Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen auszeichnet. Bei manchen Menschen geht der Migräneattacke eine Aura voraus. Die Migräne mit Aura ist eine von mehreren Migräneformen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne mit Aura, einschließlich ihrer Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.

Was ist Migräne mit Aura?

Die Migräne mit Aura ist eine spezielle Form der Migräne, die bei etwa einem Drittel der Migräne-Betroffenen auftritt. Die Aura kündigt die Migräne an und dauert meist höchstens 60 Minuten. Sie kann auch ohne nachfolgende Migräne auftreten. Insgesamt kommt bei etwa einem Drittel der Migräne-Betroffenen eine Aura vor. Es handelt sich also nicht um eine Seltenheit.

Die Aura tritt meist vor der eigentlichen Migräne auf und kündigt verschiedene Symptome an. Die Aura tritt auf unterschiedliche Weise auf und wird von den Betroffenen individuell wahrgenommen. Sie dauert in der Regel höchstens eine Stunde.

Auf die Aura folgen nicht immer migränetypische Kopfschmerzen. Manchmal ist die Aura das einzige Symptom. Eine Aura ohne nachfolgenden Kopfschmerz heißt in Medizinerkreisen „Migraine sans migraine“. Dabei handelt es sich aber um eine Ausnahme. Meistens folgt auf eine Aura auch ein Migräne-Anfall.

Symptome der Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura weist die gleichen Symptome auf wie eine Migräne ohne Aura. Der Unterschied besteht also nur in der Aura selbst. Die „Aura“ entsteht vor der eigentlichen Migräne. Dabei kommt es mitunter zu weiteren Symptomen als Vorboten der Migräne.

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Zu den Symptomen einer Migräne mit Aura zählen auch die Aura-Symptome selbst. Selbst wenn es nicht nach jeder Aura zu Migräne-Symptomen kommt, handelt es sich dennoch per Definition um eine Migräne mit Aura. Das ist die sogenannte „Migräne ohne Kopfschmerzen“ (Migraine sans migraine).

Die Symptome, die bei der Aura im Rahmen einer Migräne auftreten, lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Kortikale Symptome und Hirnstammsymptome. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, können diese beiden Arten von Aura unterschieden werden.

Für alle Symptome gilt, dass mehrere Beschwerden zwar gleichzeitig auftreten können, aber nicht müssen. Manchmal zeigt sich auch nur ein einzelnes Symptom. Außerdem bilden sich alle Symptome nach einer gewissen Zeit wieder zurück, sie sind reversibel.

Halten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum an, handelt es sich per Definition nicht um eine Aura, sondern um eine andere Erkrankung. In dem Fall sollten Sie sich unbedingt umgehend an einen Arzt wenden!

Kortikale Aura-Symptome

Die kortikalen Symptome betreffen vor allem den Kortex des Gehirns. „Kortex“ bedeutet Rinde, hier ist also besonders die Hirnrinde betroffen. Zu den Symptomen der kortikalen Aura gehören:

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  • Flimmerskotom: Die Aura beansprucht besonders häufig die Sehrinde. Betroffene sehen ein Flimmern, das von der Mitte des Gesichtsfeldes nach außen wandert. Dadurch beeinträchtigt die Migräne mit Aura das Sehen. Manche Patienten sehen Lichtblitze oder Farben - am häufigsten flimmernde Zickzack-Linien, die in der Mitte des Sehens beginnen und sich langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten.
  • Negatives Skotom: Ein negatives Skotom ist ein Gesichtsfeldausfall. Manchmal kann man in bestimmten Bereichen des Blickfeldes gar nichts mehr sehen. In anderen Fällen ist nur eine Seite des Gesichtsfeldes betroffen, also rechts oder links, die verschwommen gesehen wird. Die Grenze zwischen dem verschwommenen und dem klaren Bereich ist deutlich erkennbar für die Patientinnen und Patienten. Die Ausprägung des negativen Skotoms ist sehr individuell. Bei anderen Patienten kommt es zu blinden Flecken im Sehfeld, die sich langsam ausbreiten.
  • Positives Skotom: Bei einem positiven Skotom nehmen die Betroffenen gezackte Linien wahr, die das Flimmerskotom umgeben oder ausfüllen. Das kann für den Patienten oder die Patientin sehr schwierig zu beschreiben sein. Besser greifbar wird die Wahrnehmung, wenn man Betroffene fragt, ob die Abgrenzung des Flimmerns vielleicht gezackt erscheint.
  • Lichtblitze: Lichtblitze (Photopsien) sind unterschiedlich stark ausgeprägt und finden sich im Gesichtsfeld an allen Stellen. Sie erscheinen sehr kurz, verschwinden wieder und tauchen an anderer Stelle erneut auf. Betroffene beschreiben eine Art Blitzregen, da die Lichtblitze während der Aura immer wieder und plötzlich im Gesichtsfeld auftreten.
  • Grelle Farbwahrnehmung: Betroffene sehen Farben plötzlich intensiver und stechender. Die verschiedenen Farben wirken oft so grell, dass diese Farbwahrnehmung als sehr störend empfunden wird.
  • Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen äußern sich unter anderem als Kribbeln und Taubheit (Parästhesien). Viele Betroffene können die Symptome besonders am Anfang der Erkrankung nicht richtig einordnen. Bei einer Migräne mit Aura treten Sensibilitätsstörungen fast immer auf. Manche Patienten berichten über Schwäche, Taubheit oder ein Kribbeln im Gesicht, an der Hand oder an den Beinen einer Seite.
  • Aphasie: Aphasie bedeutet, dass die Patienten und Patientinnen während der Aura nicht richtig sprechen können. Entweder fallen ihnen die Worte nicht ein, sodass ihre Äußerungen keinen Sinn ergeben. Oder die Betroffen wissen zwar, was sie sagen möchten, können die Wort aber nicht aussprechen (artikulieren).

Hirnstammaura-Symptome

Eine besondere Auraform ist die Hirnstammaura. Hier ist besonders der hintere Anteil des Kopfes betroffen. Früher bezeichnete man die Migräne mit Hirnstammaura als „Migräne vom Basilaristyp“ oder „Basilarismigräne“, weil im hinteren Teil des Kopfes die Arteria basilaris verläuft. Bei der Migräne mit Hirnstammaura kommt es zu folgenden Symptomen während der Aura-Phase:

  • Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder: Dieses Symptom betrifft als einziges Symptom der Hirnstammaura das Sehen. Flimmern oder Lichtblitze kommen bei der Hirnstammaura allerdings seltener vor.
  • Sprachstörungen (Dysarthrie): Diese Artikulationsstörung betrifft die Sprechwerkzeuge. Die Betroffenen wissen und verstehen zwar, was sie ausdrücken möchten, wegen einer Koordinationsstörung von Zunge, Lippen oder Kehlkopf kommt aber keine Lautbildung zustande.
  • Bewegungsstörungen (Ataxie): Bei einer Ataxie sind die Bewegungsabläufe und Koordinationsfähigkeiten gestört. Den Betroffenen gelingt es dann nicht, sich fortzubewegen oder alltägliche Aufgaben zu erledigen, weil der Körper nicht „gehorcht“.
  • Hörminderung: Einige Betroffene hören während der Aura-Phase schlechter als sonst. Tinnitus, also das Dauerpfeifen im Ohr, und Schwindel können begleitend auftreten. Weil das Vestibularorgan im Innenohr an diesen Symptomen beteiligt ist, gehen sie oft Hand in Hand.
  • Bewusstseinsstörungen: Bei einer Hirnstammaura treten manchmal Bewusstseinsstörungen auf. Das bedeutet nicht immer Ohnmacht: Auch eine verminderte Ansprechbarkeit ist eine Bewusstseinsstörung.
  • Keine motorischen Defekte: Die Ursache dieser Störungen ist nicht in der Motorik zu finden. Vielmehr betrifft das Problem die Koordination der einzelnen Körperteile, die normalerweise im Gehirn stattfindet.

Seltenere Formen: Hemiplegische und retinale Migräne mit Aura

Zwei seltenere Formen der Migräne mit Aura sind die hemiplegische und die retinale Migräne.

  • Hemiplegische Migräne: Bei der hemiplegischen Migräne zeigt sich die Aura vor allem durch eine vorübergehende Muskelschwäche. Die Betroffenen sind während der Aura-Phase in ihren Bewegungen und im Alltag eingeschränkt. Motorische Störungen und Schwäche in den Extremitäten kommen häufig bei der familiären hemiplegischen Migräne (FHM) während der Aura vor. Im Gegensatz zu den relativ kurzen Aura-Phasen bei den meisten anderen Migräneformen, können die Aura-Symptome der FHM über Stunden anhalten.
  • Retinale Migräne: Das Kennzeichen der retinalen Migräne sind Sehstörungen, weil die Netzhaut (Retina) betroffen ist. Diese Sehstörungen betreffen allerdings immer nur ein Auge, nicht beide. Während der Aura-Phase sehen die Betroffenen dann einseitig verschwommen, vermindert oder gar nicht. Diese Migräneform betrifft die Netzhaut. Sie tritt in den meisten Fällen nur einseitig auf. Gekennzeichnet ist sie durch einen blinden Fleck, der sich ausweitet und dann wieder abklingt.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die Gründe für die Entstehung einer Aura sind noch nicht endgültig erforscht. Eine Aura entsteht, wenn die Nervenzellen im Gehirn übermäßig erregt (depolarisiert) sind. An der Nervenaktivität im Gehirn kann man erkennen, wie die Aura entsteht: Wenn eine Nervenzelle „übererregt“ wird, entsteht eine sogenannte Streudepolarisation. Diese Erregung findet zuerst in nur einem Hirnbereich statt. Von dort aus breitet sich diese Depolarisation wie eine Welle auch in andere Areale des Gehirns aus. Dort nimmt die Nervenaktivität dann ab.

Zu den Ursachen der Migräne zählen unter anderem genetische Faktoren und individuelle Auslöser wie Stress. Auch wenn bei den meisten erblichen Migräneformen mehrere Gene beteiligt sind und die Erforschung komplex ist, weiß man heute ziemlich sicher, dass es eine sogenannte familiäre Veranlagung (Disposition) gibt.

Zusätzlich gibt es bestimmte Trigger, die eine Migräne mit Aura auslösen können:

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  • Stress
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reizüberflutung
  • Wetter bzw. Wetterwechsel
  • Bestimmte Lebens- und Genussmittel
  • Unterzuckerung durch unregelmäßige Mahlzeiten
  • Hormonelle Veränderungen

Warum diese Faktoren einen Migräne-Anfall - mit oder ohne Aura - „triggern“ können und was genau dabei im Körper geschieht, wird medizinisch als Pathophysiologie bezeichnet.

Seltene Ursache: Foramen ovale

Die Migräne mit Aura kann in seltenen Fällen auch auf einen genetischen Defekt des sogenannten Foramen ovale zurückzuführen sein. Das Foramen ovale ist ein kleines Loch im kindlichen Herz, das während der Schwangerschaft für die Blutversorgung des Ungeborenen sorgt. Normalerweise verschließt sich dieses Loch von alleine nach der Geburt, aber nicht bei allen Menschen.

In den meisten Fällen bleibt ein unverschlossenes Foramen ovale im Laufe des Lebens unentdeckt und macht keine Probleme. Trotzdem lohnt es sich, Nachforschungen in diese Richtung anzustellen, wenn keine andere Ursache für die Migräne mit Aura gefunden wird.

Diagnose

Ein Neurologe oder Augenarzt kann die Diagnose anhand der Krankengeschichte und der Beschreibung der Symptome stellen. Wichtig für dich: Bevor du einen Arzt aufsuchst, überleg dir genau, welche Symptome du hattest und wann diese aufgetreten sind. Denn danach wird der Behandler fragen, genauso wie nach deinen Medikamenten, Alkohol- oder Zigarettenkonsum oder Vorerkrankungen.

Entscheidend ist bei der Diagnostik zudem andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Hier sind einige Erkrankungen, die in Betracht gezogen werden sollten:

  • Retinale Probleme: Retinale Probleme wie Netzhautablösung, Netzhautriss oder Makuladegeneration können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen. Eine gründliche Untersuchung der Netzhaut durch einen Augenarzt kann helfen, diese Probleme auszuschließen.
  • Glaukom: Glaukom, auch bekannt als grüner Star, ist eine Augenerkrankung, die den Sehnerv schädigt und zu einem progressiven Sehverlust führen kann. In einigen Fällen können die Symptome des Glaukoms, wie Sehstörungen oder Augenschmerzen, mit den Symptomen von Augenmigräne verwechselt werden.
  • Augenmuskelerkrankungen: Bestimmte Erkrankungen der Augenmuskeln, wie Okuläre Myasthenie oder Strabismus, können zu Sehstörungen und Augenbeschwerden führen. Eine Untersuchung durch einen Augenarzt kann helfen, diese Bedingungen auszuschließen.
  • Augeninfektionen: Augeninfektionen wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung) können ebenfalls visuelle Symptome wie Rötung, Schwellung oder Tränenfluss verursachen. Es ist wichtig, Infektionen als mögliche Ursache für die Symptome von Augenmigräne auszuschließen.
  • Neurologische Erkrankungen: Bestimmte neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Sehnerventzündung oder Migräne mit Aura können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen. Eine gründliche neurologische Untersuchung kann helfen, diese Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung der Migräne mit Aura

Zur Behandlung von Migräne mit Aura eignen sich die gleichen Maßnahmen wie bei Migräne ohne Aura:

  • Auslöser meiden
  • Frühzeitig schmerzlindernde Medikamente einnehmen
  • Medikamentöse Behandlung: Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit, Triptane, Steroide.

Das Ziel ist, die Anfälle in ihrer Intensität zu mindern und die Häufigkeit einzudämmen. Das lässt sich vor allem erreichen, indem man die Auslöser meidet. Trotz aller Maßnahmen kann die Migräne dennoch immer wieder auftreten. Doch jeder Anfall bildet sich wieder zurück. Das betrifft sowohl die Aura selbst als auch die Migräne.

Akutbehandlung

Zur akuten Behandlung der Aura-Symptome stehen keine Medikamente zur Verfügung. Wer als Akutbehandlung der Migräne Triptane einnimmt, sollte dies erst nach Abklingen der Aura tun. Zum einen wirken die Triptane nicht gegen die Aura-Symptome, zum anderen kann sich das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen.

Bei weniger starken Anfällen kommen die meisten Patienten ohne Schmerzmittel und ohne einen Gang zum Arzt aus. Wird es schlimmer, versprechen schnell wirksame Schmerzmittel beinahe sofortige Linderung. Nehmen Ihre Migräne-Anfälle dagegen von Mal zu Mal an Intensität zu, sollten Sie das mit Ihrem Arzt besprechen. Gemeinsam können Sie die beste Strategie für den Umgang mit den gesundheitlichen Einschränkungen entwickeln.

Selbsthilfemaßnahmen

Folgende Maßnahmen können den Krankheitszustand der Betroffenen verbessern:

  • Auslöser der Migräne und/oder der Aura meiden
  • Ruhe und Dunkelheit: Das Aufsuchen eines abgedunkelten Raums oder das Tragen einer Sonnenbrille kann dabei helfen, empfindliche Augen vor hellem Licht zu schützen und die visuellen Symptome zu reduzieren.
  • Kühle Tücher auf Stirn und Augen können ebenfalls hilfreich sein.
  • Entspannungstechniken: Versuchen Sie, Entspannungstechniken (z.B. zur Muskelentspannung) anzuwenden. Stressmanagementtechniken wie Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Episoden zu reduzieren. Regelmäßige körperliche Aktivität kann auch helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Überspringen Sie keine Mahlzeiten und halten Sie regelmäßige Essenszeiten ein. Niedriger Blutzucker kann Migräne-Episoden auslösen.
  • Ausreichende Flüssigkeitsmenge: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Flüssigkeit trinken, insbesondere Wasser. Dehydration kann Migräne-Symptome verstärken.
  • Augenschutz: Schützen Sie Ihre Augen vor grellem Licht, indem Sie eine Sonnenbrille tragen, insbesondere bei hellem Sonnenlicht oder grellem Kunstlicht.
  • Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Wenn Sie viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, nehmen Sie regelmäßige Pausen, um Ihre Augen zu entlasten. Blicken Sie in die Ferne, um Ihre Augenmuskeln zu entspannen.

Medikamentöse Prophylaxe

Mit bestimmten Medikamenten zur Prophylaxe lässt sich aber meist die Anzahl der Migräne- und damit Aura-Attacken verringern. Betroffene sollten dies mit ihrer behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen.

In der Prophylaxe von Migräne mit Aura haben sich vor allem die Medikamente Lamotrigin, Flunarizin und Topiramat bewährt.

  • Lamotrigin: Lamotrigin ist eigentlich ein Antiepileptikum. Normalerweise wird es Patienten mit Epilepsie oder bipolaren Störungen verordnet. Wird Lamotrigin in der Migräne-Prophylaxe eingesetzt, spricht man von einer sogenannten „off-label“-Anwendung. Das heißt, dass das Mittel zwar ursprünglich nicht für dieses Krankheitsbild vorgesehen war, aber aufgrund seiner Wirksamkeit trotzdem eingesetzt wird. Lamotrigin sorgt dafür, dass die Natrium- und Calciumkanäle von Nervenzellen inaktiviert werden. Diese Inaktivierung führt dazu, dass die Nervenzelle weniger gut erregbar ist. Weil die Aura-Symptome durch übermäßige Erregung der Nerven entstehen, kann Lamotrigin durch die Hemmung der Erregbarkeit diesen Prozess schwächen. Das lindert die Aura-Symptome.
  • Flunarizin: Flunarizin ist ein Calciumantagonist, also ein Gegenspieler von Calcium. Wie genau Flunarizin wirkt, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Experten sind sich aber einig, dass Flunarizin die Wirkung von Calcium schwächt. Das wiederum verhindert die Übererregbarkeit der Nervenzellen, die zur Aura-Symptomatik führt.
  • Topiramat: Topiramat ist ebenfalls ein Antiepileptikum. Zusätzlich wird es vielfach zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt. Topiramat wirkt im Wesentlichen über drei Mechanismen: Es hemmt die Natriumkanäle und senkt so die Erregung der Nervenzellen. Außerdem hemmt Topiramat die AMPA-Typen von Glutamatrezeptoren, was ebenfalls zu einer geringeren Erregbarkeit der Nervenzellen führt. Der dritte Mechanismus besteht in der Stärkung von GABA, einem körpereigenen Hemmstoff, der die Erregbarkeit der Nervenzellen zusätzlich einschränkt. Weil die Aura-Symptomatik auf der übermäßigen Erregung der Nervenzellen beruht, lindert Topiramat die Beschwerden wirksam.
  • Mutterkraut: Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine Heilpflanze, die sich in der Migräneprophylaxe seit Jahrzehnten bewährt hat. Besonders bei Migräne mit Aura kann Mutterkraut dabei helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Der in Mutterkraut enthaltene Wirkstoff Parthenolid hemmt die Ausschüttung des Neuropeptids CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide). Durch die Hemmung der CGRP-Freisetzung kann Mutterkraut den Verlauf der Migräne positiv beeinflussen und die Intensität der Schmerzphasen nach der Aura verringern. Zudem wirkt es entzündungshemmend und beruhigt das Nervensystem.

Krankheitsverlauf und Prognose

Migräne mit Aura ist nicht heilbar. Das Therapieziel lautet daher nicht Heilung, sondern Minderung von Intensität und Häufigkeit der Anfälle.

Wie lange ein Anfall andauert, ist unterschiedlich, aber im Allgemeinen sind die Anfälle vorübergehend. Patientinnen und Patienten können die Anfallsphasen mithilfe von vorbeugenden Maßnahmen und einer entsprechenden Behandlung zwar verkürzen, doch auch ohne Behandlung bilden sich die Symptome nach einer gewissen Zeit wieder zurück.

Bei einigen Betroffenen nimmt die Häufigkeit der Anfälle mit der Zeit zu oder ab. Diese Phasen sind individuell und je nach Auslöser unterschiedlich: Manche haben im Sommer mehr Anfälle, andere im Winter. Manchmal hängen Häufigkeit und Intensität auch nicht vom Wetter, sondern vom Stress ab. Weil die Auslöser verschieden sind, lohnt sich ein Migräne-Tagebuch. So kann man die persönlichen Trigger identifizieren und versuchen, den Alltag danach auszurichten.

Tägliche Aura-Phasen sind kein spezifisches Merkmal einer Migräne mit Aura, auch wenn solch ein chronischer Verlauf möglich ist.

In den meisten Fällen ist Migräne mit Aura nicht gefährlich. Die Erkrankung schränkt allerdings das Leben mitunter sehr ein. Das ist für die Betroffenen oft belastend. Hier lohnt sich ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt über sinnvolle Therapieoptionen.

Sind die Bewusstseinsstörungen, die während der Aura-Phase auftreten können, stark ausgeprägt, müssen Sie das ernst nehmen. Lassen Sie sich unbedingt ärztlich beraten.

Mehrmals tägliche Aura-Symptome als Warnsignal: In Ausnahmefällen ist es möglich, dass mehrmals täglich Aura-Phasen auftreten. Das ist allerdings ungewöhnlich, da Betroffene sich bei einer Migräne-Attacke schonen und Medikamente einnehmen, sodass ein weiterer Anfall am gleichen Tag sehr unwahrscheinlich ist. Sollten sich die Aura-Symptome derart häufen, muss auch an andere Krankheiten gedacht werden.

Studienergebnisse zeigen, dass Menschen mit Migräne-Aura ein leicht erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben. Die Migräne-Aura ist allerdings nicht Ursache für einen Schlaganfall. Fachleute vermuten genetische Faktoren hinter dem Zusammenhang.

Für Menschen, die an vorübergehende neurologische Symptome während einer Migräne-Aura gewöhnt sind, besteht die Gefahr, einen Schlafanfall nicht rechtzeitig zu erkennen. Bei bisher unbekannten oder länger andauernden Aura-Symptomen sollten sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Empfindungs-, Seh- oder Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen, die gleichzeitig mit Kopf- oder Gesichtsschmerzen auftreten, können auf einen Schlaganfall hindeuten.

Vorbeugung

Das Meiden von Auslösern ist die beste Vorbeugung von Migräne mit Aura. Die beste Strategie bei Migräne - egal ob mit oder ohne Aura - ist, die Auslöser zu meiden. Wenn Sie einem Migränefall vorbeugen möchten, sollten Sie Ihre persönlichen Risikofaktoren kennen und sich mit verschiedenen, auch nicht-medikamentösen Maßnahmen auseinandersetzen.

Allgemeine vorbeugende Maßnahmen:

  • Vermeidung von persönlichen Triggerfaktoren (z. B. Stress)
  • Ausdauersport
  • Entspannungsverfahren
  • Biofeedback
  • Psychologische Schmerztherapie (z. B. Schmerzbewältigung, Stressmanagement)
  • Ggf. kognitive Verhaltenstherapie

Weitere Empfehlungen richten sich vor allem nach der Therapie der klassischen Migräne, da es hier die meisten Erfahrungswerte gibt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt in der Leitlinie zur Therapie der Migräne beispielsweise die Einnahme von Magnesium und Vitamin B12, da diese eine vorbeugende Wirkung haben können.

Was Sie im Umgang mit der Augenmigräne darüber hinaus machen können: sich mit anderen Betroffenen austauschen. Auf der Internetsite der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft finden Sie diverse Selbsthilfegruppen. Vielleicht lässt sich dem nächsten Anfall auch durch den Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfegruppe vorbeugen - zum Beispiel durch Tipps anderer Menschen, die auch unter Augenmigräne leiden.

Grundsätzlich gilt: Alle Techniken und Methoden, die zur Entspannung und inneren Ruhe beitragen, können Ihnen helfen. Stress sollte dagegen so gut wie möglich vermieden oder durch entsprechende Techniken in seiner Wirkung abgemildert werden. Damit tun Sie nicht nur etwas gegen die Augenmigräne, sondern auch für Ihr allgemeines Wohlbefinden.

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