Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Bei etwa einem Drittel der jungen Patienten sind die Anfälle jedoch medikamentenresistent. In solchen Fällen kann die modifizierte Atkins-Diät (MAD) eine wirksame ergänzende Therapieoption sein, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der es durch kurzzeitige übermäßige Entladung von Nervenzellen zu krampfartigen Anfällen kommt. Die Lokalisation und Größe des betroffenen Hirnareals kann stark variieren, sodass es zu sehr unterschiedlichen Anfallstypen von sekundenlangen Konzentrationsaussetzern bis hin zu minutenlangen schweren Krampfanfällen kommen kann. Andere Namen für die Erkrankung sind „Fallsucht“ oder „Anfallsleiden“. Auch gesunde Menschen können infolge starker Reize wie Vergiftungen, Stromschlägen oder hohem Fieber epileptische Anfälle erleiden.
Obwohl Epilepsie zu den häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems zählt, sind aussagekräftige epidemiologische Untersuchungen nur aus wenigen Teilen Europas verfügbar. Diese sprechen für eine Krankheitshäufigkeit zwischen 4,5 und 5 Fällen pro 1.000 Bewohner, wobei in der Gruppe der 20- bis 64-Jährigen etwa 6 Fälle und in der Gruppe 65 und älter etwa 7 Fälle pro 1.000 Bewohner auftreten. Bei etwa 20 bis 30 % der Epileptiker treten Anfälle monatlich auf. Epilepsie tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen, da diese in der Regel verstärkt Risikofaktoren ausgesetzt sind, die zu Verletzungen oder Anfällen führen. Angeborene Gendefekte können ebenfalls Epilepsie verursachen.
Epilepsie kann in allen Bevölkerungsschichten auftreten, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, sozialem Status, Bildung oder Ernährungsgewohnheiten. Die einzigen Faktoren, die eine Häufung der Fälle in bestimmten Regionen der Erde erklären, sind in der medizinischen Versorgung sowie den hygienischen Bedingungen des jeweiligen Landstrichs begründet. Infektionsbedingte Epilepsien treten in Regionen mit unzureichendem Hygienestandard häufiger auf.
Wie Nervenzellen funktionieren
Die Nervenzelle erhält ein Signal, wenn Neurotransmitter einer benachbarten Nervenzelle an spezielle Rezeptoren binden. Durch Öffnung von Kalzium- bzw. Natriumkanälen innerhalb der Membran strömen vermehrt positiv geladene Ionen (Natrium, Kalzium) in die Zelle und ändern die Ladung des im Ruhezustand negativ geladenen Zellinnern. Dieser elektrische Impuls gibt der Nervenzelle das Signal, die in Vesikeln gespeicherten Neurotransmitter auszuschütten, sodass diese an Rezeptoren der nächsten Nervenzelle binden können. Wichtige Nerven-stimulierende Neurotransmitter sind z.B. die Aminosäuren Glutamat und Aspartat.
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Welche Vorgänge bei Epilepsie genau vonstattengehen, ist nach wie vor nur unvollständig geklärt. Sowohl eine erhöhte Erregbarkeit der Nerven als auch eine abnorme, gleichzeitige Aktivität mehrerer Nervenfasern scheint für das Auftreten epileptischer Anfälle verantwortlich zu sein. Hierbei spielt wahrscheinlich ein Ungleichgewicht zwischen stimulierenden und hemmenden Prozessen bei der Reizweiterleitung eine Rolle. Störungen bei der Synthese oder beim Abbau von erregungsfördernden bzw. verminderte bzw.
Klassifizierung von Epilepsie
Die Klassifizierung der Epilepsie gestaltet sich schwierig, da die Ausprägung der Krankheit bzw. Hierbei geht der epileptische Anfall von einer abgrenzbaren Region (Herd) des Gehirns aus. Dieser kann teilweise anhand der Symptome lokalisiert werden. Hierbei lässt die Art des Anfalls und die währenddessen auftretenden Symptome keinen Rückschluss auf eine bestimmte Hirnregion zu, von wo aus der Anfall beginnt. Neurologische Tests sind unauffällig und Läsionen nicht nachweisbar. Wahrscheinlich symptomatische Epilepsie (früher: kryptogene Epilepsie) Die Ursache ist mit den derzeit zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln nicht auszumachen.
Anfallsformen
Das klassische Symptom einer Epilepsie ist der epileptische Anfall. Dieser hat verschiedene Ausprägungsformen und kann nach bestimmten Kriterien eingeteilt werden. Die Einteilung in fokal und generalisiert hilft, die vielfältigen Symptome einzelnen Anfallsformen zuzuordnen und eine entsprechende Therapie zu wählen. Besonders im Kindes- und Jugendalter können auch mehrere Anfallstypen gleichzeitig auftreten. Flackernde Lichtreize z.B. starke Farben oder Kontrastunterschiede können ebenfalls Anfälle auslösen.
Fokale Anfälle
Bei dieser Form der Anfälle ist das Bewusstsein des Betroffenen nicht getrübt. Er kann während des Anfalls auf äußere Reize, wie z.B. die Aufforderung den Arm zu heben, reagieren und erinnert sich ganz oder zumindest teilweise an Details, die er im Anschluss beschreiben kann. Kognitive Symptome können einen „traumhaften Zustand“ mit sich bringen. Da der Ursprung des Anfalls sich auf ein Gehirnhälfte bzw. Gehirnregion beschränkt, sind Symptome wie Muskelzuckungen meist einseitig und auf einen Punkt wie z.B. eine Gesichtshälfte beschränkt. In einigen Fällen können sich die Symptome auch auf andere Körperregionen ausbreiten („Jackson-Anfall“) und die Muskelzuckungen beispielsweise von der Gesichtshälfte auf den Arm übergehen.
Bei diesen Anfällen ist der Betroffene zwar bei Bewusstsein, dieses ist allerdings stark verändert („Dämmerattacke“). Hier kann es beispielsweise zu unbewussten leichten bis heftigen Bewegungen des Körpers, Kauen, Schmatzen, zusammenhanglosen verbalen Äußerungen oder auch zu komplexen Handlungen Entkleiden kommen. Der Betroffene hat in diesem Zustand keine Gewalt über sein Handeln und kann sich im Nachhinein nicht mehr an Details des Anfalls erinnern. Automatismen (z.B. Ein einfacher fokaler Anfall kann auch die Aura eines komplexen fokalen Anfalls sein.
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Generalisierte Anfälle
Generalisierte Anfälle sind sehr komplex und gehen in der Regel mit starken Bewusstseinseinschränkungen einher. Im Gegensatz zu fokalen Anfällen breiten sich diese auf beiden Gehirnhälften aus. Anfälle mit kurzen Bewusstseinspausen, in denen der Betroffene für einige Sekunden wie „abwesend“ wirkt und kaum auf äußere Reize reagiert (früher „Petit mal“ = kleines Übel). Einfache Absencen treten ohne weitere motorische Symptome auf. Bei komplexen Absencen können zusätzlich beidseitige Muskelzuckungen etwa im Gesicht oder an den Extremitäten auftreten. Muskeln können auch erschlaffen oder verkrampfen. Hierbei kontrahiert die ganze Muskulatur oder größere Muskelgruppen unkoordiniert und ruckartig. Diese bei Kindern und Jugendlichen auftretenden Anfälle sind durch einzelne oder unregelmäßig wiederholte rasche Muskelzuckungen gekennzeichnet. Bei der juvenilen Form im Jugendalter kommt es morgens häufig zu einer Art Wegwerfbewegung die z.B.
Diese schweren Anfälle gehen mit einer Kombination aus tonischen sowie klonischen Symptomen einher. Zu Beginn stößt der Betroffene meist einen unwillkürlichen Schrei aus, der durch Verkrampfung von Atemmuskulatur und Stimmlippen verursacht wird. Darauf stürzt der Betroffene zu Boden, da sich die Muskulatur insbesondere der Gliedmaßen verkrampft. Häufig sind der Mund sowie die Augen währenddessen weit geöffnet und die Augäpfel verdreht. Die anfangs blasse Haut verfärbt sich im Laufe des Anfalls infolge der verkrampften Atemmuskulatur bläulich. An die tonische Anspannungsphase knüpft sich eine klonische Phase an, die durch heftige beidseitige Zuckungen am ganzen Körper gekennzeichnet ist. Durch zuckende Bewegungen der Zunge und Kaumuskulatur tritt Schaum aus dem Mund, der durch Bisse auf die Zunge häufig rot wird. Auch Einnässen ist währenddessen möglich. Nach Endigung des Anfalls setzt die Atmung mit heftigem Röcheln wieder ein.
Diagnose von Epilepsie
Ausgangspunkt für die Diagnose einer manifesten Epilepsie ist das Auftreten mindestens eines spontanen Anfalls der nicht durch eine unmittelbar vorangegangene erkennbare äußere Ursache ausgelöst wurde. Starker Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, Infekte, Vergiftungen oder Stromschläge können auch bei gesunden Personen epilepsieähnliche Anfallserscheinungen hervorrufen. Hier kann erst von einer Epilepsie ausgegangen werden, wenn ein vergleichbarer Anfall innerhalb eines Jahres erneut auftritt.
Nach der neueren Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) reicht bei eindeutigem EEG-Befund ein einzelner Anfall aus, um die Diagnose zu stellen. Wichtig bei der Anamneseerhebung sind einerseits Fragen zu familiärer Häufung bzw. zu bestehenden und vorangegangenen Erkrankungen sowie zur Art der Anfälle.
Sind Epilepsieerkrankungen auch bei Verwandten bekannt, liegt wahrscheinlich eine angeborene Störung bzw. ein Gendefekt zugrunde. Vorangegangene Erkrankungen bzw. Verletzungen des Gehirns oder auch Komplikationen während Schwangerschaft sowie Geburt verweisen auf eine symptomatische Epilepsie.
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Zur Charakterisierung der Anfälle sind neben dem Betroffenen selbst auch Aussagen von Anfallszeugen wichtig (insbesondere bei Anfällen mit Bewusstseinseinschränkung). Krämpfe? Lähmungen? Sprachstörungen? Zur Diagnose möglicher neurologischer Grunderkrankungen wird eine individuelle Untersuchung verschiedener Nervenfunktionen durchgeführt.
Diagnoseverfahren
Mithilfe der EEG lassen sich die Hirnströme des Patienten messen und eine Epilepsieveranlagung bzw. -erkrankung ableiten. Dabei werden mit Kochsalzlösung getränkte Elektroden an verschiedenen Stellen des Kopfes platziert, die die elektrische Aktivität des Gehirns registrieren. Das elektrische Signal jeder Elektrode wird umgewandelt und als eine Wellenlinie dargestellt. Beim Gesunden lassen sich je nach Bewusstseinszustand vier verschiedene Wellentypen unterscheiden, die Ausdruck der normalen Gehirnfunktionen sind. Beim Epileptiker treten zusätzliche Spitzen (Spikes) und Zacken (Sharp Waves) auf, die auf eine veränderte Gehirnaktivität verweisen. Insbesondere während eines Anfalls sind diese stark ausgeprägt, lassen sich allerdings auch vereinzelt zwischen den Anfällen nachweisen. Bei besonderen Fragestellungen kann neben der normalen EEG-Untersuchung auch ein Langzeit-EEG bzw. ein Video-EEG erstellt werden. Um mögliche Veränderungen gezielt auszulösen, kann der Patient beispielsweise mit Lichtreizen, Schlafentzug oder Hyperventilation provoziert werden.
Behandlung von Epilepsie
Ein Notarzt ist nur in schwerwiegenden Fällen im Anschluss notwendig (z.B. Mithilfe eines elektrischen Stimulators innerhalb der Brustwand können elektrische Ströme entweder in festen Intervallen oder durch den Betroffenen in Erwartung eines Anfalls selbst abgegeben werden. Bei einer fokalen Epilepsie, die nicht oder nur unzureichend auf eine medikamentöse Therapie anspricht, kann die auslösende Hirnregion auch vollständig oder teilweise operativ entfernt werden (resektive Verfahren). Dabei ist eine sorgfältige Lokalisation der betroffenen Region mittels EEG notwendig. Eine Anfallsfreiheit ist allerdings nur möglich, wenn die Funktion des Areals eine vollständige Entfernung des betroffenen Gehirngewebes erlaubt. Sind unverzichtbare Regionen wie etwa das Sprachzentrum betroffen, kann ein Eingriff lediglich zu einer Milderung der Anfälle führen.
Ernährungstherapie
Wesentliches Ziel der Ernährungstherapie ist die Abschwächung auftretender Krampfanfälle. Dies ist jedoch nur bedingt erfolgreich.
Die Geschichte der ketogenen Diät bei Epilepsie
Die Idee, Epilepsie mithilfe einer speziellen Diät zu therapieren, kam bereits in der Antike auf. Frühe Aufzeichnungen des Arztes Hippokrates belegen dessen erfolgreichen Versuch, Epilepsiekranke durch strenges Fasten von ihren Anfällen zu befreien. In den 1920ern erfuhr diese Idee aufgrund mangelnder Antiepileptika eine Renaissance. Der amerikanische Arzt Conklin beispielsweise unterzog seine Patienten einer bis zu 25 Tagen anhaltenden Fastenkur und konnte bei 90 % der unter 10-Jährigen eine Heilung erzielen. Die Erfolgsrate bis zum Erwachsenenalter lag immerhin noch bei 50 %.
Untersuchungen zum möglichen Wirkmechanismus des Fastens, führten Wissenschaftler zum Schluss, dass die beim Fasten durch Abbau von Körperfettreserven entstehenden Ketonkörper sich positiv auf die Krankheit auswirken würden. Ausgehend von dieser Schlussfolgerung entwickelte der amerikanische Arzt Russel Wilder eine ketogene Diät, welche durch Zufuhr hoher Fettmengen die Bildung von Ketonkörpern ermöglicht, ohne dass der Patient fasten muss.
Was ist die modifizierte Atkins-Diät?
Die modifizierte Atkins-Diät (MAD) ist eine weniger restriktive Variante der klassischen ketogenen Diät (KD). Sie zeichnet sich durch eine Reduktion der Kohlenhydratmenge auf etwa 20 Gramm pro Tag aus, während die Aufnahme von Proteinen und Fetten nicht begrenzt ist. Dies macht die MAD im Vergleich zur KD einfacher einzuhalten und besser verträglich. Die MAD enthält Lebensmittel wie Sojaprodukte, Sahne, Butter und Öle, grünes Blattgemüse und tierisches Eiweiß wie Eier, Huhn, Fisch, Speck.
Wie funktioniert die modifizierte Atkins-Diät?
Bei der ketogenen Diät (KD) stellt sich das Gehirn, das sonst ausschließlich Zucker als Energiequelle nutzt, auf Ketone als Energiequelle um. Die MAD zielt darauf ab, den Körper in einen Zustand der Ketose zu versetzen. Durch die Reduktion der Kohlenhydratzufuhr wird der Körper gezwungen, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen. Dabei entstehen Ketonkörper, die als alternative Energiequelle für das Gehirn dienen können. Es wird angenommen, dass Ketonkörper eine antikonvulsive Wirkung im Gehirn haben und somit die Anfallshäufigkeit reduzieren können. Im Gegensatz zur Wirkung bei Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels, wo sich die Wirkung dieser Umstellung erklären lässt, ist nicht sicher erforscht, wie diese sich konkret auf die Vorgänge im Gehirn bei Epilepsien auswirkt. Falsch ist hingegen die Annahme, dass auch eine der üblichen Low-Carb-Trenddiäten zu einer ausreichenden Erhöhung der Blutketone führt. Unabhängig vom noch zu hohen Anteil an Kohlenhydraten ist bei Low-Carb-Diäten die Proteinaufnahme meist zu hoch und die Fettmenge gleichzeitig zu niedrig. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, müssen der Kohlenhydratanteil sehr niedrig und der Fettanteil extrem hoch sein - eine Zusammensetzung der Nahrung, die im Hinblick auf Akzeptanz und gesundheitlichen Wert schwer umzusetzen ist und nur nach erfolgter Schulung gelingen kann.
Studien zur Wirksamkeit der modifizierten Atkins-Diät bei Epilepsie
Mehrere Studien haben die Wirksamkeit der MAD bei der Behandlung von medikamentenresistenter Epilepsie untersucht. Eine prospektive Studie an Erwachsenen, bei denen die Teilnehmer ermutigt wurden, sich nach Bedarf fettreich zu ernähren und die Kohlenhydratzufuhr auf 15 g/ Tag zu beschränken, berichteten 47 % von einer Abnahme der Anfallshäufigkeit um mehr als 50 % innerhalb von drei Monaten. Zudem kam es bei den Teilnehmern zu einer Gewichtsabnahme, welche die Wirksamkeit der Diät auf die Epilepsie zusätzlich positiv zu beeinflussen schien. Nach Aussage der Autoren stellt sich der Erfolg der Atkins-Diät bereits nach kurzer Zeit ein, sodass diese Form der Ernährungstherapie für etwa zwei Monate probiert und bei Nichterfolg problemlos abgesetzt werden kann.
Eine weitere Studie aus Indien verglich die MAD mit dem Low Glycemic Index Treatment (LGIT) bei Kindern mit pharmakoresistenter Epilepsie. Die Ergebnisse zeigten nach 24 Wochen eine Abnahme der epileptischen Anfälle in der MAD-Gruppe um 60,7 % und in der LGIT-Gruppe um 57 %. Die absolute Differenz betrug -3,7 %, was unterhalb des vorher festgelegten Grenzwertes für Nichtunterlegenheit von -15 % lag.
Eine weitere Studie zeigte, dass bei 26 % der Teilnehmerinnen der Atkins-Diät-Gruppe reduzierte sich die Anfallshäufigkeit um mehr als 50 %. In der Kontrollgruppe waren es lediglich 2,5 %. 4 Teilnehmerinnen der Diätgruppe waren zu Studienende anfallsfrei im Vergleich zu keinem Teilnehmer in der Kontrollgruppe.
Vorteile der modifizierten Atkins-Diät gegenüber der klassischen ketogenen Diät
- Weniger restriktiv: Die MAD erlaubt eine größere Auswahl an Lebensmitteln und ist daher einfacher in den Alltag zu integrieren.
- Bessere Verträglichkeit: Die MAD wird in der Regel besser vertragen als die KD, was zu einer höheren Therapietreue führt.
- Einfachere Umsetzung: Die MAD erfordert weniger Aufwand bei der Zubereitung von Mahlzeiten und ist auch für Familien mit wenig Zeit gut geeignet.
Mögliche Nebenwirkungen der modifizierten Atkins-Diät
Wie bei jeder Ernährungsumstellung können auch bei der MAD Nebenwirkungen auftreten. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Verstopfung
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Müdigkeit
- Kopfschmerzen
- Dyslipidämien
Diese Nebenwirkungen sind in der Regel vorübergehend und können durch Anpassung der Diät oder mit Medikamenten behandelt werden.
Wer kann von der modifizierten Atkins-Diät profitieren?
Die MAD kann eine geeignete Therapieoption für Kinder und Jugendliche mit medikamentenresistenter Epilepsie sein, bei denen andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind. Insbesondere bei bestimmten Formen der Epilepsie im Kindesalter wird sie besonders häufig angewendet. Grundsätzlich kann die ketogene Ernährungstherapie aber bei allen Formen der Epilepsie als nicht-medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Vor allem dann, wenn es um Personen geht, die unter nicht tolerablen Nebenwirkungen der Anfallssuppressiva leiden, oder bei Personen, die besonders häufig einen Status epilepticus erleiden.
Wie wird die modifizierte Atkins-Diät durchgeführt?
Die MAD sollte immer unter Aufsicht von Ärzten und speziell ausgebildeten Ernährungsfachleuten durchgeführt werden. Vor Beginn der Diät ist eine gründliche Untersuchung des Patienten erforderlich, um mögliche Risiken auszuschließen. Die Diät wird in der Regel stationär, also in einer Klinik eingeleitet. Dort können mögliche Komplikationen sofort erkannt werden. Außerdem werden der Patient und seine Angehörigen intensiv geschult, damit die Diät in der täglichen Routine umsetzbar ist. Es ist sehr wichtig, dass die ketogene Diät bei Epilepsie sehr streng über einen definierten Zeitraum eingehalten wird und die vorgegebenen Nährstoffverhältnisse möglichst bei jeder Mahlzeit stimmen.
Vorbereitung auf die Diät
Damit Ärzte und Ernährungsberater die Wirksamkeit der KET richtig beurteilen und den Diätplan richtig kalkulieren können, ist eine ordentliche und möglichst lückenlose Dokumentation der epileptischen Anfälle im Vorfeld erforderlich. Nur so ist die Ausgangssituation klar. Stets dokumentiert werden sollten Häufigkeit und Dauer der Anfälle, der genaue Ablauf und die betroffenen Körperregionen, eine tageszeitliche Bindung und weitere Beeinträchtigungen durch die Anfälle. Im weiteren Verlauf ist es wichtig, dass zeitnah Kontakt zu allen Beteiligten hergestellt werden kann, damit die Kommunikation erleichtert wird. Dies kann z. B. Damit die ketogene Diät bei Kindern erfolgreich angewendet werden kann, ist es ratsam das gesamte Umfeld einzubinden (Kita, Schule, Sportverein, Betreuung, ggf. Passende Rezepte und Lebensmittel sollten immer vorrätig sein. Es sollte damit gerechnet werden, dass die allgemeinen Kosten für Lebensmittel im Rahmen einer ketogenen Diät um bis zu ein Drittel steigen können. Bereiten Sie sich darauf vor, dass Sie und/oder Ihr Kind lernen müssen, eigenständige Kontrollen im Rahmen der ketogenen Diät vorzunehmen, z. B. mittels Ketonteststreifen aus der Apotheke, mit denen sich die Ketonkörperkonzentration im Urin kontrollieren lässt. Außerdem müssen die Ergebnisse eigenständig bewertet werden können.
Durchführung der Diät
Zu Beginn der Diät kann mit einem ketogenen Verhältnis von 1:1 begonnen werden, um Verdauung und Stoffwechsel langsam an die ketogene Ernährung zu gewöhnen. Anschließend wird der Fettanteil schrittweise von 2:1, auf 3:1 und bis auf 4:1 erhöht. Das ist aber nicht immer der Fall. Nach dem Einleiten der ketogenen Ernährungstherapie beginnt eine Zeit des Übergangs, bis die Ketose stabil bleibt, also bis die anhaltende Umstellung des Stoffwechsels zur Energiebereitstellung aus Ketonkörpern eintritt. Während dieses Übergangs ist eine besonders engmaschige Überwachung notwendig. Vor allem die Blutwerte müssen regelmäßig geprüft werden, Blutzucker, Ketone, Blutgasanalyse. Wenige Tropfen Blut reichen dazu bereits aus. Üblich ist zum Beispiel ein kleiner Piks in den Finger. Sind zum Beispiel die Ketonwerte zu hoch und/oder der Blutzucker zu niedrig, kann die Einnahme von Glukose veranlasst werden (z. B. als Fruchtsaft). So lässt sich ein rasches Absinken der Ketonwerte bewirken. Sind sie zu niedrig, muss der Diätplan ggf. Wenn die Diät greift und die stabile Ketose eintritt, sind auch die Ketonwerte im Blut stabil. Die Überwachung der Blutwerte kann nun reduziert werden. Kommt es aber zu Veränderungen im Alltag, oder zu einer zwingend notwendigen Umstellung der Essgewohnheiten, muss die häufigere Kontrolle wieder aufgenommen werden. Dies gilt auch, wenn der Schlafrhythmus sich ändert, oder es häufiger zu epileptischen Anfällen kommt.
Eine strikte Einhaltung des mit Arzt und Ernährungsberater entwickelten Diät-Plans ist unabdingbar. Snacks zwischendurch müssen in der Planung berücksichtigt werden. Es muss pro Tag mehr getrunken werden als für das jeweilige Alter üblich. Wenn Veränderungen des Alltags oder des Körpers es zwingend notwendig machen, dass das Essverhalten oder die Uhrzeiten für die Mahlzeiten geändert werden müssen, muss der Diät-Plan ausgewertet und neu errechnet werden. Auch im normalen Verlauf der Diät sollten die Untersuchungen und Erfolge immer wieder ausgewertet und der Diätplan ggf. Sehr wichtig: Zucker ist nicht nur in Lebensmitteln enthalten, sondern auch in Medikamenten oder Zahnpasta. Diese Mengen müssen bei der Aufstellung des Diätplans ebenfalls berücksichtigt werden. Eventuell müssen Medikamente oder Zahnpasta ausgetauscht werden.
Mögliche Nebenwirkungen und wie man sie behandelt
Durch die ketogene Diät verändert sich - je nach bisheriger Essgewohnheit - die Lebensmittelauswahl erheblich. Durch die Umstellung kann es zu Nebenwirkungen wie Verstopfungen kommen. In diesem Fall sollte die Aufnahme von Ballaststoffen erhöht werden, z. B. durch einen größeren Anteil an Tomaten, Gurken oder Schwarzbrot in der Ernährung. Auch abführende Maßnahmen oder der vermehrte Einsatz von MCT-Ölen kann in einigen Fällen zum Einsatz kommen.
Dauer der Diät
In der Regel wird die ketogene Diät zunächst für maximal zwei Jahre durchgeführt. Auch Anfallssuppressiva werden häufig für maximal zwei Jahre verabreicht, bevor sie dann testweise abgesetzt werden. Auch in dieser Hinsicht ist die KET also wie ein Medikament einzustufen. Bei Erwachsenen erfolgt dieses Absetzen zurückhaltender als bei Kindern. Die positiven Effekte, die durch die Therapie erreicht wurden, halten häufig auch nach dem Absetzen an. Zudem verändern sich Epilepsien, gerade bei sich noch entwickelnden Gehirnen, was das regelmäßige Absetzen oder Nachjustieren der Behandlung ebenfalls erforderlich macht.
Erlaubte und nicht erlaubte Lebensmittel
| Lebensmittelkategorie | Erlaubt | Nicht erlaubt |
|---|---|---|
| Diätetische Lebensmittel | Fertigpräparate für die ketogene Ernährung | |
| Getränke | Wasser, Tee, Kaffee, Gemüsebrühe, Mandelmilch (ungesüßt) | Zuckerhaltige Limonaden, Säfte, Kakao, gezuckerter Tee oder Kaffee |
| Gemüse | Stärkearme Sorten wie Kohl, Blattgemüse, Gurke, Tomaten, Avocado, Artischocke, Broccoli, Lauch, Zucchini, Salat, Spargel, Oliven | Stärkereiche Sorten wie Kartoffeln und Hülsenfrüchte, Wurzelgemüse sowie verarbeitetes Gemüse mit Zuckerzusatz |
| Obst | Dunkle Beerenfrüchte in kleinen Mengen, z. B. Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeeren | Alle süßen Obstsorten, auch als Kompott, Marmelade etc. |
| Fleisch, Fisch und Eier | Fleisch und Fleischerzeugnisse, fettreicher Meeresfisch (z. B. |
Wichtige Hinweise
Wird eine ketogene Diät nach Plan und richtig durchgeführt, hat sie meist nur geringe Nebenwirkungen, die sich gut in den Griff kriegen lassen. So kann es vor allem zu Beginn zu Unterzuckerungen (Hypoglykämien) kommen, auch Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Hunger und Sodbrennen können auftreten. Im Zusammenhang mit Infekten, Fieber und Erbrechen kann auch ein Flüssigkeitsmangel auftreten, der zu einer Übersäuerung des Blutes (Azidose) führt. Viel Flüssigkeit ist auch wichtig, um die Bildung von Nierensteinen zu vermeiden, die ebenso wie Verstopfung und Fettstoffwechselstörungen zu den möglichen mittel- oder langfristigen Nebenwirkungen gehören. Über Langzeitnebenwirkungen ist bis jetzt nur wenig bekannt. Möglicherweise wird das Wachstum von Kindern leicht beeinträchtigt. Achtung: Bei einer ketogenen Diät und gleichzeitiger Einnahme von Barbituraten, Valproat, Topiramat, Sultiam oder Zonisamid ist besondere Vorsicht geboten.
Fazit
Die modifizierte Atkins-Diät kann eine wirksame und gut verträgliche Therapieoption für Kinder und Jugendliche mit medikamentenresistenter Epilepsie sein. Sie ist weniger restriktiv als die klassische ketogene Diät und daher einfacher in den Alltag zu integrieren. Die MAD sollte jedoch immer unter ärztlicher Aufsicht und in Zusammenarbeit mit speziell ausgebildeten Ernährungsfachleuten durchgeführt werden.
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