Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die weit mehr als nur Kopfschmerzen verursacht. Sie beeinträchtigt viele Aspekte des Lebens der Betroffenen, von der Familie bis zur Karriere. Das Migräne Symposium Regensburg bot eine Plattform für Experten, um aktuelle Erkenntnisse und Behandlungsansätze zu diskutieren. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Punkte zusammen, die auf dem Symposium vorgestellt wurden, und beleuchtet verschiedene Aspekte der Migräne, von der Prophylaxe bis hin zu psychosozialen Faktoren.
Die vielschichtige Belastung durch Migräne
„Migräne geht noch immer mit einem Stigma einher, unter dem viele Migräne-Patient:innen leiden“, betonte Prof. Zaza Katsarava vom Klinikum Unna auf dem Symposium im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Die Erkrankung schränkt den Alltag mit der Familie ein und macht ungewollte Lebensstil-Änderungen notwendig. Zudem ist Migräne mit Komorbiditäten wie Angststörungen und/oder Depressionen assoziiert und kann Chancen in Bezug auf Ausbildung, Einkommen und Karriere reduzieren. Die Patient:innen sind also nicht nur während der akuten Migräne-Attacken beeinträchtigt.
Effektive Prophylaxe als Schlüssel zu mehr Lebensqualität
Eine effektive Prophylaxe kann sich auf alle Aspekte auswirken und somit insgesamt die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Galcanezumab, ein Medikament zur Migräne-Prophylaxe, reduziert die Migräne-Kopfschmerztage (MKT) stark und spürbar schnell - sowohl bei episodischer, chronischer als auch therapierefraktärer Migräne.
Passauer Kopfschmerzsymposium in Regensburg
Bereits zum vierten Mal fand im Hörsaal des Klinikums das Passauer Kopfschmerzsymposium statt. Prof. Tobias Freilinger, Chefarzt der Klinik für Neurologie, hatte wieder Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland zusammengebracht, die mit ihm über wichtige Themen der Kopfschmerzmedizin informierten.
Chronische Kopfschmerzen: Wenn der Schmerz zum Dauerzustand wird
Dr. Peter Storch, Ärztlicher Leiter des Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Jena, referierte über chronische Kopfschmerzen. Hierunter versteht man besonders schwer betroffene Patienten, die an mehr als 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden.
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Cluster-Kopfschmerz: Eine seltene, aber intensive Schmerzerfahrung
Dr. Katharina Kamm vom Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum an der LMU sprach über den sogenannten Cluster-Kopfschmerz, eine eher seltene, aber besonders schwere Form des Kopfschmerzes, bei dem es zu streng einseitigen um das Auge herum lokalisierten Kopfschmerzattacken mit verschiedenen charakteristischen Begleitsymptomen (Tränen des Auges, verstopfte Nase etc.) kommt.
Update zur Migräne: Klinische und wissenschaftliche Neuigkeiten
Prof. Freilinger gab ein Update zu klinischen und wissenschaftlichen Neuigkeiten rund um die “klassische neurologische Kopfschmerzerkrankung”, die Migräne.
Trigeminusneuralgie: Blitzartige Schmerzen im Gesicht
Prof. Mark Obermann, Chefarzt am St. Ansgar-Krankenhaus in Höxter, gab einen Überblick zum Thema Trigeminusneuralgie, einer Gesichtsschmerzerkrankung, bei der es zu blitzartig einschießenden Schmerzen in einer Gesichtshälfte kommt.
Das Symposium fand im Hybrid-Format statt, vor Ort im Hörsaal und online waren insgesamt rund 60 Gäste dabei.
Selbstfürsorge bei Migräne
Neben medikamentösen Behandlungen spielt die Selbstfürsorge eine wichtige Rolle im Umgang mit Migräne. Entspannungstechniken können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
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Migräne und Reizdarm
So mancher Migräne-Betroffene leidet zusätzlich unter einem Reizdarm. Der Gastroenterologe Prof. Dr. med. Martin Storr aus Starnberg erläuterte, was dahintersteckt und was hilft.
Neue Migräne-Leitlinie
Eine Leitlinie ist ein Behandlungs-Leitfaden für Ärzte und andere Therapeuten. Privatdozent Dr. Charly Gaul, federführender Autor der neuen Migräne-Leitlinie, fasste zusammen, was sie Neues bringt.
Die MigräneLiga: Eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene
Die Homepage der MigräneLiga wird stark frequentiert und bietet Betroffenen wichtige Informationen und Unterstützung. Besonders erfreulich ist der Zuwachs an neuen Usern.
Prominente mit Migräne: Karl Marx als Beispiel
In einer Serie werden Prominente vorgestellt, die unter Migräne litten. Den Anfang macht der Philosoph Karl Marx, der vor 200 Jahren geboren wurde. Barbara Schick beleuchtet die weniger bekannte menschliche Seite des Denkers, der mit Werken wie „Das Kapital“ die Welt veränderte.
Psychosoziale Faktoren und Schmerz: Die Forschung in Regensburg
Prof. Dr. med. an der Universitätsklinik in Regensburg, leitet mit Prof. Dr. Eichhammer zusammen die wissenschaftliche Arbeitsgruppe „Psychosozialer Stress und Schmerz“. Die Forschungsprojekte beinhalten neurophysiologische Grundlagen psychosozialer Stresserkrankungen einschließlich chronischer Schmerzen, sowie die emotionale Verarbeitung von Stress- / Schmerzsymptomen und psychosomatischen Beschwerden.
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Im Zentrum des Interesses steht ein verbessertes Verständnis chronischer, insbesondere somatoformer Schmerzerkrankungen. Charakteristisch für diese Erkrankungsformen ist die Tatsache, dass nachweislich somatische Veränderungen nur sehr schwer das Leiden der Patienten erklären können. Aus diesem Grunde werden psychosomatische Erkrankungsbilder mit dem Leitsymptom Schmerz aus einer dualistischen Perspektive erforscht.
Zum einen wird untersucht, inwieweit der „objektivierbare“ somatische Schmerz noch präziser anhand unterschiedlicher Messverfahren definiert werden kann. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch in der Erweiterung eines Schmerzverständnisses, das Schmerz als interpersonelles Geschehen begreift. Am Beispiel des Trennungsschmerzes wird exemplarisch sichtbar, dass sich dieser Schmerz somatisch niederschlägt, häufig als Ganzkörperschmerz oder unspezifischer Rückenschmerz in Erscheinung tritt, jedoch nur dann wirklich verstanden wird, wenn er als Konsequenz einer interpersonellen Veränderung (in diesem Falle die Trennung zweier sich näherstehender Personen) betrachtet wird. Trennung kann in diesem Verständnis als psychosozialer Stressor definiert werden.
Neue, insbesondere bildgebende Methoden ermöglichen es, neurobiologische Korrelate dieser interpersonell verursachten Schmerzen in Form veränderter Netzwerkaktivitäten sichtbar zu machen und ermöglichen es, somatoformen Schmerz in seinen biologischen und psychosozialen Dimensionen besser zu verstehen.
Diagnostik und Therapie in der Kopf- und Gesichtsschmerzsprechstunde
Montags wird im Rahmen der o.g. Die diagnostische-therapeutische Arbeit mit Betroffenen umfasst detaillierte Anamneseerhebung, bildgebende Untersuchungen, Fragebogenuntersuchungen, Medikation, Psychotherapie (VT) und Biofeedbackverfahren. In der Kopf- und Gesichtsschmerzsprechstunde werden betroffene Patienten, insbesondere mit psychischen Faktoren der Entstehung und Aufrechterhaltung und/oder begleitenden psychischen Erkrankungen, behandelt.
Stressambulanz für Erschöpfungssyndrome und Burnout
In der Stressambulanz wird die Möglichkeit einer Vorstellung für Patienten mit Erschöpfungssyndromen, Burnout oder anderen durch Stress verursachten Beschwerden angeboten. Telefonische Terminvereinbarung ist möglich.
Zukünftige Migräne-Symposien
Regelmäßige Migräne-Symposien bieten eine wichtige Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen.
- Symposium: 2024
- Online: www.migraene-symposium.de oder www.migraenesymposium.de
- Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei!
Überblick über frühere Migräne Symposien
- Symposium: 08.09.2023 Berlin & online
- Symposium: 23.09.2022 Frankfurt (Main) & online
- Symposium: 24.09.2021 online
- Symposium: 30.10.2020 online
- Symposium: 13.03.2020 Bremen - Covid-19-bedingt abgesagt -
- Symposium: 25.10.2019 Erfurt
- Symposium: 12.04.2019 Köln
- Symposium: 21.09.2018 Regensburg
- Symposium: 20.04.2018 Kassel
- Symposium: 29.09.2017 Hamburg
- Symposium: 07.04.2017 Stuttgart
- Symposium: 06.10.2016 Gelsenkirchen
- Symposium: 28.04.2016 Magdeburg
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