Migräne ist nicht nur ein Problem von Erwachsenen. Auch Kinder und Jugendliche können darunter leiden. Migräne bei Kindern und Jugendlichen ist seltener als bei Erwachsenen, kommt aber dennoch häufig vor. Dabei zeigen sie oft auch andere Krankheitszeichen als Erwachsene. Es ist wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und eine geeignete Behandlung einzuleiten, um die Lebensqualität der jungen Patienten zu verbessern.
Erkennung von Migräne bei Kindern
Oft ist es schwierig, Migränesymptome bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen. Die Diagnose ist meist schwierig und sollte von Neurologen gestellt werden. Im Kindesalter tritt die Migräne bei 4 bis 5% der Kinder auf und klingt bei jedem zweiten Kind in der Pubertät aus. Auch nimmt eine Migräneattacke (ein „böser Kopf“) einen etwas anderen Verlauf als bei Erwachsenen. Viele betroffene Kinder hören mit dem Spielen oder Lernen auf. Sie sind blass und legen sich freiwillig hin, um zu schlafen. Migräneschmerzen treten bei Kindern häufig beidseitig auf, teilweise mit Aura. Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühle können wesentlich stärker ausgeprägt sein als die Schmerzen.
Symptome und Verlauf
Eine Migräneattacke kann schon nach 2 Stunden vorüber sein, aber auch bei Kindern kann sie gelegentlich 48 Stunden anhalten. Die Betroffenen unterbrechen ihre Tätigkeit, sind blass und wollen sich hinlegen und schlafen. Die Migräneattacken sind i.d.R. kürzer als bei Erwachsenen, oft nur wenige Stunden. Es kann wie bei Erwachsenen eine Aura entstehen, die z.B. Sprach- und Wahrnehmungsstörungen zur Folge hat. Speziell kann hier das sog. Alice-im-Wunderland-Syndrom auftreten, bei dem die Betroffenen z.B. ungewöhnliche Bilder sehen oder das Gefühl haben, zu wachsen oder zu schrumpfen.
Bauchmigräne
Einige Kinder haben auch nur eine „Bauchmigräne“ (abdominelle Migräne), begleitet von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen und Bauchschmerzen. Wenn Kinder wiederholt plötzliche Bauchschmerzen bekommen, die mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Lichtscheue einhergehen, kann auch eine sog. Bauchmigräne (auch abdominelle Migräne genannt) dahinter stecken. Betroffene Kinder können während der Attacken nicht mehr lernen oder spielen und müssen sich hinlegen. Diese Migräneattacken dauern zwischen 2 Stunden und 3 Tagen und können von Kopfschmerzen begleitet sein, wobei die Bauchschmerzen überwiegen. In der Pubertät verwandelt sich die Bauchmigräne oft in eine Kopfschmerzmigräne. Manchmal verschwinden die Attacken auch in der Pubertät.
Verhaltensänderungen als Hinweise
Gerade kleine Kinder können ihre Empfindungen und Körpersignale noch nicht genau deuten und sich nicht richtig ausdrücken. Achten Sie deshalb darauf, ob sich Ihr Kind anders verhält als sonst. Viele Kinder hören beispielsweise auf zu spielen, sind blass oder rot im Gesicht oder möchten sich gerne hinlegen und schlafen. Andere Kinder werden unruhig und reizbar. Manche klagen über Bauchweh oder kneifen die Augen bei hellem Licht zusammen. Schulkinder haben zudem oft plötzlich Probleme, sich zu konzentrieren und ihre Hausaufgaben zu machen. Auch bei Kopfschmerzen, die das Kind nachts wecken, sollten Sie an Migräne denken.
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Ursachen von Migräne bei Kindern
Wie bei der Erwachsenen-Migräne sind die Ursachen der Kopfschmerzen von Kindern und Jugendlichen noch nicht vollständig erforscht. Bislang ist noch nicht vollständig geklärt, was eine Migräne bei Kindern auslöst. Man vermutet jedoch, dass Migräne erblich bedingt ist, da sie in vielen Familien gehäuft auftritt. Auch scheinen gewisse Trigger-Faktoren (Auslöser) Migräne-Attacken bei Kindern zu begünstigen.
Das kindliche Gehirn reagiert auf viel mehr Reize und Ereignisse mit einem Migräne-Anfall als das Gehirn von Erwachsenen. Die folgenden Auslöser sind typische Migränetrigger bei Kindern:
- Bestimmte Nahrungsmittel
- Psychische Belastungssituationen, z.B. Stresssituationen
- Physikalische oder chemische Reize
Weitere mögliche Auslöser
- Niedriger Blutzucker und Flüssigkeitsmangel: Strengen sich Kinder körperlich zu stark an, reagieren sie häufig mit Kopfschmerzen darauf. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht genügend getrunken oder gegessen haben. Vor allem Kinder reagieren besonders sensibel auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Häufig machen sich Migräne-Attacken bemerkbar, wenn ein Kind beispielsweise morgens nicht gefrühstückt hat.
- Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf führt unter Umständen zu einem Migräne-Anfall. Sehr häufig gerät der Schlafrhythmus am Wochenende durcheinander, wenn die Kinder zu spät ins Bett gehen und dafür länger schlafen. Das kann Migräne-Attacken begünstigen. Umgekehrt erschwert eine Attacke auch das Einschlafen.
- Stress: Psychische Belastungen und Stress können ebenfalls Migräne bei Kindern auslösen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Reizüberflutung durch elektronische Geräte wie Computer, Smartphone oder Fernseher. Ein hoher Medienkonsum vor dem Schlafengehen wirkt sich besonders negativ aus. Mangelnde körperliche Bewegung, familiäre Konflikte und hohe Leistungsansprüche in der Schule sowie Mobbing sind ebenso häufig Auslöser für Migräne-Attacken. Auch eine Erkältung oder die Vorfreude auf ein Geburtstagsfest rufen unter Umständen Stress hervor und verursachen Migräne bei Kindern.
- Wetter: Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel (meist ein Temperaturanstieg) und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Wetter und Migräne bislang nicht wissenschaftlich belegt.
- Lärm und Licht: Insbesondere Lärm und Lichtveränderungen können einen Migräne-Anfall bei Kindern verursachen. Vor allem Lärm löst starken Stress aus. Das gilt nicht nur für laute Geräusche in der Nähe von Baustellen oder durch den Straßenverkehr, sondern auch für zu laut eingestellte Musik (insbesondere bei Kopfhörern). Kinder reagieren auch sehr sensibel auf veränderte Lichtverhältnisse, wenn zum Beispiel der Schreibtisch frontal vor einem Fenster platziert ist. Arbeitsmediziner empfehlen, einen Schreibtisch stattdessen im rechten Winkel zum Fenster aufzustellen. Auch flackernde Blitzlichter in Clubs können bei manchen Jugendlichen eine Migräne auslösen.
- Chemische Reizstoffe: Kinder reagieren häufig sehr sensibel auf chemische Reizstoffe. Typische kopfschmerzauslösende Substanzen sind beispielsweise: Abgase von Autos, Farb- und Klebstoffe (z. B. beim Basteln), Parfums und Deodorants, Wohngifte (z. B. Holzschutzmittel oder Lösungsstoffe in Möbeln oder Fußböden), Zigarettenrauch.
- Nahrungsmittel: Auch bestimmte Nahrungsmittel stehen im Verdacht, Migräne auszulösen. So ist eine Unverträglichkeit bestimmter Stoffe ein möglicher Grund, etwa die Eiweißstoffe Tyramin und Histamin. Wissenschaftliche Belege dazu fehlen jedoch noch. Folgende Lebensmittel werden als mögliche Auslöser von Migräne bei Kindern diskutiert: Kuhmilch, Eier, Käse, Schokolade, kakaohaltige Produkte, Koffeinglutenhaltige Getreidesorten (z. B. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste), Tomaten, Zitrusfrüchte (z. B. Zitronen, Orangen), Fettige Speisen wie Wurst, Schinken, Salami, Schweinefleisch.
Nach derzeitigem Wissensstand ist es nicht notwendig, bei Migräne generell auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Eine spezielle „Migränediät“ ist ernährungsmedizinischen Erkenntnissen zufolge nicht sinnvoll.
Die Rolle von Stress und Anspannung
Anspannung und Stress gelten als mögliche Auslöser von Migräneanfällen. Auch psychische Belastungen, etwa durch eine Trennung der Eltern, Probleme in der Schule oder einen Umzug und damit verbundene Veränderungen können Migräne begünstigen. Bei häufigem Stress kann es sich lohnen, ein Entspannungsverfahren zu erlernen, um besser damit zurechtzukommen. Dies hilft manchen Kindern und Jugendlichen auch, Anfällen vorzubeugen oder sie zumindest abzuschwächen. Für Heranwachsende, die auf Stress mit Kopfweh oder Migräne reagieren, ist es außerdem wichtig, allgemein auf ausreichend Pausen im Tagesablauf zu achten. Auch Bewegung und Sport können helfen, Stress abzubauen - vorausgesetzt, er macht Spaß und es besteht kein Leistungsdruck.
Diagnose von Migräne bei Kindern
Da sich kleine Kinder meist noch nicht entsprechend ausdrücken können, gestaltet sich die Diagnostik bei einer kindlichen Migräne oft schwierig. In vielen Fällen wird eine Migräne erst relativ spät festgestellt. Wenn Sie Migräne bei Ihrem Kind vermuten, lassen Sie Ihr Kind möglichst rasch ärztlich untersuchen. Zur Kopfschmerztherapie sollte unbedingt der Kinder- und Jugendarzt zu Rate gezogen werden.
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Der erste Ansprechpartner
Der Kinder- oder Hausarzt ist Ihr erster Ansprechpartner. Bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen überweist er Ihr Kind gegebenenfalls weiter an einen Neurologen oder Kinderneurologen. Treten plötzliche Kopfschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auf, dauern sie länger an oder verstärken sie sich, gehen Sie möglichst rasch zum Arzt.
Kopfschmerztagebuch
Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, unterstützt den Arzt dabei, die individuellen Stressfaktoren zu erkennen. Das kann zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Schwäche sein, ein ausufernder Medienkonsum oder eine Konfliktsituation in der Familie. Der Arzt bespricht dann mit dem Kind und seinen Eltern geeignete Maßnahmen, die den kindlichen Stress verringern und die seelische Widerstandskraft steigern können.
Der Verein MigräneLiga e.V. Deutschland bietet unter www.migraeneliga.de > Migräne & Kopfschmerz > Ratgeber und Bücher > Seite 2 einen Kopfschmerzkalender für Kinder und den Ratgeber „Migräne und Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen“ zum Download an.
Behandlung von Migräne bei Kindern
Viele Migräne-Medikamente sind für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen, die Behandlung und Vorbeugung stützt sich eher auf nicht-medikamentöse Mittel wie Entspannungstechniken und Stressmanagement.
Die Therapie von Migräne bei Kindern unterscheidet sich von der Behandlung bei Erwachsenen. Ärzte empfehlen, eine Migräne bei Kindern zunächst nur mit unterstützenden Maßnahmen ohne Medikamente zu behandeln. Diese Maßnahmen sind bei Kindern erfahrungsgemäß viel wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Lassen sich die Beschwerden so nicht ausreichend lindern oder hat das Kind starke Schmerzen, verordnen Ärzte bei Bedarf auch Medikamente. Allerdings bekommen Kinder andere Arzneimittel als Erwachsene.
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Nicht-medikamentöse Behandlung
- Entspannungsverfahren: Kindern mit Migräne helfen meist bereits einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson. Dabei lernen sie, bestimmte Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Auch autogenes Training ist gut geeignet. Die Kinder sagen sich wiederholt Gedankenformeln vor (z.B. „Mein Arm wird ganz schwer“) und entspannen sich dadurch. Bei beiden Methoden ist es allerdings wichtig, dass die Kinder die Übungen regelmäßig - am besten täglich - durchführen.
- Physikalische Therapie: Die physikalische Therapie beinhaltet Wärmeanwendungen oder Massagen von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht sowie Akupunktur. Diese Maßnahmen können starke Kopfschmerzen bei Kindern lindern.
- Biofeedback: Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist insbesondere das sogenannte Biofeedback bei Kindern und Jugendlichen sehr wirkungsvoll. Über Elektroden auf der Haut lassen sich verschiedene Körperfunktionen messen, beispielsweise Anspannung oder Entspannung der Kopfmuskulatur oder auch die Weit- und Engstellung der Arterien im Gehirn. Diese Messungen werden durch Ton- und Lichtsignale sichtbar gemacht. Die Betroffenen lernen so, diese Funktionen absichtlich und gezielt zu beeinflussen. Dadurch können sie einen akuten Migräne-Anfall abschwächen und den Attacken vorbeugen (Prophylaxe).
Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind nicht-medikamentöse Verfahren bei Kindern meist ähnlich wirksam wie Medikamente.
Hausmittel
Viele Migränepatienten hilft Hinlegen, Dunkelheit, kühle Umgebung und völliges geistiges Abschalten. Um Letzteres zu erlernen, kann ein Meditationskurs oder eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Bei Spannungskopfschmerzen helfen Entspannungsübungen, Stressabbau und Meditation. Kurse dafür finden Sie an der Volkshochschule, bei örtlichen Selbsthilfegruppen und bei niedergelassenen Therapeuten. Wenn auch Nacken- und Schulterschmerzen vorliegen, werden die Kopfschmerzen oft von einer Verspannung im Schultermuskelgürtel ausgelöst. Dagegen helfen Massagen.
- Ruhe und Dunkelheit: Bei einem akuten Migräne-Anfall ist es wichtig, dass die Kinder Ruhe bekommen. Selbst kleinste Tätigkeiten wie Umherlaufen oder Fernsehen verstärken oft die Migräne bei Kindern. Bringen Sie Ihr Kind in einen wohltemperierten und abgedunkelten Raum. Schirmen Sie es vor störenden Reizen und Geräuschquellen wie Radio oder Fernsehen ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Wasser trinkt.
- Schlaf: Auch einige Stunden Schlaf, ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nackenmassage mit Pfefferminzöl sorgen in den meisten Fällen dafür, dass sich Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern schnell wieder bessern. Gerade kleine Kinder mit Migräne schlafen auch beim Spielen ein. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Fall am besten einfach weiterschlafen. Der Schlaf tut Ihrem Kind gut, und es wacht möglicherweise ohne Kopfschmerzen wieder auf.
- Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hilft, entweder als Aromaöl zur Raum-Beduftung, oder als Massageöl zum Einreiben in die Schläfen, oder als einfacher Pfefferminz-Tee gegen Kopfschmerzen. Gut bewährt hat sich bei Jugendlichen eine Mischung aus Pfefferminz- und schwarzem Tee, in dem nicht nur die Menthole der Pfefferminze, sondern auch das Coffein aus dem Schwarztee wirksam werden.
Pfefferminzöl darf bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden!
Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen.
Medikamentöse Behandlung
Viele Medikamente, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern schwere Schäden anrichten. Geben Sie daher Ihrem Kind keine frei verkäuflichen Schmerzmittel oder Ihr persönliches „Anti-Kopfschmerzmittel“. Für Kinder sind in erster Linie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert. Stärkere Wirkstoffe oder Mittel zur Vorbeugung verschreibt der Neurologe bzw. Kinder- und Jugendarzt nur in seltenen Fällen. Die meisten Migräne-Mittel sind rezeptpflichtig - aus gutem Grund. Es befinden sich süchtig machende Stoffe dabei und Chemikalien, die schon bei geringer Überdosierung gesundheitsgefährdend sind. Für Kinder sind viele Mittel nicht zugelassen. Deshalb muss ein Arzt entscheiden. Es gibt auch ”harmlose” Alternativen, die der Arzt empfehlen kann.
Die medikamentöse Behandlung von Migräne bei Kindern ist nicht das erste Mittel der Wahl. Die ärztliche Empfehlung lautet, zuerst nicht-medikamentöse Methoden auszuprobieren. Medikamente dienen bei Kindern mit Migräne eher als Reservemaßnahme, wenn die anderen Methoden nicht erfolgreich sind. Werden die Schmerzmittel frühzeitig eingenommen, lassen sich die Migräne-Attacken manchmal noch stoppen. Da Migräne-Anfälle bei Kindern meist kürzer sind als bei Erwachsenen, wirken die Medikamente oft erst dann, wenn die Attacke schon vorbei ist. Allerdings gibt es auch Kinder, die sehr starke Schmerzen haben und dringend Medikamente benötigen. Ob und in welcher Dosis Ihr Kind Schmerzmittel einnehmen sollte, erklärt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin.
Migräne-Medikamente bei Kindern unter 12 Jahren
Bei einem akuten Migräne-Anfall empfehlen Ärzte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol für Kinder.
Migräne-Medikamente bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren
Kinder ab zwölf Jahren dürfen nach einer ärztlichen Untersuchung die folgenden Medikamente einnehmen:
- Schmerzmittel wie Aspirin (Acetylsalicylsäure) sind als Tabletten, Pulver oder Zäpfchen erhältlich. Azetylsalizylsäure (ASS) ist für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet, weil der Wirkstoff bei ihnen in Einzelfällen gefährliche Gesundheitskomplikationen auslösen kann.
- Das verschreibungspflichtige Antiemetikum Domperidon gibt es als Tabletten oder Zäpfchen. Das Medikament bekämpft nicht nur die Übelkeit, sondern verstärkt auch die Wirkung von Schmerzmitteln.
- Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Dazu gehören beispielsweise die Mittel Sumatriptan und Zolmitriptan in Form von Nasensprays.
Viele Medikamente gegen Migräne (z. B. Metoclopramid oder Steroide), die Erwachsenen helfen, richten bei Kindern unter Umständen schwere Schäden an. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen!
Vorbeugende Maßnahmen
Treten mehr als drei Migräneattacken im Monat auf, können Maßnahmen zur Vorbeugung der Migräneanfälle ergriffen werden. Die medikamentöse Vorbeugung muss vom Kinder- und Jugendarzt individuell für den Patienten erwogen werden.
Entspannungsverfahren
Einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson haben sich bei Kindern zur Behandlung und Vorsorge bewährt. Die Patienten lernen hier gezielt - z.B. in Form von Fantasiereisen durch den Körper -, einzelne Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen.
Lebensstiländerungen
Sport treiben, Lust auf tolles, gesundes Essen und Spaß haben, das ist kindgerecht, das ist heilsam.
Weitere Möglichkeiten zur Vorbeugung
Verschiedene Methoden können einigen Kindern und Jugendlichen helfen, einem Migräneanfall vorzubeugen oder die Beschwerden zu lindern. Hierzu gehören außer Entspannungstechniken zum Beispiel das sogenannte Biofeedback oder die Verhaltenstherapie.
- Biofeedback: Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Während einer Sitzung werden Sensoren auf die Haut geklebt, die zum Beispiel die Hirnaktivität oder die Hauttemperatur messen. Die Messung wird auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch bewusste Konzentration ist es mit einiger Übung meist möglich, zum Beispiel die Hauttemperatur willentlich zu verändern. Die Messwerte zeigen, ob dies gelingt. Wer lernt, eigene Körperfunktionen zu steuern, soll auf diese Weise auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren können. Die Methode muss allerdings trainiert werden, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.
- Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden oft auch andere Techniken wie eine Entspannungsmethode oder ein Biofeedback vermittelt.
Wirksamkeit von vorbeugenden Methoden
Viele der beschriebenen Möglichkeiten zur Vorbeugung sind bislang nicht einzeln in wissenschaftlichen Studien mit Kindern und Jugendlichen erprobt worden. Allerdings gibt es mehrere Studien, in denen umfangreichere Behandlungspakete untersucht wurden.
Medikamente zur Migränevorbeugung
Fachleute halten eine vorbeugende Migränebehandlung mit Medikamenten für sinnvoll, wenn
- mehr als dreimal im Monat Migräneanfälle auftreten,
- die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind,
- Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen.
Die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten hängt aber auch von persönlichen Faktoren ab: Etwa davon, wie stark sich ein Kind von der Migräne beeinträchtigt fühlt oder ob es sich vorstellen kann, jeden Tag Medikamente einzunehmen.
Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten "Off-Label-Use". Gemeint ist damit der Einsatz einer Arznei bei einer Patientengruppe oder Erkrankung, für die sie keine Zulassung hat.
Wirksamkeit von Medikamenten zur Vorbeugung
Die Wirksamkeit von Flunarizin und Propranolol zur Vorbeugung von Migräne bei Heranwachsenden ist bislang nicht sicher belegt. Auch diese Medikamente haben verschiedene Nebenwirkungen: Propranolol kann Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen auslösen und ist für Kinder mit Asthma nicht geeignet. Flunarizin kann zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsveränderungen führen.
Wer sich für eine medikamentöse Vorbeugung entscheidet, muss etwas Geduld haben: Meist lässt sich erst nach 2 bis 3 Monaten sagen, ob die Medikamente die Beschwerden verringern.
Pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel
Zur Migränevorbeugung werden auch pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10, Mutterkraut, Vitamin B2 oder Pestwurz angeboten. Ob diese Mittel tatsächlich vor Migräne schützen, ist mangels aussagekräftiger Forschung jedoch unklar.
Für Erwachsene ist der Nutzen von Medikamenten zur Migränevorbeugung besser untersucht. Wenn ein Wirkstoff Erwachsenen hilft, bedeutet das aber nicht, dass er auch bei Kindern wirkt: Zum einen können Arzneimittel auf den Organismus eines Heranwachsenden anders wirken, zum anderen unterscheidet sich die Migräne bei Kindern von der bei Erwachsenen. Nicht zuletzt können geringere Dosierungen erforderlich sein.
Eine vorbeugende medikamentöse Behandlung kann helfen. Eine langfristige Wirksamkeit der Medikamente bei Kindern und Jugendlichen ist jedoch nicht nachgewiesen. Wenn ein Kind oder Jugendlicher vorbeugend Medikamente nimmt, ist es wichtig, die Anwendung alle paar Monate zu überprüfen.
Was Eltern tun können
Die Eltern sind für eine erfolgreiche Behandlung jedoch genauso bedeutend. Sie nehmen ihre Kinder oft sehr ernst, wenn diese über Kopfschmerzen klagen - und das ist richtig so. Außerdem unterstützen sie beim Führen des Tagebuchs. Wenn Migräneanfälle immer wieder auftreten, suchen Kinder und ihre Eltern nach Möglichkeiten, ihnen vorzubeugen.
Eine positive Einstellung fördern
Nach ein paar Wochen drehte Familie N. den Spieß einfach um: Nicht mehr die schlechten Tage wurden im Schmerztagebuch notiert, sondern die, an denen es Lisa* gut ging. „Wir klebten dann immer Smileys in das Buch“, erzählt Mutter Angelika N.* „Es tat uns und vor allem Lisa gut, sich aufs Positive und nicht aufs Negative zu konzentrieren.“