Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die durch unterschiedliche Verlaufsformen gekennzeichnet ist. Trotz intensiver Forschungsbemühungen sind die genauen Ursachen von MS noch nicht vollständig geklärt. Bei MS werden die Markscheiden, die die Nervenfasern im Zentralnervensystem (ZNS) isolieren, vermutlich von körpereigenen Abwehrzellen angegriffen. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Auswirkungen von Schwefel und schwefelhaltigen Verbindungen auf MS, insbesondere im Kontext von Ernährung und Nahrungsergänzung.
Mineralstoffe und ihre Bedeutung für den Körper
Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium, Eisen und Selen sind für den menschlichen Körper lebensnotwendig. Sie werden zwar nur in geringen Mengen benötigt, spielen aber eine entscheidende Rolle für verschiedene Körperfunktionen. Ein ausgewogenes Verhältnis dieser Mineralstoffe ist essenziell für die Gesundheit.
Man unterscheidet zwischen Mengenelementen (über 50 mg pro kg Körpergewicht) und Spurenelementen (unter 50 mg pro kg Körpergewicht). Zu den Mengenelementen gehören Kalzium, Chlor, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor und Schwefel. Spurenelemente umfassen beispielsweise Eisen, Jod, Kupfer, Selen und Zink.
- Kalzium und Phosphor: Unverzichtbar für Knochen und Zähne.
- Natrium und Kalium: Steuern den Wasserhaushalt.
- Eisen: Bestandteil des roten Blutfarbstoffs und wichtig für den Sauerstofftransport.
- Jod: Wird für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt.
- Kupfer, Selen und Zink: Wichtige Antioxidantien.
Die Rolle von Spurenelementen: Kupfer, Selen und Zink
Kupfer, Selen und Zink sind Bestandteile zahlreicher Enzyme und an vielen Reaktionen im Körper beteiligt. Selen schützt vor oxidativem Stress und stärkt das Immunsystem. Es ist auch an der Bildung von Schilddrüsenhormonen und Spermien beteiligt. Gute Selenquellen sind Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Steinpilze, Paranüsse, Eier und Vollkornprodukte.
Kupfer besitzt ebenfalls eine antioxidative Wirkung und spielt eine Rolle bei der Energiebereitstellung, dem Eisenstoffwechsel, der Blutbildung und der Funktion des Nervensystems. Kupferreiche Lebensmittel sind Innereien (v. a. Leber), Meeresfrüchte, Nüsse und Kakao.
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Zink erfüllt zahlreiche Funktionen im Körper, einschließlich der Immunabwehr, des Zellwachstums, der Wundheilung und der Spermienbildung. Zinkreiche Nahrungsmittel sind Innereien (v. a. Leber), Fleisch, Weizenkeime, Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte.
Multiple Sklerose: Eine chronisch-entzündliche Erkrankung
Multiple Sklerose (MS) oder Encephalomyelitis disseminata (ED) ist eine chronisch-entzündliche, neurologische Erkrankung mit unterschiedlichen Verlaufsformen. Die genauen Ursachen sind trotz intensiver Forschung nicht geklärt. Vermutlich greifen körpereigene Abwehrzellen die Markscheiden an, die die Nervenfasern im Zentralnervensystem isolieren.
Symptome und Verlauf der MS
Die Symptome der MS sind vielfältig und können sich im Verlauf der Krankheit verändern. Typische Frühanzeichen sind:
- Sehstörungen wie trüber Blick, Sehausfall, Doppelbilder
- Missempfindungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln
- Lähmungen
- Koordinationsstörungen
- Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten
Die Erkrankung verläuft bei jedem Patienten anders. Es gibt drei grundlegende Verlaufsformen:
- Schubförmig remittierende MS (RRMS): Symptome treten in Schüben auf und lassen zwischendurch wieder nach.
- Sekundär progrediente MS: Eine ursprünglich schubförmig verlaufende MS entwickelt sich langsam weiter, wobei die Beschwerden länger anhalten.
- Primär progrediente MS: Die Symptome verschlechtern sich von Anfang an kontinuierlich.
Diagnose und Therapie der MS
Zur Diagnose werden verschiedene Methoden eingesetzt, um andere Erkrankungen auszuschließen und MS-typische Schäden in Gehirn und Rückenmark sichtbar zu machen. Dazu gehören MRT-, Nervenwasser- und Blutuntersuchungen.
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Die Behandlung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:
- Medikamente zur Hemmung akuter Entzündungen und zur Beeinflussung des Immunsystems
- Nicht-medikamentöse Verfahren wie Physiotherapie und Psychotherapie zur Linderung von Symptomen
Methylsulfonylmethan (MSM): Eine organische Schwefelverbindung
Methylsulfonylmethan (MSM), auch Dimethylsulfon genannt, ist eine einfache organische Schwefelverbindung aus der Stoffklasse der Sulfone. Als Nahrungsergänzungsmittel soll es einen Mangel an Schwefel im Organismus ausgleichen.
Eigenschaften und Vorkommen von MSM
MSM ist eine natürliche Schwefelverbindung, die in vielen Pflanzen und Tieren vorkommt. Sie entsteht bei der Verstoffwechselung von Dimethylsulfoxid (DMSO). In reiner Form bildet MSM farblose Kristalle, ist mäßig in Wasser löslich und riecht leicht nach Knoblauch.
Bedeutung von Schwefel für den Körper
Schwefel ist ein wichtiger Nährstoff, der an zahlreichen lebenswichtigen Prozessen im Körper beteiligt ist. Er ist Bestandteil verschiedener Aminosäuren wie Cystein und Methionin, die für den Zellaufbau notwendig sind. Methionin spielt auch eine Rolle beim Fettabbau und für die Regeneration der Leber. Cystein wird zur Herstellung von Glutathion benötigt, einem wichtigen Antioxidans.
Weitere Funktionen von Schwefel im Körper:
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- Festigkeit der Struktureiweiße im Bindegewebe und in den Haaren
- Ausgangsstoff für die Bildung von Taurin
- Bestandteil von Coenzym A, Kollagen und Keratin
Aufnahme und Verteilung von MSM im Körper
MSM wird rasch über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen und verteilt sich dort schnell. Überschüssiges MSM wird hauptsächlich über den Urin ausgeschieden. Es durchdringt Zellwände und die Blut-Hirn-Schranke.
Pharmakologische Studien zu MSM
Pharmakologische Studien haben gezeigt, dass MSM innerhalb einer Stunde vom Körper aufgenommen wird. Es passiert die Blut-Hirn-Schranke und ist in der weißen und grauen Substanz des Gehirns nachweisbar, ohne pathologische Veränderungen zu verursachen. Die biologische Halbwertszeit beträgt schätzungsweise bis zu 12 Stunden, im Gehirn etwa sieben Stunden.
Mögliche Wirkungen von MSM bei MS
Obwohl die Forschungslage noch begrenzt ist, deuten einige Studien auf potenzielle positive Wirkungen von MSM bei MS hin:
- Entzündungshemmende Wirkung: In Laborversuchen konnte gezeigt werden, dass MSM die Bildung freier Sauerstoffradikale unterdrückt und entzündliche Reaktionen in Zellen verringert.
- Antioxidative Wirkung: MSM kann die Bildung von Radikalen in Nervenzellen reduzieren und Reaktionen, bei denen Glutathion eine Rolle spielt, positiv beeinflussen. Glutathion ist ein körpereigenes Antioxidans, das den Körper vor freien Radikalen schützt und im Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Bei Autoimmunerkrankungen wie MS wird häufig ein erniedrigter Glutathion-Spiegel im Blut festgestellt.
Weitere potenzielle Anwendungsbereiche von MSM
Neben den möglichen positiven Effekten bei MS wird MSM auch in anderen Bereichen untersucht:
- Gelenkschmerzen: Studien deuten darauf hin, dass MSM bei Arthrose Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.
- Magenschleimhautverletzungen: MSM kann Entzündungsparameter in der Magenschleimhaut verringern und den Glutathion-Spiegel erhöhen.
- Diabetes: MSM kann den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten verringern und die Insulinempfindlichkeit verbessern.
- Allergische Rhinitis: MSM kann die Symptome einer allergischen Entzündung der Nasenschleimhaut lindern.
- Muskelkater: MSM kann Muskelschäden nach intensiver sportlicher Betätigung reduzieren.
Sicherheit und Dosierung von MSM
Die US-amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) hat MSM in einer Tagesdosis von 4,8 g als sicher eingestuft. Es gibt jedoch keine Angaben zu möglichen Risiken bei Langzeiteinnahme. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bislang nicht nachgewiesen, aber wegen der blutverdünnenden Wirkung von MSM könnte eine Anpassung der Medikation bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten notwendig sein.
Kurzfristige Nebenwirkungen können vorübergehende Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Hautreizungen sein. Diese können Ausdruck von Entgiftungsreaktionen sein und sollten nach etwa 10 Tagen verschwinden. Gegebenenfalls sollte die Dosis zu Beginn herabgesetzt und langsam gesteigert werden.
MSM sollte am besten täglich und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. In der ersten Woche empfiehlt sich eine Dosis von 1500 Milligramm täglich, danach kann die Dosis auf 3 bis 8 Gramm pro Tag angehoben werden. Die Dosierung ist individuell und richtet sich nach den Beschwerden, dem Alter und dem Körpergewicht.
Qualität von MSM-Produkten
MSM wird als Pulver, Kapseln, Tabletten und als Gel zur oberflächlichen Anwendung angeboten. Wichtig ist die Qualität der Produkte, die durch künstliche Trennmittel oder Zusatzstoffe beeinträchtigt werden kann. Zugesetzte Geschmacks-, Konservierungs- und Farbstoffe können die Wirksamkeit beeinflussen und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.
Ernährungsempfehlungen bei Multipler Sklerose
Neben der potenziellen Rolle von MSM gibt es weitere Ernährungsstrategien, die bei MS hilfreich sein können. Viele Ärzte und Multiple-Sklerose-Gesellschaften betonen zwar, dass es keine wissenschaftlich untermauerte Ernährung bei MS gibt, dennoch integrieren viele Betroffene bestimmte Ernährungskonzepte in ihre Therapie.
Entzündungshemmende Ernährung
Da bei MS Entzündungsprozesse eine zentrale Rolle spielen, ist eine entzündungshemmende Ernährung von Vorteil. Diese zielt darauf ab, die Menge der "guten" Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung zu erhöhen und gleichzeitig entzündungsfördernde Stoffe zu reduzieren.
- Omega-3-Fettsäuren: Enthalten in fettem Seefisch (Makrele, Lachs, Hering) und Pflanzenölen (Raps-, Lein-, Walnussöl).
- Antioxidantien: Viele pflanzliche Inhaltsstoffe wirken antioxidativ und schützen den Körper vor aggressiven Sauerstoffverbindungen, die Entzündungen anfeuern. Dazu gehören Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
- Mediterrane Ernährung: Eine gute Orientierung für gesunde und entzündungshemmende Lebensmittel bietet die mediterrane Ernährungsweise.
Ernährungskonzepte bei MS
Einige spezifische Ernährungskonzepte, die von MS-Betroffenen angewendet werden, sind:
- Wahls-Protokoll: Eine Art Paleo-Ernährung ohne Getreide und Gluten, entwickelt von Dr. Terry Wahls, einer Ärztin und MS-Patientin.
- Swank-Diät: Entwickelt von Dr. Roy Swank, mit dem Ziel, die Zahl der Schübe zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Sie beinhaltet eine Begrenzung der gesättigten Fette auf maximal 15 g pro Tag.
Zu vermeidende Lebensmittel
Bestimmte Lebensmittel können Entzündungsprozesse fördern und sollten daher vermieden werden:
- Gesättigte Fette: Enthalten in Fleisch, Wurst, Butter, Palm- und Kokosfett.
- Transfette: Entstehen durch industrielle Prozesse oder hohes Erhitzen und stören die Verwertung von ungesättigten Fettsäuren.
- Zucker und Weißmehl: Führen zu Blutzuckerschwankungen und fördern Entzündungsreaktionen.
- Rotes Fleisch: Kann Entzündungsprozesse beschleunigen.
- Salz: Eine salzreiche Ernährung kann Entzündungen im Nervensystem fördern.
Wichtige Vitalstoffe bei MS
Bei chronischen Erkrankungen wie MS ist es wichtig, Vitalstoffmängel zu vermeiden. Besonders wichtig sind:
- Vitamin D: Unterstützt die Funktion des Immunsystems und kann das MS-Risiko reduzieren.
- Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend und immunsystemregulierend.
- Antioxidantien: Schützen den Körper vor freien Radikalen und wirken entzündungshemmend.
- Alpha-Liponsäure: Wirkt antioxidativ.
Darmgesundheit bei MS
Eine gesunde Darmflora ist essenziell für ein starkes Immunsystem und kann zur Vorbeugung und Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie MS beitragen. Eine ungesunde Ernährung kann zu einer Störung der Darmflora (Dysbiose) führen, was Entzündungen und eine durchlässige Darmschleimhaut (Leaky Gut Syndrom) zur Folge haben kann.
Maßnahmen zur Verbesserung der Darmgesundheit:
- Probiotika: Nützliche Darmbakterien zum Aufbau einer gesunden Darmflora.
- Präbiotika: Ballaststoffe, die als Nahrung für die Darmbakterien dienen (z. B. Inulin in Topinambur).
- Ballaststoffreiche Ernährung: Fördert eine gesunde Verdauung und unterstützt die Darmflora.
Weitere Empfehlungen für MS-Patienten
- Ausreichend trinken: Vermeiden Sie Dehydration, um eine gesunde Blasenfunktion zu unterstützen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie ungesunde Fertigprodukte und kochen Sie möglichst selbst.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Muskelkraft und Balance verbessern.
- Rauchverzicht: Rauchen kann den Verlauf der MS beschleunigen.
Chinesische Heilpflanzen und TCM
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet ebenfalls Ansätze zur Behandlung von MS. In der TCM werden oft Heilpflanzenmischungen eingesetzt, die synergistisch wirken und verschiedene Aspekte der Erkrankung ansprechen.
Beispiele für chinesische Heilpflanzen
- Artemisinin: Ein Sesquiterpenlacton aus dem Einjährigen Beifuß, das gegen Malaria eingesetzt wird und auch in der Krebsforschung untersucht wird.
- Huperzin A: Ein Alkaloid aus Huperzia serrata, das die Acetylcholinesterase hemmt und als potenzieller Arzneistoff gegen Demenz gilt.
- Astragalus membranaceus: Der Chinesische Tragant wird traditionell zur Steigerung der Immunabwehr eingesetzt.
- Evodia rutaecarpa: Chinolonalkaloide aus der Stinkesche hemmen verschiedene Mykobakterien und wirken antientzündlich.
- Tripterygium wilfordii: Ein Spindelbaumgewächs, dessen Extrakt traditionell bei Arthritis oder Fieber eingesetzt wird.
TCM-Rezepturen
In der TCM werden oft Rezepturen verwendet, die aus vier Hauptbestandteilen bestehen: Herrscher (jun), Minister (chen), Assistenten (zuo) und Boten (shi). Der "Herrscher" ist für die pharmakologische Hauptwirkung zuständig, während die anderen Bestandteile seine Wirkung verstärken, weitere wirksame Eigenschaften hinzufügen oder toxische Effekte abmildern.