Migräne ist mehr als nur ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch intensive, pochende Schmerzen, meist auf einer Seite des Kopfes, auszeichnet. Oftmals treten Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit auf. Die Migräneattacken können Stunden oder sogar Tage andauern und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Was ist Migräne?
Migräne ist durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet, die zwischen 4 Stunden und 3 Tagen anhalten. Die Schmerzen sind oft stark, pulsierend-pochend oder hämmernd und verschlimmern sich bei Bewegung. Vielfach kommen Übelkeit oder Erbrechen hinzu. Bei manchen kündigt sich die Migräne durch eine Aura an. Die Angst vor dem nächsten Anfall kann den Alltag stark beeinflussen. Betroffene fehlen oft im Beruf oder haben Schuldgefühle, weil sie sich nicht mehr so intensiv um ihre Familie kümmern können.
Chronische Migräne
Viele Menschen und sogar Ärzte kennen die Chronische Migräne als Erkrankung oder den Begriff noch nicht. Sie ist eine eigenständige Krankheitsform, die sich von anderen Arten des Kopfschmerzes deutlich unterscheidet. Sie kann den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigen.
Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden.
Laut WHO ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.
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Formen der Migräne
Man kann zwischen mehreren Migräneformen unterscheiden:
- Einfache Migräne oder Migräne ohne Aura
- Klassische Migräne oder Migräne mit Aura
- Komplizierte Migräne oder Migraine accompagnée
Die zwei häufigsten Formen sind Migräne ohne und Migräne mit Aura. Zudem lassen sich folgende Unterformen unterscheiden:
- Migräne der Augen (okulare Migräne): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
- Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
- Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
- Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
- Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
- Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.
Symptome der Migräne
Zu den wichtigsten Symptomen bei Migräne zählen:
- Starke, meist einseitige Kopfschmerzen, selten auch beidseitig
- Lichtempfindlichkeit
- Lärmscheu
- Übelkeit
- Aura (neurologische Ausfälle) begleitet oder kündigt die Migräne-Attacke an
Dass Lichtempfindlichkeit, Lärmscheu und Übelkeit auftreten, liegt an einer Reaktion des vegetativen Nervensystems auf den Schmerz. Neben den genannten Beschwerden kann das auch dazu führen, dass die Betroffenen frieren oder zittern. Zusätzlich ist bei Patienten und Patientinnen mit Migräne Schüttelfrost möglich.
Zu den typischen, bereits genannten Symptomen können bei Migräne in seltenen Fällen Ohrenschmerzen kommen, manchmal auch Ohrendruck. Die Ohren fühlen sich dann so an, als wären sie „zu“.
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Häufig ändert sich bei einem Migräne-Anfall auch der Blutdruck: Bei manchen Betroffenen steigt der Blutdruck, bei anderen sinkt er, bei wieder anderen kommt es zu Schwankungen. Zudem ist besonders Bluthochdruck eine häufige Nebenwirkung von Migräne-Medikamenten. Daher lohnt sich eine Blutdruckmessung bei den betroffenen Patientinnen und Patienten.
Ob es sich bei den Symptomen um Migräne oder um „normale“ Kopfschmerzen handelt, hängt also davon ab, ob es ein spezifisches Verteilungsmuster der Migräneschmerzen gibt und welche Begleitsymptome auftreten.
Migräne-Symptome in vier Phasen
Eine Migräne kann in vier verschiedene Stadien mit jeweils unterschiedlichen Symptomen eingeteilt werden. Die Beschwerden sind individuell und können sich in jeder Phase unterschiedlich stark äußern. Außerdem durchläuft nicht jeder Migräne-Anfall alle Phasen. Die vier Stadien sind:
- Vorphase (Prodromalstadium)
- Aura-Phase
- Kopfschmerzphase
- Rückbildungsphase
Symptome in der Migräne-Vorphase (Prodromalphase)
Manchmal zeigen sich Stunden bis zwei Tage vor einer Migräne Anzeichen, die einen Anfall ankündigen. Dazu gehören beispielsweise:
- Stimmungsschwankungen, Stimmungsveränderungen
- Heißhunger oder Appetitlosigkeit
- Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
- Vermehrtes Gähnen
- Gesteigertes Wasserlassen (Polyurie)
- Gesteigerter Durst (Polydipsie)
Symptome in der Aura-Phase
Manchmal ist Migräne mit einer sogenannten Aura verbunden, die der Kopfschmerzphase vorausgeht oder zeitgleich auftritt. Expertinnen und Experten unterscheiden folgende Arten von Symptomen bei einer Migräne mit Aura:
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- Visuelle Symptome: Diese Sehstörungen kommen am häufigsten vor. Dazu zählen Flimmern und gezackte Formen, manchmal entsteht auch ein Gesichtsfeldausfall (Skotom).
- Sensorische Symptome: Nadelstichartige Missempfindungen (Parästhesien) sind das zweithäufigste Aura-Symptom. Sie betreffen Teile einer Körperseite.
- Motorische Symptome: Seltener kommt es zu Bewegungsstörungen, zum Beispiel Schwächen oder Lähmungen, etwa in einem Arm.
- Hirnstammsymptome: Sie sind typisch für eine Migräne mit Hirnstammaura. Dazu zählen Ohrgeräusche (Tinnitus), Doppelbilder, Sprach- und Bewusstseinsstörungen.
- Retinale Symptome: Bei der Netzhautmigräne geht die Aura mit Flimmern oder einem Gesichtsfeldausfall einher. Möglich ist auch eine vorübergehende Erblindung.
Wenn es bei einem Migräne-Anfall zu zwei oder mehr Symptomen einer Aura kommt, folgen sie meist aufeinander, treten aber nicht zeitgleich auf. Beispielsweise können sich zuerst visuelle Symptome entwickeln, dann Sensibilitätsstörungen und anschließend - aufgrund der Migräne - Sprachstörungen.
Symptome in der Kopfschmerzphase
Eine Migräne dauert unterschiedlich lang: Die Kopfschmerzen halten zwischen einigen Stunden und bis zu drei Tagen an. Der Zeitraum kann sich von Anfall zu Anfall immer wieder verändern.
- Starker, einseitiger Kopfschmerz: Das Hauptsymptom von Migräne ist der anfallsartig auftretende, oft starke Kopfschmerz, der meist nur eine Kopfseite betrifft. Er äußert sich individuell in verschiedenen Kopfregionen, meist aber hinter der Stirn, an den Schläfen oder hinter den Augen. Betroffene beschreiben ihn oft als pulsierend, bohrend oder hämmernd. Typischerweise nimmt die Intensität der Kopfschmerzen im Laufe von Stunden langsam zu. Einseitige Migränekopfschmerzen können während eines Anfalls oder auch von Attacke zu Attacke die Kopfseite wechseln.
- Übelkeit und Erbrechen: Häufige Begleitsymptome bei Migräne sind Übelkeit und Erbrechen. Wissenschaftler vermuten den Grund dafür im gestörten Serotoninhaushalt bei vielen Betroffenen. Serotonin ist ein Botenstoff (Transmitter) im Körper, der sowohl im Gehirn als auch im Magen-Darm-Trakt und in vielen anderen Bereichen des Körpers wirkt.
- Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen: Während eines akuten Migräne-Anfalls reagieren viele Betroffene sehr sensibel auf helles Licht und laute Geräusche. Der Grund dafür ist bislang nicht sicher geklärt. Jedenfalls ist es sinnvoll, sich während einer Kopfschmerz-Attacke möglichst in einen ruhigen und abgedunkelten Raum zurückzuziehen.
- Verstärkung durch Aktivität: Die Symptome einer Migräne können durch körperliche Aktivität verstärkt werden, was etwa bei Spannungskopfschmerzen - der häufigsten Art von Kopfschmerzen - nicht der Fall ist. Selbst bei mäßiger Bewegung wie Treppensteigen oder dem Tragen von Einkaufstüten können sich bei Migräne die Kopfschmerzen und das Unwohlsein verschlimmern.
Symptome in der Rückbildungsphase
In der Rückbildungsphase klingen die Migräne-Symptome allmählich ab. Die Rückbildungsphase beschreibt, was nach einem Anfall passiert und mit welchen Nachwirkungen einer Migräne zu rechnen sind. Unmittelbare Symptome in der Rückbildungsphase sind zum Beispiel Müdigkeit, Erschöpfung und Reizbarkeit.
Konzentrationsstörungen, Schwäche und Appetitlosigkeit können noch Stunden nach einem Migräne-Anfall anhalten. In seltenen Fällen erleben Patienten danach eine Art Euphorie. Bis zur vollständigen Erholung können weitere zwölf bis 24 Stunden vergehen.
Mögliche Ursachen und Auslöser
Für Migräne besteht generell eine genetische Veranlagung. Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können folgende Auslöser für Migräne verantwortlich sein:
- Schlafüberschuss oder Schlafmangel
- Hunger oder Unterzuckerung
- Hormonumstellungen wie während des Zyklus oder bei Einnahme der Anti-Baby-Pille
- Körperlicher oder psychischer Stress
- Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol
- Licht, Geräusche oder Gerüche
- Wetterveränderungen
- Starke Emotionen
- Bestimmte Medikamente
- Räume, in denen geraucht wird
Bei Migräne handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und ihrer Blutgefäße. Während eines Migräneanfalls funktionieren die schmerzregulierenden Systeme fehlerhaft und machen Betroffene überempfindlich gegenüber Reizen. Zudem haben die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) Einfluss auf den Migränekopfschmerz. Welche Ursachen Anfälle von Migräne auslösen, ist letztendlich abhängig von der jeweiligen Person.
Durst als Auslöser
Über 30 % der Migräne-Betroffenen berichteten, dass Flüssigkeitsmangel bei ihnen Kopfschmerzen auslöse. Flüssigkeitsmangel wurde als neuer möglicher Migräne Auslöser entdeckt. Als relativ neuer, bislang kaum untersuchter Triggerfaktor verdient die Dehydrierung also definitiv vermehrt Beachtung.
Flüssigkeitsmangel kann zu Dehydrations-Kopfschmerz führen und dieser anscheinend wiederum bei Migräne-Betroffenen Migräneattacken provozieren.
Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels (Dehydratation)
Ein geringer Flüssigkeitsmangel kann bereits deine Stimmung, dein Energielevel sowie deine geistigen Fähigkeiten beeinflussen. Fehlt unserem Körper Wasser können Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen oder Konzentrationsmangel auftreten. Denn Wassermangel führt zu einer Austrocknung des gesamten Körpers. Und diese Austrocknung kann zu Fehlfunktionen in einigen Nervenzellen führen. Das Blut wird dickflüssiger und feine Gefäße im Gehirn können nicht mehr optimal versorgt werden. Das Gehirn bekommt zu wenig Sauerstoff und reagiert darauf mit Kopfschmerzen - und bei entsprechender Empfänglichkeit mit Migräne. Weitere Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels sind:
- Durstgefühl
- Aufgeplatzte, trockene Lippen
- Ein trockener Mund
- Trockene Haut, stehende Hautfalten
- Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Geringere und dunklere Urinproduktion
- Krämpfe
- Hohe Körpertemperatur
Weitere Begleiterkrankungen
Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.
Diagnose
Um andere mögliche Ursachen Ihrer Kopfschmerzen auszuschließen, wie z.B. Tumore, Blutungen oder Entzündungen, kann eine MRT (Magnetresonanztomographie) vom Schädel gemacht werden. Es ist wichtig zu beachten, dass eine MRT normalerweise nicht in der Lage ist, eine Migräne direkt zu diagnostizieren, da es bei Migränepatienten meist keine auffälligen Veränderungen im Gehirn gibt.
Behandlung
Auch wenn Migräne eine nicht heilbare Krankheit ist, lässt sie sich mit Medikamenten gut behandeln. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Medikamenten für akute Migräne und zur Rückfallprophylaxe. Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden.
Die Behandlung einer Migräneattacke zielt darauf ab, die Symptome so schnell wie möglich zu lindern. Schmerzmittel, wie zum Beispiel Ibuprofen, können helfen, den Schmerz zu reduzieren. Antiemetika können gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Spezielle Migränemedikamente, wie Triptane oder Ergotamine, können ebenfalls eingesetzt werden. Allerdings sollten alle Medikamente unter Aufsicht eines Arztes eingenommen werden.
Laut deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist eine schrittweise und für den Bedarf gerechte Medikation vorgesehen. Dabei gibt es gegen Übelkeit und Erbrechen ein Antiemetikum, während bei Schmerzen Analgetika, Triptane oder Cortison eingesetzt werden können. Zudem empfiehlt die deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft die Medikation der jeweiligen Patientin bzw. Triptane und Ergotamine sollten bei mittelschweren Migräneanfällen oder Migraine accompagnée - allerdings nicht zusammen oder kurz hintereinander - eingesetzt werden. Die vielen unterschiedlichen Darreichungsformen bieten Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, die für sie passende zu finden. Allerdings sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura und beim beginnenden Migränekopfschmerz angewandt werden.
Vorbeugung
Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken. Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können. Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden.
Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern. Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat, sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden, keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht, die Migräneanfälle häufiger auftreten, sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen, die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt und es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern. Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden.
Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht. Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen können einzeln oder auch ergänzend zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.
Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
- Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
- Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.
Trinken als Migräneprophylaxe
Regelmäßig die richtige Menge an Flüssigkeit zu sich zu nehmen scheint tatsächlich eine der einfachsten Möglichkeiten, Kopfschmerzen und Migräne zu vermeiden. In einer Studie wurde bei einer Erhöhung der Trinkmenge eine wesentliche Reduzierung der Migräneattacken von 10,5 auf 5,4 Anfälle pro Monat sowie der eingenommen Triptane von 11,6 auf 6,2 beobachtet. Dieser Effekt trat bereits nach einem Monat mit erhöhter Trinkmenge ein.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt allen Menschen täglich 1,5 bis 2,5 Liter zu trinken und meint damit die durchschnittliche Gesamtmenge aller Getränke. Diese beinhalten neben Wasser auch alle anderen Getränke wie Säfte, Milch, Tee, Kaffee sowie Lebensmittel mit hohem Wassergehalt, wie Obst und Gemüse. Daher kann man von einer reinen Mindest-Trinkmenge an Wasser von 1,5 Litern ausgehen.
Trinktipps
- Merke dir wie viel Flüssigkeit in deine Flasche oder dein Glas passt und notiere dir deine tägliche Trinkmenge: entweder auf einem Notizzettel oder mittels einer App. So behältst du den Überblick und kannst Flüssigkeitsmangel vorbeugen.
- Vermeide Kaffee, Softdrinks, reine Obstsäfte oder Alkohol, denn sie entziehen dem Körper Wasser oder schaden aufgrund des hohen Zuckeranteils leider mehr als dass sie nützen. Wenn du diese Getränke trinken möchtest, gleiche sie geschickt aus indem du ein Glas Wasser nach jedem Kaffee, zu jedem Saft oder zu jedem Glas Alkohol trinkst.
- Wenn dir Wasser geschmacklich zu langweilig ist, kannst du natürlich auch auf ungesüßte Tees oder stark verdünnte Säfte zurückgreifen oder das Wasser mit frischen Früchten oder Kräutern aromatisieren. So macht das Trinken gleich viel mehr Spaß!
- Vermeide Salztabletten beim Sport. Wenn du verlorene Salze ausgleichen möchtest, sind isotonische Getränke eine bessere Wahl.
- Bei der Arbeit sind wir oft konzentriert und in eine Aufgabe vertieft - da kann man schon mal schlichtweg vergessen, genug zu trinken. Darum ist es am besten, den Körper konstant mit Flüssigkeit zu versorgen und pro Stunde ein Glas Wasser zu trinken anstatt eine große Menge auf einmal zu trinken.
- Trinke am besten jeden Morgen nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen noch ein Glas Wasser
Migräne verstehen - bevor sie laut wird
Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt. Sie vermittelt Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.