Migräne und Kiefer: Ursachen, Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen leiden täglich unter Kopfschmerzen und Migräne, was ihren Tagesablauf erheblich beeinträchtigen kann. Konzentration und einfache Aufgaben scheinen in dieser Zeit unmöglich. Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die aus unterschiedlichen Gründen entstehen können. Um die Ursache der Kopfschmerzen zu finden, ist es oft notwendig, Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen zu konsultieren. Eine Möglichkeit ist der Besuch einer auf Kieferorthopädie spezialisierten Zahnarztpraxis. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen bzw. Migräne und der Zahn- und Kieferstellung und erläutert mögliche Behandlungsschritte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt viele Ursachen für Kopfschmerzen bzw. Migräne.
  • Kieferorthopäden prüfen, ob die Stellung des Kiefers und der Zähne korrekt und harmonisch ist.
  • Die Kiefergelenke sind eng mit den Funktionen des Schädels verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.
  • Eine Zahn- und Kieferfehlstellung kann durch Spannung Druck erzeugen, der wiederum Kopfschmerzen bzw. Migräne auslösen kann.
  • Aufbissschienen können helfen, Fehlstellungen des Kiefers unkompliziert zu korrigieren, wobei es einige Zeit dauern kann, bis die Symptome nachlassen.

Zusammenspiel von Zahn- sowie Kieferstellung und Kopfschmerzen

Chronische Kopfschmerzen oder Migräne können viele Ursachen haben. Eine davon ist die Zahn- und Kieferstellung. Die Kiefergelenke sind eng mit den Strukturen des Schädels verbunden, wodurch Abhängigkeiten entstehen. Wenn Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskulatur aufgrund einer Fehlstellung nicht harmonisch zusammenarbeiten, versucht die Muskulatur, durch Eigenspannung entgegenzuwirken. Dies führt zu Muskelverspannungen, die wiederum Kopfschmerzen verursachen können. Diese Verspannungen können sich auch auf die Hals-, Nacken- und Rückenmuskulatur auswirken und Schmerzen verursachen.

Ein weiterer Faktor bei einer Kiefergelenkfehlstellung ist das Zähneknirschen. Dabei werden die Zähne vor allem nachts zusammengepresst und aneinander gerieben, was zu erheblichen Verspannungen führen und Kopfschmerzen verursachen kann. Messungen haben ergeben, dass beim Zähneknirschen Belastungen von mehreren hundert Kilogramm pro Quadratzentimeter im Spiel sein können - und das über Stunden hinweg. Zum Vergleich: Beim Kauen wirken gerade einmal 30 kg, und das über den Tag verteilt nur für insgesamt 15 Minuten.

CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) und ihre Auswirkungen auf den Kopf

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) beschreibt eine Funktionsstörung im Kausystem, also im Bereich des Kiefergelenks und der umgebenden Muskulatur. Wenn das Kiefergelenk nicht richtig funktioniert, kann dies weitreichende Auswirkungen haben. CMD kann Schmerzen im Kiefer verursachen, aber auch Probleme, die weit über den Mundbereich hinausgehen und den gesamten Kopf betreffen.

Die Muskulatur des Kiefers ist eng mit den Muskeln im Gesicht, Kopf und Nacken verbunden. Ist das Kiefergelenk durch Fehlfunktionen oder Fehlstellungen belastet, überträgt sich diese Spannung auf benachbarte Muskelgruppen. Dies kann zu Verspannungen im Kopfbereich führen und Kopfschmerzen oder Migräne auslösen.

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Warum CMD Kopfschmerzen und Migräne auslösen kann

CMD und Kopfschmerzen sind eng miteinander verknüpft, da der Kiefer durch verschiedene Mechanismen Einfluss auf den Kopfbereich nehmen kann. Hier sind die Hauptursachen, wie CMD zu Kopfschmerzen oder Migräne führt:

  1. Muskelverspannungen durch Fehlfunktionen: CMD verursacht oft Muskelverspannungen im Kiefer- und Nackenbereich. Diese Verspannungen strahlen häufig in den Kopf aus und führen zu Kopfschmerzen. Besonders betroffen sind die Schläfenmuskeln, die bei Menschen mit CMD oft schmerzhaft verhärtet sind. Langfristige Verspannungen in diesen Muskeln können sogar Migräneanfälle auslösen.
  2. Nervenreizungen: Das Kiefergelenk liegt in der Nähe wichtiger Nerven, die für die Kopf- und Gesichtsmuskulatur zuständig sind. Wenn CMD zu einer Überbeanspruchung des Kiefergelenks führt, können diese Nerven gereizt werden und Kopfschmerzen verursachen, die als stechend oder drückend empfunden werden.
  3. Fehlstellungen im Kiefer: Zahnfehlstellungen oder ein asymmetrischer Biss können CMD begünstigen und das Gleichgewicht im Kausystem stören. Diese Dysbalance überträgt sich auf die gesamte Kopf- und Nackenregion, was zu einer Überbelastung der Muskulatur und Migräne führen kann.

Symptome von CMD und Kopfschmerzen

Kopfschmerzen, die durch CMD ausgelöst werden, zeigen sich oft in bestimmten Regionen und werden durch bestimmte Aktivitäten verstärkt. Hier sind typische Anzeichen, die auf CMD als Auslöser hindeuten können:

  • Spannungskopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen entstehen durch Verspannungen im Kiefer und Nacken und werden häufig als drückend oder ziehend beschrieben.
  • Migräneanfälle: Migräne durch CMD ist oft durch einseitige, pulsierende Schmerzen und eine hohe Lichtempfindlichkeit gekennzeichnet.
  • Kieferschmerzen und Knacken: Begleitend zu Kopfschmerzen können Schmerzen im Kiefer und ein Knacken oder Knirschen beim Öffnen und Schließen des Mundes auftreten.
  • Nacken- und Schulterverspannungen: Viele Patienten mit CMD klagen über Verspannungen in Nacken und Schultern, die ebenfalls Kopfschmerzen verstärken können.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kiefer ständig verspannt ist und Sie unter Kopfschmerzen leiden, sollten Sie eine Zahnarztpraxis mit dem Schwerpunkt Kieferorthopädie aufsuchen.

Kieferorthopädische Behandlung

Wird ein Zusammenhang zwischen Zahnfehlstellung und Migräne festgestellt, kann eine kieferorthopädische Behandlung zur Entlastung beitragen. Durch gezielte Korrektur der Zahnstellung und Stabilisierung der Bisslage wird die Muskelspannung reduziert und das Kiefergelenk entlastet.

Je nach Befund kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage: Aligner, feste Zahnspangen oder funktionelle Schienen zur Entspannung der Muskulatur. Oft erfolgt die Behandlung in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten, Neurologen oder Physiotherapeuten, um eine ganzheitliche Therapie zu ermöglichen.

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Aufbissschienen

Eine mögliche Methode, um die Fehlstellung des Kiefers in den Griff zu bekommen, ist eine Aufbissschiene aus Kunststoff. Dabei wird der Kiefer in die richtige Position gebracht und wirkt so der Verspannung der Muskulatur entgegen. In den meisten Fällen wird die Schiene nachts getragen, wobei bei schwerwiegenden Fällen Schienen auch tagsüber relevant sind. Die Schmerzen verschwinden nicht sofort, jedoch passt sich die problematische Fehlstellung langsam an und führt dazu, dass die Muskulatur nicht mehr so angespannt ist. Eine individuell angepasste Aufbissschiene entlastet das Kiefergelenk und verhindert, dass die Zähne nachts aufeinandergepresst werden. Sie schützt die Zähne vor Abrieb und hilft, die Muskulatur zu entspannen, was Kopfschmerzen lindern kann.

Physiotherapie

Oft ist eine physiotherapeutische Behandlung als Ergänzung zur kieferorthopädischen Maßnahme sinnvoll, die die Verspannungen durch die richtigen Bewegungen weiter lockert und lösen soll. Physiotherapie ist besonders hilfreich, um die Muskulatur im Kiefer- und Nackenbereich zu lockern. Therapeuten können gezielte Übungen zeigen, die den Muskeltonus senken und Verspannungen lösen. Auch einfache Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Atemtechniken können den Stress reduzieren, der oft CMD-Symptome verstärkt.

Stressmanagement und Psychotherapie

Stress ist ein häufiger Auslöser und Verstärker von CMD. Durch Techniken zur Stressbewältigung wie Yoga, Meditation oder Atemübungen lässt sich der Stresspegel senken und die Muskelspannung verringern.

Weitere Maßnahmen

Zusätzlich kann es hilfreich sein, die Zähne in Ausnahmefällen gezielt zu beschleifen oder abgenutzte Kauflächen durch Aufbauten (Bisserhöhung) wiederherzustellen. So werden die Kräfte, die beim Kauen wirken, wieder gleichmäßig über die Zähne und Kiefer verteilt. Das führt zu einer Entlastung der Kaumuskulatur und wirkt Verspannungen im Kopf-, Hals-, Nacken- und Schulterbereich entgegen und das Gebiss wird "knirschfähig" gemacht.

Was Sie selbst tun können

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, in welchen Situationen Sie besonders dazu neigen, Ihre Zähne aufeinanderzubeißen, weil Sie gestresst oder angespannt sind. Im nächsten Schritt können Sie versuchen, zwischendurch immer wieder bewusst lockerzulassen. Weil man das im Alltag oft vergisst, können kleine Erinnerungsbotschaften hilfreich sein. Kleben Sie sich z. B. ein Post-it oder einen Klebepunkt als Reminder zum Lockerlassen an den Bildschirm oder ins Cockpit Ihres Autos.

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Realistische Erwartungen an die Behandlung

Nicht jede Migräne hat ihren Ursprung im Kiefer. Dennoch berichten viele Patientinnen und Patienten nach einer erfolgreichen kieferorthopädischen Korrektur über eine deutliche Reduktion von Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen.

Wichtig ist eine realistische Einschätzung: Die Kieferorthopädie ersetzt keine neurologische Migränetherapie, kann aber einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn Fehlstellungen als mitauslösender Faktor identifiziert wurden.

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