Was tun bei einem akuten Migräneanfall? Effektive Strategien und Soforthilfe

Ein Migräneanfall kann Betroffene unerwartet treffen und ihren Alltag erheblich beeinträchtigen. Plötzlich auftretende, heftige Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, sind typische Symptome. Doch es gibt Möglichkeiten, die Beschwerden frühzeitig zu lindern und den Verlauf der Attacke positiv zu beeinflussen.

Die Migräneattacke: Symptome und Verlauf

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 10 bis 15 % der Bevölkerung betroffen sind, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Ein Migräneanfall äußert sich durch plötzliche, meist einseitige, heftige Kopfschmerzen, die von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Für Betroffene bedeutet dies oft eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, da die Attacken Stunden oder sogar Tage andauern können.

Viele Menschen erleben vor der eigentlichen Attacke eine Prodromalphase, die ein bis zwei Tage andauern kann. In dieser Phase können Symptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit und Heißhunger auftreten. Etwa 10 bis 15 % der Migränepatienten erleben zusätzlich eine Aura, die etwa eine Stunde andauert und sich durch neurologische Symptome wie Flimmern, Lichtblitze oder Sehstörungen äußern kann. Die eigentliche Attacke kann dann vier bis 72 Stunden dauern, gefolgt von einer 24- bis 48-stündigen Erholungsphase, in der die Patienten oft noch nicht voll belastbar sind.

Sofortmaßnahmen bei ersten Anzeichen

Wenn Sie erste Anzeichen einer Migräne spüren, ist es wichtig, schnell zu handeln. Ziehen Sie sich am besten in einen dunklen, ruhigen Raum zurück und versuchen Sie, sich zu entspannen. Manchmal kann bereits ein Nickerchen helfen, die Beschwerden zu lindern.

Natürliche Hilfsmittel

Einige natürliche Hilfsmittel können ebenfalls zur Linderung von Migräneschmerzen beitragen:

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  • Kälteanwendungen: Eine kalte Kompresse auf der Stirn kann den Schmerz betäuben.
  • Pfefferminzöl: Ein paar Tropfen Pfefferminzöl, auf Stirn und Schläfen einmassiert, können ebenfalls lindernd wirken.
  • Lavendelöl: Eine klinische Studie aus dem Jahr 2012 zeigte positive Effekte von Lavendelöl bei Migräne.
  • Kaffee: Eine Tasse Kaffee, zu Beginn der Attacke getrunken, kann die Schmerzen lindern.

Medikamentöse Behandlung im Akutfall

Zur Selbstmedikation bei akuten Migräneattacken empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) eine fixe Kombination aus zwei Tabletten mit ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg). Die Kombination der Wirkstoffe sorgt dafür, dass das Schmerzmittel schneller und stärker wirkt.

Triptane

Patienten mit starker Migräne können sich von ihrem Arzt Triptane verschreiben lassen. Diese Wirkstoffe besetzen die Serotonin-Rezeptoren und bewirken eine Verengung der Blutgefäße. Außerdem verhindern sie das Freisetzen von Neuropeptiden (entzündliche Eiweißstoffe) im Gehirn. Es gibt sieben Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan), von denen einige rezeptfrei als Tabletten erhältlich sind.

Antiemetika

Bei vielen Patienten tritt Migräne in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen auf. Für sie können Schmerzmittel in Zäpfchenform eine verträglichere Alternative sein, da sie nicht durch den Magen müssen. Alternativ können Schmerzmittel in Kombination mit einem Antiemetikum (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, z. B. Metoclopramid) eingenommen werden. Es empfiehlt sich, zuerst das Antiemetikum und dann das Schmerzmittel einzunehmen.

Weitere Medikamente

In Ausnahmefällen können auch Mutterkornalkaloide (Ergotamine) zur Behandlung akuter Migräneattacken eingesetzt werden, insbesondere bei sehr lange anhaltenden Beschwerden. Kortikosteroide (Kortison) können bei einer länger als 72 Stunden anhaltenden Migräneattacke verabreicht werden, um die Kopfschmerzen zu verringern und das Risiko von Wiederkehrkopfschmerzen zu reduzieren.

Migräne in der Schwangerschaft

Viele Schwangere erleben während der Schwangerschaft eine deutliche Besserung ihrer Migräne. Dies liegt vermutlich an dem stabilisierten Östrogenspiegel. Sollte es dennoch zu einer Attacke kommen, ist die Vorbeugung die beste Strategie. Vermeiden Sie bekannte Trigger und nehmen Sie Schmerzmittel nur nach Absprache mit dem Arzt in der niedrigstmöglichen Dosis ein. Nicht alle Medikamente sind in der Schwangerschaft geeignet.

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Migräne mit Aura

Wenn Ihre Migräne mit Aura-Symptomen wie Lichtblitzen, Flimmern, Sehverlust, Schwindel, Taubheitsgefühl oder Sprechstörungen verbunden ist, sollten Sie sich bei Auftreten der Symptome in einen dunklen, ruhigen Raum zurückziehen und sich hinlegen. Bei neu auftretenden Aura-Symptomen, insbesondere in Verbindung mit Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Die Behandlung der Migräne mit Aura ist grundsätzlich die gleiche wie bei der Migräne ohne Aura.

Chronische Migräne: Vorbeugung ist entscheidend

Etwa zehn Prozent der Migränepatienten leiden unter einem chronischen Verlauf der Erkrankung. Um dies zu vermeiden, kann der Arzt eine medikamentöse Migräneprophylaxe verschreiben. Hierbei kommen Medikamente wie Betablocker, Antiepileptika oder Kalziumkanalblocker zum Einsatz.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung

Neben Medikamenten gibt es auch zahlreiche nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Migräne beitragen können:

  • Vermeidung von Triggern: Identifizieren und vermeiden Sie individuelle Auslöser wie bestimmte Nahrungsmittel, Stress oder Wetterwechsel. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf regelmäßigen Schlaf, feste Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit.
  • Stressmanagement: Entspannungsübungen wie Biofeedback, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
  • Ausdauertraining: Regelmäßiges leichtes Ausdauertraining wie Laufen oder Radfahren kann sich positiv auswirken.
  • Alternative Heilmethoden: Akupunktur, Akupressur, Homöopathie und Schüssler-Salze werden ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt, wobei die wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit teilweise begrenzt ist.

Medikamentöse Prophylaxe

Eine medikamentöse Migräneprophylaxe ist sinnvoll, wenn die Lebensqualität der Betroffenen stark eingeschränkt ist und die Gefahr eines übermäßigen Medikamentengebrauchs besteht. Zur Vorbeugung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Auswahl, darunter Betablocker (z. B. Propranolol, Metoprolol), Kalzium-Antagonisten (z. B. Flunarizin), Antikonvulsiva (z. B. Valproinsäure, Topiramat) und Antidepressiva (z. B. Amitriptylin). Auch Injektionen mit Onabotulinumtoxin A (Botox) können bei chronischer Migräne vorbeugend wirken. In einigen Fällen können auch monoklonale Antikörper (Anti-Migräne-Spritzen) eingesetzt werden.

Hausmittel und alternative Behandlungen

Neben den genannten Maßnahmen gibt es auch verschiedene Hausmittel und alternative Behandlungen, die bei Migräne helfen können:

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  • Pfefferminzöl: Äußerlich aufgetragenes Pfefferminzöl wirkt erfrischend kühl und kann sowohl bei Migräne als auch bei Spannungskopfschmerzen wirksam sein.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Je nach Vorliebe können Wärme- oder Kälteanwendungen zur Linderung der Beschwerden beitragen.
  • Tees: Bestimmte Heilpflanzentees, wie Schlüsselblumentee, Ingwertee oder Weidenrindentee, können ebenfalls lindernd wirken.

Migräne-Tagebuch: Den Auslösern auf der Spur

Ein Migräne-Tagebuch kann Ihnen helfen, Ihre individuellen Migräne-Trigger herauszufinden und diese künftig zu vermeiden. Notieren Sie darin, wann Ihre Anfälle auftreten, wie lange sie dauern, welche Medikamente Sie eingenommen haben und wie gut diese gewirkt haben. Auch Begleitfaktoren wie Stress, Schlaf, Ernährung und Wetterbedingungen sollten Sie festhalten.

Selbsthilfegruppen: Austausch und Unterstützung

Der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe kann eine wertvolle Unterstützung im Umgang mit Migräne sein. Hier können Sie Ihre persönlichen Erfahrungen teilen, sich gegenseitig Mut machen und von den Erfahrungen anderer lernen.

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