Migräne und Aggressivität: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine vielschichtige neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Neben den typischen, oft halbseitig auftretenden, starken Kopfschmerzen können Symptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit auftreten. Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es verschiedene Theorien und Ansätze, die die Krankheitsmechanismen erklären.

Was ist Migräne?

Migräne ist ein anfallsartig auftretender, starker Kopfschmerz mit oder ohne Aura, der Stunden bis Tage andauern kann. Die Forschung geht davon aus, dass eine Veranlagung für Migräne auf unterschiedliche Auslöser (Trigger) der Migräne-Attacken trifft. Bei der Migräne gibt es die Hauptformen Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura, deren Migräne-Attacken jeweils in mehreren Phasen ablaufen können. Neben pochenden, pulsierenden oder stechenden - oft einseitigen - Kopfschmerzen geht die Migräne häufig mit Begleitsymptomen wie Übelkeit einher. Neurologinnen und Neurologen können die Diagnose Migräne meist auf der Basis eines umfassenden Arzt-Patienten-Gesprächs (Anamnese) stellen. Bei einer leichten bis mittelschweren Migräne-Attacke kann beispielsweise Ibuprofen eingesetzt werden, bei mittelschweren bis schweren Attacken stehen Triptane zur Verfügung. Bei häufiger und sehr belastender Migräne kann eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe sinnvoll sein, die durch nicht medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsverfahren ergänzt wird.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Trotz intensiver Forschung sind die genauen Ursachen der Migräne bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass bei Migräne-Betroffenen eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn stattfindet als bei Nichtbetroffenen. Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren, sogenannte Trigger, können Veränderungen im Gehirn auslösen, die letztendlich zu einem Migräne-Anfall führen.

Häufige Trigger sind:

  • Stress und starke Emotionen wie Freude oder Angst
  • Hormonelle Veränderungen, z. B. im Menstruationszyklus
  • Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten
  • Bestimmte Lebensmittel wie Käse und Rotwein
  • Wetterveränderungen
  • Unregelmäßiger Schlaf
  • Äußere Reize wie helles Licht, Lärm oder Gerüche
  • Bestimmte Medikamente

Verlauf und Phasen einer Migräne-Attacke

Die Migräne erreicht ihre höchste Intensität und Häufigkeit zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, klingt aber ab dem 55. Lebensjahr langsam aus. Es gibt zwei Hauptformen: Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Beide Formen zeichnen sich durch Migräne-Attacken mit starken, oft einseitigen Kopfschmerzen aus, die als pulsierend und pochend wahrgenommen werden und sich bei körperlicher Betätigung verstärken.

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Seltenere Formen sind die hemiplegische Migräne, die vestibuläre Migräne und die Basilaris-Migräne.

Eine Migräne-Attacke lässt sich in verschiedene Phasen einteilen:

  1. Vorbotenphase (Prodromalstadium): Unverkennbare Vorboten kündigen die Attacke an. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder Euphorie sein.
  2. Aura: Etwa 15 Prozent der Betroffenen erleben eine Aura unmittelbar vor der Schmerzphase. Mögliche Kennzeichen sind Schwindel, Schwächegefühl, Sehstörungen, Hörprobleme, Empfindungsstörungen und Sprechstörungen. Eine Aura dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde.
  3. Schmerzphase: Typisch sind stechende, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, die sich meist einseitig bilden und auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Die Schmerzphase dauert in der Regel zwischen vier und 72 Stunden. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen, erschwerte Nasenatmung und Augentränen.
  4. Rückbildungsphase (Erholungsphase): Die pochenden oder pulsierenden Kopfschmerzen gehen in einen gleichbleibenden Schmerz über, der allmählich abklingt. Häufig haben Betroffene ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Migräne und Aggressivität

Obwohl Aggressivität nicht als typisches Symptom der Migräne gilt, berichten einige Betroffene von erhöhter Reizbarkeit und Aggressivität während der Vorbotenphase oder der Schmerzphase. Dies könnte auf die starke Belastung durch die Schmerzen und die Begleitsymptome zurückzuführen sein. Auch die Angst vor einer bevorstehenden Attacke kann zu Anspannung und Gereiztheit führen.

Der Botenstoff Serotonin reguliert unsere Emotionen und wirkt hemmend auf Aggression, Angst und Traurigkeit - es hat also eine ausgleichende Wirkung. Ein zu niedriger Serotoningehalt im Gehirn führt dazu, dass die Zellen leichter und stärker erregbar sind.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose wird in der Regel durch ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung gestellt. Falls erforderlich, können weitere Untersuchungen des Gehirns, wie z. B. eine Bildgebung des Kopfes, durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Ein Kopfschmerztagebuch, in dem die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen sowie mögliche Auslöser dokumentiert werden, kann bei der Diagnosefindung hilfreich sein.

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Behandlung von Migräne

Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, ist eine Heilung derzeit nicht möglich. Es gibt jedoch verschiedene Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.

Akuttherapie

In der Akuttherapie werden Medikamente zur Linderung der Kopfschmerzen und der Begleitsymptome eingesetzt. Bei leichten bis mittelschweren Attacken können nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen helfen. Bei mittelschweren bis schweren Attacken werden Triptane eingesetzt, die speziell die Migräne-bedingten Kopfschmerzen und Begleitsymptome lindern. Antiemetika können gegen Übelkeit und Erbrechen helfen.

Migräne-Prophylaxe

Eine Migräne-Prophylaxe ist sinnvoll, wenn die Migräne-Attacken häufig auftreten, lange anhalten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren und den Medikamentenkonsum zu verringern.

Zur medikamentösen Prophylaxe stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Eine neuere Klasse von Medikamenten sind die CGRP-Antikörper, die gezielt gegen einen Botenstoff wirken, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsverfahren (z. B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga), Ausdauersport und die Vermeidung von Triggern helfen, die Migräne-Attacken zu reduzieren.

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Stressbewältigung

Da Stress ein häufiger Trigger für Migräne ist, ist eine effektive Stressbewältigung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Hierzu können Entspannungsverfahren, Achtsamkeitstraining, Sport und eine gesunde Lebensweise beitragen. Auch eine Psychotherapie kann hilfreich sein, um Stressoren zu identifizieren und Strategien zur Stressbewältigung zu erlernen.

Was Kindern mit Migräne hilft

Kopfschmerzen treten häufig bereits in jungen Jahren auf. Migräne beeinflusst den Alltag der betroffenen Kinder stark. Dabei unterscheidet sich ihr Schmerzempfinden von dem erwachsener Migräne-Patienten. Während diese oft einen einseitigen Schmerz verspüren, der über Stunden und Tage anhalten kann, ist bei Kindern der Kopfschmerz vorwiegend beidseitig und klingt manchmal schon nach 30 Minuten wieder ab. In einigen Fällen kündigt sich bei ihnen die Migräne-Attacke schon einen Tag vorher an, etwa durch eine bedrückte Stimmung oder fehlenden Appetit. Die Kinder wirken dann müde und erschöpft.

Während der akuten Schmerz-Phasen ist vor allem ein Rückzugsort wichtig. Denn Ruhe in einem abgedunkelten Raum ist oft schon das beste Hausmittel gegen Migräne bei Kindern. Bei manchen Mädchen hängt die Migräne auch stark von der Zyklusphase ab. Einen eindeutigen Auslöser haben die Kopfschmerz-Schübe jedoch selten.

Bei Kindern mit leichter Migräne steht eine Behandlung mit Medikamenten nicht im Vordergrund. Neben Ruhe und Schlaf bringt vielen bereits regelmäßiger Sport Linderung. Zudem helfen Entspannungsübungen wie die Muskelrelaxation nach Jacobson und Yoga, Kindern dabei, mit Migräne zu leben.

Psychosomatische Migräne

Eine extreme Form dieser Schmerzen, welche sich durch Attacken äußert, ist die psychosomatische Migräne. Dabei können Betroffene bis zu 72 Stunden andauernde, wiederkehrende Kopfschmerzen erleiden. Im Regelfall wird dieses akute Auftreten durch psychische Faktoren ausgelöst und verläuft in mehreren Phasen. Die Ursachen, welche eine Migräne hervorrufen, können sehr individuell sein und stark variieren. In den meisten Fällen ist die Ursache organischer Art. Des Weiteren gibt es psychische Auslöser der Migräne. Als einer der häufigsten Faktoren gilt hierbei Stress, außerdem sind auch verstärkte Emotionen bekannt dafür, eine Ursache für einen Migräneanfall zu sein. Ein zu intensiver Wechsel von Erregungszuständen, Schlafenzug oder hormonelle Schwankungen sind ebenfalls als Ursache bekannt.

Migräne mit Aura

Ursachen für Migräne mit Aura sind vielschichtig und werden durch eine Kombination von ganz überwiegend genetischen, persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst. Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne. Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Weiter geht man davon aus, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Für viele Betroffene, die an Migräne mit Aura leiden, können bestimmte Triggerfaktoren Anfälle auslösen. Zu den häufigsten Triggern, also Auslösern, gehören Stress, hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel und Getränke, intensive Gerüche, grelles Licht und starke körperliche Anstrengung.

Leben mit Migräne

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, die eigenen Trigger zu kennen und zu vermeiden, einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten, Stress zu reduzieren und sich ausreichend zu bewegen und zu entspannen. Eine gute Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und dieInanspruchnahme von psychotherapeutischer Unterstützung können helfen, die Migräne besser zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.

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