Einführung
Die Atlastherapie ist ein manuelles Behandlungsverfahren, das darauf abzielt, Fehlstellungen des Atlaswirbels (des obersten Halswirbels) zu korrigieren. Eine solche Fehlstellung kann vielfältige Beschwerden verursachen, da der Atlas eine Schlüsselrolle für die Körperstatik, die neurologische Funktion und das vegetative Nervensystem spielt. In diesem Artikel werden die Grundlagen der Atlastherapie, ihre Anwendungsbereiche, verschiedene Therapieansätze und ihre potenziellen Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem beleuchtet.
Anatomische Grundlagen und die Bedeutung des Atlas
Der Atlas, der erste Halswirbel, trägt den Kopf und bildet zusammen mit dem zweiten Halswirbel (Axis) die Kopfgelenke. Diese Gelenke ermöglichen einen großen Bewegungsumfang des Kopfes. Der Atlas unterscheidet sich von den übrigen Wirbeln, da er keinen Wirbelkörper besitzt und eine ringförmige Struktur aufweist.
Besondere Merkmale der Atlasregion
Die Übergangszone zwischen Wirbelsäule und Kopf zeichnet sich durch eine hohe Dichte an Sensoren aus, die Informationen über die Körperstellung an das Gehirn weiterleiten. Diese Sensoren sind maßgeblich an der Motoriksteuerung und der Schmerzwahrnehmung beteiligt. Der Atlas ist also nicht nur ein tragendes Element, sondern auch ein wichtiges Sinnesorgan.
Auswirkungen von Atlasfehlstellungen
Eine Fehlstellung des Atlas kann die Informationsübertragung zwischen Körper und Gehirn beeinträchtigen. Dies kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, darunter:
- Nacken- und Kopfschmerzen (Migräne)
- Störungen der Bewegungsabläufe
- Schiefstand des Beckens
- Tinnitus
- Schwindelbeschwerden und Gleichgewichtsstörungen
Das vegetative Nervensystem und seine Verbindung zum Atlas
Das vegetative Nervensystem (VNS) steuert lebenswichtige Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Es besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Sympathikus (aktivierend) und dem Parasympathikus (beruhigend). Ein Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Systemen kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen.
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Der Vagusnerv als Schlüsselnerv
Ein zentraler Nerv des VNS ist der Vagusnerv (10. Hirnnerv). Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation vieler Organfunktionen und beeinflusst die Balance zwischen Körper, Geist und Seele. Dr. Ardeshir Ghiassi betont: "Wir haben uns mit der Atlas Curatio Methode durch die Befreiung des Vagusnervs zum Ziel gesetzt, das vegetative Nervensystem zu optimieren und den Körper in Einklang zu bringen."
Weitere Nerven im Zusammenhang mit dem Atlas
Auch der Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv), der das Schlucken steuert, kann durch eine Atlasverschiebung beeinträchtigt werden. Dieser Nerv verläuft, wie die Arteria vertebralis, durch das Foramen jugulare am Schädel.
Ursachen von Atlasfehlstellungen
Atlasfehlstellungen können verschiedene Ursachen haben:
- Geburt: Insbesondere schwierige Geburten, wie Steiß- oder Beckenendlagen, können zu Fehlstellungen führen (KISS-Syndrom).
- Verletzungen: Schleudertraumata, Stürze oder andere Verletzungen im Kopf- und Nackenbereich können den Atlas verschieben.
- Fehlbelastungen: Einseitige Belastungen, ungünstige Körperhaltungen oder muskuläre Dysbalancen können langfristig zu Fehlstellungen führen.
- Operationen: Narkosen bei Operationen können durch den Verlust der Körperspannung und ungünstige Lagerung des Kopfes zu Verschiebungen am Atlas und der Halswirbelsäule führen.
- Bandscheibenprobleme: Negative Druckeinwirkung, wie z.B. einseitiges schweres Heben, kann dazu führen, dass die Bandscheibe ihre Position verlässt und auf Nerven drückt (Protusion, Prolaps).
Therapieansätze zur Korrektur des Atlas
Es gibt verschiedene Therapieformen, die zur Korrektur des Atlas eingesetzt werden:
- Atlastherapie nach Arlen: Diese Methode zielt darauf ab, das vegetative Nervensystem, den Gleichgewichtssinn und den Muskeltonus positiv zu beeinflussen. Sie unterscheidet sich von der Chirotherapie durch die sanfte Impulstechnik.
- Chirotherapie: Durch gezielte Handgriffe werden Blockaden in der Wirbelsäule gelöst. Allerdings birgt diese Methode bei bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Osteoporose) Risiken.
- Manuelle Therapie: Hierbei werden mit manuellen Techniken die normale Beweglichkeit wiederhergestellt und fehlerhafte Informationen normalisiert.
- Osteopathie: Ein ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt, Funktionsstörungen im Körper zu beheben.
- Vibrationsgeräte: Einige Therapiegesellschaften mobilisieren den Atlas mithilfe von Vibrationsgeräten.
- foreas-Therapie: Diese Methode arbeitet ebenfalls mit einem Vibrationsgerät, wobei die genaue Position des Atlaswirbels vorab festgestellt wird. Sie gilt als effektiv und schonend.
- atlasreflexTh.®: Eine einmalige Anwendung, die den Atlas dauerhaft, schmerzfrei und ohne Risiko in seine natürliche Position zurückbringen soll. Sie verzichtet auf Messmethoden und Vorher-Nachher-Bilder.
Die Atlastherapie nach Arlen im Detail
Bei der Atlastherapie nach Arlen wird ein kurzer, präzise dosierter Impuls mit der Kuppe des Mittelfingers auf den Seitenfortsatz des Atlas gegeben. Die Richtung und Stärke des Impulses werden individuell anhand von Tests und Röntgenbildern bestimmt. Diese schonende manuelle Therapie erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und eine abgeschlossene Chirotherapie-Ausbildung.
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Unterschiede zwischen Atlastherapie und Chirotherapie
Ein wesentlicher Unterschied zur Chirotherapie besteht darin, dass bei der Atlastherapie keine Manipulation im Sinne eines "Einrenkens" erfolgt. Es wird kein ruckartiger Dreh- oder Zugimpuls auf die Halswirbelsäule ausgeübt, wodurch das Risiko von Verletzungen minimiert wird.
Ablauf einer Atlastherapie-Behandlung
Eine typische Atlastherapie-Behandlung umfasst folgende Schritte:
- Anamnese und Befunderhebung: Erfassung der Krankengeschichte, Beschwerdebilder und Durchführung von Funktionstests.
- Palpationsbefund: Manuelles Abtasten der Hals-Nackenregion zur Beurteilung der Muskelspannung und Beweglichkeit.
- Untersuchung der Körperhaltung: Feststellung von Defiziten und Fehlstellungen.
- Besprechung des Befundes: Erläuterung der Ergebnisse und Festlegung des Behandlungsplans.
- Vorbehandlung: Tiefenmassage der umliegenden Muskulatur zur Entspannung.
- Atlastherapie: Durchführung der eigentlichen Korrektur im Sitzen.
- Abschließender Funktionstest: Überprüfung der Beweglichkeit und des Behandlungserfolgs.
- Kontrolltermin: Überprüfung der Atlasposition und Besprechung des Befindens nach ein bis zwei Wochen.
Indikationen für die Atlastherapie
Die Atlastherapie kann bei einer Vielzahl von Beschwerden in Betracht gezogen werden, darunter:
- Kopfschmerzen, Migräne
- Nacken- und Rückenschmerzen
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
- Tinnitus
- Kiefergelenksdysfunktionen (CMD)
- Skoliose
- Schleudertrauma
- Idiopathische Rückenschmerzen
- Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störungen (KISS) bei Säuglingen und Kleinkindern
Ergänzende Therapien
Da Beschwerden im Bewegungsapparat häufig verschiedene Ursachen haben, wird die Atlastherapie oft mit anderen Therapieformen kombiniert, wie z.B.:
- Chirotherapie
- Manuelle Therapie
- Physiotherapie
- Akupunktur
- Homöopathie
- Phytotherapie
- Orthomolekulare Medizin
- Fußdruckmessung und Laufbandanalyse
- Einlagenversorgung
- CMD-Behandlung (in Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden und Zahnärzten)
Kosten und Erstattung
Die Atlastherapie ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung, da die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist und sie daher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten unter Umständen, wenn der Therapeut nach der Heilpraktiker Gebührenordnung abrechnen kann. Die Kosten für eine atlasreflexTh.®-Behandlung (Befund, Vorbehandlung, Atlaskorrektur, Kontrolltermin) betragen ca. 190,- € für Erwachsene.
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Risiken und Nebenwirkungen
Die Atlastherapie gilt als eine schonende Behandlungsmethode mit geringem Risiko. Selten können leichte Muskelverspannungen oder Müdigkeit auftreten. Schwerwiegende Komplikationen sind praktisch nicht bekannt.
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