Metronidazol ist ein Antibiotikum und Antiparasitikum aus der Gruppe der Nitroimidazole, das zur Behandlung verschiedener bakterieller Infektionen eingesetzt wird. Es wurde unter der Leitung von Rhône-Poulenc in Frankreich synthetisiert und ist in verschiedenen Formen wie Tabletten, Kapseln und Zäpfchen erhältlich. Metronidazol findet Anwendung in der Gynäkologie, Dermatologie und Zahnmedizin.
Anwendungsgebiete von Metronidazol
Metronidazol wird bei verschiedenen Infektionen eingesetzt, insbesondere im Magen-Darm-Trakt und bei akneartigen Hautläsionen. Es kann auch zur Behandlung von Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile eingesetzt werden, welches sowohl in der Umwelt als auch im Darm gesunder Menschen und Tiere vorkommt. Infektionen mit Clostridium difficile treten besonders häufig bei Krankenhauspatienten auf und können zu Durchfall und Entzündungen führen, insbesondere wenn die Darmschleimhaut bereits geschädigt ist.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Metronidazol variiert je nach Art der Infektion und der Körpermasse des Patienten. Die Tabletten oder Kapseln werden in der Regel mehrmals täglich eingenommen. Es ist wichtig, die verordnete Dosis nicht zu überschreiten und die Behandlung auch dann abzuschließen, wenn die Symptome abklingen. Vaginalzäpfchen werden in der Regel einmal täglich in die Scheide eingeführt. Wenn eine Dosis vergessen wurde, sollte sie nicht nachgeholt, sondern die nächste Dosis wie gewohnt eingenommen werden. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel sechs Tage.
Wechselwirkungen und Kontraindikationen
Metronidazol kann zu starken Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln führen, einschließlich Antidepressiva und Vecuronium. Bei einer Allergie gegen Metronidazol sollte das Medikament nicht angewendet werden.
Fallbeispiel: Clostridium-difficile-Infektion bei chronisch entzündlicher Darmerkrankung
Eine Studie mit Kindern, die an einem Krankheitsschub einer chronischen Darmentzündung litten und sich mit Clostridium difficile infiziert hatten, untersuchte die Wirksamkeit von Metronidazol im Vergleich zu Rifaximin. Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die eine Gruppe Metronidazol und die andere Rifaximin erhielt. Nach 4 Wochen konnte bei 70,6 % der mit Metronidazol behandelten Kinder keine Giftstoffe von Clostridium difficile mehr im Stuhl nachgewiesen werden, verglichen mit 78,6 % in der Rifaximin-Gruppe. Es konnte kein nennenswerter Unterschied in der Wirksamkeit zwischen den beiden Wirkstoffen festgestellt werden. Auch hinsichtlich des erneuten Auftretens der Infektion gab es keine signifikanten Unterschiede.
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Metronidazol und Multiple Sklerose (MS)
Die Kontroverse
Die Anwendung von Metronidazol bei MS ist umstritten. Einige Ärzte sind zurückhaltend, es bei MS-Patienten zu verschreiben, da es die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und bei ZNS-Erkrankungen kontraindiziert sein könnte. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass bestimmte Bakterien, wie Chlamydophila pneumoniae, eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlimmerung von MS spielen könnten.
Chlamydophila pneumoniae als möglicher Faktor bei MS
Die Theorie, dass C. pneumoniae an der Pathogenese von MS beteiligt sein könnte, basiert auf mehreren Beobachtungen:
- C. pneumoniae wurde im Liquor von MS-Patienten nachgewiesen.
- Es gibt einen Zusammenhang zwischen MS-Schüben und Atemwegsinfektionen durch C. pneumoniae.
- Statistisch signifikante Erhöhung der Spiegel von Antikörpern gegen C. pneumoniae bei MS-Patienten.
Therapieansätze
Die Behandlung einer chronischen C. pneumoniae-Infektion mit Antibiotika ist problematisch, da der Keim intrazellulär lebt und bei Monotherapie in eine aberannte Form übergehen kann. Eine erfolgreiche Therapie erfordert möglicherweise die Gabe mehrerer Antibiotika über einen längeren Zeitraum. Einige Experten empfehlen eine Kombination aus Doxycyclin und Roxythromycin, um die Anzahl intrazellulärer Keime zu reduzieren und das Bakterium in seine aberannte Form zu zwingen. In dieser Form könnte es anfälliger für Medikamente wie Metronidazol sein. Allerdings sollte Metronidazol vorsichtig eingesetzt werden, da die Freisetzung von Endotoxinen zu Beschwerden führen kann.
Fallbericht: Erfahrung eines MS-Patienten mit Metronidazol
Ein MS-Patient berichtete von einer negativen Erfahrung mit Metronidazol. Nach der Einnahme traten Taubheitsgefühle und Pelzigkeit in Beinen und Armen auf. Nach Absetzen des Medikaments besserten sich die Symptome. Dieser Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung vor der Anwendung von Metronidazol bei MS-Patienten.
Verbesserungen neurologischer Symptome unter Antibiotika
Einige MS-Patienten berichten von einer Verbesserung ihrer neurologischen Symptome unter Antibiotika-Therapie, insbesondere bei intravenöser Verabreichung. Dies könnte auf die Zerstörung von Bakterien und die Freisetzung von Zellbestandteilen zurückzuführen sein, die das Immunsystem beeinflussen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Beobachtungen nicht bedeuten, dass Antibiotika eine heilende Wirkung auf MS haben.
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Kritische Betrachtung
Obwohl es Hinweise auf eine mögliche Beteiligung von Bakterien wie C. pneumoniae an MS gibt, ist die Evidenzlage noch nicht ausreichend, um eine routinemäßige Antibiotikatherapie zu empfehlen. Viele Neurologen beziehen diese Aspekte nicht in ihre Überlegungen mit ein, da das Konzept der MS als primär demyelinisierende Autoimmunerkrankung tief verwurzelt ist.
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