Migräne und Übelkeit: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit mehr als "nur" Kopfschmerzen bedeutet. Sie ist unberechenbar und individuell, und kann das Leben der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Neben den oft intensiven, meist einseitigen Kopfschmerzen, die als pochend, pulsierend oder hämmernd beschrieben werden, treten häufig Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit auf. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne, insbesondere im Zusammenhang mit Übelkeit, und bietet einen umfassenden Überblick über Symptome, Diagnose und aktuelle Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Migräne? Eine Definition

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige Kopfschmerzen auszeichnet, welche in unregelmäßigen Abständen wiederkehren. Meist treten die Schmerzen während der Migräne nur auf einer Kopfseite auf und sind deutlich stärker als herkömmliche Kopfschmerzen. Laut Definition kommt es bei einer Migräne zu anfallsartigen Kopfschmerzen, die in unregelmäßigen Abständen erscheinen. Die neurologische Krankheit Migräne tritt bei etwa zwölf bis 14 Prozent aller Frauen und sechs bis acht Prozent aller Männer in Deutschland auf. Doch auch vier bis fünf Prozent der Klein- und Schulkinder bis zur Pubertät leiden unter Migräneattacken. Die meisten Frauen erleiden ihren ersten Migräneanfall zwischen dem zwölften und 16. Lebensjahr. Männer hingegen bekommen ihre erste Migräne zwischen 16 und 20 Jahren. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr häufen sich die Migräneattacken und nehmen in ihrer Schwere zu. Ab dem 55. Lebensjahr nehmen sie meist ab.

Damit die Symptome als Migräne klassifiziert werden, müssen sie mindestens fünfmal aufgetreten sein.

Formen der Migräne

Man kann zwischen mehreren Migräneformen unterscheiden:

  • Einfache Migräne oder auch Migräne ohne Aura
  • Klassische Migräne oder auch Migräne mit Aura
  • Komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée

Die zwei häufigsten Formen sind Migräne ohne und Migräne mit Aura. Zudem lassen sich folgende Unterformen unterscheiden:

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  • Migräne der Augen (auch okulare Migräne genannt): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
  • Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.

Symptome der Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Die Symptome einer Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Die typischen Symptome von einfacher Migräne zählen mäßige bis starke, einseitige Kopfschmerzen. Patientinnen und Patienten berichten von einem pulsierenden, pochenden oder hämmernden Schmerz, der sich bei körperlicher Aktivität verstärkt.

Hier ein Überblick über die Symptome der jeweiligen Migräneformen:

  • Migräne ohne Aura: Die einfache Migräne zeichnet sich auch durch eine hohe Empfindlichkeit von Licht, Geräuschen und Gerüchen aus. Hinzukommen können Schwindel, das Sehen von Lichtblitzen und eigenartigen Formen.
  • Migräne mit Aura: Bei der klassischen bzw. Migräne mit Aura kommen zu den Kopfschmerzen neurologische Defizite hinzu. Meist als Vorbote von einem Migräneanfall können sogenannte Gesichtsfeldausfälle auftreten. Diese äußern sich in Form von Sehstörungen wie Lichtblitzen und werden in der Neurologie als Aura oder Migräneaura bezeichnet. Der halbseitige Kopfschmerz geht mit Rötungen im Gesicht einher und kann durch eine temporäre Störung der Zirkulation in den Blutgefäßen erklärt werden.
  • Komplizierte Migräne: Die komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée ist gekennzeichnet durch lange neurologische Störungen im Vergleich zur Migräne mit Aura. Die Vorboten können den jeweiligen Migräneanfall auch überdauern. Zu der komplizierten Migräne zählen Unterformen wie die hemiplegische Migräne, die Basilaris-Migräne sowie die ophthalmoplegische Migräne. Die Symptome einer Migraine accompagnée reichen von leichten Lähmungserscheinungen über Gang- und Sehstörungen bis hin zu Sprachverlust oder Sprachstörungen.

Phasen einer Migräneattacke

Vor einer Attacke leiden Betroffene an ersten Anzeichen einer Migräne. Diese können wenige Stunden oder schon einen Tag zuvor auftreten. Symptome sind Hochstimmungen, das Gefühl, besonders leistungsfähig zu sein sowie Gereiztheit und depressive Verstimmungen.

Die Aura geht den starken Kopfschmerzen einer Migräne direkt voraus und entwickelt sich in einem Zeitraum von fünf bis zehn Minuten. Dabei dauern die Symptome der Auraphase etwa 15 bis 30 Minuten an und äußern sich durch Sehstörungen wie etwa Lichtblitze, blinde Flecken im Sehfeld, Doppelbilder, Schwäche, Schwindel, Taubheit, Kribbeln in Gliedmaßen oder Gangunsicherheit. In der Regel setzen die Kopfschmerzen nach der Aura ein. Dennoch können sich Migräneaura und der Migräneanfall überschneiden oder der Kopfschmerz bleibt völlig aus.

Bei der eigentlichen Migräne treten die pochenden Schmerzen einseitig auf und verschlimmern sich durch körperliche Tätigkeiten. Je nach Migräneform und ihrer Schwere wird Migräne von vegetativen Störungen wie Schwindel oder Benommenheit oder neurologischen Störungen wie Sehstörungen, Taubheit oder Kribbeln begleitet. Die letzte Phase ähnelt in Bezug auf die Symptome der Prodromalphase.

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Übelkeit als Begleitsymptom

Übelkeit gehört zu den Leit- oder Kardinalsymptomen der Migräne. Im Englischen wurde sie daher früher auch sick headache, also „von Übelkeit begleiteter Kopfschmerz“ genannt. Bei bis zu 80 % der Betroffenen tritt Übelkeit auf, bei 40-50 % sogar Erbrechen. Die genauen neurobiologischen Abläufe, die zu Übelkeit und Erbrechen führen, sind komplex.

Während einer Migräne-Attacke kommt es oft zu einer verzögerten Magenentleerung und zu Darmträgheit. Diese gestörte Magen-Darm-Aktivität trägt zur Übelkeit bei: Der Körper fühlt sich „vergiftet“ und reagiert mit Brechreiz. Gleichzeitig werden oral (über den Mund) eingenommene Schmerzmittel schlechter aufgenommen, weil sich der Weitertransport in den Darm verzögert. Das ist der Grund, warum Erbrechen die Migräne oft noch verschlimmert oder verlängert. Einerseits verliert der Körper beim Erbrechen Flüssigkeit und gerät dadurch noch mehr in Stress. Andererseits werden Arzneimittel nur unzureichend aufgenommen.

Neben der Übelkeit wird bei bis zu 82 von 100 Betroffenen zudem jener Teil des Nervensystems aktiviert, der eigentlich für Ruhe und Erholung sorgt (Parasympathikus). Er hilft dem Körper dabei, sich zu entspannen, regelt z.B. den Speichelfluss oder das Augentränen. Deshalb tränt bei vielen Betroffenen das Auge auf der von der Migräne betroffenen Seite.

Migräne und der Magen-Darm-Trakt

Migräne schlägt häufig auf den Bauch: Übelkeit und Erbrechen sind typische Begleiterscheinungen einer Attacke. Andere Probleme im Verdauungstrakt tauchen bereits vor den Kopfschmerzen auf, beispielsweise Heißhunger, Verstopfung und Harndrang. Magen und Darm scheinen bei Menschen mit Migräne nicht nur vor und während einer Attacke Probleme zu machen. Migräne-Patienten haben häufiger Verdauungsbeschwerden oder Reflux als andere Personen, beispielsweise in Form eines Reizdarm-Syndroms - wobei nicht klar ist, ob Migräne den Reizdarm auslöst oder umgekehrt.

Eine weitere Verknüpfung von Migräne und Magen-Darm-Trakt ist die sogenannte Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt. Darunter versteht man durch Migräne bedingte Magenschmerzen und Bauchkrämpfe, die regelmäßig in Anfällen auftreten und eine Stunde, aber auch mehrere Tage dauern können. Bei Erwachsenen ist diese Migräne-Form selten, eher Kinder und Jugendliche plagen sich damit. Die Bauchmigräne kann in der Pubertät verschwinden oder in eine Kopfschmerz-Migräne übergehen.

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Gehirn und Darm kommunizieren permanent miteinander über die Darm-Hirn-Achse. Passt im Verdauungstrakt etwas nicht, spürst du das möglicherweise im Kopf: Entzündungen im Magen-Darm-Bereich führen bei vielen Menschen zu Kopfschmerzen und begünstigen Migräne. Zum Beispiel haben manche Migräne-Patienten, die mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert waren, nach der Behandlung des Bakteriums deutlich leichtere, weniger oder sogar gar keine Migräne-Attacken mehr. Helicobacter pylori führt zu entzündeter Magenschleimhaut. Anzeichen für eine Infektion können Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Übelkeit sein. Auch die entzündliche Autoimmunkrankheit Zöliakie hängt mit Migräne zusammen. Bei Menschen mit Zöliakie löst der Verzehr von Weizenprodukten Entzündungen im Dünndarm aus. Sie haben häufiger mit Migräne zu kämpfen als Menschen ohne Zöliakie. Ähnlich geht es Patienten mit der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn.

Immer mehr Forschung deutet etwa darauf hin, dass die Darmflora - darunter versteht man die Mikroorganismen, die deinen Darm besiedeln, darunter Bakterien, Pilze und sogenannte Protozoen - Schmerzwahrnehmung beeinflussen kann. Bei Migränikern scheint die Darmflora verändert zu sein. Eine Studie untersuchte die Zusammensetzung der Darm-Mikroorganismen von Menschen mit episodischer Migräne, mit chronischer Migräne und ohne Migräne. Das Ergebnis: Alle Gruppen unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Darmflora. Manche Bakterienarten sind bei besonders vielen Migräne-Patienten vertreten, andere eher bei der Gruppe ohne Migräne.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Für Migräne besteht generell eine genetische Veranlagung. Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können folgende Auslöser für Migräne verantwortlich sein:

  • Schlafüberschuss oder Schlafmangel
  • Hunger oder Unterzuckerung
  • Hormonumstellungen wie während des Zyklus oder bei Einnahme der Anti-Baby-Pille
  • Körperlicher oder psychischer Stress
  • Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol
  • Licht, Geräusche oder Gerüche
  • Wetterveränderungen
  • Starke Emotionen
  • Bestimmte Medikamente
  • Räume, in denen geraucht wird

Bei Migräne handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und ihrer Blutgefäße. Während eines Migräneanfalls funktionieren die schmerzregulierenden Systeme fehlerhaft und machen Betroffene überempfindlich gegenüber Reizen. Zudem haben die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) Einfluss auf den Migränekopfschmerz.

Die Forschung zu Ursachen der Migräne geht nur langsam voran. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Allerdings sind sich Wissenschaftler einig, dass eine Kombination aus vererbten Genen und äußerlichen Einflüssen, wie zum Beispiel lange Bildschirmzeiten oder auch sehr hohe Sonneneinstrahlung auf Ihren Kopf, zu einer Migräneattacke führen. So konnten Forscher herausfinden, dass bei einer sogenannten familiären hemiplegischen Migräne (also einer Migräne die mit zeitweisen Lähmungserscheinungen einhergeht), das verantwortliche Gen auf dem Chromosomen 19 zu finden ist. Angenommen wird, dass durch diese genetische Veränderung die Wahrnehmung von inneren und äußeren Reizen besonders intensiv verarbeitet werden.

Triggerfaktoren

Sogenannte Triggerfaktoren sind nicht allein die Ursache einer Migräneattacke, können diese aber deutlich begünstigen. Auch die Stärke eines möglichen Anfalls kann von inneren oder äußerlichen Reizen beeinflusst werden. Migränikerinnen und Migräniker neigen zu einem Anfall:

  • Wenn sie vermehrt Stress ausgesetzt sind.
  • Als Begleiterscheinung in der Traumaverarbeitung.
  • Bei einem unregelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, wie zum Beispiel bei häufigem Wechsel von Tag- und Nachtschicht.
  • Bei Frauen vor und während der Menstruation in Folge von Hormonschwankungen.
  • Als Folgeerscheinung eines operativen Eingriffs, auch in der Zahnheilkunde.
  • Beim vermehrten Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln oder Genussgetränken.
  • Bei starkem Konsum von Nikotin, Alkohol oder anderen Drogen.

Das sind natürlich nur mögliche Indikatoren für einen Migräneanfall. Die Ursachen sind sehr komplex. Immer wieder beschreiben Betroffene neue, bisher unbekannte mögliche Gründe, wie zum Beispiel bestimmte Süßigkeiten, Käsesorten oder Lebensmittelzusätze, die zu einer Attacke führen.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen körperlichen Untersuchungsbefunds gestellt. Der Migräne-Kopfschmerz ist meist halbseitig oder beidseits im Stirn- und Schläfenbereich betont, hat eine mittlere bis hohe Intensität, fühlt sich stechend oder pochend an und verstärkt sich schon bei leichter körperlicher Belastung. Begleitend kommt es zu Übelkeit und Erbrechen sowie zu Überempfindlichkeit auf Geräusche, Licht und Gerüche. Deswegen suchen Betroffene in der Attacke die Ruhe. Unbehandelt halten die Attacken 4-72 h an. Bis zu 20 % der Patienten haben - meist vor dem Einsetzen der Schmerzen - eine sogenannte Aura in Form von Sehstörungen mit Flimmersehen, z. T. auch mit Sensibilitäts- oder Sprachstörungen.

Da es keine spezifischen Biomarker für Migräne gibt, erfolgt die Diagnose durch eine Ausschlussdiagnostik. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Muster zu erkennen und die Migräne von anderen Kopfschmerzarten abzugrenzen.

Behandlung von Migräne

Auch wenn Migräne eine nicht heilbare Krankheit ist, lässt sie sich mit Medikamenten gut behandeln. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Medikamenten für akute Migräne und zur Rückfallprophylaxe. Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden. Laut deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist eine schrittweise und für den Bedarf gerechte Medikation vorgesehen. Dabei gibt es gegen Übelkeit und Erbrechen ein Antiemetikum, während bei Schmerzen Analgetika, Triptane oder Cortison eingesetzt werden können. Triptane und Ergotamine sollten bei mittelschweren Migräneanfällen oder Migraine accompagnée - allerdings nicht zusammen oder kurz hintereinander - eingesetzt werden. Die vielen unterschiedlichen Darreichungsformen bieten Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, die für sie passende zu finden. Allerdings sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura und beim beginnenden Migränekopfschmerz angewandt werden.

Für die Behandlung der Migräne bedeutet das außerdem, dass Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) wie Dimenhydrinat (z.B. in Vomex A), Metoclopramid (MCP) oder Domperidon meist fester Bestandteil der Therapie sind. Wichtig ist, dass alle Medikamente bei Migräne frühzeitig eingenommen werden, möglichst bevor die Übelkeit zu stark wird.

Medikamentöse Akuttherapie

Bei leichten bis mittelstarken Migräne-Attacken können Analgetika und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder Kombi-Präparate (ASS + Paracetamol + Koffein) helfen. Bei mittelschweren bis schweren Migräne-Attacken und/oder ausbleibender Linderung durch Schmerzmittel (NSAR) können Triptane wie Sumatriptan, Eletriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan, Almotriptan, Naratriptan oder Frovatriptan eingesetzt werden. Fall ein Triptan allein nicht ausreicht, kann es mit einem NSAR kombiniert werden.

Antiemetika beeinflussen spezielle Andockstellen (Rezeptoren) für bestimmte Botenstoffe (Dopamin, Histamin) im sogenannten „Brechzentrum“ des Gehirns. Dadurch können Übelkeit sowie Erbrechen deutlich reduziert und die Wirkung von Schmerzmitteln verbessert werden. Antiemetika werden im Allgemeinen gut vertragen.

Medikamentöse Prophylaxe

Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern. Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn:

  • die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat
  • sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden
  • keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht
  • die Migräneanfälle häufiger auftreten
  • sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen
  • die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt
  • es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern

Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Neu entwickelte Migräne-spezifische Prophylaktika richten sich gegen die Effekte des Botenstoffs CGRP, der bei der Ausbildung der neurovaskulären Entzündung eine bedeutende Rolle spielt.

Nicht-medikamentöse Therapien und Selbsthilfemaßnahmen

Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken. Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können. Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden. Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht.

Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
  • Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
  • Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.

Weitere Selbsthilfemaßnahmen bei Migräne:

  • Massieren Sie mit zwei Fingern entlang des Schmerzpunktes.
  • Tragen Sie wenige Tropfen Pfefferminzöl auf Ihre Schläfen auf und kreisen Sie dort langsam in eine Richtung.
  • Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer und sorgen Sie für ausreichend Ruhe.
  • Lagern Sie Ihren Kopf etwas höher im Bett und legen Sie ein Kühlakku (nur mäßige Kälte) auf Ihre Stirn.
  • Versuchen Sie ruhig zu atmen.
  • Ein frischer Ingwertee kann auch Abhilfe schaffen.

Ernährung und Darmgesundheit

Du kannst deiner Darmflora jeden Tag etwas Gutes tun, indem du dich ausgewogen ernährst. Denn was wir essen, wirkt sich auf die Zusammensetzung der Mikroorganismen in unserem Darm aus. Eine spezielle Diät bei Migräne gibt es nicht. Probiotika bestehen aus lebenden, ungefährlichen Mikroorganismen, welche die körpereigene Darmfunktion unterstützen. Sie stecken beispielsweise in Joghurt, Quark und fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut. Probiere aus, sie in deinen Speiseplan zu integrieren. Aber Achtung: Fermentiertes kann reich an Tyramin sein - und das wiederum triggert bei manchen Menschen Migräne-Attacken.

Es ist in jedem Fall eine gute Idee, sich um ein gesundes Verdauungssystem zu bemühen. Selbst wenn dies nur indirekt einen Effekt auf deine Migräne hat, hast du etwas davon: Je weniger Bauchschmerzen oder Durchfälle dich stressen, desto besser.

Hausmittel gegen Übelkeit

Falls Sie auf der Suche nach einer sanften und unterstützenden Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Migräne sind, können Hausmittel eine Alternative zu Medikamenten darstellen. Wie so oft gilt jedoch auch hier, dass die medizinische Wirkung von Hausmitteln nicht nachgewiesen ist.

  • Tee: Ein immer wieder als Hausmittel aufgeführtes Evergreen ist Tee. Dieser sorgt für Flüssigkeit und hat mit den Sorten Kamille oder Fenchel eine Magen beruhigende Wirkung. Einige Betroffene berichten außerdem von der positiven Wirkung eines frisch aufgebrühten Ingwertees.
  • Ruhe: Starke Kopfschmerzen bei einer Migräne und damit einhergehendes Übelkeitsgefühl belasten enorm und sorgen für Stress. Daher ist es in so einer Situation ratsam, sich zurückzuziehen und dem Körper Ruhe zu gönnen.
  • Entspannungsverfahren: Eine weitere Möglichkeit, mit den Turbulenzen des Körpers umzugehen, können progressive Muskelentspannung oder autogenes Training sein.

Leben mit Migräne

Leider gibt es bislang keine Möglichkeit, Migräne zu heilen. Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Migräne ist entgegen einer oft geäußerten Meinung keine psychische Erkrankung und sollte auch nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz, der viel besser mit Schmerzmitteln kontrolliert werden kann, verwechselt werden.

Kopfschmerzkalender

Leiden Sie häufig unter Kopfschmerzen ist es ratsam einen Kopfschmerzkalender zu führen. Dort können Sie Kopfschmerzattacken und Begleiterscheinungen eintragen, die Schwere der Schmerzen skalieren und eine Angabe über eingenommene Medikamente machen. Der Kalender hilft Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin dabei, Häufigkeit, Dauer und Verlauf des Kopfschmerzes besser zu überblicken und in Verbindung mit einem Gespräch zu Ihren Lebensgewohnheiten zu einer Diagnose zu kommen. Mittlerweile gibt es zahlreiche kostenfreie Kopfschmerz-Apps, die das Eintragen und Führen Ihres Kopfschmerzkalenders vereinfachen.

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