Der Jugend-Action-Thriller "Nerve", sowohl als Buch von Jeanne Ryan als auch als Film von Ariel Schulman und Henry Joost adaptiert, wirft einen spannenden Blick auf die Gefahren und Konsequenzen eines Online-Wagnisspiels. Die Geschichte, die Motive aus "The Truman Show", "Running Man" und "The Game" ins Social-Media-Zeitalter transportiert, dreht sich um die High-School-Schülerin Vee, deren charakterliche Entwicklung und Entscheidungen im Zentrum der Erzählung stehen.
Einführung in die Welt von Nerve
"Nerve" präsentiert sich äußerlich als Thriller, der die Gefahren der neuen Medien zynisch in den Fokus rückt und den Zeigefinger auf die eigene Zielgruppe deutet. Ein Stück weit reitet er auch auf dieser Ideologie, nutzt sie jedoch eher als Ausgangspunkt, um seine Prämisse zu einem Abenteuer zu engagieren, das ohne den Impuls der Innovation keines wäre. Die Regisseure vermeiden den Widerspruch genutzter Technik und der unbedingten Dämonisierung dieser, indem sie die Verantwortung des Users in den Vordergrund stellen, zwischen den Fronten vermitteln und Stück für Stück unterschiedlichste Genres anwenden.
Vee: Eine schüchterne Protagonistin im Rampenlicht
Die Geschichte beginnt mit Vee, einem schüchternen Mädchen, das backstage bei einer Theateraufführung arbeitet. Vee, zwischen 16 und 18 Jahren alt, wird als schlank beschrieben und hat Zugang zu einem Auto. Der Erzähler gibt Einblicke in Vees emotionalen Zustand und bemerkt ihren feuchten Nacken als Zeichen von Nervosität, bevor sie eine Mutprobe unternimmt. Vee hadert, ganz gleich, ob sie sich beim College außerhalb anmeldet oder einen tollen Beau anzusprechen versucht.
Der Einstieg in NERVE
Vee begegnet Matthew im Flur, wo sie über Kleidung und eine Werbung für NERVE diskutieren. Matthew ändert Vees Online-Status, was auf eine flirtatious Beziehung hindeutet. Tommy, ein weiterer Charakter, betritt die Szene und bietet Vee seine Hilfe an. Nach ihrer peinlichen ersten Challenge bereut Vee ihre Entscheidung, besonders als gemeine Kommentare über ihr Aussehen online erscheinen.
Die Eskalation der Mutproben
Vee entscheidet sich für eine zweite Mutprobe, die sie in einem Café mit Ian zusammenführt. Die Mutprobe beinhaltet, dass Vee singt, dass Ian ein "großartiger Freund" ist, woraufhin er schließlich mit einstimmt, was enthüllt, dass er möglicherweise auch an NERVE teilnimmt. Die Steigerung immer aberwitziger Challenges hat hier auch etwas Überforderndes an sich, eine Euphorie, die Vee überraschend überwältigt. Reiz und Risiko wirken in ständiger Abwechslung und bereiten unvergessliche Stunden inklusive Höhenkoller.
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Vee erhält ihre erste Live-Runden-Mutprobe, die beinhaltet, sich wieder mit Ian zu treffen. Die nächste Mutprobe treibt Vees Grenzen weiter, indem sie verlangt, dass sie sich wie eine Prostituierte verhält und jemanden findet, der bereit ist, 100 Dollar für ihre Dienste zu zahlen. Vee und Ian nähern sich verschiedenen Leuten und treffen schließlich einen Mann namens Jake.
Die dunkle Seite des Spiels
Die Challenges bringen die Spieler in echte Gefahr - sie könnten verhaftet werden oder noch Schlimmeres erleben. Vee wird mit einer Mutprobe konfrontiert, Sydney auf der Schulparty zu konfrontieren. Sie zögert, da sie befürchtet, dass Ian ihre Verletzlichkeit sehen und mit Sydney flirten könnte. Die Konfrontation mit Sydney verläuft katastrophal - alle ihre Theaterfreunde wenden sich gegen Vee.
Die Spieler müssen ihre schlimmsten Momente teilen, und das Spiel nimmt eine dunklere Wendung, als die Spieler gezwungen werden, Opfer untereinander auszuwählen. Die vierte Mutprobe beinhaltet eine potenziell tödliche Herausforderung mit Hämmern. Im letzten Kapitel steht Vee vor einem kritischen Moment, in dem sie entscheiden muss, wie sie das Spiel beenden soll.
Die Bedeutung von Beziehungen
Freundeskreis und Familie spielen natürlich ebenso eine Rolle, ob der Geltungsdrang die Persönlichkeit pusht. Sydney äußert ihre Enttäuschung über Vee, weil sie weiterhin an NERVE teilnimmt, was zu einem Streit zwischen den Freundinnen führt. Matthew enthüllt, dass er die Blumen für Sydney gekauft hat, was Vees Emotionen weiter kompliziert. Vee gerät in einen Streit mit ihrer besten Freundin Sydney, die sie als "selbstzerstörerisch" bezeichnet.
Vee und Ian: Eine riskante Partnerschaft
NERVE paart Vee mit Ian für die Live-Runden, was bedeutet, dass sie ihren Kameramann Tommy zurücklassen muss. Als aggressive Typen sie bedrängen, verteidigt Ian Vee mutig. Vee und Ian werden für die Live-Runden von NERVE ausgewählt. Dieses Kapitel konzentriert sich auf Vee und Ians Interview, wahrscheinlich für die NERVE-Live-Runden.
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Die Live-Runden: Eskalation und Gefahr
Im Club Poppy angekommen, werden Vee und Ian in den VIP-Bereich geführt. Im VIP-Raum treffen sie auf andere Spieler: Ty (rothaarig), Samuel (der Nerd mit Brille) und mehrere Mädchen, die alle bereits extreme Challenges hinter sich haben. Die Spielleiter Guy und Gayle erklären die verschärften Regeln: Wenn auch nur ein Spieler aufgibt, verlieren alle ihre Preise.
Die Macht der Zuschauer
Die Zuschauerzahl ist auf fast eine halbe Million angestiegen. Vee sitzt nun in der Falle: Umgeben von anderen Spielern, isoliert von ihren Freunden, mit Millionen von Zuschauern, die auf ihre nächste Mutprobe warten. Die Spieler werden von den Zuschauenden immer wieder Challenges gestellt, die sie dann für Geld und Internetfame ausführt.
Die Charaktere im Vergleich
Tommy und Sydney dienen als Folien für Vees Charakter und heben ihre einzigartigen Eigenschaften und ihren Entscheidungsprozess hervor. Der Film stellt stimmige Charakterwerte über den Deutungstrieb, hat zwar die Realität der Smartphone-Vernetzung auf dem Kieker, ist sich aber nicht verlegen, das Freimütige und Romantische der menschlichen Begegnung zu fokussieren.
Sydney: Die erfahrene Spielerin
Sydney ist Vees beste Freundin und schon eine Weile beim Spiel Nerve aktiv. Sobald man eine Aufgabe nicht schafft, wird man automatisch vom Spiel ausgeschlossen und verliert auch all seine Gewinne. Das treibt die Player natürlich an immer weiter zu machen und für jede Aufgabe noch einen Schritt weiter zu gehen.
Tommy: Der Hacker-Freund
Zum Ende tauchen immer mehr vermummte Menschen auf, die die Hauptdarsteller zum Finale leiten und ihnen im Real Life Aufgaben geben statt wie vorher über die App. Eigentlich müssen die Spieler scheitern, um nicht ins Finale zu kommen. Sehr theatralisch schafft es am Ende Vees Highschool Freund Tommy mit seinem Hackerclub alle User*innen der App zum ausloggen zu bewegen.
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Die visuellen und thematischen Aspekte des Films
Die Bildgestaltung ist ein stimmiger Mix zwischen Hollywood Kino und YouTube Ästhetik. Immer wieder kommen GoPros und Handykameras zum Einsatz, die visuell aus dem Film ein abwechslungsreiches Sehvergnügen machen. Gerade actionreiche Szenen, wie eine schnelle Motorradfahrt oder Skateboardszenen, werden dadurch noch aufregender. Diese Art von Gestaltung lässt die Szenen auch realer wirken, da wir über soziale Netzwerke viele solcher YouTube Videos kennen, die wir mehrmals täglich konsumieren oder auch produzieren. Bildschirme betten sich transparent in das Kinobild ein und lassen dich subjektiv mit den Darstellern auf die Bildschirme sehen. Diese Effekte sind großartig gemacht.
Realitätsnähe und Reflexion
Das Thema ist aktuell und super gewählt. Einige werden sicher an den Punkt kommen ihre eigenes Verhalten in sozialen Netzwerken zu reflektieren. Das faszinierende an dem Film ist, dass man hinterher nicht sagen kann es ist ja nur ein Film. Vieles, was im Film bis zum Absurdum abgebildet wird, passiert in der Realität.
Kritik und Bewertung
Je länger man den Film Nerve schaut, desto unlogischer wird er. Laut Film spielen die Figuren Ty und Ian schon lange das Spiel Nerve und arbeiten bereits Monate auf einen Sieg hin. Vee schafft es innerhalb von einer Nacht ins Finale. In einer Arena stehen sich die Finalisten Vee und Ian mit Waffen gegenüber. Plötzlich springt Ty über den Zaun und will noch einmal seine Chance wahrnehmen zu gewinnen.
Mangelnde Intensität und Vorhersehbarkeit
Bei "Nerve" fehlte mir die nötige Intensität und "Rohness/Härte". Der Film ist wirklich gut, vor allem die Kameraperspektiven sind auf jeden Fall einen Blick wert. Ich persönlich hätte es jedoch besser gefunden, wenn am Ende eine der Hauptfiguren gestorben wäre, denn das hätte dem Film einen viel eindringlicheren Nachhall verliehen. Die Grundidee war recht schnell erzählt und so plätschert die Handlung ohne großartige Überraschungen so vor sich hin und ist dabei relativ vorhersehbar.
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