn erforderlich, kann dies ergänzt werden.
Klassifikation
Meningeome werden nach der WHO-Klassifikation (Weltgesundheitsorganisation) in drei Grade eingeteilt, basierend auf ihrem Proliferationsindex (wie schnell sich die Zellen teilen):
- Grad I (gutartig): Dies ist der häufigste Typ (85%) mit einem geringen Proliferationsindex.
- Grad II (atypisch): Diese Tumoren (10%) haben ein höheres Rezidivrisiko.
- Grad III (anaplastisch): Diese seltenen (2-3%) und aggressiven Tumoren haben ein hohes Rezidivrisiko und können in das Hirngewebe einwachsen.
Behandlungsoptionen
Die Behandlungsstrategie für ein Meningeom im Sinus cavernosus hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe und Lage des Tumors, die Symptome des Patienten, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand.
- Beobachtung: Kleine, asymptomatische Meningeome können zunächst beobachtet werden, um ihr Wachstum zu überwachen. Regelmäßige MRT-Kontrollen sind erforderlich.
- Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist oft die Therapie der Wahl, insbesondere bei symptomatischen Meningeomen. Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, wobei die umliegenden Nerven und Blutgefäße geschont werden müssen. Die Operation im Sinus cavernosus ist jedoch anspruchsvoll, da wichtige Strukturen gefährdet sind. Das Prinzip der operativen Versorgung ist durch 4 Ds repräsentiert: intrakapsuläresDebulking, Devaskularisierung, Dissektion und Detachment.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann als primäre Behandlung für inoperable Tumoren oder als adjuvante Therapie nach einer Operation eingesetzt werden, um das Wachstum von Resttumoren zu kontrollieren. Verschiedene Strahlentherapietechniken stehen zur Verfügung:
- Radiochirurgie (z. B. Cyberknife, Gamma-Knife): Diese Technik ermöglicht eine hochpräzise Einmalbestrahlung kleinerer Tumoren. Sie kann als primäre Therapie bei kleineren, schwer operativ zu entfernenden Meningeomen im Bereich des Sinus cavernosus eingesetzt werden.
- Fraktionierte Bestrahlung: Hierbei wird die Strahlendosis über mehrere Sitzungen verteilt.
- Protonenbestrahlung: Diese moderne Form der Strahlentherapie ermöglicht eine sehr präzise Bestrahlung des Tumors bei gleichzeitiger Schonung des umliegenden Gewebes. Sie kann insbesondere bei Meningeomen im Sinus cavernosus von Vorteil sein, um den Sehnerv zu schonen.
Interdisziplinäre Behandlung
Die Behandlung von Meningeomen im Sinus cavernosus erfordert in der Regel einen interdisziplinären Ansatz. Neurochirurgen, Neurologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Onkologen arbeiten zusammen, um die beste Behandlungsstrategie für jeden Patienten zu entwickeln. Die Fälle werden in einem Tumorboard besprochen, um eine individuelle Therapieempfehlung zu geben.
Spezielle operative Aspekte
Die operative Entfernung von Meningeomen im Sinus cavernosus erfordert eine spezielle Expertise. Die Neurochirurgische Klinik ist auf diese Art der Eingriffe spezialisiert und apparativ entsprechend optimal ausgestattet (Neuronavigation, Ultraschallzertrümmerer, elektrophysiologisches Monitoring, intraoperative Angiographie nach der ICG-Methode). Aufgrund des oftmals ausgedehnten Tumorwachstums (z. B. in den Sinus cavernosus) ist bei einigen Patienten eine komplette operative Entfernung nicht möglich. Je nach Diagnose und Wachstumsverhalten des Tumors erfolgt nach operativer Tumormassenreduktion eine Nachbehandlung. Bei Tumoren der Schädelbasis steht die Strahlentherapie im Vordergrund.
Erfahrungen von Patienten
Die Diagnose eines Meningeoms im Sinus cavernosus kann für Patienten sehr belastend sein. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und sich von erfahrenen Spezialisten beraten zu lassen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann ebenfalls hilfreich sein.
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