Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der allein in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen betroffen sind. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer (50 % häufiger). Die Spezialisten in Lübeck bieten ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, um Betroffenen zu helfen, ihre Lebensqualität trotz der Erkrankung zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten, mit besonderem Fokus auf die in Lübeck verfügbaren Fachärzte und Therapieansätze.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen äußert, die oft von weiteren Symptomen begleitet werden. Die Schmerzen treten häufig nur auf einer Kopfseite auf (Hemikranie) und beginnen oft in der Nacht oder den frühen Morgenstunden. Ein Anfall kann sich über Stunden bis hin zu mehreren Tagen erstrecken.
Es gibt verschiedene Formen von Migräne:
- Migräne ohne Aura: Dies ist die häufigste Form, von der etwa neunzig Prozent aller Migräniker betroffen sind. Sie tritt anfallsartig in bestimmten Zeitabständen auf und wird häufig von Erbrechen und Übelkeit begleitet.
- Migräne mit Aura: Bei dieser Form gehen dem Kopfschmerz neurologische Symptome voraus, die als Aura bezeichnet werden. Diese können visuelle Störungen (z.B. Flimmern, Blitze), sensible Störungen (z.B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen umfassen.
- Ophtalmoplegische Migräne: Eine seltene Form der Migräne mit reversibler (sich zurückbildender) Lähmung eines oder mehrerer der Hirnnerven, die die Augenmuskeln versorgen.
- Retinale Migräne: Eine seltene Form, die sich durch vorübergehende Sehstörungen auf einem Auge äußert.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch zwei Hauptfaktoren, die als verantwortlich gelten:
- Genetische Faktoren: Die genetische Ursache erklärt, warum die Erkrankung nicht heilbar ist. Lediglich die Symptome können behandelt werden. Wissenschaftler sind sich relativ sicher, dass genetische Einflüsse eine Rolle spielen.
- Umwelteinflüsse: Diese sogenannten Triggerfaktoren können einen Migräneanfall auslösen. Man geht davon aus, dass ein bestimmtes Hirnareal - Hirnstamm und Mittelhirn - während eines Anfalls Äste des Trigeminus-Nerven aktiviert.
Häufige Triggerfaktoren sind:
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- Stress: Ein stressiger Tag kann bei vielen Menschen Kopfschmerzen auslösen und Migräneanfälle provozieren.
- Hormonelle Schwankungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus Migräneattacken auslösen.
- Ernährung: Unregelmäßige Mahlzeiten oder bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Käse, Schokolade, Rotwein) können Migräne begünstigen.
- Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein ungünstiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann ebenfalls ein Auslöser sein.
- Weitere Faktoren: Wetterumschwünge, bestimmte Gerüche, Lärm oder grelles Licht können ebenfalls Migräneattacken auslösen.
Betroffene wissen meist, welche Faktoren bei ihnen einen Anfall auslösen. Es wird empfohlen, einen Kopfschmerzkalender zu führen, um diese Trigger zu identifizieren und dem Arzt Auskunft über Form und Häufigkeit der Migräne zu geben. Die Aufzeichnung erlaubt auch die Beobachtung der Entwicklung der Migräne.
Symptome von Migräne
Die Symptome einer Migräne können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Typische Symptome sind:
- Pulsierende oder pochende Kopfschmerzen: Diese treten häufig auf einer Kopfseite auf.
- Übelkeit und Erbrechen: Viele Migränepatienten leiden während eines Anfalls unter Übelkeit und Erbrechen.
- Licht- und Lärmempfindlichkeit: Betroffene sind oft sehr empfindlich gegenüber Licht und Lärm.
- Sehstörungen: Bei Migräne mit Aura können Sehstörungen wie Flimmern, Blitze oder Gesichtsfeldausfälle auftreten.
- Schwindel: Schwindel kann ebenfalls ein Begleitsymptom einer Migräne sein.
- Weitere Symptome: Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Reizbarkeit und Nackensteifigkeit können ebenfalls auftreten.
Diagnostik von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese, also der Erhebung der Krankengeschichte des Patienten. Der Arzt wird nach Art, Häufigkeit, Dauer und Begleitsymptomen der Kopfschmerzen fragen. Ein Kopfschmerzkalender kann dabei helfen, die Symptome und möglichen Auslöser zu dokumentieren.
In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Dazu gehören:
- Neurologische Untersuchung: Um neurologische Defizite festzustellen.
- Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CCT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, um andere Erkrankungen wie Tumore oder Blutungen auszuschließen.
- Elektroenzephalographie (EEG): Um die Hirnströme zu messen und epileptische Anfälle auszuschließen.
Behandlung von Migräne in Lübeck
In Lübeck gibt es verschiedene Spezialisten und Einrichtungen, die sich auf die Behandlung von Migräne spezialisiert haben. Dazu gehören Neurologen, Schmerztherapeuten und Naturheilkundler.
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Neurologische Praxen in Lübeck
Ein Beispiel für eine neurologische Praxis in Lübeck ist die Praxis in der Sandstraße. Diese Praxis wurde vor über 30 Jahren von Dr. med. Doris Botzler gegründet und wird seit 2017 von Dr. med. Janka Jordt geführt. Die Praxis bietet das gesamte Spektrum an neurologischen Ultraschall-, Hirnstrom-, Muskel- und Nervenmessungen bzw. Untersuchungen.
Die Praxis liegt zentral in Lübecks Altstadt, direkt an der Haltestelle Sandstraße und ist in ca. 15 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof erreichbar.
Das Team der Praxis legt Wert auf:
- Patientenorientierung: Zunächst sehr genau zuzuhören, um die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu verstehen.
- Umfassende Untersuchung: Um eine genaue Diagnose zu stellen.
- Optimale Beratung und Therapie: Um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.
- Gemeinsame Bewahrung der Gesundheit: Durch umfassendes Wissen und Erfahrung.
Neben Dr. Jordt arbeitet auch Frau Dr. Kolmsee als weitere neurologische Ärztin in der Praxis mit.
Die neurologischen Schwerpunkte der Praxis liegen auf Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsie, Morbus Parkinson oder Migräne/Kopfschmerzen. Daneben werden auch Gefäßerkrankungen, Demenzen, das Restless-Legs-Syndrom, Schwindelsyndrome und periphere Nervenerkrankungen behandelt.
Eine weitere Praxisgemeinschaft für Neurologie und Psychiatrie befindet sich am Lindenteller im Herzen Lübecks. Hier bieten vier Ärzt*innen ihre fachliche Kompetenz in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie an.
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Therapieansätze bei Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Schweregrad der Erkrankung und individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.
Akuttherapie:
Die Akuttherapie dient dazu, die Symptome eines akuten Migräneanfalls zu lindern. Dazu werden in der Regel Schmerzmittel eingesetzt, wie z.B.:
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac.
- Triptane: Spezifische Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
Es ist wichtig, die Schmerzmittel frühzeitig einzunehmen, sobald sich ein Anfall ankündigt. Eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln kann jedoch zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen führen.
Prophylaktische Therapie:
Die prophylaktische Therapie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle zu reduzieren. Sie kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn die Anfälle sehr häufig auftreten oder die Akuttherapie nicht ausreichend wirksam ist.
Zur prophylaktischen Behandlung von Migräne werden verschiedene Medikamente eingesetzt, wie z.B.:
- Betablocker: Propranolol oder Metoprolol.
- Antidepressiva: Amitriptylin oder Venlafaxin.
- Antiepileptika: Topiramat oder Valproinsäure.
- CGRP-Antikörper: Eine neue Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) wirken, einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und Wirksamkeit.
Weitere Therapieansätze:
Neben der medikamentösen Therapie gibt es noch weitere Therapieansätze, die bei Migräne eingesetzt werden können:
- Verhaltensmedizinische Therapie: Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training), Stressmanagement und Biofeedback können helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
- Naturheilkundliche Verfahren: Akupunktur, Neuraltherapie und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) können ebenfalls zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von Triggerfaktoren können helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
- Physiotherapie: Bei Nackenverspannungen kann Physiotherapie hilfreich sein.
Naturheilkundliche Behandlungsverfahren in Lübeck
Einige Ärzte in Lübeck haben sich im Rahmen von umfangreichen Aus- und Weiterbildungen auf naturheilkundliche Behandlungsverfahren spezialisiert, um ihren Patienten bestmögliche Therapien bieten zu können. Um eine Linderung der Schmerzen zu erzielen, greifen sie auf Methoden aus der Neuraltherapie, der Akupunktur, der Traditionellen Chinesischen Medizin und der Chinesischen Phytotherapie zurück. Bei der Neuraltherapie nach Huneke werden die körpereigenen Heilungskräfte zu einer Selbstreorganisation angeregt. Das geschieht mittels Injektion von örtlichen Betäubungsmitteln an neuralgische Punkte. Ziel ist immer die körpereigene Regulationsfähigkeit wiederzuerlangen. Diese naturheilkundlichen Verfahren werden oft mit schulmedizinischen Methoden kombiniert.
Studien und Forschung
Die Forschung im Bereich Migräne ist weiterhin aktiv. Prof. Dr. Aiden Haghikia von der Uniklinik Magdeburg forscht schon lange zum Thema Propionsäure bei Multipler Sklerose (MS). Seine Studien haben gezeigt, dass die Gabe von Propionsäure zusätzlich zu MS-Medikamenten langfristig die Schubrate und das Risiko einer Behinderungszunahme reduzieren kann. Erste Kernspin-Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Propionsäure möglicherweise den Gehirnschwund als Zeichen eines Nervenzell-Untergangs reduziert.
Ein interessanter Artikel in der Fachliteratur (Rosso M., Chitnis T. in JAMA Neurology, 2019) verdeutlicht nochmals die Gefährlichkeit des Rauchens für MS-PatientenInnen.
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