Menstruelle Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Viele Frauen kennen das Problem: Kurz vor, während oder nach der Menstruation werden sie von heftigen Migräneattacken geplagt. Diese sogenannte menstruelle Migräne kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Was ist Menstruelle Migräne?

Menstruelle Migräne ist eine Form der Migräne, die in engem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht. Treten die Kopfschmerzattacken zwei Tage vor bis drei Tage nach den Monatsblutungen auf und das bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen, spricht man gemäß der internationalen Kopfschmerzklassifikation von einer menstruellen Migräne. Haben die Frauen auch zu anderen Zeitpunkten des Monatszyklus Beschwerden, handelt es sich um eine sogenannte menstruell assoziierte Migräne.

Frauen sind dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Etwa 20 Prozent der Patientinnen haben die Beschwerden in Abhängigkeit von ihrem Zyklus. Besonders heftig sind die Kopfschmerzattacken oft rund um die Regelblutungen oder bei Beginn der Wechseljahre. Während einer Schwangerschaft oder auch nach Ende der Menopause verbessern sich die Symptome häufig.

Ursachen der Menstruellen Migräne

Die genauen Ursachen für Migräne sind bis heute nicht genau bekannt. Neben der Veranlagung zu Migräne und damit verbundenen neurophysiologischen Besonderheiten scheint es äußere und innere Triggerfaktoren zu geben, die dann konkrete Beschwerden auslösen. Dazu können Stress, emotionale Belastungen, ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Alkohol oder Zigaretten gehören. Bei Frauen kommen hormonelle Schwankungen im Verlauf des Monatszyklus als Risikofaktor für menstruelle Migräne hinzu.

Hormonschwankungen, insbesondere ein abrupter Östrogenabfall, können das Auftreten einer Migräne begünstigen. Besonders zum Ende eines Monatszyklus sind Frauen oft von heftigen Kopfschmerzen betroffen. Bei ihnen tritt die Migräne dann während der Periode auf - zwischen zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Regelblutung. Es gibt Hinweise darauf, dass außer dem abfallenden Hormonspiegel zum Ende des Monatszyklus auch das Neuropeptid CGRP eine Rolle spielt. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.

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Forscher der Charité in Berlin überprüften, ob dieser Zusammenhang auch bei Menschen besteht. Hierfür ermittelten sie bei 180 Frauen die CGRP-Konzentration im Blut: einmal zum Zeitpunkt des Eisprungs und einmal kurz vor der Periode. Im Vergleich zu Frauen ohne Migräne hatten Patientinnen mit Beschwerden während der Menstruation einen deutlich höheren CGRP-Spiegel. Das könne erklären, warum die betroffenen Frauen kurz vor und während der Monatsblutung häufiger Migräneattacken erleben, so die Wissenschaftler der Charité.

Neben den natürlichen Hormonschwankungen im weiblichen Zyklus können auch Hormonpräparate wie die Antibabypille eine Migräneattacke auslösen. Hier fällt der Östrogenspiegel mit Einnahme der letzten Tablette aus dem Blister und der damit verbundenen Einnahmepause ab.

Symptome der Menstruellen Migräne

Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den Symptomen zählen:

  • Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
  • oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
  • mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen

Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.

Diagnose und Differenzialdiagnose

Die Diagnose der menstruellen Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Erfassung der Symptome im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus. Ein Kopfschmerzkalender kann dabei helfen, den zeitlichen Zusammenhang zwischen den Attacken und der Menstruation zu dokumentieren. Es ist wichtig, andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen, wie z.B. Spannungskopfschmerzen, Sinusitis oder neurologische Erkrankungen.

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Erfahrungsberichte von Betroffenen

Viele Frauen berichten, dass ihre Migräneattacken kurz vor oder während der Periode besonders stark und langwierig sind. Einige Betroffene haben positive Erfahrungen mit Magnesium gemacht. Eine Frau berichtet, dass sie ab ca. 7 Tage vor ihrer Periode täglich 600mg Magnesium einnimmt, bis zum 3. Zyklustag. Seitdem seien ihre Beschwerden besser geworden. Andere Frauen berichten, dass Mönchspfeffer bei ihnen keine Wirkung gezeigt hat, während er bei anderen hilfreich war. Ein weiterer Erfahrungsbericht deutet darauf hin, dass die Schilddrüse eine Rolle spielen kann. Seit die Schilddrüse richtig eingestellt ist, treten keine Migräneattacken mehr auf. Es ist ratsam, die Hormonwerte prüfen zu lassen, um mögliche Ursachen für die Migräne zu identifizieren.

Behandlung der Menstruellen Migräne

Die Migräne selbst ist nicht heilbar, aber die Kopfschmerzen und begleitenden Symptome können behandelt werden. Grundsätzlich gilt: Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung. Auch haben viele Frauen bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt.

Medikamentöse Behandlung

Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden. Zu beachten ist, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.

Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie verengen gezielt die Blutgefäße in den Hirnhäuten und unterbrechen damit den Migräneanfall. Dabei wirken sie nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray und Injektion erhältlich. Bei anderen Kopfschmerzarten sind sie meist wirkungslos.

Da die Attacken in der Regel besonders lange andauern, empfiehlt die Kieler Schmerzklinik, langwirksame Präparate wie Naproxen, Naratriptan oder Frovatriptan.

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Hormonelle Behandlung

Könnten menstruelle Migräneattacken dann im Umkehrschluss durch Hormongaben verhindert werden? Laut der Information kann der Gebrauch einer Antibabypille im sogenannten Langzyklus besser sein. Hierbei nehmen die Patientinnen die Hormone länger als die üblichen 21 Tage, manchmal sogar kontinuierlich ein. Bleibt die Periode aus, bleiben häufig auch die Migräneattacken aus. Zudem sind Präparate mit einer geringen Hormonkonzentration zu bevorzugen.

Anders sieht es aus, wenn Patientinnen unter Migräne mit Aura leiden. Hier rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) grundsätzlich davon ab, mit hormonell wirksamen Präparaten zu verhüten. Der Grund: Diese Frauen haben ein leicht, aber signifikant erhöhtes Risiko einen Schlaganfall oder andere vaskulär bedingte Erkrankungen zu erleiden. Die zusätzliche Einnahme eines KOK würde dieses Risiko noch erhöhen. Obwohl die Datenlage bisher noch limitiert ist, scheinen orale Gestagen-Monopräparate (POP) das Risiko arterieller Thromboembolien hingegen nicht zu erhöhen, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihrer Leitlinie. Demnach dürfen Migräne-Patientinnen mit oder ohne Aura POP einnehmen, insofern sie keine weiteren Risikofaktoren für einen Schlaganfall aufweisen. Vorläufige Ergebnisse zweier Pilotstudien deuten zudem darauf hin, dass bei Einnahme reiner Gestagenpräparate (Desogestrel 75 µg) die Migräneattacken weniger schwer ausfallen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Bei einem akuten Migräneanfall kann es helfen, sich zurückzuziehen. Im besten Fall in einen ruhigen Raum, der sich abdunkeln lässt. Ob Radfahren, Joggen oder Schwimmen - probieren Sie aus, was Ihnen guttut.

Regelmäßige Bewegung tut dem Körper gut - das ist kein Geheimnis. So kann die körperliche Aktivität sogar bei der Schmerzlinderung helfen und dafür sorgen, dass du dich auch vor und während der Periode wohler fühlst. Durch regelmäßige Bewegung werden körpereigene Glückshormone, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet und Stresshormone wie Cortisol verringert. Endorphine wirken als natürliches Schmerzmittel des Körpers, indem sie die Schmerzempfindlichkeit reduzieren.

Vorbeugende Maßnahmen

Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:

  • Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
  • Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
  • Stress vermeiden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
  • Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
  • Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
  • Magnesium kann in manchen Fällen helfen, die Beschwerden zu lindern.

Weitere Therapieansätze

  • Akupunktur: Einige Frauen berichten von positiven Erfahrungen mit Akupunktur zur Linderung von Migränebeschwerden.
  • Histaminarme Ernährung: Bei manchen Personen können Migräneanfälle von zu viel Histamin in der Nahrung ausgelöst werden. Eine histaminarme Ernährung kann hier Abhilfe schaffen.
  • CBD-Öl: Einige Betroffene planen, CBD-Öl auszuprobieren, um die Migränebeschwerden zu lindern. Es gibt jedoch noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von CBD-Öl bei Migräne.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Frauen, die mit heftigen Migräneanfällen rund um ihre Menstruation kämpfen, sollten dies mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Es ist wichtig, die individuellen Ursachen und Auslöser der Migräne zu identifizieren und eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln.

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