Migräne Ursachen Beheben: Ein Umfassender Leitfaden

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinträchtigt. In Deutschland sind schätzungsweise 10 bis 12 Millionen Menschen betroffen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Ursachen und verschiedene Behandlungsansätze, um die Häufigkeit und Intensität von Anfällen zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken dauern in der Regel zwischen drei und 72 Stunden und werden oft von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Körperliche Anstrengung kann die Symptome verstärken, weshalb viele Betroffene während einer Attacke Bettruhe in einem abgedunkelten Raum suchen.

Etwa ein Viertel der Migränepatienten erlebt vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome, die als Aura bezeichnet werden. Diese können sich in Form von Flimmern vor den Augen, Sehstörungen, Sprachfindungsstörungen oder Gefühlsstörungen äußern. Es gibt auch Sonderformen wie die vestibuläre Migräne, bei der Schwindelattacken im Vordergrund stehen.

Ursachen von Migräne

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Viele Betroffene haben eine erhöhte Sensibilität für verschiedene Reize und eine schnelle Reizverarbeitung, was das Nervensystem überlasten kann.

Genetische Veranlagung

Die Veranlagung zu Migräne ist oft genetisch bedingt. Über 70 Prozent der Migränepatienten haben enge Verwandte mit ähnlichen Beschwerden. Eine internationale Forscherteam hat 44 Genvarianten entdeckt, die das Risiko für die Krankheit erhöhen.

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Neurobiologische Funktionsstörung

Migräne wird als eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns betrachtet. Im Verlauf einer Attacke kommt es wahrscheinlich zu entzündlichen Prozessen an den Blutgefäßen im Gehirn. Veränderungen im zentralen Nervensystem führen zu einer Aktivierung des Trigeminusnervs, der in die Hirnhäute reicht und dort Botenstoffe wie das Neuropeptid CGRP ausschüttet. Diese Botenstoffe erweitern die Gefäße, lösen Entzündungen aus und machen die Nervenfasern noch sensibler.

Triggerfaktoren

Bei manchen Menschen können Migräneanfälle durch bestimmte Trigger ausgelöst werden. Diese Trigger können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Hormonelle Schwankungen: Zyklus, Eisprung, Pille, Wechseljahre. Starke hormonelle Belastungen oder Veränderungen, wie sie in der Schwangerschaft, während der Periode oder in den Wechseljahren auftreten, können Migräne auslösen.
  • Ernährung: Alkohol, Koffeinentzug, unregelmäßige Mahlzeiten, bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Schokolade, Käse).
  • Stress: Anspannung und plötzliche Entspannung (z.B. am Wochenende oder im Urlaub).
  • Veränderungen des Tagesrhythmus: Schlafmangel oder Jetlag.
  • Umweltfaktoren: Wetterwechsel, grelles Licht, starke Gerüche.
  • Hoher Blutdruck: Kann Migräneattacken begünstigen.
  • Mangel an Mikronährstoffen: Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2), Coenzym Q10.

Es ist wichtig zu beachten, dass bestimmte Nahrungsmittel früher als Hauptauslöser galten, aber heute weiß man, dass der Heißhunger auf kalorienreiche Speisen oft ein Frühsymptom der Migräneattacke selbst ist.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert auf einer detaillierten Beschreibung der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung durch einen Arzt. Entscheidend sind Angaben zum Schmerzort, zur Schmerzdauer, zum Abstand zwischen den Attacken und zu Begleitsymptomen. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und ein Kopfschmerz-Tagebuch können die Diagnose erleichtern.

Es gibt keine objektiven Tests wie Hirnscans, die eine Migräne nachweisen können. Daher ist es wichtig, andere Kopfschmerzarten wie Spannungskopfschmerzen auszuschließen. Spannungskopfschmerzen betreffen den gesamten Schädel, verbessern sich bei körperlicher Aktivität und gehen nicht mit Übelkeit, Erbrechen oder Licht- und Lärmempfindlichkeit einher.

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Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Anfällen zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden können.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome während einer Attacke zu lindern. Hierzu werden in erster Linie Schmerzmittel und spezifische Migränemittel eingesetzt.

  • Schmerzmittel (Analgetika): Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Naproxen können bei leichten bis mittelstarken Attacken helfen. Acetylsalicylsäure sollte möglichst als Brauselösung eingenommen werden, da dadurch eine besonders schnelle und sichere Aufnahme im Magen-Darmtrakt erfolgt. Paracetamol ist normalerweise gut verträglich, sollte aber in der Schwangerschaft nicht verwendet werden.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn wirken und diese wieder verengen. Sie verhindern auch die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Nasensprays und Zäpfchen. Bei Migräneattacken mit Übelkeit und Erbrechen haben sich Nasensprays und Zäpfchen als besonders vorteilhaft erwiesen.
  • Antiemetika: Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon können bei Übelkeit und Erbrechen helfen, die oft mit Migräne einhergehen. Sie normalisieren die Magen- und Darmaktivität und verbessern die Aufnahme von Schmerzmitteln.
  • Mutterkornalkaloide (Ergotamine): Diese Medikamente werden nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräneattacken empfohlen, da sie schlechter wirksam sind als Analgetika und Triptane und zudem vermehrt Nebenwirkungen auslösen.
  • Kortikosteroide: Bei einer länger als 72 Stunden anhaltenden Migräneattacke (Status migraenosus) können Kortikosteroide wie Prednison oder Dexamethason verabreicht werden, um die Kopfschmerzen zu verringern.

Es ist wichtig, Kopfschmerz- bzw. Migränemittel nicht zu häufig einzunehmen, da dies zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen kann.

Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)

Die vorbeugende Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Eine medikamentöse Migräneprophylaxe wird empfohlen, wenn:

  • Die Anfallsbehandlung zu keinem befriedigenden Ergebnis führt.
  • Mehr als drei Migräneattacken pro Monat auftreten.
  • Die Medikamente zur Behandlung der Migräneattacke schlecht vertragen werden.
  • Die Zahl der Migräneattacken zunimmt.
  • An mehr als 10 Tagen im Monat Schmerz- oder Migränemittel eingenommen werden.
  • Die Lebensqualität durch die Migräne stark eingeschränkt ist.
  • Nach einer Migräne neurologische Beschwerden auftreten, die länger als sieben Tage andauern.

Zur medikamentösen Migräneprophylaxe werden verschiedene Medikamente eingesetzt, darunter:

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  • Betablocker: Metoprolol, Propranolol, Bisoprolol. Sie senken den Blutdruck und werden auch zur Behandlung von Herzerkrankungen eingesetzt.
  • Kalzium-Antagonisten: Flunarizin. Wird auch gegen Schwindel eingesetzt.
  • Antiepileptika: Valproinsäure, Topiramat. Topiramat ist für die Vorbeugung von Migräne-Anfällen zugelassen, während Valproinsäure "off-label" verwendet wird.
  • Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin. Wird auch zur Behandlung von Depressionen und Nervenschmerzen eingesetzt.
  • Onabotulinumtoxin A (Botox): Kann bei chronischer Migräne vorbeugend wirken.
  • Monoklonale Antikörper: Sie blockieren den Botenstoff CGRP, der bei Migräneattacken eine zentrale Rolle spielt. Diese Antikörper werden als Injektionslösung verabreicht.

Die Auswahl des geeigneten Medikaments zur Migräneprophylaxe erfolgt in Absprache mit dem Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Begleiterkrankungen des Patienten.

Nicht-Medikamentöse Maßnahmen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die zur Vorbeugung und Linderung von Migräneattacken beitragen können:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus ist ebenso unerlässlich wie das Einhalten von festen Mahlzeiten, damit der Blutzuckerspiegel nicht zu sehr schwankt.
  • Vermeidung von Triggern: Mit Hilfe eines Kopfschmerz-Tagebuches können Betroffene ihre persönlichen Migräneauslöser ermitteln und diese möglichst vermeiden.
  • Regelmäßiger Sport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren kann die Häufigkeit von Migräneattacken senken.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), Biofeedback-Therapie, Stressmanagement. Diese Methoden helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichender Flüssigkeitszufuhr kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Es empfiehlt sich, individuell unverträgliche Lebensmittel zu meiden.
  • Osteopathie: Die Osteopathie betrachtet Migräne als Ausdruck gestörter Balance im gesamten Körpersystem und zielt darauf ab, Spannungen abzubauen, die Durchblutung zu verbessern und das Nervensystem zu entlasten.
  • Achtsamkeit und Meditation: Langfristig wirksam sind auch achtsamkeitsbasierte Methoden wie MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction) oder regelmäßige Meditation.

Hausmittel gegen Migräne

Einige Hausmittel können unterstützend zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden, sollten aber nur unter Aufsicht eines Arztes angewendet werden:

  • Tee: Bestimmte Teesorten wie Kamillentee, Ingwertee, Mutterkrauttee oder Weidenrindetee können bei Migräne helfen.
  • Kaffee mit Zitrone: Koffein kann die Blutgefäße erweitern, während Zitrone die Schmerzhemmung des Körpers fördert.
  • Pfefferminzöl: Das ätherische Öl kann auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen werden und wirkt schmerzlindernd.
  • Magnesium: Eine ausreichende Zufuhr von Magnesium kann helfen, Migräne vorzubeugen.
  • Kälteanwendungen: Ein mit kaltem Wasser getränkter Waschlappen auf der Stirn kann bei akuten Attacken Linderung verschaffen.

Migräne bei Kindern

Auch Kinder können Migräne entwickeln, oft mit anderen Symptomen als Erwachsene. Häufig äußern sich die Attacken in Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Lichtempfindlichkeit oder Reizbarkeit. Die Behandlung erfolgt altersgerecht - mit sanfter Osteopathie, Entlastung der Sinnesreize, Aufbau fester Routinen und ggf. psychologischer Unterstützung.

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