Ein Studium trotz Multipler Sklerose (MS) zu absolvieren, ist durchaus möglich. Zwar können Symptome, Arztbesuche und Therapien das Studieren erschweren, aber mit der richtigen Unterstützung und kreativen Lösungen ist es machbar. Dieser Artikel soll einen Überblick über die verschiedenen finanziellen Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende mit MS in Deutschland geben.
Der Weg zum Studium mit MS
Nach dem Abitur stellt sich für viele die Frage nach dem weiteren Weg. Für MS-Betroffene kann ein Studium viele Vorteile bieten.
Berufswahl und Studienplatz: Bevor man sich für ein Studium entscheidet, sollte man die Vor- und Nachteile des angestrebten Berufs berücksichtigen. Körperlich anstrengende Berufe oder solche, die viel Reisen erfordern, können eine zusätzliche Belastung darstellen. Es ist wichtig, dass der Beruf Spaß macht und den eigenen Interessen entspricht. Portale wie whatchado können bei der Berufswahl helfen. Auch Gespräche mit studierten Freunden und Bekannten, Praktika oder Jobmessen können bei der Orientierung helfen.
Hochschulwahl: Vor der Bewerbung sollte man sich die Universitäten/Hochschulen ansehen. Ist der Campus überschaubar und barrierefrei? Gibt es PC-Arbeitsplätze für Sehbehinderte? Wie sieht es mit dem Wohnungsangebot aus?
Studienplatzbewerbung: Seit 2005 haben die Universitäten mehr Mitspracherecht bei der Studienplatzvergabe. Viele Studiengänge erfordern eine direkte Bewerbung an der Hochschule. Es gibt aber auch das zentrale Vergabeverfahren (DoSV) für zulassungsbeschränkte Studiengänge. Das DoSV ermöglicht die gleichzeitige Bewerbung für mehrere Studiengänge und Hochschulen. Das Verfahren gliedert sich in drei Phasen: Bewerbung, Zulassungsangebote und Nachrückverfahren.
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Unterstützung und Nachteilsausgleiche
Für chronisch kranke Studierende gibt es Sonderregelungen zur Gleichstellung, die im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) von 2002 und im Gesetz zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts von 2016 festgelegt sind. Hochschulen sind verpflichtet, sich um die Belange dieser Studierenden zu kümmern, z. B. durch Barrierefreiheit. Viele Hochschulen bieten Beratungsstellen für Studierende mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen an, die bei Fragen zu Hochschulzulassung, Finanzierung und Studienorganisation helfen. Das Deutsche Studentenwerk bietet ein Verzeichnis aller Berater an deutschen Hochschulen. Es gibt auch Studienassistenzen, die bei Bedarf unterstützen können.
Nachteilsausgleiche: Um Studien- und Prüfungsleistungen zu erbringen, können Nachteilsausgleiche beantragt werden. Dazu gehören z. B. Verlängerung der Bearbeitungszeit bei Klausuren oder Aufteilung einer Prüfungsleistung in Teilleistungen.
Urlaubssemester: Bei Verschlechterung des Zustands kann ein Urlaubssemester eingelegt werden. Dafür ist eine offizielle Beurlaubung durch die Uni erforderlich.
Finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten
Neben dem BAföG gibt es verschiedene Stipendien und Förderungen, die Studierende mit MS finanziell unterstützen können.
BAföG: Wie alle anderen Studierenden können MS-Betroffene BAföG beantragen. Für Studierende mit Beeinträchtigung gibt es spezielle Regelungen, z. B. eine Verlängerung der Förderung unter bestimmten Umständen.
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Stipendien: Es gibt verschiedene Stiftungen, die Stipendien vergeben. Einige Stiftungen unterstützen speziell Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen:
- Georg-Leffers-Stiftung: Unterstützt Menschen mit Behinderungen.
- Anni-und-Keyvan-Dahesch-Stiftung: Unterstützt Menschen mit Behinderungen.
- Heinz-und-Mia-Krone-Stiftung: Fördert Menschen, die durch eine Erkrankung dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sind.
- Aktion luftsprung: Fördert Studierende mit chronischen Erkrankungen wie Mukoviszidose, entzündlichen Darmerkrankungen, Rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose oder ähnlich verlaufenden chronischen Erkrankungen. Aktion luftsprung vergibt jährlich Stipendien mit einer monatlichen Förderung von 500 EUR.
- Stiftung Darmerkrankungen: Vergibt Stipendien an junge Menschen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bis 35 Jahre für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen.
- Karl und Charlotte Spohn Stiftung: Vergibt Stipendien für Blinde, die in Hamburg oder Berlin wohnen und studieren.
- Dr. Willy Rebelein-Stiftung: Vergibt Teil- oder Vollstipendien zur Finanzierung der Studiengebühren an der Bucerius Law School.
- Google Europe Scholarship for Students with Disabilities: Unterstützt Studierende, die Informatik, Computertechnik oder verwandte technische Bereiche studieren.
- Graeme Clark Stipendium: Wird jährlich an Studierende mit Cochlear Implantat vergeben.
- Inklusionsstipendium der Uni zu Köln: Fördert Studienanfänger und Studierende höherer Fachsemester aller Fakultäten der Universität Köln, die durch eine Behinderung in ihrem Studienverlauf erheblich beeinträchtigt sind.
- Stiftung der Deutschen Wirtschaft: Unterstützt Studierende mit monatlichen, einkommensabhängigen Stipendien während des In- und Auslandsstudiums.
- Rosa-Luxemburg-Stiftung: Vergibt Stipendien an Studierende mit Behinderungen.
- Hildegardisverein e. V.: Vergibt zinslose Darlehen an Studentinnen und Stipendien für wissenschaftliches Arbeiten.
Weitere Förderungen:
- Zuschüsse für technische Hilfsmittel: Es gibt Zuschüsse für technische Hilfsmittel, bedarfsgerechte Arbeitsmittel und Fahrtkosten.
- Berufsausbildungshilfe (BAB): Kann eine finanzielle Unterstützung während der Ausbildungszeit sein. Für Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung können Extraleistungen, beispielsweise eine Verlängerung der Ausbildung oder eine Zweitausbildung, finanziert werden.
- Ausbildungsgeld: Ausschließlich für Azubis mit Behinderung gedacht.
- Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch: In besonderen Härtefallsituationen können Studierende ausnahmsweise Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem Sozialgesetzbuch (Buch II und XII) erhalten - in der Mehrzahl aber nur auf Darlehensbasis.
Notfallhilfen: Verschiedene Stiftungen unterstützen beeinträchtigte Menschen in Notfällen, wenn staatliche Leistungen nicht, nicht mehr, nicht rechtzeitig oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Beispiele hierfür sind:
- Deutsche Aids-Stiftung: Bietet Unterstützungsmöglichkeiten für an Aids erkrankte Menschen.
- Paul und Charlotte Kniese-Stiftung: Bietet ausschließlich blinden und sehbehinderten Menschen finanzielle Hilfe in Notfällen an.
- Elfriede Breitsameter Stiftung
- Nathalie Todenhöfer Stiftung: Unterstützt Menschen mit Multipler Sklerose, die unverschuldet in Not geraten sind und keine Unterstützung durch Staat oder karitative Organisationen erhalten.
- Berger-Landefeldt-Stiftung: Die Stiftung unterstützt Menschen mit einer erworbenen Epilepsie.
- Darlehenskassen und Härtefonds der Studierendenwerke: Fast alle Studierendenwerke haben die Möglichkeit, Studierende, die unverschuldet in Not geraten sind, mit Überbrückungskrediten und/oder Härtefallzuschüssen (Notfonds) zu unterstützen.
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten:
- Studienassistenten: Über den Sozialdienst des Studentenwerks oder den Sozialverband kann ein Studienassistent eingestellt werden, der bei Bedarf begleitet - auch bei Prüfungen.
- Beratungsstellen der Universitäten: Bieten Informationen rund um das Thema Barrierefreiheit am Studienplatz.
Tipps für die Stipendiensuche
- Recherchedatenbanken nutzen: Auf der Suche nach Stipendien für benachteiligte und/oder bedürftige Studierende können Recherchedatenbanken nützlich sein.
- Breites Spektrum an Stiftungen ansehen: Auch solche, die nicht oder nicht ausschließlich das Studium fördern. Dabei können ortsbezogene, studienfachbezogene oder soziale Aspekte eine Rolle spielen.
- Sich mit Vertrauensdozenten der Stiftungen treffen: Die im Vorlesungsverzeichnis angegebenen Vertrauensdozenten der Stiftungen können wertvolle Informationen liefern.
- Behindertenberatung und Universitätsbibliothek nutzen: Hier gibt es empfehlenswerte Literatur.
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