Einleitung
Nerve ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2016 unter der Regie von Henry Joost und Ariel Schulman. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jeanne Ryan aus dem Jahr 2012 und thematisiert ein illegales Online-Spiel, das die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwimmen lässt. In den Hauptrollen sind Emma Roberts und Dave Franco zu sehen.
Handlung
Die schüchterne Highschool-Schülerin Vee Delmonico (Emma Roberts) lebt ein eher unaufregendes Leben und steht im Schatten ihrer extrovertierten Freundin Sydney (Emily Meade). An ihrer Schule ist das Online-Spiel "Nerve" das Gesprächsthema Nummer eins. Bei diesem Spiel, einer Art "Wahrheit oder Pflicht" für das digitale Zeitalter, können sich die Teilnehmer entweder als "Watcher" (Zuschauer) oder als "Player" (Spieler) anmelden. Die Watcher bezahlen Geld, um den Playern bei der Erfüllung von Aufgaben zuzusehen, die immer riskanter und gefährlicher werden.
Um aus ihrem Alltag auszubrechen und endlich einmal im Mittelpunkt zu stehen, entscheidet sich Vee, selbst als Player an "Nerve" teilzunehmen. Ihre erste Aufgabe ist es, einen Fremden zu küssen. Dabei trifft sie auf den mysteriösen Ian (Dave Franco), der ebenfalls ein Player ist. Die beiden tun sich zusammen und werden schnell zu einem sensationellen Team, das von den Watchern gefeiert wird. Gemeinsam meistern sie immer gewagtere Herausforderungen, die sie durch die Strassen von New York führen.
Doch schon bald merkt Vee, dass "Nerve" kein harmloses Spiel ist. Ihre Social-Media-Accounts werden gehackt, und sie kann nicht mehr einfach aussteigen. Die Aufgaben werden immer gefährlicher, und Vee gerät in einen Strudel aus Gewalt und Manipulation. Sie erkennt, dass die anonymen Watcher im Internet immer extremere "Dares" fordern und das Spiel eine dunkle Seite hat. Als Vee versucht, das Spiel zu beenden, wendet sich das gesamte Internet gegen sie. Gemeinsam mit Ian muss sie nun um ihr Leben kämpfen, um den Machenschaften von "Nerve" zu entkommen.
Besetzung und Produktion
- Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
- Darsteller: Emma Roberts, Dave Franco, Juliette Lewis, Emily Meade, Miles Heizer, Kimiko Glenn, Machine Gun Kelly
- Drehbuch: Jessica Sharzer (basierend auf dem Roman von Jeanne Ryan)
- Produktion: Allison Shearmur, Anthony Katagas
- Drehorte: New York City (Dreharbeiten von April bis Juni 2015)
Kritik
Nerve ist ein spannender und visuell ansprechender Thriller, der vor allem ein junges Publikum anspricht. Der Film thematisiert auf unterhaltsame Weise die Gefahren von Social Media, Online-Sucht und dem Voyeurismus im Internet.
Lesen Sie auch: Radialnerv: Anatomie, Funktion & Therapie
Stärken:
- Spannung und Tempo: Die Handlung ist rasant und hält den Zuschauer bis zum Schluss in Atem.
- Visuelle Umsetzung: Der Film besticht durch seine Neon-Optik, dynamische Kameraführung und den Einsatz von Social-Media-Elementen, die das Geschehen authentisch wirken lassen.
- Aktuelle Thematik: Nerve greift relevante Themen wie Online-Abhängigkeit, Cybermobbing und den Verlust der Privatsphäre im digitalen Zeitalter auf.
- Schauspielerische Leistungen: Emma Roberts und Dave Franco harmonieren gut miteinander und verkörpern ihre Rollen überzeugend.
Schwächen:
- Vorhersehbarkeit: Die Handlung ist teilweise vorhersehbar und bedient sich einiger Klischees des Teenie-Genres.
- Oberflächlichkeit: Die Kritik an Social Media und Online-Kultur bleibt eher oberflächlich und geht nicht allzu sehr in die Tiefe.
- Charaktertiefe: Einige Nebenfiguren bleiben blass und haben wenig Hintergrundgeschichte.
- Unglaubwürdigkeit: Einige Handlungsstränge wirken unrealistisch und überzogen.
Detaillierte Kritikpunkte
Einige Kritiker bemängeln, dass Nerve die Thematik der eskalierenden Social-Media-Dynamiken nur seicht behandelt und der Film selten den Mut hat, unter die Haut zu gehen. Die Konflikte zwischen den Charakteren werden oft wenig subtil dargestellt, und die Motive der Watcher bleiben weitgehend im Dunkeln. Auch die Auflösung des Films wird als vorhersehbar und wenig überraschend kritisiert.
Trotz dieser Schwächen ist Nerve ein unterhaltsamer und kurzweiliger Thriller, der vor allem durch seine visuelle Gestaltung und die spannende Inszenierung überzeugt. Der Film regt zum Nachdenken über den Einfluss des Internets auf unser Leben an, auch wenn er die Thematik nicht allzu tiefgründig behandelt.
Visuelle Gestaltung und Inszenierung
Die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman haben Nerve visuell sehr ansprechend umgesetzt. Der Film spielt mit der Ästhetik von Social Media und zeigt das Geschehen oft aus der Perspektive von Smartphones oder Überwachungskameras. Die Neon-Optik und die schnellen Schnitte sorgen für eine dynamische und aufregende Atmosphäre, die dem Tempo des Spiels entspricht.
Ein besonderes Stilmittel ist der Einsatz von Popmusik, die die Stimmung der einzelnen Szenen unterstreicht und den Film zu einem audiovisuellen Erlebnis macht. Auch die Drehorte in New York City tragen zur Authentizität des Films bei und vermitteln das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.
Themen und Motive
Nerve thematisiert die dunklen Seiten des Internets und die Gefahren von Online-Sucht, Cybermobbing und dem Verlust der Privatsphäre. Der Film zeigt, wie leicht sich Menschen im virtuellen Raum manipulieren lassen und wie schnell ein harmloses Spiel zu einer lebensbedrohlichen Situation eskalieren kann.
Lesen Sie auch: Was Sie über "Nerve" wissen sollten
Ein weiteres wichtiges Motiv ist der Voyeurismus, der in der Online-Kultur weit verbreitet ist. Die Watcher bei "Nerve" bezahlen Geld, um anderen Menschen bei der Erfüllung von gefährlichen Aufgaben zuzusehen. Sie werden zu passiven Zuschauern von Gewalt und Leid und tragen so zur Eskalation des Spiels bei.
Der Film wirft auch die Frage auf, wie weit wir bereit sind, für Ruhm und Anerkennung im Internet zu gehen. Die Player bei "Nerve" riskieren ihr Leben, um die Aufmerksamkeit der Watcher zu gewinnen und ihren Adrenalinspiegel zu erhöhen. Sie werden zu Marionetten der Online-Community und verlieren dabei ihre eigenen Werte und Grenzen.
Vergleich mit anderen Filmen
Nerve erinnert thematisch an andere Filme, die sich mit den Gefahren von Social Media und Online-Kultur auseinandersetzen, wie z.B. "Disconnect", "The Social Network" oder "Unknown User". Auch Elemente von Filmen wie "The Game" oder "Gamer" sind in Nerve zu finden, in denen die Grenzen zwischen Realität und Spiel verschwimmen.
Im Vergleich zu diesen Filmen ist Nerve jedoch weniger tiefgründig und konzentriert sich stärker auf den Unterhaltungsfaktor. Der Film ist vor allem ein spannender Thriller, der ein junges Publikum ansprechen soll, und verzichtet auf eine allzu komplexe Analyse der Thematik.
Lesen Sie auch: Harmonie in der Beziehung wiederherstellen