Migräne: Hilfe und Tipps für Angehörige

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Der Leidensdruck ist oft enorm groß. Als Angehöriger kann man eine Schlüsselrolle einnehmen, indem man Verständnis, Rücksichtnahme und Unterstützung bietet. Dieser Artikel gibt Angehörigen wertvolle Tipps, wie sie Migränepatienten helfen und ihren Alltag erleichtern können.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die von einer Vielzahl von Symptomen begleitet wird. Typisch sind einseitige, pulsierende Kopfschmerzen, die sich bei körperlicher Aktivität verstärken. Häufig kommen Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Migräneattacken können zwischen vier Stunden und drei Tagen andauern.

Migräne verstehen: Formen, Ursachen und Symptome

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet verschiedene Formen der Migräne. Etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten erleben eine sogenannte Aura, bei der neurologische Reiz- oder Ausfallsymptome wie flackernde Linien oder Sehstörungen auftreten. Die Ursachen von Migräne sind vielfältig. Oft spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle. Es gibt aber auch Triggerfaktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Dazu gehören Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel, Hormonschwankungen und Sinnesreize.

Die Rolle der Angehörigen

Angehörige können für Migränepatienten eine wichtige Stütze sein. Es hilft sehr, wenn Ihnen die Menschen um Sie herum in akuten Phasen viel Verständnis und Rücksichtnahme entgegenbringen. Oft hilft es, über die akuten Situationen im Vorfeld zu sprechen. Vielleicht kann Ihr Partner Sie auch einmal zum Arzt begleiten, um die Situation besser zu verstehen und ggfs. Sprechen Sie auch nach einer Attacke mit den Angehörigen in Ihrem Umfeld, sodass sie verstehen, welches Leid Ihnen während eines Migräneanfalls widerfährt und was Sie in dieser Situation durchmachen. Erklären Sie ihnen, wie sie in einem solchen Moment unterstützen können und wie sie sich verhalten sollten. Motivieren Sie Ihre Angehörigen, Sie auch bei der Migräneprävention zu unterstützen. Erklären Sie, dass es Ihnen so viel leichter fällt, zum Beispiel gesund zu kochen oder regelmäßig Sport zu machen. Wenn Sie eine Familie haben, kann die Erkrankung den "laufenden Familienbetrieb" sehr einschränken. Wenn Sie aufgrund einer Migräneattacke komplett ausfallen und sich zurückziehen, ist das für jüngere Kinder meistens schwer nachzuvollziehen. Vielleicht hilft es Ihnen und Ihrer Familie, einen Notfallplan zu erstellen. Im Fall eines akuten Migräneanfalls könnte so schon vorher geklärt sein, ob die Kinder zu einer befreundeten Familie gehen können oder ein Nachbar zum Babysitten einspringen kann. Das funktioniert am besten, wenn das gesamte Umfeld Verständnis aufbringt. Umso wichtiger ist es daher, die Personen in Ihrem Umfeld mit ins Boot zu holen und über die Krankheit und die Symptome ehrlich aufzuklären. So kann Ihrer gesamten Familie in der "Notfallsituation" am besten geholfen werden.

Verhalten während einer akuten Migräneattacke

Während einer Migräneattacke brauchen Betroffene Ruhe und Dunkelheit. Ein ruhiger, abgedunkelter Raum kann helfen, zusätzliche Reize zu minimieren. Angehörige können unterstützen, indem sie:

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

  • Für eine ruhige Umgebung sorgen
  • Lärm und grelles Licht vermeiden
  • Den Betroffenen nicht drängen, aktiv zu werden
  • Eine kühle Kompresse auf die Stirn legen
  • Sanfte Massagen anbieten (wenn gewünscht)
  • Bei Bedarf Medikamente und Getränke bereitstellen

Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse des Betroffenen zu respektieren und nicht zu versuchen, ihn zu etwas zu überreden, was er nicht möchte.

Unterstützung bei der Migräneprävention

Da sich Migräne nicht vollständig heilen lässt, sind vorbeugende Maßnahmen wichtig, um die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu verringern. Angehörige können den Betroffenen dabei unterstützen, indem sie:

  • Bei der Identifizierung von Triggerfaktoren helfen (z.B. durch gemeinsames Führen eines Migräne-Tagebuchs)
  • Eine gesunde Lebensweise fördern (regelmäßiger Schlaf, ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung)
  • Bei der Umsetzung von Entspannungstechniken unterstützen (z.B. gemeinsame Yoga- oder Meditationsübungen)
  • Zu regelmäßigen Arztbesuchen motivieren
  • Verständnis für die Einschränkungen durch die Migräne zeigen

Tipps für den Alltag mit Migräne

Der Alltag mit Migräne kann eine Herausforderung sein, sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen. Hier sind einige Tipps, die helfen können:

  • Notfallplan erstellen: In einem Notfallplan festhalten, wer welche Aufgaben im Haushalt übernimmt, wenn der Betroffene aufgrund einer Migräneattacke ausfällt.
  • Netzwerk aufbauen: Ein Netzwerk aus Freunden, Verwandten und Nachbarn aufbauen, die im Notfall einspringen können.
  • Perfektionismus vermeiden: Sich von übertriebenem Perfektionismus verabschieden und sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren.
  • Nein sagen lernen: Lernen, Nein zu sagen und sich Bedenkzeit zu nehmen, wenn man um einen Gefallen gebeten wird.
  • Freizeitgestaltung: Sich nicht aus Angst vor der nächsten Migräneattacke aus dem Freizeitgeschehen zurückziehen.
  • Akzeptanz: Die Situation akzeptieren und sich nicht zusätzlich mit einem schlechten Gewissen belasten.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten, um Strukturen und Routinen zu schaffen.
  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie auch nach einer Attacke mit den Angehörigen in Ihrem Umfeld, sodass sie verstehen, welches Leid Ihnen während eines Migräneanfalls widerfährt und was Sie in dieser Situation durchmachen. Erklären Sie ihnen, wie sie in einem solchen Moment unterstützen können und wie sie sich verhalten sollten.
  • Unterstützung bei der Vorbeugung: Motivieren Sie Ihre Angehörigen, Sie auch bei der Migräneprävention zu unterstützen. Erklären Sie, dass es Ihnen so viel leichter fällt, zum Beispiel gesund zu kochen oder regelmäßig Sport zu machen.

Migräne in besonderen Lebenssituationen

Migräne und Familie

Wenn Sie eine Familie haben, kann die Erkrankung den "laufenden Familienbetrieb" sehr einschränken. Wenn Sie aufgrund einer Migräneattacke komplett ausfallen und sich zurückziehen, ist das für jüngere Kinder meistens schwer nachzuvollziehen. Vielleicht hilft es Ihnen und Ihrer Familie, einen Notfallplan zu erstellen. Im Fall eines akuten Migräneanfalls könnte so schon vorher geklärt sein, ob die Kinder zu einer befreundeten Familie gehen können oder ein Nachbar zum Babysitten einspringen kann. Das funktioniert am besten, wenn das gesamte Umfeld Verständnis aufbringt. Umso wichtiger ist es daher, die Personen in Ihrem Umfeld mit ins Boot zu holen und über die Krankheit und die Symptome ehrlich aufzuklären. So kann Ihrer gesamten Familie in der "Notfallsituation" am besten geholfen werden.

Vor allem bei den Kleinen führt die Migräne der Mutter oder des Vaters oft zu Unverständnis. Sie beziehen das Geschehen unter Umständen auf sich und hinterfragen, ob sie Schuld an der Schmerzattacke haben. Kinder reden sich leicht ein, dass ihr Verhalten zu den Schmerzen geführt hat. Ganz wichtig ist es dann,die Sorgen ernst zu nehmen undin der Familie offen darüber zu sprechen.Versuche deinem Nachwuchs zu vermitteln, warum du bei einer Migräne-Attacke dringend Ruhe benötigst und dich deshalb zurückziehst. Eventuell helfen Vergleiche, damit sich deine Kinder die Situation besser vorstellen können. Sage zum Beispiel, dass Mama (oder Papa) ein Schmerzmonster im Kopf hat, das sich nur mit viel Ruhe vertreiben lässt. Betone unbedingt, dass die Kinder keine Schuld an der Situation haben und gehe darauf ein, ob du lieber allein sein oder deine Familie zur Sicherheit bei sich haben möchtest.Auch wenn es schwerfällt: Belaste dich gegenüber deinen Kindern nicht zusätzlich mit einem schlechten Gewissen, wenn du wegen der Migräne ausfällst.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Migräne und Schwangerschaft

Eine Migräne ist kein Grund vor einer Schwangerschaft zurückzuschrecken. Grundsätzlich sollte während der Schwangerschaft jedoch auf Schmerzmittel verzichtet werden, bzw. diese nur in Rücksprache mit dem Arzt genommen werden. Daher ist es wichtig, Ihren Arzt frühestmöglich über die Schwangerschaft zu informieren und einzubinden. Er wird mit Ihnen zusammen die richtige Medikation finden. Es könnte sinnvoll sein, im Vorfeld einer geplanten Schwangerschaft eine prophylaktische Therapie durchzuführen, um die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Selbstverständlich sollten alle anderen zuvor genannten Präventionsmaßnahmen auch und gerade in der Schwangerschaft beherzigt werden. Denken Sie also an regelmäßige und gesunde Ernährung und daran, viel zu trinken. Die gute Nachricht ist, dass sich Migränekopfschmerzen vor allem im 2. und 3. Trimester der Schwangerschaft bessern.

Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne

Zur Behandlung von Migräne stehen verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren zur Verfügung.

Medikamentöse Behandlung

Bei akuten Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane helfen. Triptane sind spezielle Migränemittel, die die Blutgefäße verengen und die Entzündung im Gehirn reduzieren. Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingenommen werden.

Zur Vorbeugung von Migräne können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, darunter Betablocker, Kalziumkanalblocker, Antiepileptika und Antidepressiva. Auch die sogenannten CGRP-Antikörper haben sich zur Migräne-Vorbeugung bewährt.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben Medikamenten gibt es verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die bei Migräne helfen können. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

  • Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditation
  • Sport und Bewegung: Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen
  • Ernährung: Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit, Vermeidung von Triggerfaktoren
  • Akupunktur: Eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden
  • Biofeedback: Eine Methode, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst zu beeinflussen
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Eine Therapieform, bei der man lernt, negative Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern

Hausmittel bei Migräne

Ergänzend zu den genannten Maßnahmen können auch Hausmittel bei Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören:

  • Pfefferminzöl: Auf Stirn und Schläfen auftragen
  • Kälteanwendungen: Kühle Kompresse auf die Stirn oder den Nacken legen
  • Wärmeanwendungen: Ansteigendes Arm- oder Fußbad nehmen
  • Heilpflanzentees: Schlüsselblumentee, Ingwertee oder Weidenrindentee trinken

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Kopfschmerzen sehr stark sind oder sich verändern
  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen oder neurologische Ausfälle auftreten
  • Die Kopfschmerzen häufiger als 10 Tage im Monat auftreten
  • Frei verkäufliche Schmerzmittel nicht ausreichend helfen
  • Man den Verdacht hat, an Migräne zu leiden

Migräne-Tagebuch führen

Um die Migräne besser zu verstehen und Triggerfaktoren zu identifizieren, kann es hilfreich sein, ein Migräne-Tagebuch zu führen. Darin werden Schmerzdauer, Schmerzintensität, Begleitsymptome, Auslöser und eingenommene Medikamente notiert.

Austausch mit anderen Betroffenen

Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung im Umgang mit Migräne sein. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen man sich austauschen und gegenseitig unterstützen kann.

tags: #migrane #hilfe #fur #angehorige