Menstruelle Migräne: Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Selbsthilfe

Menstruelle Migräne ist eine spezielle Form der Migräne, die eng mit dem Menstruationszyklus der Frau verbunden ist. Viele Frauen leiden unter starken, anhaltenden Kopfschmerzen kurz vor oder an den ersten zwei Tagen ihrer Periode. Diese Kopfschmerzen können die gleichen Symptome wie allgemeine Migräne aufweisen, wie z. B. pulsierende und einseitige Schmerzen im Kopf, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Was ist Menstruelle Migräne?

Wenn du starke, anhaltende Kopfschmerzen nur kurz vor oder an den ersten zwei Tagen deiner Periode kennst, könnte es sich um menstruelle Migräne handeln. Menstruelle Migräne zeigt sich im Prinzip mit denselben Symptomen wie allgemeine Migräne auch:

  • Oftspontan auftretende
  • pulsierende
  • einseitige Schmerzen im Kopf
  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit

Wenn es dir so immer rund um den Beginn deiner Periode geht, solltest du am besten ein ausführliches Kopfschmerztagebuch führen. In ihm notierst du auch deine Beobachtungen, was den Schmerz ausgelöst haben könnte, also mögliche Triggerpunkte. Schau dir das Schmerztagebuch unbedingt mit deinem Arzt oder deiner Ärztin zusammen an. Ob es sich um menstruelle Migräne oder eine andere Kopfschmerzart handelt, ist oft gar nicht so leicht zu erkennen. Gemeinsam werdet ihr es aber herausfinden.

Gemäß internationaler Kopfschmerz-Klassifikation wird die menstruelle Migräne folgendermaßen definiert: Bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen tritt bei der Frau eine Migräneattacke auf und zwar innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach. Mit dieser strikten zeitlichen Fixierung trifft das aber nur auf einige Patientinnen mit Migräne zu. Ereignen sich die Kopfschmerzanfälle zusätzlich auch noch zu anderen Zeitpunkten im Zyklusverlauf, lautet der medizinisch korrekte Begriff „menstruell assoziierte Migräne“.

Betroffene Frauen leiden unter einem anfallsartigen, meist einseitigen, pulsierenden Kopfschmerz. Der Kopfschmerz kann sich mitunter auch beidseitig manifestieren. Außerdem berichten die betroffenen Frauen zusätzlich von Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit.

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Meistens macht sich die menstruelle Migräne bereits im zweiten Lebensjahrzehnt bemerkbar und erreicht um das 40. Lebensjahr herum ihr Maximum.

Migräne mit oder ohne Aura?

In Europa leidet etwa jede siebte Frau im Alter von 40 Jahren an Migräne. Dabei unterscheidet man zwischen einer Migräne mit Aura und ohne Aura. Von einer Aura spricht man, wenn es vor dem Migräneanfall zu neurologischen Störungen kommt. Das heißt, das Sehvermögen, die Wahrnehmung, das Gleichgewicht oder die Bewegungsfähigkeit sind beeinträchtigt. Gelegentlich kommt es auch zu Wortfindungsstörungen. Eine Aura dauert nur selten länger als eine Stunde an. Ein Zusammenhang zwischen Zyklus und Migräne besteht bemerkenswerterweise vor allem bei der Migräne ohne eine solche Aura.

Migräne oder „nur“ Spannungskopfschmerzen?

Die Abgrenzung zwischen einer Migräne ohne Aura und Spannungskopfschmerz kann schwierig sein. Deshalb soll die Diagnose „menstruelle Migräne“ laut der ärztlichen Leitlinien frühestens nach fünf erlittenen Attacken erfolgen. Zumal betroffene Frauen auch oft einen Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne sehen, den es gar nicht gibt. Das zeigen wissenschaftliche Studien, in denen die Teilnehmerinnen ein Kopfschmerztagebuch führten.

Ursachen der Menstruellen Migräne

Die genauen Ursachen für menstruelle Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass hormonelle Veränderungen eine entscheidende Rolle spielen. Insbesondere der Abfall des Östrogenspiegels kurz vor und während der Menstruation wird als Hauptauslöser angesehen.

Sexuelle Aufklärung mit Doktorsex Umut Özdemir, Dr. Östrogene gehören zu den Hormonen, die deinen Menstruationszyklus steuern. Sie sind zum Beispiel für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut zuständig. An den Tagen vor und unmittelbar beim Start der Periode ist das Östrogenlevel im Körper eh recht niedrig und fällt dann noch einmal ab. Dieser hormonelle Impuls löst die Periode aus - und es könnte sein, dass dein Körper darauf empfindlich reagiert. Der Östrogenspiegel beeinflusst eine ganze Menge, unter anderem auch die Serotoninmenge im Gehirn. Serotonin ist ein Botenstoff des Gehirns, der für unser Schmerzempfinden und damit auch bei der Entstehung von menstrueller Migräne eine besondere Rolle spielt.

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Die Schmerzen entstehen, wenn der Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Blut abfällt. Forscher und Forscherinnen der Charité in Berlin haben herausgefunden, welche Mechanismen dabei ablaufen. In einer Untersuchung mit 180 Frauen zeigte sich: Migräne-Patientinnen schütten größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn aus, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als die migränefreien Probandinnen. CGRP steht hierbei für Calcitonin Gene-Related Peptide, eine körpereigene Substanz, die auch bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn erweitert.

Hormonsenkung als Auslöser - und andere Faktoren

Die menstruelle Migräne ist häufig stärker ausgeprägt, hat mehr Begleitsymptome im Schlepptau und ist schwieriger zu behandeln als andere Migräneformen. Zwei gute Nachrichten gibt es aber auch:

  • Schwangere werden von den Migräneattacken weitgehend verschont, umso mehr, je enger diese an die Menstruation gekoppelt sind.
  • Wenn die Menopause abgeschlossen ist, kann sich das Leiden bessern oder sogar ganz verschwinden.

Bei der Entstehung der menstruellen Migräneattacken scheint der - vor der Periode einsetzende - Abfall zuvor hoher Hormonkonzentrationen (Östrogen, Gelbkörperhormone) im Blut eine auslösende Rolle zu spielen. Es gibt außerdem Hinweise auf Störungen in der Schmerzregulierung und im Prostaglandin- und Serotoninstoffwechsel. Inwiefern diese Störungen und die hormonellen Veränderungen aber im Detail für die Schmerzen verantwortlich sind, ist noch unklar. Die Genetik dürfte auch ein Wörtchen mitzureden haben. Ebenso die Epigenetik, also die Umstände, die das Ablesen der Erbinformation beeinflussen. Hier sind unter anderem psychosomatische Aspekte relevant, bei denen es um die Beziehung zwischen Körper und Seele geht - etwa beim Stressverhalten, das individuell sehr unterschiedlich gelebt wird. Stellt man beispielsweise mehreren Frauen die Frage, welchen Einfluss Stress auf ihren Körper hat, wird man keine einheitliche Antwort bekommen. Die einen kommen mit Stress gut zurecht, während bei den anderen Frauen Symptome wie Kopfschmerzen auftreten.

Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können:

  • Stress: Stress kann die Regelmäßigkeit und Stärke der Anfälle zusätzlich beeinflussen.
  • Schlaf: Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann die Regelmäßigkeit und Stärke der Anfälle zusätzlich beeinflussen.
  • Ernährung: Zu wenig oder unregelmäßige Mahlzeiten können die Regelmäßigkeit und Stärke der Anfälle zusätzlich beeinflussen.
  • Hormonelle Schwankungen: Nicht nur die Periode selbst wirkt sich aus, sondern auch andere hormonelle Schwankungen, etwa durch die Pille, eine Schwangerschaft, dein Alter oder die Wechseljahre, können Einfluss auf die Migräne nehmen. Viele Migränepatientinnen berichten, dass ihre Beschwerden nach der Menopause spürbar abnehmen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Menstrueller Migräne

Wenn du unter menstrueller Migräne leidest, musst du damit auf keinen Fall einfach leben. Derzeit wird zu den Behandlungsmöglichkeiten noch viel geforscht und diskutiert, doch gemeinsam mit deinem Arzt kannst du unterschiedliche Behandlungsansätze für dich prüfen. Oft lässt sich Migräne am besten mit einer Kombination von Medikamenten und einer Lebensstiländerung behandeln. Zu unterscheiden sind die Akuttherapie und die Prophylaxe, also alles, was du unternehmen kannst, damit die Anfälle weniger oft und stark auftreten.

Medikamente für die Akutphase

Als Medikament während einer Migräneattacke haben sich Tripane besonders bewährt. Tripane gibt es als Tabletten, Nasenspray und Injektionen. Sie lindern Schmerzen und andere Migränesymptome, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Überempfindlichkeit von Schmerzrezeptoren verringern. Sie sind verschreibungspflichtig und können auch Nebenwirkungen auslösen.

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Auch rezeptfreie entzündungshemmende wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac können helfen. Allerdings solltest du unbedingt auf die eingenommene Menge der Schmerzmittel achten. Denn zu viele Schmerzmittel haben nicht nur Nebenwirkungen, sie können auch selbst Kopfschmerzen auslösen.

Triptane können bereits ab 10 Tagen pro Monat zu medikamenten-induzierten Kopfschmerzen führen, so genannte Nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol etwa ab 15 Tagen. Insgesamt solltest du also versuchen, Schmerzmittel an möglichst wenig Tagen im Monat einzunehmen.

Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden. Zu beachten ist, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.

Kurz erklärt: Triptane

Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie verengen gezielt die Blutgefäße in den Hirnhäuten und unterbrechen damit den Migräneanfall. Dabei wirken sie nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray und Injektion erhältlich. Bei anderen Kopfschmerzarten sind sie meist wirkungslos.

Medikamente für die Prophylaxe

Damit deine Migräne erst gar nicht so stark wird und du nicht so viel Schmerzmittel brauchst, können dein Arzt oder deine Ärztin und Du bereits im Vorfeld mit verschiedenen Medikamenten experimentieren. Zum Einsatz können hier zum Beispiel Blutdrucksenker, Hormonpräparate, Antidepressiva oder neurologische Medikamente kommen.

Einigen Betroffenen von menstrueller Migräne helfen zum Beispiel Hormonpflaster oder das Einnehmen der Anti-Baby-Pille. Anderen hilft allerdings genau das Gegenteil, also das Weglassen der Pille. Du siehst, hier ist viel Ausprobieren angezeigt, natürlich nur gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin deines Vertrauens.

Helfen kann auch eine Kurzzeitprophylaxe mit Schmerzmitteln, besonders wenn Akutmaßnahmen allein dir nicht helfen. Diese Prophylaxe beginnt man ein paar Tage vor Beginn der erwarteten Kopfschmerzen und führt sie etwa 6 bis 7 Tage fort. Einzelheiten erfährst du von deinem behandelnden Arzt oder deiner Ärztin.

Alternative Ansätze für die Prophylaxe von menstrueller Migräne

Auch mit einem veränderten Lebensstil kannst du oft viel dafür tun, dass deine Migräne-Anfälle weniger und schwächer werden. Wichtige Ansatzpunkte sind insbesondere:

  • Stressreduktion: Mit Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelrelaxation (PMR), Meditation oder Yoga sorgst du für Ausgeglichenheit und beugst Migräne vor.
  • Gut hydrieren: Wenn du immer genug Wasser trinkst, sorgst du für eine gute Durchblutung und reduzierst du dein Migränerisiko.
  • Ernährungsumstellung: Wenn du bemerkst, dass bestimmte Lebensmittel dir nicht guttun und deine Migräne begünstigen, solltest du sie von deinem Speiseplan streichen. Viele Betroffene berichten, dass ihnen das Weglassen von Schokolade, Fertiggerichten und Käse geholfen hat. Insgesamt ist es gut, deine Gesundheit mit einer regelmäßigen und ausgewogenen Ernährung zu stärken - auch auf die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren solltest du achten.
  • Schlafqualität verbessern: Gehe möglichst jeden Tag zur selben Zeit schlafen und finde heraus, mit welcher Schlafmenge du dich optimal erholt fühlst. Schlafmangel und ein unregelmäßiger Schlafrhythmus können Migräne-Attacken auslösen und so die menstruelle Migräne verstärken.
  • Andere Methoden und Therapien: Ein möglicher Ansatzpunkt ist auch eine kognitive Verhaltenstherapie, in der du deine eigenen Schmerzstrategien entwickeln kannst. Auch die Biofeedbackmethode wird für Migräne-Patienten empfohlen. Hier lernst du mithilfe von Sensoren zum Beispiel, aktiv deine linke oder rechte Schläfenarterie zu verengen.

Regelmäßige Bewegung tut dem Körper gut - das ist kein Geheimnis. So kann die körperliche Aktivität sogar bei der Schmerzlinderung helfen und dafür sorgen, dass du dich auch vor und während der Periode wohler fühlst. Durch regelmäßige Bewegung werden körpereigene Glückshormone, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet und Stresshormone wie Cortisol verringert. Endorphine wirken als natürliches Schmerzmittel des Körpers, indem sie die Schmerzempfindlichkeit reduzieren.

Sorge außerdem für regelmäßige Pausen in deinem Alltag und nimm dich und deine Bedürfnisse ernst - ganz besonders in der Zeit vor und während deiner Periode.

Das kannst du selbst tun: Tipps zur Selbstfürsorge bei menstrueller Migräne

Du hast gerade eine Migräne-Attacke? Dann pack den Notfallkoffer aus und versuche das hier:

  • Ruhe, Dunkelheit, Schlaf: Dass diese Kombination bei einer Migräne-Attacke guttut, weißt du bestimmt schon selbst. Besonders wenn du schlafen kannst, kann das die Symptome oft gut lindern.
  • Kälte oder Wärme: Ein Kältepack auf der Stirn oder im Nacken kann deine Schmerzen reduzieren. Vielleicht magst du aber lieber eine warme Dusche oder einer Wärmflasche testen? Vor der Periode ist der Körper oft sehr angespannt, auch das kann deine Migräneattacken verstärken.
  • Aromatherapie: Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die schmerzende Stirn oder die Schläfen wirken angenehm kühl und entspannend.
  • Ingwertee: Hilft gut gegen Übelkeit
  • Kaffee: Hier sind die Erfahrungen sehr gespalten. Etwas Koffein kann guttun oder sogar Kopfschmerzen auslösen.

Vorbeugung von Perioden-Kopfschmerzen

Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:

  • Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
  • Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
  • Stress vermeiden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
  • Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
  • Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.

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