Der Zusammenhang zwischen Migräne und Eisenmangel: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Sie äußert sich typischerweise durch periodisch wiederkehrende, pulsierende und meist halbseitige Kopfschmerzen, die von Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Migräne und Eisenmangel bestehen könnte.

Migräne: Eine Übersicht

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Während sich das Migräneleiden durch pochend-pulsierende, meist einseitige Schmerzen äußert, haben Personen mit Kopfschmerzen ein dumpfes und drückendes Gefühl im Kopf. Außerdem machen sich Kopfschmerzen meist über den gesamten Kopf bemerkbar. Bei körperlicher Anstrengung verstärkt sich der Schmerz. In der Regel dauert eine Migräneattacke zwischen 4 und 72 Stunden. Teilweise kann ein Migräneanfall auch mit einer Aura einhergehen (etwa 20 % der Migränepatienten). Diese äußert sich vor allem durch optische, sensible sowie sprachliche Störungen und dauert in der Regel bis zu 60 Minuten an.

Mögliche Auslöser und Risikofaktoren

Es ist noch nicht vollständig geklärt, was die Ursachen einer Migräne mit oder ohne Aura sind. Wahrscheinlich treten mehrere Faktoren gleichzeitig auf. Auslöser können unter anderem Stress, Schlafmangel, Hormonveränderungen z. B. während des Zyklus oder durch Einnahme von Hormonpräparaten (bspw. Pille), Wetterveränderungen sowie Vitaminmangel sein. Diverse Studien zeigen, dass Migräne-Patienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10.

Eisenmangel: Ein Überblick

Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das für zahlreiche Körperfunktionen benötigt wird, darunter den Sauerstofftransport im Blut, die Energieproduktion und die Funktion des Immunsystems. Ein Eisenmangel entsteht, wenn der Körper nicht genügend Eisen aufnimmt oder verliert, um seinen Bedarf zu decken. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Kurzatmigkeit.

Eisenmangel und Kopfschmerzen

"Ein anerkanntes Symptom eines niedrigen Ferritin-Spiegels sind chronische Kopfschmerzen", so Calhoun und ihr Team. Umgekehrt würden Kopfschmerzen mit Anämie, Hypoxämie, Hyperkapnie und zerebraler Vasodilatation in Zusammenhang gebracht. Erst kürzlich habe eine Studie gezeigt, dass Patienten mit einer Eisenmangelanämie ein deutlich erhöhtes Kopfschmerzrisiko haben.

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Der vermutete Zusammenhang zwischen Migräne und Eisenmangel

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Migräne und Eisenmangel bestehen könnte. Eine mögliche Erklärung ist, dass Eisenmangel die Funktion des Gehirns beeinträchtigen und die Entstehung von Migräneattacken begünstigen kann.

Eisenstoffwechsel im Gehirn und Migräne

Eine Störung des Eisenstoffwechsels in einem kleinen Teil des Gehirn verursacht Migräneattacken und starke Kopfschmerzen. Die so genannte Periaqueductale graue Substanz, kurz PAG, kontrolliert beim gesunden Menschen den Schmerz. Bei einem Migräneanfall aktivieren Auslöser wie Stress die PAG. Ihre Funktion ist jedoch gestört und der Schmerz trifft den Patienten ungehindert. Der Grund für die Funktionsstörung des PAG liegt nach Meinung der Forscher um den Neurophysiologen Michael Welch vom medizinischen Zentrum in Kansas in seinem Eisenstoffwechsel. Daher untersuchten sie die Konzentration von Eisen in diesem Teil des Gehirns. Die Eisenwerte von Versuchspersonen mit Migräneanfällen oder periodisch wiederkehrenden Kopfschmerzen waren viel höher als bei Menschen ohne Kopfschmerzen. Je länger der Schmerz andauerte, desto höher war der Eisenspiegel in der PAG. Dadurch wird das Gleichgewicht für Eisen-Ionen beeinträchtigt und es kommt zu Störungen oder Beschädigungen der Nervenzellen. Die Ablagerungen von Eisen infolge von regelmäßigen starken Kopfschmerzen oder Migräneanfällen verstärken diese Fehlfunktion - es entsteht ein Teufelskreis.

Ferritinspiegel und Menstruationsassoziierte Migräne

In der Migräne-Ambulanz des Carolina Headache Institute in Durham kamen immer wieder Patientinnen, die die Kopfschmerzschübe nicht klassischerweise zu Beginn ihrer Periode bekamen, sondern erst gegen Ende. Forscher um Dr. Anne H. Binnen sechs Wochen fanden sich 85 Frauen mit Migränediagnose, die einen regelmäßigen Zyklus hatten und damit für die Auswertung geeignet waren (Headache 2016; online 5. Oktober). 30 von ihnen (35,3 Prozent) hatten angegeben, dass in den letzten Tagen ihrer Monatsblutung Kopfschmerzen einsetzten und dann im Mittel 2,6 Tage anhielten. In der Migräne-Klinik werden bei allen Patientinnen routinemäßig die Ferritinwerte bestimmt. Diese lagen bei 28 der 30 EMM-Kandidatinnen unterhalb des allgemein akzeptierten Grenzwertes von 50 ng/ml. Bei der Hälfte waren es sogar weniger als 18 ng/ml. Ferritin dient im Organismus nicht nur als Speicherstoff für Eisen, sondern kontrolliert auch die Freisetzung, je nachdem, wie viel davon im Gewebe benötigt wird. Die EMM stand, anders als die normale Menstruationsmigräne, nicht im zeitlichen Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen, sondern ereignete sich in einer Phase sehr stabiler Östrogenkonzentrationen.

Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können

Neben Eisenmangel gibt es noch weitere Faktoren, die eine Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen können:

Hormonelle Einflüsse

Werden Frauen von Migräneattacken heimgesucht, passiert das häufig kurz vor oder während der Monatsblutung. Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Der im Fachmagazin Neurology* veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP. Frauen sind dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Besonders zahlreiche und heftige Attacken erleben sie rund um die Regelblutung, aber auch bei Eintritt in die Wechseljahre. Dagegen verbessern sich die Symptome in vielen Fällen während der Schwangerschaft, und auch mit Abschluss der Menopause werden die Migräneattacken seltener. Dass Hormonschwankungen mit Migräne in Zusammenhang stehen, ist also seit Langem bekannt. „Aus dem Tiermodell haben wir Hinweise, dass Schwankungen von weiblichen Hormonen - insbesondere von Östrogen - zu einer verstärkten Freisetzung des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn führen“, erklärt Dr. Bianca Raffaelli vom Kopfschmerzzentrum der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie am Charité Campus Mitte, die die Studie geleitet hat. „CGRP steht für ‚Calcitonin Gene-Related Peptide‘ und ist eine körpereigene Substanz, die bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert. Anhand von insgesamt 180 Frauen prüfte die Charité-Forschungsgruppe nun, ob der Zusammenhang zwischen weiblichen Hormonen und der Ausschüttung von CGRP auch beim Menschen besteht. Dazu bestimmten die Forschenden bei Migränepatientinnen zweimal im Verlauf des Zyklus den CGRP-Spiegel, und zwar während der Monatsblutung und zum Zeitpunkt des Eisprungs. Ein Vergleich mit Frauen ohne Migräne belegte: Während der Menstruation ist die Konzentration an CGRP bei Migräne-Betroffenen deutlich höher als bei den gesunden Probandinnen. „Wenn also der Östrogenspiegel zur Einleitung der Periode sinkt, schütten die Migränepatientinnen vermehrt CGRP aus“, sagt Dr. Raffaelli, die auch Fellow des Clinician Scientist Programms ist, das die Charité zusammen mit dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) unterhält. Bei Frauen, die die Pille einnehmen, gibt es kaum Schwankungen des Östrogenspiegels. Wie die Forschenden in der aktuellen Studie nachwiesen, verändert sich auch die CGRP-Konzentration im Verlauf des „künstlichen Zyklus“ nicht und ist bei Migränepatientinnen vergleichbar mit der gesunder Frauen. „Auch wenn diese Daten noch durch größere Studien bestätigt werden müssen: Sie deuten darauf hin, dass beim Menschen die Freisetzung von CGRP abhängig vom hormonellen Zustand ist“, resümiert Dr. Raffaelli. „Tatsächlich kann die Einnahme der Pille und das Ende der Wechseljahre manchen Migränepatientinnen Linderung verschaffen. Wie aber aus unserer Studie ersichtlich wird, gibt es Frauen, die auch ohne Hormonschwankungen Migräne bekommen. Wir vermuten, dass bei ihnen andere Prozesse im Körper eine Rolle bei der Entstehung einer Attacke spielen. Aufgrund der zentralen Funktion von CGRP in der Migräneentstehung sind in den letzten Jahren neue Medikamente entwickelt worden, die sich gegen den Botenstoff richten - sogenannte CGRP-Inhibitoren. Dr. Raffaelli: „Auf Basis unserer Studie stellt sich nun die Frage: Haben CGRP-Inhibitoren bei verschiedenen hormonellen Zuständen eine unterschiedliche Wirkung? Wäre es also zum Beispiel sinnvoll, diese Medikamente zyklusabhängig zu verabreichen? Künftig wird das Forschungsteam untersuchen, welche weiteren körperlichen Prozesse durch den Menstruationszyklus beeinflusst werden und zur Entstehung von Migräneattacken beitragen könnten - zum Beispiel die Funktion der Blutgefäße oder die Erregbarkeit des Gehirns. Außerdem planen die Forschenden, auch den CGRP-Spiegel bei Männern unterschiedlicher Altersgruppen genauer in den Blick zu nehmen.*Raffaelli B et al. Sex hormones and Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) in women with migraine: a cross-sectional, matched cohort study. Neurology 2023 Feb 22. doi: 10.1212/WNL.0000000000207114

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Mikronährstoffmangel

Diverse Studien zeigen, dass Migräne-Patienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10. Vitamin B2, B6, B12, Niacin, Coenzym Q10 und Magnesium haben eine wichtige Funktion bei der Energiebereitstellung und unterstützen so z. B. den Energiestoffwechsel im Gehirn. Da bei Migräne wahrscheinlich der Energiestoffwechsel der Mitochondrien verändert ist, führt eine ausreichende Versorgung der Mikronährstoffe zu einem verbesserten Wohlbefinden. Eine Studie von Boehnke et al. (2004) zeigt zudem, dass sich eine Vitamin B2-Supplementation positiv auf Kopfschmerzen auswirken kann und es somit eine gute Migräneprophylaxe darstellen könnte. Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei und fördert zudem die Serotoninausschüttung. Serotonin, das sogenannte Glückshormon, leitet u. a. Nervensignale weiter, steuert die Ausdehnung sowie Verengung der Blutgefäße und löst Schmerzsignale aus. Serotonin wird daher auch häufig mit Migräne in Zusammenhang gebracht. Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass hohe Homocystein-Werte im Körper eine Migräne begünstigen können. Dazu untersuchte eine australische Studie den Effekt der Homocystein-senkenden Therapie auf die Migränehäufigkeit. Um die Homocystein-Konzentrationen im Körper zu senken, wurden den Probanden Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure über sechs Monate verabreicht. Des Weiteren untersuchten iranische Forscher die Wirkung von Vitamin D auf Migräne. Es stellte sich heraus, dass die Probanden mit Migräne deutlich niedrigere Vitamin D-Spiegel im Blut hatten als die Kontrollgruppe ohne Migräneattacken. So hatte jeder zweite Proband mit Migräne zu geringe Vitamin D-Spiegel. In der Kontrollgruppe war es lediglich jede 4.

Diagnose und Behandlung

Wenn Sie unter häufigen Migräneattacken leiden, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten. Der Arzt kann verschiedene Untersuchungen durchführen, um andere mögliche Ursachen für Ihre Kopfschmerzen auszuschließen und den Eisenstatus zu bestimmen.

Eisenmangel beheben

Wenn ein Eisenmangel festgestellt wird, kann dieser in der Regel durch eine Ernährungsumstellung und/oder die Einnahme von Eisenpräparaten behoben werden. Es ist wichtig, die Eisenpräparate gemäß den Anweisungen des Arztes einzunehmen, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten für Migräne

Neben der Behandlung von Eisenmangel gibt es verschiedene andere Behandlungsmöglichkeiten für Migräne, darunter:

  • Schmerzmittel: Bei akuten Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Triptane: Triptane sind spezielle Migränemedikamente, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Entzündung reduzieren.
  • CGRP-Inhibitoren: CGRP-Inhibitoren sind eine neue Klasse von Medikamenten, die sich gegen den Botenstoff CGRP richten, der bei Migräne eine wichtige Rolle spielt.
  • Vorbeugende Medikamente: Bei häufigen Migräneattacken können vorbeugende Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika helfen, die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Hinweis: Bevor zu Schmerzmitteln gegriffen wird, sollte der Vitamin-, Mineralstoff- (wie Magnesium, B-Vitamine, Vitamin D) und Homocystein-Status im Blut bei häufigen Migräne-Attacken untersucht und die entsprechenden Mikronährstoffe supplementiert werden.

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