Migräne: Was wirklich hilft – Ein Apotheken-Ratgeber

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um ein neurologisches Krankheitsbild, das von einer Vielzahl von Symptomen begleitet werden kann. Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und die Symptome zu lindern. Dieser Artikel gibt einen Überblick über wirksame Behandlungen, die in der Apotheke erhältlich sind.

Was ist Migräne?

Migräne ist durch anfallsartige, pulsierende Kopfschmerzen von großer Schmerzintensität gekennzeichnet. Diese Schmerzen treten meist einseitig auf und können zwischen vier und 72 Stunden andauern. Migräne ist ein neurologisches Krankheitsbild, das durch sogenannte Schlüsselreize wie Stress, Umweltfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, Wetterlagen und hormonelle Veränderungen ausgelöst wird.

Rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne, wobei Frauen dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. Die meisten Betroffenen erleben ihren ersten Migräneanfall im Alter von 35 bis 45 Jahren.

Unterschiede zwischen Migräne und Kopfschmerzen

Der Hauptunterschied zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne liegt in der Intensität der Schmerzen. Migräne schränkt die Betroffenen im Alltag erheblich ein. Während Spannungskopfschmerzen meist am gesamten Kopf auftreten, beschränkt sich der Schmerz bei Migräne oft auf eine Kopfhälfte. Zudem geht Migräne häufig mit einer starken Licht- und Lärmempfindlichkeit einher. Auch Übelkeit und Erbrechen können Begleiterscheinungen sein.

Symptome einer Migräne

Migräne-Symptome sind vielfältig und können je nach Form der Migräne unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Massive, einseitige Kopfschmerzen von pulsierendem Charakter
  • Aura (Sehstörungen, Kribbeln, Sprachstörungen)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit

In seltenen Fällen kann eine Migräne auch ohne Kopfschmerzen auftreten, wobei die Aura das einzige Symptom ist.

Phasen einer Migräne

Ein Migräneanfall verläuft üblicherweise in vier Phasen:

  1. Vorbotenphase: Müdigkeit, Gereiztheit, Heißhunger
  2. Auraphase: Sehstörungen, Empfindungsstörungen
  3. Kopfschmerzphase: Starke, einseitige Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit
  4. Rückbildungsphase: Müdigkeit, Abgespanntheit

Medikamentöse Behandlung von Migräne

Es gibt verschiedene Medikamente zur Behandlung von Migräne, die in der Apotheke erhältlich sind. Diese lassen sich in Akutmedikamente zur Behandlung eines Anfalls und Prophylaxe-Medikamente zur Vorbeugung von Attacken unterteilen.

Akutmedikation

Zur Akutbehandlung von Migräneanfällen stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac
  • Paracetamol: Wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend
  • Kombinationspräparate: ASS, Paracetamol und Koffein
  • Triptane: Almotriptan, Naratriptan, Sumatriptan (teilweise rezeptfrei)
  • Antiemetika: Metoclopramid, Domperidon (bei Übelkeit und Erbrechen)

NSAR wirken, indem sie die Bildung von Prostaglandinen hemmen, die an Entzündungsprozessen und Schmerzen beteiligt sind. Paracetamol wirkt ähnlich, ist aber weniger entzündungshemmend.

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Kombinationspräparate aus ASS, Paracetamol und Koffein wirken besonders schnell und stark, da sich die Schmerzmittel gegenseitig verstärken und das Koffein die Wirkung beschleunigt.

Triptane sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden. Sie verengen die erweiterten Blutgefäße im Gehirn und hemmen Entzündungsprozesse. In Deutschland sind Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Antiemetika werden bei Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, die häufig mit Migräne einhergehen. Sie regen die Bewegung der Magenmuskulatur an und sorgen dafür, dass das Schmerzmittel besser aufgenommen wird.

Aspirin® Migräne

Aspirin® Migräne kann bei Migräneanfällen mit und ohne Aura eingenommen werden. Die empfohlene Dosis für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene beträgt 1000 Milligramm Acetylsalicylsäure. Dies entspricht 2 Brausetabletten, die gleichzeitig und rechtzeitig bei Einsetzen der ersten Beschwerden eingenommen werden sollten. Die Einzeldosis kann bei Bedarf in Abständen von 4-8 Stunden bis zu 3-mal täglich eingenommen werden.

Migräneprophylaxe

Bei häufigen Migräneattacken kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die jedoch verschreibungspflichtig sind:

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  • Betablocker: Propanolol, Metoprolol
  • Kalziumkanalblocker: Flunarizin
  • Antiepileptika: Valproat, Topiramat
  • Antikörpertherapie: Gegen CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide)

Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken so weit zu verringern, dass die Migräne künftig mit Akutmedikamenten behandelt werden kann.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Migränemedikamenten

  • Schmerzmittel und Triptane sollten nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden, maximal an drei Tagen hintereinander, da eine Überdosierung medikamenteninduzierten Kopfschmerz verursachen kann.
  • Bei Schwangerschaft sollte die Einnahme von Schmerzmitteln vermieden werden. Bei starken Schmerzen sollte ein Arzt konsultiert werden.
  • Kinder und Jugendliche benötigen andere Dosierungen als Erwachsene. Die Behandlung sollte immer mit einem Arzt abgestimmt sein.

Weitere Maßnahmen zur Linderung von Migräne

Neben Medikamenten gibt es auch andere Maßnahmen, die zur Linderung von Migräne beitragen können:

  • Ruhe und Entspannung: Ein dunkler, kühler Raum kann helfen, die Symptome zu lindern.
  • Kühle Kompressen: Auf Stirn oder Nacken können Schmerzen lindern.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein gestörter Schlafrhythmus kann Migräne begünstigen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Flüssigkeitsmangel kann Migräne auslösen.
  • Vermeidung von Triggern: Stress, bestimmte Lebensmittel oder Wetterlagen können Migräneattacken auslösen.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn:

  • Die Kopfschmerzen sehr stark sind oder plötzlich auftreten.
  • Die Kopfschmerzen von anderen Symptomen wie Fieber, Nackensteifigkeit oder neurologischen Ausfällen begleitet werden.
  • Die Migräneattacken häufiger werden oder sich die Symptome verändern.
  • Die Medikamente nicht wirken oder Nebenwirkungen verursachen.

Migräne-Test

Es gibt verschiedene Online-Tests, die helfen können, festzustellen, ob man unter Migräne leidet. Diese Tests können jedoch keine ärztliche Diagnose ersetzen.

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