Schallempfindungsstörung und Multiple Sklerose: Ein Überblick

Das Hören ist ein komplexer Prozess, der weit mehr umfasst als nur die Aufnahme von Geräuschen. Es ermöglicht uns, unsere Umgebung zu erfassen, uns zu orientieren und mit anderen zu kommunizieren. Störungen dieses Prozesses können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Eine solche Störung ist die Schallempfindungsstörung, die durch Probleme im Innenohr, den Hörnerven oder der Verarbeitung akustischer Signale im Gehirn gekennzeichnet ist.

Was ist eine Schallempfindungsstörung?

Sobald Schallwellen das Innenohr erreichen, werden sie schrittweise in elektrische Impulse umgewandelt. Störungen in diesem Bereich, den Hörnerven oder der Verarbeitung der akustischen Signale im Gehirn nennt man Schallempfindungsstörungen. Dabei können bestimmte Frequenzen nicht mehr angemessen verarbeitet werden, oft zuerst die hohen Frequenzen. Dies führt dazu, dass Konsonanten wie f, r, s, sch nur teilweise oder gar nicht mehr gehört werden, was das Sprachverständnis beeinträchtigt. Beispiele hierfür sind Verwechslungen wie "Tasche" statt "Tasse" oder "Lift" statt "List".

Ursachen von Schallempfindungsstörungen

Die Ursachen für Schallempfindungsstörungen sind vielfältig und können sowohl akut als auch chronisch sein.

Akute Schallempfindungsstörungen

  • Hörsturz: Ein plötzlicher Verlust des Hörvermögens.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen wie Masern, Scharlach oder Gürtelrose können das Innenohr betreffen.
  • Multiple Sklerose: Diese neurologische Erkrankung kann ebenfalls zu Schallempfindungsstörungen führen.
  • Extreme Stresssituationen: Starker Stress kann vorübergehende Hörprobleme verursachen.
  • Plötzliche, hohe Geräuschpegel: Explosionen, Schüsse oder Silvesterknaller können das Gehör schädigen.
  • Kopfverletzungen: Schädelbrüche, insbesondere solche, die das Innenohr betreffen, können zu Hörverlust führen.

Chronische Schallempfindungsstörungen

  • Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter kann das Gehör nachlassen (Altersschwerhörigkeit).
  • Erkrankungen: Nieren- und Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Diabetes mellitus können das Gehör beeinträchtigen.
  • Lärmeinwirkung: Jahrelange Exposition gegenüber Lärm kann zu dauerhaften Hörschäden führen.
  • Akustikusneurinom: Ein gutartiger Tumor des Hörnervs.
  • Ménière-Krankheit: Eine Erkrankung des Innenohrs, die mit Schwindel, Tinnitus und Hörverlust einhergeht.

Schallempfindungsstörung und Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem die schützende Myelinschicht um die Nervenfasern angreift. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter auch Hörstörungen.

Zusammenhang zwischen MS und Schallempfindungsstörungen

Entzündungen am Hörnerv, etwa im Rahmen einer Nervenerkrankung wie der Multiplen Sklerose, können eine Schallempfindungsschwerhörigkeit verursachen. Die genauen Mechanismen, wie MS das Gehör beeinflusst, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass die Demyelinisierung der Nervenfasern im Gehirn und im Hörnerv die Signalübertragung beeinträchtigen kann. Dies kann zu verschiedenen Arten von Hörstörungen führen, einschließlich Schallempfindungsstörungen.

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Symptome bei MS-bedingter Schallempfindungsstörung

Patienten mit MS und Schallempfindungsstörungen können folgende Symptome aufweisen:

  • Hörverlust: Schwierigkeiten, leise Geräusche zu hören oder Gespräche zu verstehen, insbesondere in lauten Umgebungen.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche, die als Klingeln, Rauschen oder Pfeifen wahrgenommen werden können.
  • Schwindel: Ein Gefühl von Drehschwindel oder Gleichgewichtsstörungen.
  • Verzerrtes Hören: Geräusche können verzerrt oder unnatürlich klingen.

Diagnose von Schallempfindungsstörungen

Die Diagnose einer Schallempfindungsstörung umfasst in der Regel eine umfassende Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt). Dazu gehören:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die aktuellen Beschwerden des Patienten.
  • Otoskopie: Eine Untersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells mit einem Otoskop.
  • Hörtests: Verschiedene Hörtests, wie z.B. die Audiometrie, um das Hörvermögen in verschiedenen Frequenzen zu messen.
  • Tympanometrie: Eine Messung der Beweglichkeit des Trommelfells, um Probleme im Mittelohr zu erkennen.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Hörstörung auszuschließen.

Behandlung von Schallempfindungsstörungen

Eine Schallempfindungsstörung lässt sich in der Regel nicht beheben, aber sehr gut durch Hörgeräte kompensieren. Bei einem hochgradigem Hörverlust ist die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat möglich. Die Behandlung von Schallempfindungsstörungen hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Störung ab.

Hörgeräte

Bei leichten bis mittelschweren Hörverlusten können Hörgeräte helfen, das Hörvermögen zu verbessern. Hörgeräte verstärken die Schallwellen und leiten sie an das Innenohr weiter. Moderne Hörgeräte sind klein, diskret und können individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.

Cochlea-Implantate

Bei hochgradigem Hörverlust oder Taubheit kann ein Cochlea-Implantat (CI) eine Option sein. Ein CI umgeht die geschädigten Haarzellen im Innenohr und wandelt Schallwellen direkt in elektrische Signale um, die an den Hörnerv weitergeleitet werden.

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Medikamentöse Behandlung

In einigen Fällen, insbesondere bei akuten Schallempfindungsstörungen wie einem Hörsturz, können Medikamente eingesetzt werden, um die Durchblutung des Innenohrs zu verbessern oder Entzündungen zu reduzieren.

Weitere Therapien

  • Hörtraining: Ein Hörtraining kann helfen, das Gehirn an die veränderten Höreindrücke zu gewöhnen und das Sprachverständnis zu verbessern.
  • Beratung: Eine psychologische Beratung kann hilfreich sein, um mit den emotionalen und sozialen Auswirkungen einer Hörstörung umzugehen.

Prävention von Hörverlust

Obwohl nicht alle Ursachen von Schallempfindungsstörungen vermeidbar sind, gibt es Maßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko eines Hörverlusts zu verringern:

  • Lärmschutz: Vermeiden Sie laute Umgebungen oder tragen Sie Gehörschutz, wenn dies nicht möglich ist.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Regelmäßige Hörtests: Lassen Sie Ihr Gehör regelmäßig überprüfen, insbesondere wenn Sie Risikofaktoren für Hörverlust haben.
  • Vermeidung ototoxischer Medikamente: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten auf das Gehör.

Leben mit einer Schallempfindungsstörung

Eine Schallempfindungsstörung kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, mit den Herausforderungen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern:

  • Kommunikation: Informieren Sie Ihre Familie, Freunde und Kollegen über Ihre Hörstörung und bitten Sie sie um Unterstützung.
  • Technische Hilfsmittel: Nutzen Sie technische Hilfsmittel wie Hörgeräte, Cochlea-Implantate, Untertitel beim Fernsehen oder spezielle Telefone für Hörgeschädigte.
  • Selbsthilfegruppen: Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden.
  • Anpassung des Lebensstils: Passen Sie Ihren Lebensstil an Ihre Bedürfnisse an, z.B. indem Sie laute Umgebungen meiden oder sich in ruhigen Räumen aufhalten.

Fazit

Schallempfindungsstörungen können vielfältige Ursachen haben, wobei Multiple Sklerose eine davon ist. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um das Hörvermögen zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Durch Hörgeräte, Cochlea-Implantate und andere Therapien können die Auswirkungen einer Schallempfindungsstörung deutlich reduziert werden. Es ist wichtig, sich der Risikofaktoren bewusst zu sein und präventive Maßnahmen zu ergreifen, um das Gehör zu schützen.

Zusätzliche Informationen

Schwerhörigkeit: Was ist das?

Der sensible Ablauf des Hörens im Ohr und in den Nervenbahnen des Gehirns kann auf vielfältige Weise gestört werden. Oft genügt schon ein dicker Ohrschmalzpfropf, um die Weiterleitung der Schallsignale zu behindern und eine vorübergehende Schwerhörigkeit auszulösen.

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Je nachdem, von welchem Ohranteil die Hörstörung ausgeht, unterscheiden Ärzte zwei Hauptformen der Schwerhörigkeit:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit: Störungen oder Erkrankungen im Außen- oder Mittelohr behindern oder verzerren die Weiterleitung der Schallwellen. Typisch ist, dass die Betroffenen hohe wie tiefe Töne erst ab einer bestimmten Lautstärke hören, aber noch gut verstehen, was gesprochen wird.
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit: Hier sind das Hörorgan mit den Sinneszellen im Innenohr oder der Hörnerv häufig bleibend geschädigt, so dass die Schallsignale nicht mehr einwandfrei in das Hörsystem des Gehirns gelangen. Die Störung kann auch im Gehirn selbst liegen. Zu den typischen Innenohrschwerhörigkeiten gehören die Altersschwerhörigkeit und die Lärmschwerhörigkeit. Kennzeichnenderweise hören Menschen mit einer Innenohrschwerhörigkeit leise Töne, hier vor allem zunächst die hohen Töne, nicht mehr. Die Lautstärkeempfindlichkeit ist erhöht. Normal laute Töne empfinden die Betroffenen als leise, laute Töne jedoch als unangenehm laut. Sie haben zudem Probleme, Gesprochenes richtig zu verstehen. Hintergrundgeräusche erleben sie als störend. Das erschwert es besonders, Gesprächen unter mehreren Menschen zu folgen.

Erste Anzeichen für Schwerhörigkeit

Eine Hörstörung kann angeboren sein oder sich durch äußere wie innere Einflüsse entwickeln. Je nach Ursache tritt sie plötzlich auf und geht wieder vorüber oder sie setzt schleichend ein, wird mit der Zeit stärker und zu einem dauerhaften Hörproblem. Betroffen sind ein Ohr oder beide Ohren.

Die Art und die Form, wie Schwerhörigkeit sich äußert, geben zusammen mit anderen Begleitsymptomen schon Hinweise auf mögliche Auslöser. Bei einem Hörsturz zum Beispiel setzt die Hörminderung akut auf einem Ohr ein. Für Hörprobleme, die von Ohrenschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit begleitet werden, kann eine Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung verantwortlich sein. Der erkrankte Teil des Ohres ist dann häufig auch gerötet, geschwollen und überwärmt. Manchmal sieht allerdings nur der Arzt bei der Untersuchung solche Entzündungszeichen. Ein überlauter Knall oder eine Explosion können das Hörorgan unmittelbar schädigen. Ein Knall- oder Explosionstrauma ruft einen stechenden Ohrschmerz mit plötzlicher Hörminderung bis hin zur Taubheit hervor.

Menschen, die über längere Zeitspannen Lärm ausgesetzt sind, und das ohne ausreichenden Schutz und notwendige Pausen, entwickeln oft eine Lärmschwerhörigkeit. Sie setzt meist schleichend ein und kann mit Tinnitus verbunden sein. Lärmschwerhörigkeit führt die Liste der anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland an. Eine Alterschwerhörigkeit stellt sich in der Regel ebenfalls langsam ein. Im Laufe mehrerer Jahre lässt das Hörvermögen stetig nach. Oft fällt es Angehörigen und Freunden zuerst auf, dass der Betroffene anfängt, schlechter zu hören.

Bei einigen Krankheiten, wie typischerweise bei der Menière-Krankheit, ist neben dem Hörorgan im Innenohr auch das benachbarte Gleichgewichtsorgan mit angegriffen. Die Erkrankten leiden dann nicht nur unter Schwerhörigkeit, sondern auch unter Schwindel und Ohrgeräuschen.

Was tun bei Schwerhörigkeit?

Wenn Sie plötzlich auf einem Ohr schlechter oder gar nichts mehr hören, sich wie betäubt fühlen, dazu Ohrgeräusche, ein Druckgefühl im Ohr und eventuell auch Schwindel verspüren, können das Symptome für einen Hörsturz sein. Gehen Sie bei plötzlichen Hörstörungen gleich zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder in eine Klinik. Das gilt auch für stechende Schmerzen, Hörprobleme und Tinnitus, die nach einem lauten Knall (Silvesterknaller, Feuerwerk) oder einer Explosion (Sprengarbeiten und ähnliches) im Ohr auftreten. Eine akute Lärmschwerhörigkeit benötigt sofortige Therapie.

Wenden Sie sich immer an Ihren Hausarzt beziehungsweise an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, wenn Sie den Eindruck haben, schlechter zu hören oder zu verstehen, auch wenn keine anderen Beschwerden dazukommen. Mit gezielten Hörtests und Untersuchungen kann der Arzt Ursache und Form der Hörstörung feststellen und die notwendige Therapie einleiten.

Überblick: Mögliche Ursachen von Schwerhörigkeit

Schallleitungsschwerhörigkeit (Außen- und Mittelohr)

  • Außenohr:
    • Ohrschmalzpfropf im Gehörgang
    • Fremdkörper, Wucherungen (Exostosen)
    • Gehörgangsentzündungen, bestimmte Formen von Ekzemen im Gehörgang
    • Entzündungen am Gehörgangsknochen durch Diabetes
    • Gürtelrose des Ohres (Herpes zoster oticus)
    • Angeborene Fehlbildungen, Verletzungen
    • Tumoren
  • Mittelohr:
    • Trommelfellschäden
    • Mittelohrentzündungen, akut und chronisch
    • Knocheneiterung im Mittelohr (Cholesteatom)
    • Otosklerose (Versteifung eines Gehörknöchelchens)
    • Übergreifende Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum oder in den Nasennebenhöhlen
    • Probleme beim Luftdruckausgleich (Barotrauma)
    • Verletzung im Außen- und Mittelohr, Schädelverletzungen
    • Autoimmunerkrankungen wie die Granulomatose mit Polyangiitis (früher Wegener Granulomatose genannt)

Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr, Hörnerv, Nervenbahnen im Gehirn)

  • Innenohr:
    • Hörsturz
    • Lärmschwerhörigkeit
    • Akute Lärmschäden (Knall- und Explosionstrauma)
    • Altersschwerhörigkeit
    • Erbliche Fehlbildungen
    • Infektionen wie Masern, Mumps, Gehirnhautentzündungen
    • Übergreifen chronischer Mittelohrentzündungen
    • Innenohrentzündung (Labyrinthitis)
    • Menière-Krankheit
    • Medikamente, Giftstoffe, Alkohol
    • Kreislauf, Herz, Stoffwechsel, Halswirbelsäule
      • Durchblutungsstörungen im Innenohr (Vertebralis-Basilaris-Insuffizienz, basiliäre Migräne)
      • Weitere Durchblutungsprobleme (Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutarmut)
      • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes, erhöhte Blutfettwerte, Mineralstoffmangel)
      • Autoimmunerkrankungen wie die Wegener Granulomatose (Granulomatose mit Polyangiitis)
      • Schäden an der Halswirbelsäule
  • Hörnerv und Nervenbahnen im Gehirn:
    • Wucherungen oder ein Tumor am Hörnerv (Akustikusneurinom)
    • Herpes zoster oticus (Gürtelrose des Ohres)
    • Hirnhautentzündung (Meningitis)
    • Entzündungen am Hörnerv, etwa im Rahmen einer Nervenerkrankung wie der multiplen Sklerose
    • Schlaganfall

Zu den Ursachen beider Formen von Schwerhörigkeit gehören häufig auch Verletzungen im Kopfbereich, durch die Anteile des Ohres oder zuständige Nerven- und Gehirnabschnitte mit geschädigt werden.

Wie wird Schwerhörigkeit behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der Ursache und der Art der Schwerhörigkeit. Bestehende Grunderkrankungen erfordern eine angepasste Therapie. Häufig erholt sich das Ohr dann auch wieder. Mitunter sind Operationen angezeigt.

Bei chronischen Hörproblemen gleichen unterschiedliche Hörgeräte die Beeinträchtigung oft gut aus. Manchmal können Implantate die Hörfunktion teilweise ersetzen.

Schwerhörigkeit ist nicht immer ein unvermeidbares Schicksal. Auch im Alter hören viele Menschen noch sehr gut, während zunehmend mehr junge Menschen Probleme mit dem Hören haben. Übermäßiger Lärm spielt hier eine entscheidende Rolle. Deshalb ist es wichtig, Gehörschäden vorzubeugen und sorgsam mit diesem empfindsamen Sinnesorgan umzugehen.

Wie funktioniert das Gehör?

Geräusche, Töne, Klänge - vielfältige akustische Signale gelangen über das Ohr bis ins Gehirn. Auf ihrem Weg passieren sie wichtige Schaltstationen. Außenohr, Mittelohr, Innenohr und Hörnerv stellen eine ausgeklügelte Schallaufbereitungsanlage dar. Winzige, hochsensible Strukturen im Ohr fangen die zahllosen Geräusche und Töne auf, die die Luft aus allen Richtungen zu uns trägt. Dann wird sortiert, gefiltert, verändert, bis die Hörreize wohl aufbereitet Nerven und Gehirnbahnen erreichen. Dort wird das Gehörte schließlich verstanden.

Die akustischen Signale bestehen aus Schallwellen. Das sind Luftdruckveränderungen oder Schwingungen, die unterschiedliche Abfolgen (Frequenzen) und Lautstärken aufweisen. Die Frequenzen stehen für hohe und tiefe Töne. Der Schalldruck bestimmt die Lautstärke.

Die Wege des Schalls vom Außenohr bis ins Gehirn

Die Schallsignale überwinden verschiedene Abschnitte des Ohres: äußeres Ohr, Mittelohr, Innenohr. In jedem dieser Bereiche finden jeweils unterschiedliche Phasen des gesamten Hörvorgangs statt.

  • Das äußere Ohr besteht aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang. Wie ein Trichter nimmt es die Schallwellen auf und leitet sie über das Trommelfell an das Mittelohr weiter. Schon auf diesem ersten Weg wird der Schall verändert, teilweise verstärkt, teilweise gedämpft.
  • Das Mittelohr setzt sich unter anderem aus der lufthaltigen Paukenhöhle mit Gehörknöchelchen und Mittelohrmuskeln sowie dem Warzenfortsatz zusammen. Es passt die erhaltenen Schallsignale an, filtert sie und gibt sie an das Innenohr weiter. Das geschieht mithilfe der sogenannten Schallleitungskette. Die eintreffenden Schallwellen versetzen das Trommelfell in Schwingungen. Die beweglichen Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) nehmen diese auf. Über sie gelangen die unterschiedlichen Signale zum ovalen Fenster, wo sie ins Innenohr übergehen.Zudem gleicht das Mittelohr über die Ohrtrompete (Tuba oder eustachische Röhre) den sich ständig ändernden Luftdruck der Umgebung aus. Die eustachische Röhre stellt eine offene Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum dar. Denn damit der Schall ungehindert weitergeleitet werden kann, müssen die Luftdruckverhältnisse im Gehörgang und im Mittelohr stimmen. Über die Tuba können allerdings auch Krankheitserreger ins Mittelohr gelangen.Störungen und Erkrankungen auf dieser Strecke vom Außen- zum Mittelohr rufen eine Schallleitungsschwerhörigkeit hervor.
  • Im Innenohr erreichen die Schallwellen das mit Flüssigkeit gefüllte Hörorgan (Schnecke oder Cochlea). Hier befinden sich die Hörsinneszellen oder Haarzellen, die die physikalischen Schallsignale in ihren Einzelteilen entschlüsseln und in elektrische Impulse umwandeln. So kann sie der Hörnerv aufnehmen und über die Hörbahnen an bestimmte Gehirnbereiche übermitteln. Vielfältige Nervennetzwerke erkennen die Informationen, ordnen und verknüpfen sie, so dass wir sie schließlich verstehen.Störungen und Erkrankungen in diesen Abschnitten führen zu Schallempfindungsschwerhörigkeiten. Die häufigsten Hörminderungen stellen hier Innenohrschwerhörigkeiten dar. Oft typische Begleiter von Innenohrstörungen sind Ohrgeräusche (Tinnitus).Im Innenohr befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hörorgan das Gleichgewichtsorgan. Ohrerkrankungen gehen deshalb oft mit Schwindel einher.

Der Hörvorgang steht in vielfältiger Beziehung zu anderen Gehirnaktivitäten und Körperfunktionen.

Gehör und Psyche

Hören ist immer auch ein seelischer Vorgang. So wie Geräusche, Klänge, Stimmen auf unser Befinden wirken, beeinflusst auch unsere psychische Verfassung den Hörsinn. Unter Stress und seelischen Belastungen verspannen sich die Muskeln, der Druck in den Gefäßen steigt, das Stoffwechselgleichgewicht verändert sich - mit Folgen für die Hörfunktion.

Wen Sorgen, Depressionen, Ängste bedrücken, der reagiert weniger konzentriert oder überempfindlich auf die eintreffenden Schallsignale. Fast jeder hat schon mal ein wichtiges Geräusch, etwa ein heranfahrendes Auto, erst in letzter Sekunde gehört, weil er in Gedanken ganz woanders war. Das kann ebenso vorkommen, wenn man aufgeregt oder auch freudig erregt und dadurch abgelenkt ist.

Lärm und Verletzungen sind die Hauptgefahrenquellen für das Ohr

Im Laufe des Lebens erfährt unser Gehör vielfältige Belastungen. Lärm ist die schädlichste davon. Schon junge Menschen können dauerhaft schwerhörig werden, wenn sie häufig heftigen Lautstärken ausgesetzt sind.

Umweltgifte, Medikamente, ein nachlässiger Lebensstil, der die Gefäße schädigt und Abnutzungsprozesse beschleunigt, wirken ein Leben lang nachteilig auf unseren Hörsinn.

Wir können nicht alle Faktoren beeinflussen, aber sehr viel tun, um unser Gehör zu schützen und Hörschäden vorzubeugen. Dazu gehört auch, bei Hörproblemen rechtzeitig einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen, damit die Ursachen erkannt und angemessen behandelt werden können.

Wie lässt sich Schwerhörigkeit feststellen?

Ursache, Form und Grad einer Schwerhörigkeit stellt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt durch verschiedene Untersuchungen und Hörtests fest. Einen Notfall - etwa eine Schädelverletzung durch einen Unfall oder ein Knalltrauma - behandeln die Ärzte sofort. Je nach Befund folgen nach der Notfalldiagnostik und Akuttherapie weitere Ohruntersuchungen und Tests.

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