Migräne Abklären Lassen: Ursachen, Auslöser und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine vielschichtige neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Auslöser von Migräne, die verschiedenen Phasen und Symptome sowie die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für diese Erkrankung zu vermitteln und Betroffenen Wege zur Linderung und Vorbeugung aufzuzeigen.

Migräne: Was passiert im Körper?

Der Prozess, der die Migränesymptome auslöst, beginnt unter anderem in den Nervenzellen. Diese produzieren in bestimmten Situationen eine Überdosis von Botenstoffen - zum Beispiel Serotonin, die die Blutgefäße verengen und Entzündungsprozesse hemmen.

Der Körper versucht nun, die Überdosis an Botenstoffen abzubauen - jedoch so stark, dass nur noch wenig Serotonin übrigbleibt. Das führt zu einer Weitung der Hirnhautgefäße; sie werden durchlässig für gewebefeindliche Stoffe. An den Gefäßen entstehen kleine Entzündungen. Gleichzeitig kann es durch die zunächst starke Anregung der Nervenzellen, gefolgt von einer Deaktivierung, zu einer Störung der Elektrolytkonzentration kommen. Insgesamt kommt es so zur Migräne. Die Betroffenen nehmen als Symptom dieses Vorgangs den typisch pochenden Kopfschmerz wahr, der meist von zusätzlichen Beschwerden wie Übelkeit begleitet wird.

Migräne-Anfälle: Ursachen

Leider sind die Ursachen für Migräne und akut auftretende Migräne-Anfälle noch nicht vollständig aufgeklärt. Die Wissenschaft vermutet jedoch, dass bei häufigen Migräneattacken genetische Faktoren eine Rolle spielen. Neueste medizinische Untersuchungen weisen zusätzlich darauf hin, dass ein Ungleichgewicht von neuronalen Botenstoffen im Gehirn ein Auslöser für Migräne sein könnte.

Ursachen Migräne mit Aura

Wenn Sie von einer Migräne mit Aura betroffen sind, können Sie während einer Migräneattacke an verschiedenen Seh-, Gefühls- und sogar Sprachstörungen leiden. Menschen mit Migräne haben häufig eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde. Bei Migräne mit Aura wird zusätzlich oft eine verminderte Durchblutung in bestimmten Hirnregionen festgestellt. Daher wird angenommen, dass ein Sauerstoffmangel in den betroffenen Hirnarealen für die Migräne mit Aura verantwortlich sein könnte.

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Migräne-Auslöser: Woher kommt meine Migräne?

Die genaue Ursache für einen Migräneanfall hängt in der Regel von mehreren Faktoren ab und kann sich deshalb auch in den Migräne-Symptomen unterscheiden. Auch welche Migräne-Auslöser oder Triggerfaktoren zu den starken Kopfschmerzen führen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb sollten immer Ihre persönlichen Lebensumstände bei der Migräne Diagnose berücksichtigt werden.

Erste Hinweise, ob es sich bei Ihren Kopfschmerzen um Migräne handeln könnte, gibt Ihnen unser hilfreicher Selbst-Check.

Häufige Triggerfaktoren für Migräne

Keine Migräne gleicht der anderen. Betroffene beschreiben deshalb häufig vollkommen unterschiedliche Trigger als Ursache für ihre Migräne. Oft besteht jedoch ein Zusammenhang mit einer plötzlichen Änderung der regulären Lebensgewohnheiten. Wenn man sich seiner persönlichen Migräne-Auslöser bewusst ist, kann einem diese Information dabei helfen, schneller auf eine Migräne zu reagieren. Im besten Fall kann dadurch sogar ein Migräneanfall verhindert, oder aber das Auftreten von Migräneattacken deutlich reduziert werden.

Migräne-Auslöser auf einen Blick

  • Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. am Wochenende)
  • Ernährung
  • Stress
  • Saunabesuch
  • Wetterwechsel
  • Hormonelle Schwankungen, insbesondere während der Menstruation
  • Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. die Pille)
  • Psychische Belastung

Migräne-Auslöser: Psyche

Neben einer genetischen Disposition sind vor allem Stress und psychischer Druck die Hauptursache für Migräne. Kreisende Gedanken, Sorgen oder Ängste überfordern Körper und Geist und zeigen sich in Form von Anspannung und Kopfschmerz. In diesem Sinne ist das Auftreten von Migräne ein klares Warnsignal des Körpers mehr auf Ihre Bedürfnisse zu achten.

Um Migräne-Anfälle zu verringern, ist es deshalb wichtig vermehrt auf Ihr Wohlbefinden Rücksicht zu nehmen und Ruhemomente im Leben zu schaffen, in denen Sie Stress abbauen und neue Energie und Kraft auftanken können. Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.

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Migräne-Auslöser: Ernährung

Auch Ernährungsgewohnheiten und Veränderungen davon, können Migräneattacken auslösen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
  • Alkoholkonsum, insbesondere Rotwein
  • Kaffee
  • Lebensmittelzusätze
  • Diverse Nahrungsmittel wie z. B. Käse, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze
  • Zu wenig Wasser - 2L pro Tag sind empfohlen

Diese Faktoren sind jedoch von Patient zu Patient verschieden und müssen daher immer individuell betrachtet werden.

Diagnose von Migräne

Handelt es sich bei deinen Kopfschmerzen um Migräne? Eine fachkundige Diagnose ist wichtig, um andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen. Aber wie kann der Arzt eine Migräne erkennen? MRT, EEG oder CT sind oft verwendete Methoden. Bei der Diagnose einer Migräne ist der Arzt vorrangig auf die Angaben des Patienten angewiesen. Daher kommt dem Arztgespräch eine zentrale Bedeutung zu.

  • zeitlicher Ablauf: Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf?
  • Charakter und Lokalisation: Wo genau und wie stark treten die Schmerzattacken auf?
  • Ursachen und Auslöser: Gibt es eine genetische Veranlagung, also zum Beispiel bekannte Migränefälle in der Familie?
  • Verhalten des Patienten: Was verstärkt die Kopfschmerzen (z. B. Bewegung/körperliche Aktivität)?
  • Medikamente: Können Schmerzmittel die Beschwerden lindern? In welcher Dosis?

Außerdem erkundigt sich der Arzt bei den Migränepatienten nach Begleit- und Vorerkrankungen sowie der beruflichen Tätigkeit, um mögliche Einflussfaktoren wie Stress zu erkennen. Zur Befundstellung dienen dem Mediziner die Migräne-Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS). Hinweise, die auf eine Migräne schließen lassen, sind beispielsweise gegeben, wenn der Betroffene die Kopfschmerzen als einseitig und pulsierend oder als pochend beschreibt. Außerdem können Ärzte eine Migräne daran erkennen, dass sich die Beschwerden bei Bewegung verschlimmern und meist von Symptomen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden.

Konntest du Anzeichen für eine Migräne bei dir erkennen und willst dich nun einem Experten anvertrauen? Für eine erfolgreiche Behandlung ist die richtige Diagnose mithilfe eines Kopfschmerzinterviews zwingend erforderlich. Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch ist meist außerdem eine neurologische Untersuchung Bestandteil der Migräne-Diagnose. Ziel ist es unter anderem, andere schwere Erkrankungen auszuschließen. Gerade bei der Migräne mit Aura, die mit neurologischen Ausfällen einhergehen kann, ist eine solche Abgrenzung wichtig, da die Symptome zum Beispiel auch mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall sind (migranöser Infarkt).

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In einigen Fällen, zum Beispiel wenn der Verdacht bezüglich einer anderen Erkrankung besteht, können zudem noch weitere Untersuchungsverfahren angewandt werden. Um detailliertere Einblicke in das Gehirn zu bekommen und die Diagnose Migräne zu festigen, verordnen Mediziner in manchen Fällen ein MRT (Magnetresonanztomographie; auch Kernspintomographie). Damit können sie krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen.

MRT bei Migräne

Wie genau läuft die MRT-Untersuchung bei Migräne ab? Sollten Personen mit Klaustrophobie zu kämpfen haben, können sie vorher ein Beruhigungsmittel verabreicht bekommen. Wenn Kontrastmittel zum Einsatz kommen, musst du vorab angeben, ob Probleme mit den Nieren vorliegen. In der Regel erfolgt deswegen eine Bestimmung der Blutwerte, bevor Migräne-Patienten zum MRT gehen. Manchen Menschen wird es bei dem Gedanken eines MRTs etwas mulmig zumute. Doch das muss es nicht. Sie verspüren während der Untersuchung keinerlei Schmerzen. Eine Kernspintomographie macht mittels Schnittbildern Strukturen des Körpers erkennbar, indem sie Magnetwellen nutzt - die Person wird keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen.

EEG bei Migräne

Die EEG (Elektroenzephalographie) ist ebenso nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig. Für die Messung bekommen Patienten ein Netz mit Elektroden auf den Kopf gesetzt. Eine Studie konnte mittels EEG-Messung darstellen, dass Migräne-Patienten Probleme besser lösen als gesunde Probanden. In dem Experiment mussten die Teilnehmer eine hilflose Situation bewältigen.

CT bei Migräne

Im Gegensatz zu den beiden anderen bildgebenden Verfahren, die bei Patienten mit Migräne eingesetzt werden können, kommt es durch ein CT (Computertomographie) zu einer Strahlenbelastung (Röntgenstrahlen). Deswegen ist dieses Verfahren seltener das Mittel der Wahl, um eine Migräne zu diagnostizieren. Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll. Wie läuft ein CT ab? Du liegst in der Regel in Rückenlage, manchmal auch auf dem Bauch, auf einer schmalen Liege. Um diese befindet sich eine ringförmige Öffnung (keine Röhre), in die du hineingefahren wirst - Personen mit Platzangst müssen hier keine Sorgen haben, da das Gerät einen relativ großen Durchmesser hat. Die Messung ist schmerzfrei, falls es dir doch unangenehm wird, kannst du mit den Arzthelfern über eine Gegensprechanlage reden.

Formen der Migräne

Stellt der Arzt die Diagnose Migräne, analysiert er sie im weiteren Verlauf näher und ist in der Lage, eine bestimmte Migräneform festzustellen. Dadurch ist eine noch spezifischere Behandlung der Beschwerden durchführbar.

  • Vestibuläre Migräne: Jeder zweite bis dritte migränekranke Patient hat mindestens einmal Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, die während oder nach einer Kopfschmerzattacke auftreten können, erlebt.
  • Menstruelle Migräne: Sie ist eng mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräneattacken kommen normalerweise während oder kurz vor der Periode.
  • Hemiplegische Migräne: Neben den typischen Aura-Symptomen kann es zu Sprachstörungen, reversiblen motorischen Defiziten (z. B. Kraftverlust) und teils auch (halbseitigen) Lähmungserscheinungen kommen.
  • Basilarismigräne: Diese spezielle Form findet sich vor allem unter jungen Erwachsenen.

Die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken entscheidet außerdem darüber, ob es sich um episodische oder chronische Migräne handelt.

Verlauf der Migräne

Bei Betroffenen erreicht die Migräne ihre höchste Intensität und Häufigkeit zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, ab dem 55. Lebensjahr klingt sie langsam aus. In der Medizin unterscheidet man zwischen den Migräne-Hauptformen Migräne ohne Aura (mitunter auch: gewöhnliche Migräne) und Migräne mit Aura (mitunter auch: klassische Migräne). Kennzeichnend für beide Formen sind Migräne-Attacken mit meist starken, oft einseitigen Kopfschmerzen, die Betroffene als pulsierend und pochend wahrnehmen und die bei körperlicher Betätigung zunehmen.

Seltenere Formen der Migräne

Neben den beiden Hauptformen der Migräne gibt es seltener auftretende Formen wie die hemiplegische Migräne (Migräne mit motorischer Aura), die vestibuläre Migräne (Schwindel-Migräne) und die Basilaris-Migräne (Migräne mit Hirnstammaura).

Phasen der Migräne-Attacke

Bei den beiden Hauptformen der Migräne lassen sich die Migräne-Attacken oder Migräne-Anfälle in ineinander übergehende Phasen einteilen: bei der Migräne ohne Aura in eine Vorbotenphase (Prodromalstadium), eine Schmerzphase und eine Rückbildungsphase (Erholungsphase). Bei der klassischen Migräne kommt vor der Schmerzphase noch die sogenannte Aura dazu.

  • Vorbotenphase (Prodromalstadium): Im Prodromalstadium treten unverkennbare Vorboten auf, die den Betroffenen die Migräne-Attacke ankündigen. Diese Vorboten sind sehr individuell: Bei manchen Betroffenen ist es Heißhunger, andere gähnen häufig und fühlen sich gereizt, wieder andere fühlen sich euphorisch. Die Migräne-Attacke ist bereits im Gange, auch wenn im Prodromalstadium noch keine Schmerzen auftreten.
  • Klassische Migräne: Aura: Etwa 15 Prozent der Migräne-Betroffenen haben eine klassische Migräne, also eine Migräne mit Aura. Unmittelbar vor der Schmerzphase bemerken diese Patientinnen und Patienten Symptome, die Neurologinnen und Neurologen unter dem Begriff Aura zusammenfassen.

Zu den möglichen Kennzeichen einer Aura gehören:

  • Schwindel und Schwächegefühl
  • Sehstörungen (z. B. Wahrnehmung von Doppelbildern, Lichtblitzen, Wellenlinien, blinden Flecken)
  • Hörprobleme bis hin zu vorübergehender Taubheit
  • Empfindungsstörungen (Parästhesien)
  • Sprechstörungen

Eine Aura besteht in der Regel nicht länger als eine Stunde, es folgt die Migräne-Schmerzphase (die Schmerzphase kann sich aber auch mit der Aura überlappen oder ausbleiben). Die Symptome der Aura bilden sich komplett zurück, bleiben also ohne dauerhafte Folgen.

  • Schmerzphase: Meist einseitiger Kopfschmerz: Typisch sowohl für die Migräne mit Aura als auch für die Migräne ohne Aura sind stechende, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, die sich in der Regel einseitig bilden und auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Bei manchen Patientinnen und Patienten dehnen sich die zunächst einseitigen Kopfschmerzen bei Migräne auf beide Seiten aus, auch ein Wechsel der Schmerzseiten ist möglich. Die Schmerzphase hält in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an.

Häufige Begleitsymptome der Migräne-Kopfschmerzen sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Ein verstärktes Wahrnehmen von Gerüchen
  • Eine erschwerte Nasenatmung und Naselaufen
  • Leichtes Augentränen

Stress und körperliche Aktivitäten verstärken den migränebedingten Kopfschmerz, sodass für viele Betroffene in der Schmerzphase kein oder nur ein sehr eingeschränktes „Funktionieren“ im Alltag möglich ist. Weil auch Licht und Geräusche den Schmerz verstärken können, ziehen sich Betroffene nach Möglichkeit in einen abgedunkelten Raum zurück.

  • Rückbildungsphase (Erholungsphase): In der Rückbildungsphase der Migräne-Attacke entwickeln sich die pochenden oder pulsierenden Kopfschmerzen zu gleichbleibendem Schmerz, der allmählich abklingt. Häufig haben Betroffene ein erhöhtes Schlafbedürfnis, bis die Migräne-Attacke vollends beendet ist.

Behandlung von Migräne

Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, deren Ursachen noch nicht genau bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Jedoch stehen heute Arzneimittel zur Verfügung, die die Symptome rund um die Migräne-Attacke effektiv lindern und so im Vergleich zu früheren Therapiemöglichkeiten die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern können. In der Akuttherapie der Migräne, also in der direkten Behandlung einer Migräne-Attacke, können Ärztinnen und Ärzte sowohl Medikamente zur Linderung der migränebedingten Kopfschmerzen als auch Medikamente zur Linderung der individuellen Begleitsymptome einsetzen. Hier sind insbesondere die Antiemetika zur Bekämpfung der Übelkeit zu nennen.

Medikamente bei leichter bis mittelschwerer Migräne: NSAR

Was hilft bei Migräne mit leichten bis mittelstarken Kopfschmerzen? Bei leichter bis mittelstarker Migräne können laut ärztlicher Leitlinie Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) angewendet werden. NSAR wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen sind zwar rezeptfrei in Apotheken erhältlich, jedoch sollten Migräne-Betroffene auch hier die Einnahme mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt besprechen. Falls bei einer Patientin oder einem Patienten etwas gegen die Einnahme von NSAR spricht, können als Alternativen Paracetamol und andere ärztlich verordnete Medikamente infrage kommen.

Medikamente bei mittelschwerer und schwerer Migräne: Triptane

Was hilft bei Migräne mittelschwerer und schwerer Ausprägung? Hier sind vor allem die Triptane zu nennen. Laut ärztlicher Behandlungsleitlinie sind sie die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräne-Attacken, jedoch muss immer auch das Nebenwirkungsprofil beachtet werden. Als Triptane wird eine Gruppe gleichartig wirkender Arzneistoffe bezeichnet, die nicht nur stärkere und starke migränebedingte Kopfschmerzen effektiv lindern können, sondern auch migränebedingte Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Wichtig ist der Zeitpunkt der Einnahme: Triptane sollen früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, um bestmöglich zu wirken. Während der Aura, solange keine Kopfschmerzen bestehen, entfalten sie keine Wirkung. Abhängig von der Art des eingesetzten Triptans stehen leicht andere Wirkeigenschaften im Vordergrund: So verfügt Sumatriptan über den schnellsten Wirkeintritt, während Frovatriptan die längste Wirkdauer aufweist. Die Wahl des geeigneten Triptans richtet sich vor allem nach der Stärke der Schmerzen, der Dauer der Migräne-Attacke, der Verträglichkeit des Medikaments und den Wünschen der Patientin oder des Patienten.

Wie genau Triptane wirken, ist noch nicht vollständig geklärt. Da Triptane im zentralen Nervensystem aber bestimmte Rezeptoren stimulieren, gilt der folgende Wirkmechanismus als wahrscheinlich: Triptane hemmen im Gehirn Entzündungsvorgänge, verengen erweiterte Blutgefäße und unterdrücken die Schmerzausbreitung. Damit unterbinden sie effektiv drei wesentliche Treiber der Migräne-Attacken.

Aufgrund der gefäßverengenden Wirkung dürfen Triptane nicht bei Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Auch zur Daueranwendung - etwa bei chronischer Migräne - sind Triptane nicht geeignet, weil sie bei längerer Einnahme zu arzneimittelbedingten Kopfschmerzen führen können.

Vorbeugung der Migräne: Wann sollte eine Prophylaxe erfolgen?

Als Prophylaxe bezeichnet man generell Maßnahmen, um einer Erkrankung vorzubeugen. Speziell bei der Migräne-Vorbeugung geht es um die bestmögliche Minderung von Attacken in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Intensität. Die Migräne-Prophylaxe verfolgt außerdem das Ziel, dass Patientinnen und Patienten nicht zu viele Medikamente gegen Migräne-Attacken einnehmen müssen.

Wann im Erkrankungsverlauf Ärztinnen und Ärzte mit ihren Patientinnen beziehungsweise Patienten eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe besprechen sollten, ist insbesondere vom persönlichen Leidensdruck der Betroffenen abhängig und davon, inwieweit die Lebensqualität durch die Migräne-Attacken eingeschränkt ist.

Zur Einordnung, ob eine Migräne-Prophylaxe die Lebensqualität verbessern kann, helfen laut ärztlicher Leitlinie unter anderem die folgenden Fragen:

  • Bestehen drei oder mehr Migräne-Attacken pro Monat, die die Lebensqualität beeinträchtigen?
  • Halten die Migräne-Attacken regelmäßig länger als 72 Stunden an?
  • Gehen die Medikamente in der Akuttherapie mit zu sehr belastenden Nebenwirkungen einher?
  • Werden zu häufig Medikamente zur Behandlung von Migräne-Attacken eingenommen (an mehr als zehn Tagen im Monat)?

Eine Migräne-Prophylaxe kann vielschichtig aufgebaut sein:

  • Medikamente: In der medikamentösen Migräne-Prophylaxe stehen mehrere unterschiedliche Substanzen zur Verfügung, die - wie beispielsweise die Betablocker - ursprünglich für einen anderen Therapiezweck entwickelt wurden, die aber auch in der Migräne-Vorbeugung wirksam sein können. Die neueste Klasse der Migräne-Prophylaktika stellen speziell entwickelte Antikörper dar.
  • Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Verfahren: Hier erlernen Migräne-Betroffene insbesondere Übungen und Techniken, um besser mit Stress und herausfordernden Situationen umgehen zu können, die eine Migräne-Attacke triggern können.
  • Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe. Allerdings muss der Ausdauersport regelmäßig betrieben werden und darf nicht zu intensiv ausfallen - sonst kann er Migräne-Attacken sogar fördern.
  • Persönliche Trigger erkennen und vermeiden: Patientinnen und Patienten, die wissen, dass sie beispielsweise nach dem Genuss von Rotwein mit einer Migräne-Attacke rechnen müssen, sollten diesen meiden.

Weitere Behandlungsansätze

  • Migräne-Piercing (Daith-Piercing): Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft warnt ausdrücklich vor den Gesundheitsrisiken eines Daith-Piercings und empfiehlt bei Migräne nur die fachärztliche Behandlung.
  • Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.

Was kann man selbst tun?

Viele Menschen mit Migräne handeln instinktiv richtig, wenn es darum geht, was sie selbst tun können.

  • Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
  • Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Schlaf können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Wann sollte man Kopfschmerzen ärztlich abklären lassen?

Wenn man seine Kopfschmerzerkrankung bereits seit Jahren kennt, alle bisherigen Strategien der Schmerzbekämpfung aber plötzlich versagen, sollte man unbedingt zu einem Arzt oder zu einer Ärztin. Zudem sollten Betroffene immer einen Arzt aufsuchen, wenn sich der Charakter ihrer bisher bekannten Kopfschmerzen plötzlich ändert oder bisher nie gekannte Begleitsymptome wie Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle oder Fieber auftreten. Als Kopfschmerzpatient ist man nicht dagegen gefeit, eine zusätzliche neurologische Erkrankung wie eine Gehirnthrombose zu entwickeln, die ebenso mit Kopfschmerzen verbunden sein kann.

Sollten Sie Symptome einer Migräne mit Aura zeigen, ohne zuvor eine Migräneattacke erlebt zu haben, sollten Sie einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufsuchen. Dies insbesondere, falls Sie unter Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Sehstörungen leiden, da diese auch auf einen medizinischen Notfall wie einen Schlaganfall hinweisen können.

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