Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch die Menschen in seinem Umfeld, insbesondere Partner und Familie, vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die unvorhersehbaren Krankheitsverläufe und vielfältigen Symptome beeinflussen das Alltagsleben, die Partnerschaft und die Familienplanung. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass ein erfülltes Leben mit MS in Partnerschaft und Familie möglich ist.
Auswirkungen der MS auf die Partnerschaft
Die Diagnose MS stellt eine Wegmarke in einer Beziehung dar und kann diese in eine neue Richtung lenken. Die Partner müssen sich auf eine veränderte Lebenssituation einstellen und gemeinsam Strategien entwickeln, um mit den Herausforderungen umzugehen.
Herausforderungen:
- Veränderte Rollenverteilung: Die MS kann dazu führen, dass sich die Rollen innerhalb der Partnerschaft verändern. Der erkrankte Partner ist möglicherweise häufiger auf Hilfe angewiesen, während der gesunde Partner zusätzliche Aufgaben übernimmt.
- Emotionale Belastung: Die Diagnose MS löst bei beiden Partnern oft Sorgen, Ängste und Unsicherheiten aus. Es ist wichtig, offen über diese Gefühle zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen.
- Sexuelle Funktionsstörungen: Neurologische Veränderungen, Blasen- und Darmprobleme oder Spastiken können die Sexualität beeinträchtigen. Auch seelische Einflüsse wie Angst oder Unsicherheiten können die Sexualität belasten. Für solche körperlichen Beeinträchtigungen stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dann kann ein Gespräch in einer psychologischen Beratungsstelle oder der Arztpraxis hilfreich sein.
- Veränderte Lebensplanung: Gemeinsame Pläne und Zukunftsvorstellungen müssen möglicherweise überdacht und an die neue Situation angepasst werden.
- Überforderung: Angehörige stoßen nicht selten an ihre seelischen und körperlichen Grenzen und opfern sich für den erkrankten Partner auf.
Chancen:
- Stärkung der Beziehung: Gemeinsam bewältigte Herausforderungen können die Partnerschaft stärken und das Zusammengehörigkeitsgefühl vertiefen.
- Mehr Achtsamkeit: Die MS kann dazu anregen, bewusster miteinander umzugehen und die gemeinsame Zeit intensiver zu genießen.
- Neue Perspektiven: Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann zu einer veränderten Sichtweise auf das Leben und die eigenen Prioritäten führen.
Umgang mit der MS in der Familie
Auch für Familien, in denen ein Mitglied an MS erkrankt ist, ergeben sich besondere Herausforderungen. Kinder, Eltern und andere Angehörige sind von den Auswirkungen der Erkrankung betroffen.
Herausforderungen:
- Sorgen um die Zukunft: Kinder machen sich Sorgen um den erkrankten Elternteil und um die Zukunft der Familie.
- Übernahme von Verantwortung: Kinder übernehmen möglicherweise zusätzliche Aufgaben im Haushalt oder in der Betreuung des erkrankten Elternteils.
- Eingeschränkte Freizeitaktivitäten: Die MS kann die Möglichkeiten für gemeinsame Freizeitaktivitäten einschränken.
- Kommunikationsprobleme: Es kann schwierig sein, offen über die Erkrankung und ihre Auswirkungen zu sprechen.
Chancen:
- Stärkung des Zusammenhalts: Gemeinsam bewältigte Herausforderungen können den Zusammenhalt in der Familie stärken.
- Entwicklung von Empathie: Kinder lernen, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen und Verantwortung zu übernehmen.
- Offene Kommunikation: Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann zu einer offeneren und ehrlicheren Kommunikation innerhalb der Familie führen.
Familienplanung bei MS
Etwa zwei Drittel der Multiplen Sklerose Erkrankungen machen sich erstmals zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr bemerkbar. Diese Lebensphase ist für viele Menschen auch die Zeit der persönlichen Familienplanung. Wird man dann mit der Diagnose einer chronischen Erkrankung konfrontiert wird, ergeben sich viele Fragen.
Wichtige Informationen:
- Multiple Sklerose hat keinen direkten Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit und die gängigen MS Therapien die Fruchtbarkeit ebenfalls nicht beeinträchtigen. Auch auf die männliche Zeugungsfähigkeit hat die Multiple Sklerose keinen direkten ungünstigen Einfluss.
- Kinderwunsch und Schwangerschaft mit MS sollten mit der Ärztin oder dem Arzt ausführlich vorbesprochen werden.
- Allgemein empfohlen wird Frauen, erst dann schwanger zu werden, wenn die Aktivität der Multiple Sklerose durch die Behandlung gut unter Kontrolle ist.
- Männer mit Multipler Sklerose sollten das Thema Kinderwunsch in der Arztpraxis ansprechen, da bestimmte MS Medikamente das Erbgut schädigen können und daher einige Monate vor der Zeugung bzw. Schwangerschaft abgesetzt werden müssen.
- Kinder von Menschen mit MS haben ein leicht erhöhtes Risiko, selbst an MS zu erkranken. Dies liegt an einer Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren. Aber auch wenn hier eine gewisse Empfänglichkeit besteht, zählt die Multiple Sklerose nicht zu den klassischen Erbkrankheiten.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Es gibt zahlreiche Angebote, die Betroffene und ihre Angehörigen unterstützen können:
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
- Beratungsstellen: Die AMSEL und der Bundesverband der DMSG bieten ein breites Angebot an Beratungsleistungen für Betroffene und Angehörige.
- Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene und Angehörige austauschen und gegenseitig unterstützen.
- Paar- und Familienfreizeiten: Diese Angebote bieten die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre mit anderen Betroffenen und Angehörigen auszutauschen und neue Kraft zu tanken.
- Psychologische Beratung: Eine psychologische Beratung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
Tipps für ein gelingendes Miteinander
- Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen über Ihre Gefühle, Ängste und Bedürfnisse.
- Gegenseitiger Respekt: Respektieren Sie die Grenzen und Bedürfnisse des anderen.
- Gemeinsame Zeit: Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten.
- Unterstützung suchen: Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Humor bewahren: Lachen Sie gemeinsam und bewahren Sie sich Ihren Humor.
- Sich selbst nicht vergessen: Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst.
Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann
Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick
tags: #multiple #sklerose #heirat #verwandtschaft