Nervenschaden in der Achsel: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Nervenschaden in der Achsel, insbesondere eine Nervus-axillaris-Neuralgie, kann erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Krankheitsbildes, von der Definition über die Ursachen und Symptome bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die konservativen und operativen Therapieansätze gelegt, um ein umfassendes Verständnis für Betroffene und Interessierte zu schaffen.

Was ist der Nervus axillaris?

Der Nervus axillaris, auch Achselnerv genannt, ist ein wichtiger Nerv im Oberarm, der aus dem Plexus brachialis entspringt. Seine Wurzeln liegen im Rückenmark zwischen dem fünften und siebten Halssegment. Der Nervus axillaris ist für die nervale Versorgung bestimmter Schultermuskeln zuständig und leitet sensible Informationen aus der seitlichen Schulter zum Gehirn weiter.

Innervation durch den Nervus axillaris

Die motorischen Fasern des Nervus axillaris versorgen und steuern den Deltamuskel (Musculus deltoideus) und den Musculus teres minor. Der Deltamuskel, auch Kappenmuskel der Schulter genannt, setzt am Oberarm an und entspringt am Schlüsselbein und Schulterblatt. Der Musculus teres minor ist ein kleiner Muskel im Rücken, der am Oberarmknochen ansetzt und am seitlichen Rand des Schulterblatts entspringt. Die sensiblen Anteile des Nervus axillaris nehmen verschiedene Reize wie Berührung, Schmerz und Temperatur wahr und leiten diese zum Gehirn weiter, wo sie bewusste Empfindungen auslösen.

Verlauf des Nervus axillaris

Der Nervus axillaris geht aus dem hinteren Faszikel des Plexus brachialis hervor und verläuft gemeinsam mit einer Arterie und Vene nahe der Gelenkkapsel der Schulter um das Collum chirurgicum am Oberarmknochen. Anschließend durchtritt er die seitliche Achsellücke, überquert den Musculus teres major und verläuft unter dem Deltamuskel (Musculus deltoideus). Vor dem Durchtritt durch die seitliche Achsellücke gibt der Nervus axillaris noch einen sensiblen Endast (Nervus cutaneus brachii lateralis superior) ab, der sich durch die Faszie und in das Unterhautfettgewebe der seitlichen Schulter bohrt.

Symptome eines Nervenschadens des Nervus axillaris

Eine Schädigung des Nervus axillaris kann sich durch verschiedene Symptome äußern, die die motorischen und sensorischen Funktionen der Schulter beeinträchtigen.

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Motorische Symptome

Bei einer Läsion des Nervus axillaris kommt es zu einem Gewebeschwund (Atrophie) des Musculus deltoideus. Dies führt zu einer Parese der Armanhebung bei Abduktion seitwärts und vorwärts. Zudem kann eine Läsion des Nervus axillaris auch zu einer Schwäche der Außenrotation führen.

Sensorische Symptome

Eine Läsion des Nervus axillaris kann auch Sensibilitätsstörungen im Bereich der äußeren Schulter und Schulterkappe verursachen. Diese Sensibilitätsstörungen können sich in Taubheitsgefühlen äußern.

Schmerzen

Eine Läsion des Nervus axillaris kann auch zu neuropathischen Schmerzen führen. Dies sind Schmerzen, welche vom Nerven ausgehen und sich als brennende, stechende sowie elektrisierende Schmerzen äußern, besonders in der Achselhöhle.

Ursachen und Diagnose eines Nervenschadens des Nervus axillaris

Die Ursachen für einen Nervenschaden des Nervus axillaris sind vielfältig und können sowohl traumatische als auch nicht-traumatische Ursprünge haben.

Ursachen

  • Direkte Traumata: Direkte Traumata, wie z.B. Frakturen des Oberarmknochens (Humerusfrakturen) im Bereich des Collum chirurgicum, können den Nervus axillaris direkt schädigen.
  • Druckschäden: Druckschäden durch falsche Lagerung während einer Operation oder durch die Verwendung von Krücken können den Nervus axillaris komprimieren und schädigen.
  • Wiederholte Überlastung: Wiederholte Überlastung der Schulter, insbesondere bei Sportlern, kann zu einer chronischen Reizung und Schädigung des Nervus axillaris führen.
  • Einklemmungen: Der Nervus axillaris kann eingeklemmt werden, besonders bei Schulterauskugelungen (Luxationen). Auch in der sogenannten hinteren Achsellücke kann es seltener zu Einklemmungen des Nervus axillaris kommen, was als Quadrilaterales Space Syndrom bezeichnet wird.
  • Entzündungen: Eine Entzündung des Nervus axillaris kann im Rahmen einer Entzündung des gesamten Nervengeflechts (Plexus brachialis) im Arm auftreten. Die Ursache der Entzündung des Nervus axillaris ist noch nicht vollständig bekannt.
  • Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS): Das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS) ist ein Begriff, der eine Gruppe von Störungen beschreibt, die bei Kompression, Verletzung oder Reizung der Nerven und/oder Blutgefäße (Arterien und Venen) im unteren Hals- und oberen Brustbereich auftreten. Das TOS kann den Nervus axillaris indirekt beeinflussen.

Diagnose

Die Diagnose eines Nervenschadens des Nervus axillaris umfasst in der Regel eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

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  • Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, deren zeitlichen Verlauf und auslösenden Faktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Funktion des Deltamuskels und des Musculus teres minor sowie die Sensibilität im Bereich der äußeren Schulter. Spezielle Tests, wie z.B. der Abduktionstest, können Hinweise auf eine Schädigung des Nervus axillaris geben.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Eine Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG) können die Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelfunktion messen, um festzustellen, ob und wo Nerven geschädigt sind.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann den Nervus axillaris und die umliegenden Strukturen darstellen, um mögliche Ursachen der Schädigung zu identifizieren.

Auswirkungen auf Betroffene

Ein Nervenschaden des Nervus axillaris kann zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten führen, die das Heben oder Tragen von Gegenständen erfordern. Die Erkrankung kann auch zu chronischen Schmerzen und Sensibilitätsstörungen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Nervenschadens des Nervus axillaris richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Schädigung. Grundsätzlich stehen konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Konservative Behandlung

  • Physiotherapie: Physiotherapie, insbesondere Übungen, die darauf abzielen, die Schulterblattstabilisatoren zu stärken und die Flexibilität des Schultergelenks zu verbessern, kann bei der Linderung der Symptome hilfreich sein. Sanfte Dehnübungen und Bewegungen, die die Belastung des Nervus axillaris minimieren, sind ebenfalls empfehlenswert.
  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden. In einigen Fällen können auch Muskelrelaxantien oder Antikonvulsiva zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt werden.
  • Vermeidung von Belastungen: Es ist wichtig, Haltungen oder wiederholende Tätigkeiten zu vermeiden, bei denen es zu Druckschäden kommen kann.

Operative Behandlung

Eine operative Behandlung kann in Betracht gezogen werden, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind oder wenn eine klare Ursache für die Nervenkompression vorliegt, wie z.B. eine Schulterauskugelung oder eine knöcherne Enge.

  • Dekompression des Nervus axillaris: Bei einer Einklemmung des Nervus axillaris kann eine operative Dekompression durchgeführt werden, um den Nerv zu entlasten.
  • Nervenrekonstruktion: Bei einer kompletten Durchtrennung des Nervus axillaris kann eine operative Nervenrekonstruktion erforderlich sein, um die Nervenfunktion wiederherzustellen.
  • Behandlung des Thoracic-Outlet-Syndroms (TOS): Wenn das TOS die Ursache für den Nervenschaden ist, kann eine operative Dekompression des Thoracic Outlet erforderlich sein, um die Nerven und Blutgefäße zu entlasten.

Das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS)

Das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS) ist ein wichtiger Faktor, der bei der Diagnose und Behandlung von Nervenschäden in der Achsel berücksichtigt werden muss. Das TOS beschreibt eine Gruppe von Störungen, die durch die Kompression von Nerven und/oder Blutgefäßen im Bereich des Thoracic Outlet entstehen.

Arten des TOS

Je nachdem, welche Strukturen betroffen sind, werden drei Arten von TOS unterschieden:

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  • Neurogenes TOS (nTOS): Diese häufigste Form betrifft hauptsächlich die Nerven des Plexus brachialis.
  • Venöses TOS (vTOS): Diese Form betrifft die Vena subclavia (Schlüsselbeinvene).
  • Arterielles TOS (aTOS): Diese Form betrifft die Arteria subclavia (Schlüsselbeinarterie).

Ursachen des TOS

Eine Vielzahl von Knochen- und Weichteilveränderungen können die Gefäße und Nerven unter Druck setzen. Häufig entsteht die Engstelle in der natürlichen sogenannten Skalenuslücke zwischen den Skalenusmuskeln am seitlichen Hals (Skalenussyndrom). Weitere Ursachen sind Veränderungen am Schlüsselbein, beispielsweise nach einem Bruch, oder eine sogenannte atavistische Halsrippe.

Diagnose des TOS

Zur Diagnose des TOS können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, darunter Provokationstests, bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, CT) und neurophysiologische Tests (ENG, EMG).

Behandlung des TOS

Die Behandlung des TOS richtet sich nach der Art des TOS, der Schwere der Symptome und den individuellen Befunden. In den meisten Fällen wird zunächst ein konservativer Behandlungsversuch mit Physiotherapie, Haltungsschulung und Schmerzmitteln unternommen. Bei ausgeprägten Symptomen von Nervenkompressionen und bei gefährlichen Gefäßeinengungen kann eine operative Entfernung der umgebenden Strukturen erforderlich sein.

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