Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Ursachen und Auslösern bis hin zu den Symptomen, Diagnosemethoden und Behandlungsoptionen.
Was ist Migräne?
Migräne ist ein anfallsartig auftretender, starker Kopfschmerz, der Stunden bis Tage andauern kann. Dr. med. definiert Migräne als einen starken Kopfschmerz, der mit oder ohne Aura auftritt. Charakteristisch sind meist einseitige, pulsierende oder pochende Schmerzen, die oft von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden.
Migräne vs. Kopfschmerzen
Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden. Während Spannungskopfschmerzen meist beidseitig auftreten und als dumpf und drückend empfunden werden, sind Migränekopfschmerzen oft einseitig, pulsierend und von höherer Intensität. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Kopfschmerzen schränkt Migräne die Betroffenen im Alltag gänzlich ein. Allgemeine Maßnahmen wie frische Luft und Bewegung zeigen bei Migräne kaum Wirkung.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der Migräne sind trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass eine genetische Veranlagung in Kombination mit verschiedenen Auslösern (Triggern) eine entscheidende Rolle spielt.
Genetische Veranlagung
Migräne kann vererbt werden und entsteht durch eine Funktionsstörung im Gehirn - genauer gesagt in der Hirnhaut und den Blutgefäßen. Eine genetische Vorbelastung scheint ebenso eine Rolle zu spielen wie der körpereigene Serotoninspiegel. Das Risiko, an Migräne zu erkranken, ist bei Personen mit familiärer Vorbelastung höher.
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Triggerfaktoren
Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren können bei anfälligen Personen eine Migräneattacke auslösen. Zu den häufigsten Triggern gehören:
- Stress und starke Emotionen: Stress, überschwängliche Freude oder Angst können Migräneattacken auslösen, oft erst nach dem Abklingen der Belastung.
- Hormonelle Veränderungen: Hormonschwankungen, z. B. während des Menstruationszyklus oder durch hormonelle Verhütungsmethoden, können Migräneattacken triggern.
- Unregelmäßiges Essen: Auslassen von Mahlzeiten oder intermittierendes Fasten kann zu Migräne führen.
- Bestimmte Lebensmittel: Käse, Rotwein und andere Lebensmittel werden häufig als Trigger genannt.
- Wetterveränderungen: Föhn, plötzliche Temperaturschwankungen und andere Wetterbedingungen können Migräne auslösen.
- Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu viel als auch zu wenig Schlaf können Migräneattacken begünstigen.
- Äußere Reize: Helles Licht, Straßenlärm, Gerüche und Rauch können als Trigger wirken.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können Migräne auslösen.
Ein Migränetagebuch kann helfen, die individuellen Auslöser zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken.
Verlauf: Phasen und Symptome der Migräne
Migräne erreicht ihre höchste Intensität und Häufigkeit meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Ab dem 55. Lebensjahr klingt sie oft langsam aus. In der Medizin unterscheidet man hauptsächlich zwischen zwei Formen: Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.
Migräne ohne Aura
Die Migräne ohne Aura, auch als gewöhnliche Migräne bezeichnet, ist durch Migräneattacken mit meist starken, oft einseitigen Kopfschmerzen gekennzeichnet. Betroffene nehmen die Schmerzen als pulsierend und pochend wahr, und sie verstärken sich bei körperlicher Betätigung.
Migräne mit Aura
Die Migräne mit Aura, auch als klassische Migräne bekannt, zeichnet sich zusätzlich durch neurologische Symptome aus, die vor der Schmerzphase auftreten. Diese Symptome werden als Aura bezeichnet.
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Seltenere Formen der Migräne
Neben den beiden Hauptformen gibt es seltener auftretende Formen wie die hemiplegische Migräne, die vestibuläre Migräne und die Basilaris-Migräne.
Phasen einer Migräneattacke
Bei den beiden Hauptformen der Migräne lassen sich die Migräneattacken in ineinander übergehende Phasen einteilen:
- Vorbotenphase (Prodromalstadium): Im Prodromalstadium treten unverkennbare Vorboten auf, die die Migräneattacke ankündigen. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder Euphorie umfassen.
- Aura: Etwa 15 Prozent der Migräne-Betroffenen haben eine Migräne mit Aura. Unmittelbar vor der Schmerzphase bemerken diese Patientinnen und Patienten Symptome wie Schwindel, Schwächegefühl, Sehstörungen, Hörprobleme oder Empfindungsstörungen. Eine Aura besteht in der Regel nicht länger als eine Stunde.
- Schmerzphase: Typisch sind stechende, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, die sich in der Regel einseitig bilden und auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Die Schmerzphase hält in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen, erschwerte Nasenatmung, Naselaufen und leichtes Augentränen.
- Rückbildungsphase (Erholungsphase): In der Rückbildungsphase entwickeln sich die pochenden oder pulsierenden Kopfschmerzen zu gleichbleibendem Schmerz, der allmählich abklingt. Häufig haben Betroffene ein erhöhtes Schlafbedürfnis, bis die Migräneattacke vollends beendet ist.
Migräne ohne Kopfschmerzen
Es gibt auch Fälle, in denen die Migräne ohne Kopfschmerzen im Vordergrund steht. Ärztinnen und Ärzte sollten auch bei leichtem oder fehlendem Kopfschmerz bei Symptomen wie Schwindel und Übelkeit an die Möglichkeit einer Migräne denken. Bei Kindern gilt die abdominelle Migräne (Bauch-Migräne) mit Symptomen wie Appetitlosigkeit und Bauchschmerz als Vorläufer der klassischen Migräne.
Diagnose
Die Diagnose von Migräne wird in der Regel von Neurologinnen und Neurologen gestellt. Wichtigstes diagnostisches Instrument ist neben der neurologischen Untersuchung das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese).
Anamnese
Aufgrund der beschriebenen Krankheitszeichen können Fachärztinnen und Fachärzte eine Migräne eindeutig erkennen und diagnostizieren. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.
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Weitere Untersuchungen
Falls die Diagnose nicht eindeutig möglich ist oder ein Verdacht auf eine andere Ursache für die Symptome besteht, können weitere Untersuchungen des Gehirns wie eine Bildgebung des Kopfes notwendig sein.
Behandlung
Da die Ursachen der Migräne noch nicht genau bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Jedoch stehen heute Arzneimittel zur Verfügung, die die Symptome rund um die Migräneattacke effektiv lindern und so die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern können.
Akuttherapie
In der Akuttherapie der Migräne können Ärztinnen und Ärzte sowohl Medikamente zur Linderung der migränebedingten Kopfschmerzen als auch Medikamente zur Linderung der individuellen Begleitsymptome einsetzen. Hier sind insbesondere die Antiemetika zur Bekämpfung der Übelkeit zu nennen.
NSAR
Bei leichter bis mittelstarker Migräne können Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) angewendet werden. NSAR wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen sind zwar rezeptfrei in Apotheken erhältlich, jedoch sollten Migräne-Betroffene auch hier die Einnahme mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt besprechen. Falls bei einer Patientin oder einem Patienten etwas gegen die Einnahme von NSAR spricht, können als Alternativen Paracetamol und andere ärztlich verordnete Medikamente infrage kommen.
Triptane
Bei mittelschwerer und schwerer Migräne sind vor allem die Triptane zu nennen. Laut ärztlicher Behandlungsleitlinie sind sie die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken, jedoch muss immer auch das Nebenwirkungsprofil beachtet werden. Wichtig ist der Zeitpunkt der Einnahme: Triptane sollen früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, um bestmöglich zu wirken. Während der Aura, solange keine Kopfschmerzen bestehen, entfalten sie keine Wirkung.
Triptane hemmen im Gehirn Entzündungsvorgänge, verengen erweiterte Blutgefäße und unterdrücken die Schmerzausbreitung. Aufgrund der gefäßverengenden Wirkung dürfen Triptane nicht bei Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Auch zur Daueranwendung sind Triptane nicht geeignet, weil sie bei längerer Einnahme zu arzneimittelbedingten Kopfschmerzen führen können.
Vorbeugung (Prophylaxe)
Als Prophylaxe bezeichnet man generell Maßnahmen, um einer Erkrankung vorzubeugen. Speziell bei der Migräne-Vorbeugung geht es um die bestmögliche Minderung von Attacken in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Intensität. Die Migräne-Prophylaxe verfolgt außerdem das Ziel, dass Patientinnen und Patienten nicht zu viele Medikamente gegen Migräneattacken einnehmen müssen.
Medikamentöse Prophylaxe
In der medikamentösen Migräne-Prophylaxe stehen mehrere unterschiedliche Substanzen zur Verfügung, die - wie beispielsweise die Betablocker - ursprünglich für einen anderen Therapiezweck entwickelt wurden, die aber auch in der Migräne-Vorbeugung wirksam sein können. Die neueste Klasse der Migräne-Prophylaktika stellen speziell entwickelte Antikörper dar.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Verfahren: Hier erlernen Migräne-Betroffene insbesondere Übungen und Techniken, um besser mit Stress und herausfordernden Situationen umgehen zu können, die eine Migräneattacke triggern können.
- Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe. Allerdings muss der Ausdauersport regelmäßig betrieben werden und darf nicht zu intensiv ausfallen - sonst kann er Migräneattacken sogar fördern.
- Persönliche Trigger erkennen und vermeiden: Patientinnen und Patienten, die wissen, dass sie beispielsweise nach dem Genuss von Rotwein mit einer Migräneattacke reagieren, sollten diesen meiden.
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Die Einhaltung eines regelmäßigen Schlafrhythmus kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.
Alternative Behandlungen
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprophylaxe wirksam sein kann.
- Migräne-Piercing (Daith-Piercing): Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft warnt ausdrücklich vor den Gesundheitsrisiken eines Daith-Piercings und empfiehlt bei Migräne nur die fachärztliche Behandlung.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, mit der Betroffene lernen müssen zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen.
Umgang mit der Erkrankung
- Kopfschmerzkalender: Die Dokumentation von Kopfschmerzen und Medikation in einem Kopfschmerzkalender kann helfen, den Überblick zu behalten und Auslöser zu identifizieren.
- Psychotherapie: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei unterstützen, negative Denkmuster zu erkennen und ungünstige Verhaltensweisen zu verändern.
- Entspannungsverfahren: Bestimmte Entspannungsverfahren wie das autogene Training können dazu beitragen, besser mit der Situation umzugehen.
Unterstützung finden
In Deutschland gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote wie Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Ärztinnen und Ärzte können Menschen mit Migräne auch eine Gesundheits-App verschreiben.