Demenz, insbesondere die Alzheimer-Krankheit, stellt eine enorme Herausforderung dar - sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihr familiäres und soziales Umfeld. Der Umgang mit Menschen mit Demenz erfordert Sensibilität, Achtsamkeit und ein tiefes Verständnis für die Veränderungen, die die Krankheit mit sich bringt. Dieser Artikel soll Angehörigen und Freunden praktische Ratschläge und Strategien an die Hand geben, um den Alltag mit Demenzkranken zu erleichtern, Konflikte zu vermeiden und trotz der Erkrankung gemeinsame, positive Momente zu schaffen.
Die Herausforderungen der Demenz
Eine Demenz geht weit über den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinaus. Sie beeinträchtigt die Wahrnehmung, das Verhalten und das Erleben der Betroffenen. Schwer zu akzeptieren sind oft die Veränderungen im Verhalten der Erkrankten. Der bekannte und vertraute Mensch agiert plötzlich anders als gewohnt. Angehörige stehen dann vor der schwierigen Aufgabe, sich im Umgang mit dem erkrankten Familienmitglied an seine Wahrnehmungsfähigkeiten und Bedürfnisse anzupassen. Der eigene Alltag wird dabei in vielen Bereichen des Lebens auf den Kopf gestellt - sowohl organisatorisch als auch emotional.
Typische Verhaltensweisen und Handlungsmuster
Zu den Symptomen der Demenz gehören verschiedene typische Verhaltensweisen und Handlungsmuster der Betroffenen, mit denen sich die meisten Angehörigen auseinandersetzen müssen. Viele Menschen mit Demenz stellen immer wieder dieselbe Frage oder wiederholen die gleichen Sätze oder Handlungen. Das ständige Hin-und-her-Laufen kann die Nerven der betreuenden Personen stark strapazieren. Wiederholtes Fragen ist oft ein Zeichen von Angst oder Unsicherheit. Manchmal neigt ein Mensch mit Demenz auch dazu, die gleiche Handlung immer wieder auszuführen, wie etwa Regale abzustauben oder Schuhe zu putzen.
Desorientierung und Realitätsverlust
Die eingeschränkte Fähigkeit der Betroffenen, Situationen und Wahrnehmungen richtig zu deuten, führt häufig zu Erklärungsversuchen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Mit dem Fortschreiten der Demenz wird die Lebenswelt der Betroffenen weitgehend von den noch vorhandenen Erinnerungen geprägt. Sie leben mit den Vorstellungsbildern einer bestimmten Lebensphase und verhalten sich dementsprechend.
Aggressives Verhalten
Menschen mit Demenz verhalten sich manchmal verbal oder körperlich aggressiv. Auslöser für Wutausbrüche und aggressives Verhalten sind weniger krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn als vielmehr die erschwerten Lebensbedingungen und die daraus resultierende Angst der Betroffenen.
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Sprachliche und kommunikative Aspekte
Sprache und Sprechen sind von zentraler Bedeutung im Umgang mit Menschen mit Demenz. Der Umgang mit Menschen mit Demenz erfordert eine besondere Sensibilität und Achtsamkeit - auch im Umgang mit Sprache.
Tipps für die verbale Kommunikation
- Fragen stellen: Fragen signalisieren Interesse. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Fragen nicht zu komplex und abstrakt werden. Statt "Welchen Pulli magst du lieber?" zu fragen, kann man auch "Magst du den gelben oder den blauen Pulli lieber?" fragen. Wer, wie, wo, was und insbesondere warum - dadurch werden immer offene Fragen eingeleitet.
- Ich-Form verwenden: Indem man in der Ich-Form beschreibt, was man gleich tun wird, nimmt man der Tat den Überraschungseffekt.
- Kurze Sätze bilden: Zu lange Sätze mit vielen Nebensätzen verwirren.
- Verneinungen vermeiden: Verneinungen verwirren auch. Deshalb sollte man sie vermeiden, wo es geht.
- Lob und Komplimente geben: Lob & Komplimente machen glücklich, Kritik und Vorwürfe nicht.
- Dialekt sprechen: Wenn man merkt, dass ein Mensch mit Demenz einen Dialekt hat, nach dem auch die eigene Zunge gewachsen ist, dann raus damit!
- Ruhig und langsam reden: Ruhiges und langsames Reden beruhigt und wird außerdem besser verstanden als das Gegenteil. Pausen helfen, das Gesagte zu verarbeiten.
- Ausreden lassen: Je mehr man ungeduldig auf eine Antwort wartet, seinem Gegenüber mit Demenz das Wort aus dem Mund nimmt, ihm das Wort abschneidet, desto mehr fühlt er sich gegängelt und gestresst. Ausreden lassen ist die Devise, auch wenn es länger dauern sollte.
- Auf Augenhöhe kommunizieren: Hier ist auch die tatsächliche Augenhöhe gemeint. Die Person steht?
- Subjekte nutzen: Nutze Subjekte, nicht Pronomen erleichtern dem demenziell Erkrankten das Verständnis und helfen ihm, den roten Faden zu behalten.
Nonverbale Kommunikation
Im Verlauf der Erkrankung wird die sprachliche Verständigung immer schwieriger. Umso wichtiger ist es, durch körperliche Nähe, Blicke und Gesten mit dem Betroffenen in Kontakt zu bleiben. Auch wenn Worte fehlen, helfen körperliche Nähe, Blicke, Lächeln und Berührungen, Verbindung zu halten. Nonverbale Kommunikation wird immer wichtiger.
Umgang mit herausforderndem Verhalten
Viele Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz, die Pflegende vor Herausforderung stellen, sind Reaktionen, die man aus der Krankheit heraus verstehen und nachvollziehen kann: Rat- und Orientierungslosigkeit können zu Ängstlichkeit, Anhänglichkeit und zum ständigen Wiederholen von Fragen führen. Aggressivität und Wutausbrüche können aus Frustration oder Überforderung entstehen, Depression und Rückzug aus einem Mangel an Aktivität und Ermunterung.
Strategien zur Deeskalation
- Ruhe bewahren: Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie sanft.
- Ablenkung: Versuchen Sie, den Betroffenen abzulenken. Um aus der Situation herauszukommen, sollten Sie den Betroffenen ablenken.
- Auf Gefühle eingehen: Reagieren Sie auf die Gefühle, die der Betroffene ausdrückt. Gehen Sie unbedingt auf die Gefühle und Bedürfnisse der demenzerkrankten Person ein.
- Sicherheit gewährleisten: Wenn Sie sich durch das Verhalten bedroht fühlen, sollten Sie aber auch an Ihre eigene Sicherheit denken. Verlassen Sie den Raum und holen Sie sich im Notfall Hilfe.
Umgang mit spezifischen Verhaltensweisen
- Aggressivität: Bemühen Sie sich herauszufinden, was der Auslöser für das aggressive Verhalten war, um solche Situationen in Zukunft möglichst zu vermeiden. Versuchen Sie gelassen zu bleiben und die Vorwürfe oder das Verhalten der erkrankten Person nicht auf sich zu beziehen.
- Unruhe: Menschen mit Demenz sind oft unruhig und laufen immer wieder die gleiche Strecke auf und ab. Daran sollte man sie nicht hindern. Sie können aber versuchen herauszufinden, was dieses Verhalten verursacht.
Gestaltung des Alltags
Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Routinen bietet Sicherheit und Struktur, was Reizüberflutung und Überforderung reduziert. Wiederholungen machen es den Betroffenen leichter, Alltag und Umfeld zu verstehen.
Orientierungshilfen
- Feste Tagesstruktur: Feste Abläufe sind enorm wichtig für Betroffene.
- Hinweisschilder: Große Uhren, gut lesbare Hinweisschilder (z. B. auf Schubladen), ein Kalender mit dem aktuellen Datum und wichtige Mitteilungen auf einer Tafel können den Betroffenen die zeitliche und räumliche Orientierung erleichtern.
- Vertraute Umgebung: Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, helles Licht und die Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht erleichtern es den Kranken, sich zurecht zu finden.
Aktiv bleiben
Menschen mit Demenz sollten so lange wie möglich zum Beispiel an ihrem geliebten Stammtisch oder dem Kaffeebesuch mit Freunden teilnehmen können. Das gibt den Betroffenen ein Stück Vertrautes und Sicherheit. Aktiv bleiben (z. B.
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Ernährung
Eine Demenzerkrankung kann das Ess- und Trinkverhalten deutlich verändern. Was hilft? Eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr geben Orientierung. Zeigen, wie es geht: Setzen Sie sich neben die Person und zeigen Sie ihr, wie man Messer und Gabel benutzt. Zum Trinken anregen: Auch bei Demenz wird das Trinken oft vergessen.
Entlastung für Angehörige
Die Pflege- und Betreuungsaufgabe von Angehörigen ist in der Regel durch eine hohe seelische und körperliche Beanspruchung geprägt. Ob die Pflege-und Betreuungsaufgabe aber als Belastung empfunden wird, ist auch immer individuell zu sehen. In einer ständigen Belastungssituation ist das Risiko, selbst zu erkranken deutlich erhöht.
Selbstfürsorge
Regelmäßige Auszeiten, Gespräche mit Familie und Freunden und der Austausch mit Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen sind wichtig. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Viele pflegende Angehörige haben Hemmungen, sich Zeit nur für sich und die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. Dennoch ist es für die eigene Gesundheit wichtig, sich von der Belastung zu erholen. Denn nur wenn es einem selbst gut geht, kann man einem anderen Menschen zur Seite stehen.
Unterstützung suchen
Familienmitglieder, Freunde, Nachbarinnen oder Mitglieder der Kirchengemeinde können unterstützen. Es ist auch möglich, sich Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst zu holen oder aber Tagespflege, Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Informiere dich frühzeitig über entsprechende Angebote in deiner Region, zum Beispiel über die Demenz- und Pflegeberatungen der Caritas.
Hilfsangebote
Ja, zahlreiche Beratungsstellen wie die Alzheimer Gesellschaft bieten Unterstützung, Austauschgruppen und praktische Hilfe an.
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Rechtliche und finanzielle Aspekte
Bei einer Demenz stellen sich viele rechtliche und finanzielle Fragen, die für die Zukunft geregelt werden müssen. Das beginnt bei der Ausübung des Berufs, geht über Alltägliches wie das Autofahren, die Vorsorgevollmacht bis hin zur Geschäftsfähigkeit. Wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt, wenden sich Betroffene und Angehörige an das örtliche Betreuungsgericht, um den gesetzlichen Betreuer zu bestimmen.
Umgang mit der Diagnose
Die Auseinandersetzung mit der Diagnose „Demenz“ ist für alle Beteiligten eine schwierige Aufgabe. Die Diagnose stellt für jeden Betroffenen eine existenzielle Nachricht dar und kann extreme Reaktionen hervorrufen. Häufig reagieren Betroffene mit Ängsten und leugnen eine geistige Beeinträchtigung. Es ist wichtig, einfühlsam zu sein und den Betroffenen mit Verständnis und Unterstützung zur Seite zu stehen.