Migräne mit Erbrechen und Dehydration: Ursachen und Behandlungsansätze

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch eine Fehlfunktion in der Schmerzverarbeitung des Gehirns ausgelöst wird. Die Erkrankung geht bei vielen Patient:innen auch mit Symptomen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen einher und kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Migräne mit Erbrechen und Dehydration, da diese Kombination die Lebensqualität stark einschränken und spezifische Behandlungsstrategien erfordern kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser speziellen Form der Migräne.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Nach heutigem Kenntnisstand wird sie durch eine Fehlfunktion in der Schmerzverarbeitung des Gehirns ausgelöst. Konkret kommt es dabei zu einer Überempfindlichkeit der Nervenzellen und einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnregionen. Besonders betroffen ist dabei das sogenannte trigeminovaskuläre System - ein System aus Nervenverbindungen, das Schmerzsignale von den Blutgefäßen der Hirnhäute verarbeitet. Während eines Migräneanfalls werden schmerzvermittelnde Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, wie Serotonin und CGRP (Calcitonin-Gen-Related Peptide) freigesetzt. Diese Stoffe führen zu einer Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute, was die typischen pulsierenden Kopfschmerzen verursacht. Zudem kann es zu einer wellenförmigen Hemmung der Nervenzellenaktivität kommen, wodurch Aura-Symptome ausgelöst werden. Migräne-Patient:innen reagieren besonders empfindlich auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Gerüche. Diese Überempfindlichkeit ist ein Zeichen für die gestörten Reizverarbeitung im Gehirn. Zudem zeigen Studien, dass genetische Faktoren die Anfälligkeit für Migräne erhöhen können. Das zunehmende medizinische Verständnis darüber, was bei Migräne im Gehirn passiert, hat die Entwicklung moderner Therapien ermöglicht. Dazu gehören unter anderem Medikamente, die gezielt den schmerzvermittelnden Botenstoff CGRP oder dessen Andockpunkte (Rezeptoren) blockieren.

Symptome der Migräne

Ein wesentliches Merkmal der Migräne sind starke pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, die meist einseitig auftreten. Die Schmerzen können sich jedoch auch auf beide Seiten des Kopfes ausdehnen. Anders als etwa bei Spannungskopfschmerzen verstärken sie sich im Rahmen von Migräne häufig bei körperlicher Aktivität. Viele Betroffene leiden während eines Migräne-Anfalls unter starker Übelkeit, die oft von Erbrechen begleitet wird. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Migräne gehört eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht (die sogenannte Photophobie) und Geräuschen (Phonophobie). Etwa 15 bis 20 Prozent der Migräne-Patient:innen erleben vor oder während eines Anfalls eine Aura. Diese Phase äußert sich durch Sehstörungen wie Flimmersehen, durch Lichtblitze oder Gesichtsfeldausfälle. Bei manchen Betroffenen treten während der Aura auch Sprachstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf. Manche Patient:innen mit Migräne berichten auch von einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, was in der Medizin als Osmophobie bezeichnet wird. Während eines Anfalls fällt es vielen Migräne-Patient:innen schwer, sich zu konzentrieren, sich Dinge zu merken oder klar zu denken. Nach einem Migräneanfall berichten viele Betroffene von intensiver Müdigkeit und Erschöpfung, was als Postdromalphase - als Rückbildungsphase - bezeichnet wird. Zusammengefasst gehören die eben beschriebenen Symptome zu den häufigsten und typischsten Kennzeichen des komplexen Krankheitsbildes der Migräne.

Ursachen von Migräne mit Erbrechen und Dehydration

Die genauen Ursachen für Migräne sind komplex und nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurologischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

  • Neurologische Faktoren: Bei primären Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen als ursprüngliche Erkrankung, wird der sogenannte Trigeminusnerv aktiviert. Dieser Gesichtsnerv steht auch in Verbindung mit dem Brechzentrum im Gehirn - und kann so Übelkeit auslösen.
  • Dehydration: Wenn Übelkeit mit häufigem Erbrechen einhergeht, ist eine Dehydration durch den Flüssigkeitsverlust wahrscheinlich. In einigen Fällen kann bei häufigem Erbrechen auch der Hirndruck steigen. Beide Mechanismen können Auslöser für (sekundäre) Kopfschmerzen sein. Die Kopfschmerzen sind dann also eine Folge der Übelkeit. Flüssigkeitsmangel (Dehydration) ist ebenfalls ein bekannter Trigger (Auslösefaktor) für Migräne.
  • Umweltfaktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.
  • Hormonelle Veränderungen: Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären.
  • Ernährungsbedingte Faktoren: Auch eine unausgewogene Ernährung kann Übelkeit und Kopfschmerzen begünstigen. Besonders eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann Kopfschmerzen hervorrufen. Daher sollten Sie stets ausreichend Wasser und ungesüßte Tees trinken. Eine große Rolle spielt zudem der Blutzuckerspiegel: Wenn dieser aus dem Gleichgewicht gerät, können Kopfschmerzen und Übelkeit die Folge sein. Um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten, empfehlen sich regelmäßige und ausgewogene Mahlzeiten über den Tag verteilt.

Dehydration als Folge von Erbrechen

Die Kombination aus Migräne und Erbrechen führt häufig zu Dehydration. Durch das Erbrechen verliert der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte, was die Kopfschmerzen verstärken und weitere Symptome wie Schwindel, Schwäche und Verwirrung verursachen kann. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist daher essenziell, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und die Symptome zu lindern.

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Diagnose der Migräne

Die Diagnose der Migräne erfolgt durch ein ausführliches Gespräch (Fachbegriff: Anamnese) mit der Erfassung der Symptome und der Familienbelastung sowie einer körperlich-neurologischen Untersuchung. Unsere erfahrenen Ärzt:innen sind darin ausgebildet, die typischen Symptome der Migräne zu erkennen und das Krankheitsbild von anderen primären Kopfschmerzarten wie Spannungskopfschmerzen und Clusterkopfschmerzen abzugrenzen. Der erste Schritt bei der Diagnosestellung ist ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Besonders hilfreich und wichtig ist es für unsere Ärzt:innen, wie Sie die Schmerzintensität, den Schmerzbereich und den Schmerzcharakter beschreiben. Für die Diagnose Migräne spielt es beispielsweise eine wichtige Rolle, ob die Schmerzen pulsierend oder pochend sind. Gut zu wissen: Ein Kopfschmerzkalender oder Kopfschmerztagebuch, in dem Sie Ihre Symptome dokumentieren, kann die Diagnose erleichtern. Dadurch können sich unsere Ärzt:innen einen guten Überblick über Häufigkeit und Intensität Ihrer Kopfschmerzen und Begleitsymptome verschaffen. Die körperliche Untersuchung, einschließlich einer neurologischen Untersuchung zur Prüfung der Nervenfunktion, dient dazu, andere Ursachen (vor allem Grunderkrankungen) für die Kopfschmerzen auszuschließen. Bei einer typischen Migräne sind die Untersuchungsergebnisse meist unauffällig. Hintergrund: Die Migräne gehört zu den sogenannten primären Kopfschmerzarten. Bei den meisten Patient:innen sind keine bildgebenden Diagnostikverfahren wie die Computertomografie (CT - ein computergestütztes Röntgen-Schnittbildverfahren) und die Magnetresonanztomografie (MRT - ein magnetfeldgestütztes Schnittbildverfahren) erforderlich. Diese Verfahren werden nur eingesetzt, wenn Anzeichen vorliegen, die auf andere Erkrankungen hindeuten können. Wussten Sie, dass die Medizin mehr als 200 Kopfschmerzarten kennt? Folglich ist die genaue Diagnosefindung die entscheidende Grundlage dafür, die individuell passende und am besten geeignete Behandlung einzuleiten.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, andere Ursachen für Kopfschmerzen und Erbrechen auszuschließen, wie z.B. Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Meningitis, Glaukom oder andere neurologische Erkrankungen. Eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung sind entscheidend, um die richtige Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne mit Erbrechen und Dehydration

Migräne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, doch mit einer individuell abgestimmten Behandlung lassen sich Symptome lindern und bei Bedarf auch Anfällen vorbeugen. Die Akutbehandlung bei Migräne zielt darauf ab, die häufig sehr belastenden Beschwerden während eines Anfalls zu lindern und dessen Dauer zu verkürzen. Ruhe und Lichtreduzierung spielen hierbei eine zentrale Rolle: Vielen Betroffenen hilft es, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen, um Licht und Geräusche zu reduzieren. Unterstützend können unsere Ärzt:innen zur Behandlung akuter Migräneanfälle Medikamente verordnen, die einerseits gezielt die Schmerzen und andererseits Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen bekämpfen. Welche Medikamente stehen hierbei zur Verfügung? Zur Behandlung der Schmerzen bei einer leichten bis mittelschweren Migräneattacke können Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) angewendet werden: Dazu gehören Wirkstoffe wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS), die grundsätzlich zwar rezeptfrei erhältlich sind, deren konkrete Anwendung Sie jedoch immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen sollten. In der Therapie mittelschwerer und schwerer Migräneattacken haben sich die sogenannten Triptane als besonders wirksam erwiesen. Ärzt:innen unterscheiden gelegentliche Migräneattacken von häufiger oder gar chronischer Migräne. Sollten Sie sehr häufig unter belastenden Migräneattacken leiden, können unsere Expert:innen mit Ihnen die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe (Vorbeugung) besprechen. Es gibt inzwischen zahlreiche Therapiemöglichkeiten in der Migräneprophylaxe. Die neuesten Entwicklungen sind die sogenannten monoklonalen Antikörper, die sich gegen die Wirkung des schmerzvermittelnden Botenstoffes CGRP richten.

Akutbehandlung

  • Medikamentöse Therapie:
    • Triptane: Diese Medikamente sind speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt worden und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
    • NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika): Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
    • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, diese Symptome zu lindern und die Flüssigkeitsaufnahme zu erleichtern.
  • Flüssigkeitszufuhr:
    • Orale Rehydratationslösung (ORS): Diese Lösungen enthalten Elektrolyte und helfen, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Sie sind in Apotheken erhältlich.
    • Intravenöse Flüssigkeitszufuhr: In schweren Fällen von Dehydration kann eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr im Krankenhaus erforderlich sein.
  • Weitere Maßnahmen:
    • Ruhe und Dunkelheit: Ein ruhiger, abgedunkelter Raum kann helfen, die Symptome zu lindern.
    • Kühle Kompressen: Auf Stirn oder Nacken können kühlende Kompressen die Schmerzen lindern.

Prophylaktische Maßnahmen

  • Medikamentöse Prophylaxe:
    • Betablocker: Diese Medikamente werden häufig zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt, indem sie die Blutgefäße stabilisieren und den Blutdruck senken.
    • Antiepileptika: Einige Antiepileptika, wie Topiramat und Valproinsäure, können die Häufigkeit von Migräneanfällen reduzieren.
    • Trizklische Antidepressiva: Amitriptylin kann ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, insbesondere wenn gleichzeitig Depressionen oder Schlafstörungen vorliegen.
    • CGRP-Antikörper: Diese neuen Medikamente blockieren den Botenstoff CGRP, der eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt.
  • Nicht-medikamentöse Prophylaxe:
    • Regelmäßiger Lebensstil: Ein geregelter Schlafrhythmus, feste Essenszeiten und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr können Migräneanfälle deutlich reduzieren.
    • Stressmanagement: Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind bewährte effektive Methoden, um Geist und Körper in Stresssituationen zügig zu beruhigen.
    • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von Trigger-Lebensmitteln können helfen, Migräneanfälle zu verhindern.
    • Sport: Regelmäßiger Ausdauersport, am besten dreimal pro Woche, kann die innere Balance fördern und psychische Belastungen minimieren.
    • Physiotherapie: Gezielte Maßnahmen der Physiotherapie können die ärztliche Behandlung der Migräne unterstützen, insbesondere wenn Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich die Symptome verstärken. Durch individuelle Übungen wird die Muskulatur gelockert und die Durchblutung gefördert, was wiederum die Häufigkeit und Intensität von Anfällen reduzieren kann.
  • Osteopathie: Osteopathie ist eine ganzheitliche Form der Medizin, die sich auf die manuelle Behandlung des Körpers konzentriert. Osteopathen betrachten den Körper als Einheit, in der alle Systeme miteinander verbunden sind. Durch sanfte Manipulationen und Techniken zielt die Osteopathie darauf ab, die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers zu unterstützen und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Es kann bei der Linderung von Migräne-Symptomen helfen. Die Behandlung zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen der Migräne zu adressieren und den Körper ins Gleichgewicht zu bringen.
    • Verbesserung der Durchblutung und Lymphdrainage: Durch sanfte Manipulationen kann ein Osteopath die Durchblutung und Lymphdrainage verbessern. Dies hilft, Verspannungen zu lösen und die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen zu optimieren. Eine bessere Durchblutung kann dazu beitragen, Migräneanfälle zu reduzieren und ihre Intensität zu verringern.
    • Lösung von Muskelverspannungen: Verspannungen in den Muskeln des Nackens und der Schultern sind häufige Auslöser für Migräne. Osteopathen arbeiten daran, diese Verspannungen zu lösen, indem sie die Muskeln dehnen und mobilisieren. Dies kann nicht nur die Häufigkeit von Migräneanfällen reduzieren, sondern auch die Schmerzen lindern.
    • Korrektur von Fehlhaltungen: Fehlhaltungen und -stellungen des Körpers können zu einer ungleichen Belastung der Muskeln und Gelenke führen, was Migräne begünstigen kann. Osteopathen analysieren die Körperhaltung und korrigieren Fehlstellungen, um eine bessere Balance und Funktion des Bewegungsapparates zu gewährleisten.
    • Stressreduktion: Stress ist einer der Hauptauslöser für Migräne. Osteopathische Behandlungen können helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Stress abzubauen. Durch sanfte, entspannende Techniken wird der Parasympathikus aktiviert, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Dies kann dazu beitragen, die Anfälligkeit für Migräne zu verringern.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind medizinische Apps, die zur Vorbeugung, Diagnose, Überwachung oder Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden können. Sie können auch bei der Behandlung von Kopfschmerzen eine unterstützende Rolle spielen. Es gibt seit kurzer Zeit verschiedene DiGA, die speziell für die Behandlung und das Management von Kopfschmerzen entwickelt wurden. Die DiGA müssen in Deutschland eine Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhalten. Das BfArM prüft die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Anwendungen, bevor sie auf dem deutschen Markt zugelassen werden. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die von Ihnen verwendete DiGA eine gültige Zulassung hat, um eine angemessene Qualität und Sicherheit zu gewährleisten. Bei der Nutzung von DiGA zur Unterstützung bei Kopfschmerzen ist es ratsam, sich an die Empfehlungen Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin zu halten. Sie können Ihnen dabei helfen, geeignete DiGA zu identifizieren, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Eine Kombination aus konventionellen Behandlungsmethoden und digitalen Gesundheitsanwendungen kann eine ganzheitliche und individuelle Herangehensweise an das Management von Kopfschmerzen ermöglichen. Es ist wichtig zu beachten, dass DiGA zwar hilfreich sein können, aber nicht als Ersatz für eine ärztliche Beratung oder Behandlung dienen sollten. Bei anhaltenden oder schweren Kopfschmerzen ist es wichtig, eine Fachärztin oder einen Facharzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und eine angemessene Behandlung zu erhalten.

Prävention von Migräne und Dehydration im Alltag

Als Migräne-Patientin oder -Patient können Sie aktiv dazu beitragen, Ihre Migräneanfälle zu reduzieren. Mit der richtigen Balance aus zuträglichen Lebensstilmaßnahmen, einer ausgewogenen Ernährung und bewusstem Stressmanagement erreichen Sie schon sehr viel Gutes für Ihr Wohlbefinden. Ein geregelter Schlafrhythmus trägt maßgeblich dazu bei, Migräne wirksam vorzubeugen. Denn Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf können Auslöser für Migräne sein. Versuchen Sie daher, möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch an Wochenenden. Achten Sie darauf, mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen. Noch wichtiger als die Schlafdauer ist aber die Qualität des Schlafes. Dunkle Vorhänge oder eine Schlafmaske können helfen, die Schlafqualität zu verbessern. Falls Sie Schwierigkeiten beim Einschlafen haben, können Entspannungsübungen wie autogenes Training eine wertvolle Unterstützung sein. Flüssigkeitsmangel (Dehydration) ist ebenfalls ein bekannter Trigger (Auslösefaktor) für Migräne. Stellen Sie daher sicher, dass Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser trinken. Teilen Sie Ihre Wasseraufnahme auf den Tag auf, indem Sie beispielsweise morgens nach dem Aufstehen 400 ml Wasser trinken, mittags weitere 500 ml und den Rest über den Nachmittag und Abend verteilen. Das Auslassen von Mahlzeiten oder lange Pausen zwischen dem Essen können Migräneattacken fördern. Halten Sie sich deshalb an möglichst feste Essenszeiten und vermeiden Sie so eine Unterzuckerung. Essen Sie spätestens alle fünf Stunden eine Mahlzeit, um Ihren Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Starten Sie Ihren Tag mit einem ausgewogenen Frühstück, das komplexe Kohlenhydrate (gute Quelle: Vollkornbrot), Proteine beispielsweise aus Joghurt und gesunde Fette aus Nüssen enthält. Alkohol, insbesondere Rotwein, ist ein bekannter Auslöser von Migräneanfällen. Histamin (ein Gewebshormon) und andere Inhaltsstoffe in alkoholischen Getränken können die Gefäßreaktionen im Gehirn beeinflussen und so Migräne begünstigen. Um das Risiko für Anfälle zu minimieren, sollten Sie Alkohol idealerweise vollständig meiden. Stress ist ein zentraler Faktor bei der Entstehung von Migräne. Entspannungsverfahren wie Yoga und die progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen, den Stresspegel nachhaltig zu senken. Planen Sie jeden Tag etwa 15 bis 30 Minuten für Entspannungsübungen ein. Auch regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft wirken beruhigend und fördern darüber hinaus die Durchblutung. Wenn Sie beruflich oder privat stark belastet sind und nach Unterstützung suchen, kann eine kognitive Verhaltenstherapie helfen. Körperliche Bewegung wirkt sich positiv auf den Migräneverlauf aus und hilft, die Häufigkeit von Anfällen zu reduzieren.

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Tipps zur Vorbeugung von Dehydration

  • Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Getränke.
  • Regelmäßig trinken: Trinken Sie über den Tag verteilt regelmäßig kleine Mengen, anstatt große Mengen auf einmal.
  • Bei Bedarf Elektrolyte zuführen: Bei starkem Schwitzen oder Erbrechen können Elektrolytlösungen helfen, den Elektrolytverlust auszugleichen.
  • Auf Alkohol und Koffein verzichten: Diese Substanzen können die Dehydration verstärken.
  • Flüssigkeitsreiche Lebensmittel essen: Wassermelone, Gurke und andere wasserreiche Lebensmittel können zur Flüssigkeitszufuhr beitragen.

Begleiterkrankungen bei Migräne

Migräne ist keine isolierte Kopfschmerzerkrankung, sondern tritt häufig in Verbindung mit weiteren gesundheitlichen Herausforderungen und Erkrankungen auf. Diese wiederum können auch den Verlauf der Migräne beeinflussen. Menschen mit Migräne sind häufig auch von Depressionen und/oder Angststörungen betroffen. Diese psychischen Erkrankungen können sowohl aufgrund der Belastung durch die wiederkehrenden Migräneanfälle entstehen als auch als Auslöser für Migräneattacken wirken. Depressionen äußern sich durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Angststörungen sind durch übermäßige Sorgen und körperliche Symptome wie Herzrasen gekennzeichnet. Sollten Sie anhaltende emotionale Veränderungen bei sich feststellen, scheuen Sie sich nicht und sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an. Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus und Schlafstörungen sind häufig mit Migräne verknüpft. Ein Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf können Migräneanfälle auslösen. Gleichzeitig können die Schmerzen und Begleitsymptome der Migräne die Schlafqualität beeinträchtigen, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Bluthochdruck (fachsprachlich: Hypertonie) ist eine in der Bevölkerung weit verbreitete Erkrankung, die häufig auch bei Menschen mit Migräne auftritt. Erhöhter Blutdruck kann durch Stress und durch die körperliche Belastung während eines Migräneanfalls entstehen. Langfristig kann unbehandelter Bluthochdruck insbesondere das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Allein schon deshalb ist es bei Menschen mit Bluthochdruck unbedingt zu empfehlen, frühzeitig geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Auch chronischer Spannungskopfschmerz ist eine häufige Begleiterkrankung der Migräne. Während die Migräne durch pulsierend-pochende Schmerzen gekennzeichnet ist, äußert sich Spannungskopfschmerz durch einen dumpfen, drückenden Schmerz, der oft beidseitig auftritt. Beide Erkrankungen können sich gegenseitig verstärken. Fibromyalgie, eine Erkrankung, die durch chronische Schmerzen und erhöhte Schmerzempfindlichkeit gekennzeichnet ist, tritt ebenfalls häufig bei Migräne-Patient:innen auf.

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