Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die für die Betroffenen sehr belastend sein kann. Die Attacken sind oft nicht vorhersehbar und können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Über acht Millionen Deutsche leiden an Migräne, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Meist verläuft die Erkrankung chronisch mit wiederkehrenden Anfällen, oft begleitet von einer sogenannten Aura mit Schwindel, Übelkeit oder Sehstörungen. Die Ursachen von Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig erforscht.
Symptome und Verlauf einer Migräneattacke
Etwa jeder fünfzehnte Migränepatient ist von einer Aura betroffen. Die Symptome gehen einer Migräneattacke oft voraus. Neben Kopfschmerzen können Schwindel, Übelkeit oder Taubheitsgefühle auftreten. Auch Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und Sehstörungen kommen vor. Die Symptome können bis zu 72 Stunden anhalten.
Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und allen Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz und Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz).
Genetische Veranlagung und Triggerfaktoren
Laut der „MigräneLiga Deutschland“ geht die Wissenschaft derzeit davon aus, dass das Gehirn von Migräne-Patientinnen und Migräne-Patienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Migräneanfälle sind genetisch bedingt. Sie werden von sogenannten Triggern wie Stress, Anstrengungen, hormonellen Umstellungen, Veränderungen im Tagesrhythmus oder Lebensmittel ausgelöst. Zudem kann die migränetypische Erweiterung der Blutgefäße im Kopf gerade bei jungen Betroffenen das Risiko für einen Schlaganfall gefährlich erhöhen.
Akute Behandlung und Vorbeugung
Akut wird Migräne meist mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Triptanen behandelt, die bei kontinuierlicher Einnahme Nebenwirkungen haben oder als schmerzmittelinduzierter Kopfschmerz die Symptome noch verstärken können.
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Migräne kann auch ganzheitlich behandelt werden. Verlauf und Auslöser sind bei jedem unterschiedlich. Bei einem Aufenthalt in einer Fachklinik wird ein individuelles Behandlungskonzept entwickelt, das auch ambulant und im Alltag umsetzbar ist. Bei chronischem Verlauf und ärztlich begründet übernehmen die Krankenkassen meist die Kosten.
Schmerztherapeutin Estelle Neb von der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein erklärt, warum sich ein multimodales Konzept bewährt hat, das verschiedene Behandlungsmethoden zusammenführt: Medikamente allein, das belegen Studien, haben nie die gleichen Erfolgsaussichten wie in Kombination mit Stressbewältigung, Physiotherapie, Entspannung und Sport.
Zu den Zielen einer multimodalen Therapie gehören:
- Beschwerden eingrenzen und andere Krankheiten ausschließen
- Trigger-Faktoren der Attacken erkennen und möglichst vermeiden
- Die Einnahme von Medikamenten, besonders von Schmerzmitteln, reduzieren
- Migräneattacken möglichst reduzieren, abmildern und verkürzen
- Alltagskonzepte für den Umgang mit der Krankheit entwickeln
Medikamentöse Prophylaxe
Wie kann man Migräne vorbeugen? In den letzten Jahren habe man eine spannende Entwicklung gesehen, erklärt Neurologe Dr. Lars Neeb von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. So gebe es Medikamente, die direkt in den Migränemechanismus eingreifen. Ziel ist es, so wenig Schmerzmittel wie möglich einzusetzen. Die Präparate sollen Beschwerden abmildern und Beeinträchtigungen im Alltag reduzieren. Dabei werden auch Wirkstoffe eingesetzt, die zur Behandlung von Bluthochdruck, Depressionen oder Epilepsie zugelassen sind.
Gut belegt ist die Wirkung von Betablockern (Metoprolol, Propanolol), Kalziumantagonisten (Flunarizin), Valproinsäure, Botulinumtoxin und Antidepressiva (Amitriptylin). Seit 2018 gibt es zudem eine Antikörpertherapie mit dem Wirkstoff Erenumab. Medikamente zur Migräneprophylaxe haben in Studien gezeigt, dass sie in mindestens fünfzig Prozent der Fälle eine Verbesserung erbringen. Estelle Neb betont, dass jedoch bei all diesen Wirkstoffen mögliche Nebenwirkungen und Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von Begleiterkrankungen zu berücksichtigen sind. Antikörper wie Erenumab, die an einem Botenstoff im Gehirn ansetzen, sind der Expertin zufolge jedoch effektiv und meist gut verträglich. Seit Anfang März gibt es ein neues Medikament, das vorbeugend helfen soll.
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Physiotherapie und Psychotherapie als unterstützende Maßnahmen
Mit passiven Dehnübungen wird versucht, vor allem im Bereich von Wirbelsäule sowie Rücken-, Hals- oder Kopfmuskulatur, Fehlhaltungen und muskulären Problemen entgegenzuwirken, die die Kopfschmerzen verstärken. Betroffene sollten auch aktiv Übungen durchführen oder leichten Ausdauersport wie Nordic Walking betreiben. Körperliche Aktivität ist also sinnvoll. Allerdings sollte der Puls kontrolliert werden, weil Überanstrengung ein Trigger für Migräne sein kann.
Auch Psychotherapie gehört zur multimodalen Behandlung. Verhaltenstherapie kann helfen, den Tagesrhythmus besser zu strukturieren. Zusätzlich können Trigger identifiziert werden, um dann die Anzahl und Dauer der Attacken zu minimieren. Entspannungstechniken wie Yoga, Pilates oder progressive Muskelentspannung können zusätzlich zu einer besseren Lebensqualität beitragen, ebenso wie eine Ernährungsumstellung und der Verzicht auf Alkohol oder Zigaretten.
Der Einfluss von Wetter und Lebensstil
Für einen Migräneanfall gibt es verschiedene Ursachen, oft lösen Wetterumschwünge eine Attacke aus. Wetterextreme haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Migräne ist immer schlimmer, wenn es viele Wechsel gibt. Migräne-Patienten wird grundsätzlich geraten, auf gewisse Regelmäßigkeiten zu achten. So beispielsweise ein gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Arbeitszeiten und ausgewogene sportliche Betätigungen als Ausgleich zu Stressphasen, damit sich der Cortisolspiegel wieder reduziert. Auch bei den Mahlzeiten sollte es eine Regelmäßigkeit geben und zu lange Hungerzeiten sollten vermieden werden.
Ein großes Thema bei Migräne sind Wechseljahre, denn in dieser Zeit spielen die Hormone verrückt und sorgen für viele Veränderungen im Körper. Erst wenn die Wechseljahre vorbei sind und die Hormone wieder gleichmäßig sind, wird es nach Angaben von Friedrich wieder besser mit der Migräne.
Genetische Faktoren und die Bedeutung ärztlicher Betreuung
Aber auch die Genetik spielt eine Rolle. "Bei der Migräne handelt es sich um eine primär genetisch determinierte Erkrankung, häufig sind mehrere Mitglieder einer Familie davon betroffen. Äußere Faktoren wie Luftdruck, Stress oder auch bestimmte Nahrungsbestandteile können bei hierfür veranlagten Patienten einen Migräneanfall auslösen oder verstärken", erklärt Friedemann Reiser.
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Wichtig zu wissen ist auch, dass Migräne eine eigenständige Erkrankung ist. "Sie zählt zu den sogenannten primären Kopfschmerzen. Sie ist die Erkrankung selbst und nicht Symptom einer anderen Erkrankung", erklärt dazu die Schmerzklinik Kiel. Wichtig ist für Betroffene eine solide ärztliche Betreuung. "Generell sollte bei Verdacht auf Schmerzen des Nervensystems, wozu auch die diversen Kopfschmerztypen zählen, primär eine fachneurologische Diagnose gestellt werden", sagt Schmerztherapeut Reiser.
Wie sich Migräne anfühlt
Zunächst einmal gibt es häufig Vorboten, so spüren einige Menschen bereits bis zu zwei Tage vorher Veränderungen wie etwa depressive Verstimmungen, Gereiztheit, Durchfall, Müdigkeit oder Benommenheit. Manche Menschen leiden an Migräne mit Aura, dazu zählen im Vorfeld Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze oder sogar kurzzeitiger Sehkraftverlust. Weitere Symptome können Kribbeln oder Taubheit im Gesicht oder auf einer Körperseite und Nadelgefühl in Arm oder Bein sein. Beginnt die Kopfschmerzphase, sind es subjektiven Schilderungen nach große und auslaugende Schmerzen - von pochend über pulsierend bis bohrend. Begleitend dazu kommt ein allumfassendes Unwohlsein, häufig Darm- und Kreislaufprobleme oder Erbrechen. Häufig hilft nur, in einem abgedunkelten und ruhigen Zimmer zu liegen. Das kann sogar ein oder zwei Tage andauern. "Wenn die Migräne vorbei ist, fühlen sich die Patienten, als hätte sie eine Dampfwalze überrollt", klärt Neurologin Friedrich auf.
Unverständnis und die Notwendigkeit professioneller Hilfe
Hinzu kommt, dass sich Menschen mit Migräne, die schon im Kindesalter auftreten kann, häufig mit Unverständnis konfrontiert sehen. Allerdings hat sich die Akzeptanz in der Gesellschaft verbessert, wie die Ärztin berichtet. Allerdings würden sich dennoch zu viele Menschen mit Migräne durch ihr Leben oder durch den Arbeitsalltag quälen. Auch die häufig damit einhergehende Einnahme unterschiedlicher und selbst verordneter Medikamente sei oft ein Problem, so Friedrich. Daher würde sie sich wünschen, dass sich die Patienten schneller professionelle Hilfe suchen, um eine Linderung ihres Leidens zu erfahren. "Am besten, bevor die Migräne chronisch wird."
Vorbeugende Maßnahmen und Achtsamkeit
Vorbeugend kann heutzutage für Kopfschmerzpatienten mehr getan werden, erklärt die Fachärztin für Neurologie und nennt neben Medikamenten wie Betablockern oder Amitriptylin beispielsweise Botox oder neue Migräne-Spritzen mit Antikörpern. Auch Akupunktur gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen, die von Migräne-Experten wie Friedrich angeboten werden.
Wichtig für die Betroffenen ist zudem, ihre Migräne-Trigger kennenzulernen und diese möglichst zu vermeiden. Ausgleichende oder entspannende Betätigungen wie beispielsweise Laufen an der frischen Luft, Yoga oder progressive Muskelentspannung tragen zudem zu einer Verbesserung bei, ebenso wie eine gute Versorgung des Körpers mit Magnesium oder Eisen. "Neben einer guten Befundung und Diagnose müssen auch die beruflichen und privaten Lebensumstände der Betroffenen wahrgenommen werden. Häufig bringt schon die Änderung der Lebensführung den Betroffenen Linderung", führt Mediziner Reiser weiter aus. "Mehr Achtsamkeit gegenüber sich selbst. In unserer komplexen und extrem schnell lebenden Gesellschaft neigen die Individuen in ihrem Streben nach Erfolg zur Selbstunterschätzung in Bezug auf die natürlichen Bedürfnisse zur psychischen und physischen Gesunderhaltung." Bei Patienten, die unter Migräne- und Kopfschmerzen ohnehin schon zu leiden haben, führe Überforderung zur Symptomverstärkung.
Die Entstehung von Migräne
Nach Angaben der Schmerzklinik Kiel entsteht Migräne durch eine genetisch bedingte Reizverarbeitungsstörung. Das Nervensystem von Migränepatienten reagiert besonders sensitiv auf schnelle und übermäßige Reize wie etwa Stress, Ärger, Anspannung, Lärm oder Licht und kann sich vor Reizüberflutung nicht ausreichend schützen, erklärt der Schmerzklinik auf ihrer Infoseite. Migränepatienten gewöhnen sich nicht an wiederkehrende Reize, wie es üblicherweise der Fall ist.
Im Gehirn kommt es zu einem fortwährenden Anstieg der Aktivität und in der Folge zum Energiedefizit in den Nervenzellen. Die elektrische Aktivität der Hirnrinde wird gestört oder bricht ganz zusammen. Die Überaktivität von Nervenzellverbänden geht mit einer unkontrollierten Freisetzung von Botenstoffen einher. Als Folge kommt es in den Blutgefäßen der Hirnhäute zu einer neurogenen Entzündungsreaktion. Es entstehen pulsierende, pochende Schmerzen.
Migräne im Arbeitsalltag und zunehmende Kopfschmerzen
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einer Migräne. Nach Schätzungen der MigräneLiga e. V. leiden etwa acht Millionen Menschen in Deutschland an Migräne, drei Viertel davon Frauen. Die Betroffenen ereilt ein- oder mehrmals im Monat eine Migräneattacke, die sich meist als starke einseitige Kopfschmerzen bemerkbar macht, die 4 bis 72 Stunden andauern.
Immer mehr Menschen leiden an Kopfschmerzen und Migräne. Die Apotheke ist für Betroffene häufig die erste Anlaufstelle, das geht aus dem Kopfschmerz- und Migränereport 2023 hervor. Mittlerweile leiden 38 Prozent der Befragten mehrmals im Monat an Kopfschmerzen (2021 waren es noch 34 Prozent). 4 Prozent berichten von einem täglich schmerzenden Kopf, 2021 waren es hingegen noch 2 Prozent. Bei Migräne verläuft der Trend ähnlich: Monatliche Attacken treffen fast jeden Vierten - 2021 waren es noch 16 Prozent. Über wöchentliche Migräneanfälle berichten aktuell 6 Prozent (vs. 3 Prozent im Jahr 2021). Auch erhielten 2023 deutlich mehr Menschen eine Migränediagnose (61 Prozent) als noch 2020 (28 Prozent).
Den Daten der AOK Rheinland/Hamburg zufolge haben sich in den vergangenen 20 Jahren Arbeitsunfähigkeitbescheinigungen aufgrund von Kopfschmerzen vervierfacht (2003: 1,6 pro 100 Versicherte; 2023: 6,4 pro 100 Versicherte). Die Krankmeldungen würden meist für fünf Tage ausgestellt, berichtet die AOK. Dem aktuellen Report zufolge sind vor allem Stress, Wetterfühligkeit, schlechter Schlaf, nicht ausreichende Ess- oder Trinkmengen sowie bei Frauen zudem hormonelle Schwankungen im Rahmen des Zyklus Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne. Erstmals landet das Wetter auf Platz 2 der Kopfschmerzauslöser - eine Folge des Klimawandels? Jansen kann dies „prinzipiell bestätigen“. Nach Hitzeperioden seien Kopfschmerzen häufiger, und somit auch die Migräne, erklärt der Arzt.
Vernünftige Kopfschmerzbehandlung und die Rolle der Apotheke
Gerade deswegen hält Jansen die konsequente Behandlung akuter Kopfschmerzen und Migräne für wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten. Zudem könne man davon ausgehen, dass eine „vernünftige Anfallsbehandlung möglicherweise eine Chronifizierung“ verhindere. Wirksam und verträglich Bei einem Schmerzmittel sind den befragten Kopfschmerz- und Migränepatienten vor allem drei Punkte wichtig: schnelle Wirksamkeit, gute Verträglichkeit und positive Erfahrungen. 84 Prozent der Befragten haben zumindest immer ein Arzneimittel gegen Kopfschmerzen in ihrer Hausapotheke, und knapp jeder Zweite sucht in der Apotheke Rat (49 Prozent), wenn er an Kopfschmerzen leidet oder Migräne hat.
Migräne und Ernährung: Eine neue Perspektive
Eine neu veröffentlichte Studie widerlegt nun die Annahme, dass es keine sogenannte „Migräne-Diät“ gibt, die potenzielle Attacken vorbeugen kann. Zwar handelt es sich bei einer Migräne um eine genetische Erkrankung, allerdings können auch äußerliche Faktoren eine Rolle spielen. Der Lebensstil, die Umgebung und die Nahrung können ebenfalls einen Einfluss auf die Migräne haben.
Forscherinnen und Forscher analysierten innerhalb dieser Studie die Ernährungsumstellung bei Menschen mit Migräne. Insgesamt wurden mehr als 700 Probanden in acht klinischen Studien in die Arbeit aufgenommen. Die Forschenden in Madrid konnten anhand der Studien verschiedene Ernährungsweisen miteinander vergleichen. Näher betrachtet wurde dabei eine ketogene Ernährungsweise, die sogenannte DASH-Diät und andere Ernährungsformen, worunter unter anderem eine vegane Ernährung zählte. Bei einer ketogenen Ernährung wird hauptsächlich auf eine stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr und eine hohe Fettausnahme geachtet. Die DASH-Diät wurde ursprünglich für Personen mit Bluthochdruck entwickelt und steht für „Diätischer Ansatz zum Stopp von Hochdruck“.
Ergebnisse der Studie zu Ernährungsformen
Das Ergebnis der Studie zeigt den stärksten Effekt bei einer ketogenen Ernährung und der DASH-Diät. Sowohl die eine als auch die andere Ernährungsweise scheinen die Häufigkeit von Migräneattacken verringern zu können, wie es in der Studie heißt. Neben der Milderung der Migräneattacken, reduzierte sich bei der DASH-Diät zusätzlich noch das Körpergewicht. Diese sei zudem darauf ausgelegt längerfristig die Ernährung umzustellen. Die ketogene Ernährung sei jedoch nicht für eine langfristige Anwendung zu empfehlen, heißt es in der Übersichtsarbeit, da diese Ernährungsform sehr einseitig und fettreich sei. Während bei der DASH-Diät auf hauptsächlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Fisch, Geflügel, Nüsse, Kerne und pflanzliche Öle gesetzt wird, fallen bei der ketogenen Diät viele dieser Lebensmittel weg. Hier soll auf Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, die meisten Obstsorten und stärkereiches Gemüse wie Kartoffeln verzichtet werden oder nur in geringen Mengen gegessen werden. Der Fokus liegt bei der ketogenen Ernährung auf Fleisch und Fisch, kohelnhydratarme Obst- und Gemüsesorten wie Beeren, Salat oder Brokkoli.
Mögliche Gründe für den Effekt
Weshalb dieser Effekt zu Stande kommt, ist derzeit noch nicht eindeutig bekannt. Eine mögliche Erklärung wäre der hohe Anteil an Antioxidantien den man einnimmt. Bei der DASH-Diät enthalten pflanzliche Lebensmittel Polyphenole und Carotinoide, die für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt sind. Dies könnte mit der Linderung der Migränesymptome in Zusammenhang stehen. Bei der ketognene Ernährung könnte der Effekt dadurch erklärt werden, dass die Zucker-Stoffwechsel-Störung bei Migränepatientinnen und Migränepatienten umgangen wird, indem statt Zucker-Bausteine sogenannte Ketonkörper als Energiequelle genutzt werden. Zusätzlich kommt hinzu, dass bei beiden Ernährungsformen eine geringe bis keine Aufnahme von Fertigprodukten vorschreiben. Somit wird auf Zucker, gesättigte Fettsäuren und zu hohen Salzgehalt verzichtet. Grundsätzlich empfiehlt neben der Migräne Liga auch die American Migräne Foundation auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten. Im besten Fall sollten Migräne-Kranke keine Mahlzeiten ausfallen lassen und regelmäßig Entspannungsübungen machen.
Migräne und virale Infektionen: Ein komplexer Zusammenhang
Der Zusammenhang zwischen Migräne und viralen Infektionen ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung. Es gibt Hinweise darauf, dass virale Infektionen sowohl Migräne auslösen als auch bestehende Migräne verschlimmern können.
Kopfschmerzen als Symptom viraler Infektionen
Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom bei vielen viralen Infektionen, einschließlich der Grippe (Influenza), des Dengue-Fiebers und COVID-19. Eine Studie aus dem Jahr 2020 in Cephalalgia zeigte, dass Kopfschmerzen ein auffälliges Prodromalsymptom von COVID-19 sind. Die Autoren argumentierten, dass Kopfschmerzen sogar als Prädiktor für den klinischen Verlauf von COVID-19 dienen könnten. Eine weitere Studie in Headache (2020) kam zu dem Schluss, dass Kopfschmerzen bei Patienten mit schwerer SARS-CoV-2-Infektion häufig vorkommen.
Migräne und COVID-19
Mehrere Studien haben den Zusammenhang zwischen COVID-19 und Migräne untersucht. Eine umfassende Übersichtsarbeit in Cephalalgia (2023) analysierte Kopfschmerzen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen und -Impfungen und deren Auswirkungen auf primäre Kopfschmerzerkrankungen während der COVID-19-Pandemie. Es wurden Fälle von Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfung und persistierenden Kopfschmerzen nach einer COVID-19-Erkrankung (Long-COVID) beobachtet.
Eine Studie in J Headache Pain (2023) untersuchte die langfristigen Verläufe von Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfungen und identifizierte zwei unterschiedliche Cluster. Eine weitere Studie in Cephalalgia (2022) untersuchte persistierende Kopfschmerzen nach COVID-19 über einen Zeitraum von neun Monaten.
Es gibt auch Fallberichte, die Indomethacin zur Behandlung von refraktären Kopfschmerzen nach COVID-19 empfehlen.
Mögliche Mechanismen
Die Mechanismen, durch die virale Infektionen Migräne beeinflussen können, sind vielfältig. Einige Studien deuten darauf hin, dass Entzündungsreaktionen im Gehirn, die durch Viren ausgelöst werden, eine Rolle spielen könnten. Eine Studie in J Headache Pain (2021) fand erhöhte Spiegel von HMGB1, NLRP3, IL-6 und ACE2 bei COVID-19-Patienten mit Kopfschmerzen, was auf einen Zusammenhang mit Entzündungsmechanismen hindeutet.
Impfstoffassoziierte Kopfschmerzen
Kopfschmerzen wurden auch als Nebenwirkung von COVID-19-Impfstoffen berichtet. Eine Studie in Brain Communications (2021) untersuchte die klinischen Merkmale von Kopfschmerzen nach der Impfung mit dem BNT162b2 mRNA-Impfstoff. Eine Meta-Analyse in JAMA Network Open (2022) analysierte die Häufigkeit von Nebenwirkungen in den Placeboarmen von COVID-19-Impfstoffstudien und stellte fest, dass Kopfschmerzen häufig vorkommen.
Die zeitliche Abfolge von Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfungen und deren Zusammenhang mit zerebrovaskulären Ereignissen wurde in einer Analyse von VAERS-Berichten in Cephalalgia (2022) untersucht.
Andere virale Infektionen
Es gibt auch Berichte über neue tägliche persistierende Kopfschmerzen nach anderen viralen Infektionen wie dem Epstein-Barr-Virus und dem Dengue-Fieber.