Migräne und Paleo-Diät: Ein möglicher Weg zur Linderung?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sein können. Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass genetische Faktoren, Umweltfaktoren und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielen. Viele Menschen, die an Migräne leiden, suchen nach Möglichkeiten, ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Eine Möglichkeit, die in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat, ist die Paleo-Diät.

Was ist die Paleo-Diät?

Die Paleo-Diät, auch Steinzeiternährung genannt, basiert auf der Idee, dass wir uns so ernähren sollten, wie es unsere Vorfahren in der Altsteinzeit getan haben. Das bedeutet, dass wir uns hauptsächlich von Lebensmitteln ernähren sollten, die gejagt und gesammelt werden konnten, wie z. B. Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Im Wesentlichen geht es darum, sich von den Lebensmitteln zu ernähren, für die unsere Verdauung optimiert ist.

Wie könnte die Paleo-Diät bei Migräne helfen?

Es gibt mehrere Gründe, warum die Paleo-Diät bei Migräne helfen könnte:

  • Entzündungshemmende Wirkung: Die Paleo-Diät ist reich an entzündungshemmenden Lebensmitteln wie Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch und Meeresfrüchten vorkommen. Chronische Entzündungen können eine Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren kann zur Reduzierung von Entzündungsherden im Körper beitragen. Im Vergleich dazu wirken Omega-6-Fettsäuren, die wir mit der täglichen Nahrung deutlich häufiger aufnehmen, als Omega-3-Fettsäuren, für Entzündungsherde begünstigend.
  • Stabilisierung des Blutzuckerspiegels: Die Paleo-Diät vermeidet stark verarbeitete Kohlenhydrate und Zucker, die zu Blutzuckerschwankungen führen können. Ein stabiler Blutzuckerspiegel kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Die LOGI (Low Glycemic Index) und die Paleo Ernährung sind hierfür Beispiele. Für einige Migräniker wird ein Verzicht auf Zucker und Weißmehl und eine Umstellung auf ballaststoffreichere und damit niedrig glykämische Lebensmittel ausreichend sein.
  • Ausschluss potenzieller Trigger: Viele Menschen mit Migräne stellen fest, dass bestimmte Lebensmittel ihre Anfälle auslösen können. Die Paleo-Diät schließt viele dieser potenziellen Trigger aus, wie z. B. Gluten, Milchprodukte und Zusatzstoffe. Wenn du die Gefahr von Migräneattacken so weit wie möglich reduzieren möchtest, solltest du jedes Mal, wenn du eine Migräneattacke überstanden hast, genau notieren, was du am Tag vor der Migräne gegessen, getrunken und getan hast. Ein solcher Trigger kann zum Beispiel Koffein sein. Auch Alkohol oder andere Lebensmittel können eben eine Migräneattacke hervorrufen.
  • Nährstoffreiche Ernährung: Die Paleo-Diät ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien, die für eine optimale Gesundheit wichtig sind. Einige Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten möglicherweise einen Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10 aufweisen.

Erfahrungen mit der Paleo-Diät bei Migräne

Es gibt anekdotische Berichte und Fallstudien, die darauf hindeuten, dass die Paleo-Diät bei einigen Menschen mit Migräne hilfreich sein kann. Jana berichtete, dass ihre Kopfschmerzen nach der Umstellung auf die Paleo-Ernährung deutlich seltener und weniger stark wurden. Ulrike Pichl konnte dank einer kohlenhydratarmen Ernährung und Hormontherapie ihre Migräne auf ein anderes Niveau bringen und ihre chronischen Kopfschmerzen verbessern. Anne Goldhammer-Michl heilte ihre chronische Migräne sogar durch eine Ernährungsumstellung und spezialisierte sich als Ernährungsberaterin auf die Beratung von Menschen mit Migräne.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Mittlerweile mehren sich allerdings Studien, die darauf hinweisen, dass es sich bei der Migräne um ein Energiedefizit des Gehirns handelt und Migräniker ein Stoffwechselproblem mit (hochglykämischen) Kohlenhydraten haben. Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten.

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Die ketogene Diät (KD) wird bereits seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt. Dabei war der Effekt nach 16 Wochen am stärksten ausgeprägt, wenn die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) zu- und diejenige an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) abnahm. Ein messbarer, aber geringerer Effekt trat auf, wenn nur der Verzehr an Omega-3-Fettsäuren stieg, derjenige an Omega-6-Fettsäuren aber konstant blieb. Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich um 2 bis 4 Tage; auch die Anzahl der Kopfschmerzstunden nahm ab. Einige konnten die Anzahl der eingenommenen Kopfschmerztabletten reduzieren.

In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Die Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung in den Mitochondrien und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, die das Krankheitsgeschehen der Migräne beeinflussen.

Herausforderungen und Kritik

Trotz der potenziellen Vorteile gibt es auch Herausforderungen und Kritikpunkte an der Paleo-Diät:

  • Hoher Fleischkonsum: Der hohe Fleischkonsum in der Paleo-Diät kann gesundheitliche und ökologische Bedenken aufwerfen. Es ist wichtig, hochwertiges Fleisch aus nachhaltiger Tierhaltung zu wählen und den Konsum in Maßen zu halten.
  • Einschränkungen: Der Verzicht auf Getreide, Milchprodukte und Hülsenfrüchte kann für manche Menschen schwierig sein. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass man alle notwendigen Nährstoffe aus anderen Quellen erhält.
  • Nährstoffmangel: Durch das Weglassen von Salz und Milchprodukten kann es zu einem Nährstoffmangel, wie Calcium- und Jod-Verringerung kommen.
  • Mögliche Anpassungsschwierigkeiten: Jeder, der die eigene Ernährung umstellt, hat am Anfang mit einigen körperlichen Prozessen zu kämpfen. Auch bei Paleo reinigt sich der Magen-Darm-Bereich. Das kann sich in vermehrten Toilettengängen und Blähungen äußern. Der Körper durchläuft eine Art Entzug und das kann mit Müdigkeit und kurzzeitiger Erschöpfung einhergehen.
  • Mangel an Langzeitstudien: Es gibt noch keine umfassenden Langzeitstudien, die die Wirksamkeit und Sicherheit der Paleo-Diät bei Migräne belegen.

Praktische Tipps für die Umsetzung

Wenn Sie die Paleo-Diät ausprobieren möchten, um Ihre Migräne zu lindern, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Beginnen Sie langsam: Ersetzen Sie zunächst nur eine Mahlzeit am Tag durch eine Paleo-konforme Variante.
  • Konzentrieren Sie sich auf hochwertige Lebensmittel: Wählen Sie frische, unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse und Samen.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser pro Tag.
  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie, welche Lebensmittel Sie essen und wie sich Ihre Kopfschmerzen entwickeln. So können Sie potenzielle Trigger identifizieren.
  • Seien Sie geduldig: Es kann einige Wochen oder Monate dauern, bis Sie eine Verbesserung Ihrer Migräne feststellen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ernährungsberater: Besprechen Sie Ihre Pläne mit einem Arzt oder Ernährungsberater, um sicherzustellen, dass die Paleo-Diät für Sie geeignet ist.

Weitere Möglichkeiten zur Migräneprophylaxe

Neben der Ernährung gibt es weitere Möglichkeiten, Migräneattacken vorzubeugen:

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  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräne. Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen. Oftmals reicht es schon, mehrmals über den Tag verteilt fünf bis zehn Minuten Pause zu machen und dabei einfach mal die eine oder andere Entspannungsübung auszuprobieren.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Schlaf.
  • Regelmäßige Bewegung: Sport kann helfen, Migräne vorzubeugen. Wenn allerdings eine Migräneattacke im Anmarsch ist, solltest du körperliche Anstrengung am besten vermeiden.
  • Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Trigger und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.

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