Migräne-Behandlung mit Botox: Ein umfassender Leitfaden

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die oft von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. Chronische Migräne, bei der Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat auftreten, kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsoptionen, darunter die Botox-Therapie. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Migräne-Behandlung mit Botox, einschließlich des Behandlungsschemas, der Wirksamkeit, der Kosten, der Nebenwirkungen und anderer wichtiger Aspekte.

Was ist Botox und wie wirkt es bei Migräne?

Botox, auch bekannt als Botulinumtoxin, ist ein von dem Bakterienstamm Clostridium Botulinum gewonnenes natürliches Eiweiß. Es hemmt die Übertragung von Nervenimpulsen zum Muskel, was zu einer Entspannung des Muskels führt. Seit mehr als 20 Jahren wird Botox als Wirkstoff stark verdünnt verabreicht.

Die genaue Wirkungsweise von Botox bei der Behandlung von chronischer Migräne ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass Botox die Ausschüttung von Botenstoffen wie Acetylcholin, Glutamat, Substanz P und CGRP hemmt, die an der Schmerzweiterleitung und Entzündungsprozessen im Gehirn beteiligt sind. Indem Botox diese Botenstoffe reduziert, kann es die Schmerzsignale unterdrücken und die Muskelanspannung verringern, die oft mit Migräne einhergeht.

Bei Migräne-Anfällen kommt es zu einer sehr starken Anspannung der Muskeln in Gesicht, Hals, Nacken und Schulter. Die Muskeln drücken dadurch auf die Gefäße, hemmen die Blutzirkulation und verursachen Sauerstoffmangel. Die Folge sind starke Migräne-Kopfschmerzen sowie zum Teil Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit. Bei dieser starken Muskelanspannung setzt die Botox®-Therapie an.

Das Beratungsgespräch

Vor Beginn einer Botox-Behandlung gegen Migräne ist ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem qualifizierten Arzt unerlässlich. In diesem Gespräch werden Ihre aktuellen Beschwerden, Ihre Krankengeschichte und Ihre allgemeine gesundheitliche Situation besprochen. Der Arzt wird Ihnen den Ablauf der Behandlung genau erklären und gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan entwickeln. Dies ist auch eine gute Gelegenheit, alle Ihre Fragen und Bedenken zu äußern.

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Es ist wichtig, dass der behandelnde Arzt die Wünsche und Nöte des Patienten verstehen und umsetzen kann. In Ihrem individuellen Beratungsgespräch können die Methode der Migränebehandlung abgestimmt und dabei alle Vorteile und Risiken einer Behandlung besprochen werden, damit Sie bestmöglich über Ihre mögliche Behandlung informiert sind. Ein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und uns ist wichtig, damit keine Missverständnisse und daraus folgende Komplikationen entstehen können.

Das Botox-Behandlungsschema (PREEMPT-Schema)

Auf Basis der PREEMPT-Studie wurde ein Schema erarbeitet, anhand dessen das Botox® mit feinsten Kanülen in die Muskulatur an Stirn, Nacken und Schultern injiziert wird. Bei der Behandlung mit BOTOX® werden geringe Mengen Botulinumtoxin Typ A in bestimmte Punkte in den Muskeln Ihres Kopfes, Nackens und Schulterbereichs gespritzt. In der direkten Umgebung dieser Injektionsstellen liegen unter anderem der Gesichtsnerv und weitere Nerven, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind. Hier entfaltet BOTOX® gegen Migräne seine Wirkung.

Für die Anwendung gibt es ein spezielles Behandlungsschema, das sich PREEMPT-Schema nennt. Hierbei wird BOTOX® mit besonders dünnen Nadeln in 31 festgelegte Punkte injiziert. Die aktuelle Standarddosierung gemäß Herstellerempfehlung und Zulassung in Deutschland beträgt pro Behandlung zwischen 155 und 195 sogenannten „Allergan-Einheiten“ (AE). Die Erstbehandlung erfolgt dabei regelmäßig mit 155 AE, verteilt über die folgenden 7 Zonen und insgesamt 31 Injektionspunkte für die Migränespritze. Sollte sich nach der Erstbehandlung mit der Standarddosis kein Erfolg einstellen, so sollte in einer zweiten Sitzung die Erhöhung auf 195 E erwogen werden. Die zusätzlichen Einheiten werden dann auf die Zonen verteilt, in denen der Patient das intensivste Schmerzempfinden verspürt. (Follow the Pain)

Insgesamt gibt es bei der Migränebehandlung durch Botox 31 Punkte an Stirn, Schläfe, Nacken und Schultern, an denen das Botox gespritzt werden kann, um die Migräneschmerzen zu lindern. Der behandelnde Arzt ermittelt im individuellen Beratungsgespräch die Schmerzpunkte der Migräne, um dort Botox zu injizieren. Die Botoxbehandlung entspannt die übermäßige Empfindlichkeit und schützt das Nervensystem. Durch eine gezielte Injektion werden die betroffenen Muskeln angesprochen.

Der Behandlungsablauf

Die Behandlung selbst dauert nur circa 15 bis 30 Minuten. Dein behandelnder Arzt setzt dabei gezielte Injektionen im Bereich von Kopf, Nacken und Schulter - genau an den Stellen, an denen verspannte Muskeln häufig Migräneschmerzen auslösen. Durch die Verwendung von besonders feinen Nadeln sind die Einstiche in der Regel kaum spürbar. Auf Wunsch kann vorab eine Betäubungscreme aufgetragen werden, damit die Behandlung für Dich so angenehm und entspannt wie möglich verläuft. Das Injizieren des Botox dauert nicht lange und kann ambulant durchgeführt werden. Ein positiver Nebeneffekt der Botoxbehandlung von Migräne können teilweise geliftete Gesichtszüge sein, da das injizierte Botox im Muskel zu einem Anheben führt. Der Patient ist direkt nach der Behandlung wieder gesellschaftsfähig und kann nach circa zwei Tagen auch wieder Sport betreiben.

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Üblicherweise erfolgt die Behandlung alle 3 Monate. Im 2. Behandlungsjahr kann bei anhaltendem Therapieerfolg versucht werden, das Intervall auf 4 Monate zu verlängern. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den 3-Monatszeitraum beizubehalten, aber die Dosierung zu verringern. Es kann auch versucht werden, die Behandlung auszusetzen und erst bei erneut einsetzenden Beschwerden wieder aufzunehmen.

Wirksamkeit der Botox-Behandlung bei Migräne

Die Wirksamkeit von Botox bei der Behandlung von chronischer Migräne wurde in mehreren Studien belegt. So konnte in der PREEMPT-Studie aus dem Jahre 2010 mit 1384 Migräne-Patienten die Anzahl der Kopfschmerz-Tage als auch die Intensität der Schmerzen signifikant verringert werden. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie zu Cluster-Kopfschmerzen. Studien belegen: 50% Verbesserung bei 50-60% der Patienten. Medizinische Studien zur Wirksamkeit von BOTOX bei chronischer Migräne zeigen eine kontinuierliche Zunahme der Wirkung bei wiederholter Therapie im 1. Behandlungsjahr. Nach der 1. Behandlung zeigte sich eine Verringerung der Kopfschmerztage um 50% bei rund der Hälfte der Patienten. Nach einer 2. und 3. Behandlung erhöhte sich der Anteil der Patienten von 50% auf 60%.

Eine weitere Studie zeigte bei Patienten, die 2 Jahre lang alle 3 Monate mit BOTOX gegen Migräne behandelt wurden, ebenfalls eine kontinuierliche Zunahme des Therapieerfolgs. Aufgrund derartiger Studienergebnisse wird in der Praxis oft nach 2-3 Behandlungen entschieden, ob die Therapie anschlägt und weitergeführt werden soll.

Studien zeigen, dass BOTOX® bei rund 7 von 10 Menschen mit chronischer Migräne die Anzahl der Tage mit Kopfschmerzen langfristig um mindestens die Hälfte reduzieren kann. Zudem ist es möglich, dass mit der Anwendung von BOTOX® auch die Stärke der Kopfschmerzen abnimmt, die Migräneattacken kontrollierbarer werden und die Einnahme von Schmerzmitteln verringert wird. Dadurch kann die Migränebehandlung insgesamt Ihre Lebensqualität verbessern.

Wann ist Botox bei Migräne geeignet?

Seit 2011 ist Botox® vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Behandlung gegen Migräne zugelassen. Botulinumtoxin zeigt seine Wirksamkeit nach aktuellem wissenschaftlichem Stand vor allem bei der chronischen Migräne. Bei episodischer Migräne, also wenn Attacken seltener auftreten, kommen in der Regel andere Medikamente oder nicht-medikamentöse Maßnahmen zum Einsatz. Von der Behandlung einer „normalen“ Migräne, die nicht chronisch ist, durch Botox ist abzusehen.

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BOTOX® kommt für Erwachsene infrage, bei denen vorbeugende Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society) hat spezifische Kriterien für die Diagnose der chronischen Migräne festgelegt.

Zusammenfassend gibt es bei chronischer Migräne eine Basistherapie, bestehend aus den oralen Wirkstoffen Topiramat, Betablockern, Amitriptylin und Flunarizin mit Zulassung für die Migräne, sowie aus dem injizierbaren Botulinumtoxin Typ A mit Zulassung speziell für die chronische Migräne. Vor dem Einsatz von Botulinumtoxin Typ A müssen wenigstens zwei erfolglose (d. h. keine Reduktion der Kopfschmerztage um mindestens 50 %) Behandlungsversuche mit einem oralen Basistherapeutikum durchgeführt worden sein.

Damit die Kassen die Kosten der BOTOX Spritze gegen Migräne übernehmen, muss jedenfalls eine chronische Migräne nach den weiter oben im Text dargestellten Kriterien vorliegen. Darüber hinaus muss ein prophylaktische Migräne-Behandlung mit herkömmlichen Medikamenten, wie Metoprolol, Flunarizin oder Topiramat erfolglos versucht worden sein.

Was sollte nach der Migränebehandlung mit Botox® beachtet werden?

Die Migräne Therapie verursacht in der Regel keinerlei Ausfallzeiten. Auch eine spezifische Nachsorge ist nicht erforderlich. Sie sollten lediglich darauf achten, dass Sie den Kopf in den folgenden Stunden aufrecht halten und sich nicht hinlegen. So gehen wir sicher, dass das Botox® in der gewünschten Region verbleibt und wirkt. Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.

Vor der Behandlung können Sie einiges tun, damit die Injektion von BOTOX® so angenehm und erfolgreich wie möglich für Sie verläuft. Bei der Behandlung sollten Sie keine Schminke, wie etwa Make-up, tragen Falls Sie BOTOX® selbst zu dem Termin mitbringen, denken Sie daran, das Medikament gekühlt (bei maximal 2 - 8 °C) zu transportieren. Bitte teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, wo die Schmerzen besonders stark sind, um falls nötig weitere Behandlungspunkte festzulegen. Wenn Sie zum Zeitpunkt eines Behandlungstermins eine akute Migräneattacke haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob der Termin verschoben werden sollte und ob es zeitnahe Alternativen gibt.

Direkt nach der Behandlung können Ihnen folgende Tipps helfen: Bleiben Sie noch ein paar Minuten in der Praxis, um sicherzugehen, dass Sie die Behandlung mit BOTOX® gut vertragen. Mögliche Schwellungen im behandelten Bereich bilden sich meist innerhalb von 30 Minuten von selbst wieder zurück. In den ersten 24 Stunden nach der Behandlung achten Sie bitte auf Folgendes: Vermeiden Sie es, den Bereich der Injektion zu reiben oder zu massieren. Wenden Sie keine Gesichtsmaske oder Peeling an. Lassen Sie keine Physiotherapie und Lymphdrainagen durchführen. Verzichten Sie auf einen Saunabesuch oder ein Sonnenbad. Mit diesen Maßnahmen können Sie einer Verteilung von BOTOX® an andere Stellen vorbeugen bzw. eine mögliche Verringerung der Wirkung verhindern. Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen: Vielleicht sind Sie im Anschluss an die Behandlung etwas erschöpft. Gönnen Sie sich nach einem Behandlungstermin etwas Ruhe. Führen Sie über die Zeit der Behandlung ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Botulinum gilt als gut verträgliche Therapie. Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Schmerzen oder Rötungen an den Einstichstellen, in seltenen Fällen leichte Muskelverspannungen oder Kopfdruck. Nach einer Botox® Behandlung gegen Migräne kann es vorrübergehend zu Nacken- oder Kopfschmerzen kommen. Nach der Behandlung durch Botox können kleine Blutergüsse oder Schwellungen an den Stellen entstehen, in die injiziert wurde. Solche Komplikationen sind natürliche Reaktionen des Körpers und unbedenklich.

Die häufigsten Nebenwirkungen beim Einsatz von BOTOX gegen Migräne sind Nacken- und Kopfschmerzen für 2-3 Tage. An den Einstichstellen der Migräne Spritze kommt es zu kurzzeitigen Rötungen, die binnen weniger Minuten wieder vergehen. Vereinzelt können auch leichte Blutergüsse auftreten. Weil BOTOX ähnlich wie bei Faltenbehandlungen in den Stirnmuskel injiziert wird, kann es zu hängenden Augenbrauen (Ptosis) kommen. Auch eine Schwäche der Nackenmuskulatur bei sehr schlanken Patienten kann vorkommen.

Kontraindikationen

Es gibt einige Erkrankungen, bei denen Botox generell nicht angewendet werden sollte:

  • Neuromuskulären Erkrankungen
  • bei Schluckstörungen oder chronischen Atembeschwerden.
  • Das Bestehen akuter Infekte und Entzündungen der vorgesehenen Injektionsstellen.
  • Die gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamente, die die muskuläre Transmission beeinflussen sowie bestimmter Antibiotika (Aminoglykosid-Antibiotika, Spectinomycin).
  • Die nachgewiesene Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile von BOTOX.
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Eine Behandlung mit BOTOX® sollte nicht erfolgen, wenn Sie in der Vergangenheit eine Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen nicht gut vertragen haben, zum Beispiel aufgrund einer allergischen Reaktion.

Kosten und Kostenübernahme

Die Kosten für eine Behandlung mit Botox® gegen Migräne hängen von der Menge der Injektionspunkte ab. Der behandelnde Arzt erstellt einen Kostenvoranschlag, den die Patienten bei ihrer Krankenkasse einreichen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlung, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Es muss eine chronische Migräne vorliegen, mit min. 15 Kopfschmerz-Tagen pro Monat, davon min. 8 Tage mit Migräne.
  • Zwei bis drei verschiedene Migräne-Medikamente müssen bereits erfolglos getestet worden sein - in ausreichender Dosierung und Dauer.
  • Die Behandlung muss von einem Spezialisten durchgeführt werden.

Botox bei chronischer Migräne wird von den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen übernommen, wenn die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind. Sollte Botox bei episodischer Migräne versucht werden, belaufen sich die Kosten einer 3-Monats-Behandlung auf ca. 580 Euro (für 155 AE) als ungefährer Richtwert. Die konkreten Kosten hängen dann von den spezifischen Bedingungen des individuellen Falles ab und werden nach GOÄ abgerechnet.

Alternativen zur Botox-Behandlung

Neben der BOTOX Behandlung kann eine medikamentöse Prophylaxe eingenommen werden. Eine zumindest teilweise wirksame Medikation kann daher zunächst beibehalten werden, und nach erfolgreicher Behandlung mit BOTOX eventuell abgesetzt werden. Hat sich eine medikamentöse Prophylaxe hingegen als erfolglos herausgestellt, dann besteht kein vernünftiger Grund, warum neben der BOTOX-Therapie damit fortgefahren werden sollte.

Seit Ende 2018 stehen mit Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab neue Wirkstoffe zur Verfügung. Hier greift der Wirkstoff als Antikörper gezielt am CGRP-Rezeptor an, der an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne zentral beteiligt ist.

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