Nervengewebeentnahme: Methoden, Verfahren und Anwendungen

Die Entnahme von Nervengewebe, oft in Form einer Biopsie, ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie und Neurochirurgie. Sie ermöglicht die Untersuchung von Nervenzellen und -strukturen, um die Ursache von Erkrankungen des Nervensystems zu ermitteln. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Methoden der Nervengewebeentnahme, die Vorbereitung, den Ablauf und die Nachsorge einer Biopsie sowie die diagnostischen Möglichkeiten und potenziellen Risiken.

Vorbereitung auf eine Biopsie

Eine sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg einer Biopsie. Zunächst erfolgt eine umfassende Aufklärung durch den behandelnden Arzt, in der die betroffene Region, die geeignete Methode und die notwendigen Schritte erläutert werden.

  • Medikamente: Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten diese nach Rücksprache mit dem Arzt rechtzeitig vor dem Eingriff absetzen.
  • Nahrungskarenz: Mindestens vier Stunden vor der Biopsie sollte auf Essen und Trinken verzichtet werden, insbesondere bei Eingriffen im Brust- oder Bauchraum.
  • Menstruation: Frauen wird empfohlen, den Termin außerhalb der Monatsblutung zu legen, da während dieser Zeit das Blutungsrisiko erhöht sein kann.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung zur Überprüfung der Gerinnungswerte ist häufig Teil der Vorbereitung.
  • Narkose: Bei geplanter Vollnarkose sind zusätzliche Voruntersuchungen erforderlich.

Ablauf einer Biopsie

Am Tag der Untersuchung wird die betroffene Körperstelle desinfiziert, um Infektionen vorzubeugen. Je nach Methode erfolgt entweder eine lokale Betäubung oder eine Vollnarkose. Bildgebende Verfahren können eingesetzt werden, um die Biopsienadel präzise an die gewünschte Stelle zu führen. Anschließend wird Gewebe oder Flüssigkeit entnommen.

  • Drainage: Bei Bedarf wird eine Drainage gelegt, d. h. ein Kunststoffkatheter wird über die Biopsienadel eingeführt, um Flüssigkeitsansammlungen abzuleiten.
  • Schmerzen: Die meisten Biopsien erfolgen unter örtlicher Betäubung, sodass kaum Schmerzen entstehen.
  • Druckverband: Nach der Biopsie wird meist ein Druckverband angelegt, um Nachblutungen zu vermeiden.
  • Lagerung: Bei manchen Biopsien, wie beispielsweise an der Lunge, kann eine bestimmte Lagerung für einige Stunden erforderlich sein.

Nachsorge einer Biopsie

Leichte Schmerzen oder ein Druckgefühl an der Einstichstelle sind normal und können mit einfachen Schmerzmitteln behandelt werden. In den ersten Tagen sollten körperliche Anstrengungen vermieden werden.

Methoden der Nervengewebeentnahme

Es gibt verschiedene Methoden zur Entnahme von Nervengewebe, die je nach Lokalisation und Art der vermuteten Erkrankung eingesetzt werden.

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Nervenbiopsie

Bei einer Nervenbiopsie wird unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe direkt aus einem Nerv entnommen. Diese Methode wird häufig bei peripheren Neuropathien eingesetzt, um die Ursache der Nervenschädigung zu ermitteln. Der Laborarzt untersucht den Zustand der Nervenzellen mikroskopisch, um Auffälligkeiten festzustellen.

Stereotaktische Biopsie des Gehirns

Dieses Verfahren wird zur Entnahme von Gewebeproben aus dem Gehirn eingesetzt. Dabei wird unter Narkose ein stereotaktischer Ring am Schädel des Patienten befestigt, um spontane Kopfbewegungen zu verhindern. Anhand von computertomografischen Bildern wird der genaue Winkel für die Einführung der Biopsiekanüle berechnet. Der Chirurg entnimmt dann mehrere Proben aus unterschiedlicher Tiefe des verdächtigen Hirnareals.

Muskelbiopsie mit Elektromyographie (EMG)

Obwohl primär auf Muskelgewebe ausgerichtet, kann eine Muskelbiopsie in Verbindung mit einer Elektromyographie (EMG) wertvolle Informationen über den Zustand der versorgenden Nerven liefern. Die EMG misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann Hinweise auf Nervenschädigungen geben, während die Muskelbiopsie selbst Veränderungen im Muskelgewebe aufzeigt, die durch Nervenerkrankungen verursacht sein können.

Liquoruntersuchung (Nervenwasseruntersuchung)

Die Liquoruntersuchung ist zwar keine direkte Gewebeentnahme, aber sie ermöglicht die Analyse der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt. Veränderungen in der Zusammensetzung des Liquors können auf Entzündungen, Infektionen oder andere Erkrankungen des Nervensystems hinweisen. Die Entnahme erfolgt durch eine Lumbalpunktion, bei der eine Nadel zwischen den Lendenwirbeln eingeführt wird, um Nervenwasser zu entnehmen.

Diagnostische Möglichkeiten

Die Untersuchung des entnommenen Nervengewebes ermöglicht die Diagnose verschiedener Erkrankungen des Nervensystems.

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Tumore

Nerventumore können gutartig (z. B. Schwannome, Neurinome, Neurofibrome) oder bösartig sein. Die Biopsie ermöglicht die Bestimmung der Art des Tumors und seines Ausmaßes. Gutartige Tumore können oft durch eine Operation entfernt werden, wobei gesundes Nervengewebe geschont wird. Bei bösartigen Tumoren ist eine großzügigere Gewebeentfernung erforderlich, um das bösartige Gewebe vollständig zu entfernen.

Entzündliche Erkrankungen

Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z. B. Vaskulitis, Multiple Sklerose oder Enzephalitis, können durch die Analyse des Nervengewebes oder des Liquors diagnostiziert werden. Dabei werden Entzündungszellen und andere Entzündungsmarker nachgewiesen.

Degenerative Erkrankungen

Bei degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer-Krankheit oder Parkinson-Krankheit können Veränderungen im Nervengewebe festgestellt werden, die zur Diagnose beitragen.

Periphere Neuropathien

Die Nervenbiopsie ist ein wichtiges Instrument zur Diagnose peripherer Neuropathien. Dabei werden Veränderungen an den Nervenfasern und der Myelinscheide untersucht, um die Ursache der Neuropathie zu ermitteln.

Neuromuskuläre Erkrankungen

Bei neuromuskulären Erkrankungen kann die Untersuchung von Muskel- und Nervengewebe in Kombination mit elektrophysiologischen Untersuchungen (EMG, Neurographie) zur Diagnose beitragen.

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Risiken einer Biopsie

Wie bei jedem medizinischen Eingriff birgt auch die Nervengewebeentnahme gewisse Risiken.

  • Blutungen und Blutergüsse: Im Bereich der Entnahmestelle können Blutungen und Blutergüsse auftreten.
  • Infektionen: Es besteht ein geringes Risiko einer Keimbesiedelung und Infektion der Entnahmestelle.
  • Wundheilungsstörungen: In seltenen Fällen kann es zu Wundheilungsstörungen kommen.
  • Nervenverletzungen: Bei der Entnahme von Nervengewebe besteht das Risiko, Nerven unbeabsichtigt zu verletzen.
  • Verschleppung von Tumorzellen: In sehr seltenen Fällen kann es bei der Biopsie von Tumoren zur Verschleppung von Tumorzellen und zur Bildung von Metastasen im Entnahmekanal kommen.

Moderne Techniken zur Verbesserung der Nervensichtbarkeit

Um das Risiko von Nervenverletzungen während Operationen zu minimieren, werden zunehmend moderne Techniken eingesetzt, die die Sichtbarkeit von Nerven verbessern.

Fluoreszenzmarkierung

Ein neuer Wirkstoff namens Bevonescein, ein fluoreszierendes Peptid, bindet sich gezielt an Nervengewebe und lässt dieses unter speziellem Licht gelblich-grün aufleuchten. Die Substanz wird kurz vor der Operation per Infusion verabreicht und ermöglicht es Chirurgen, Nerven, die unter Gewebe verborgen liegen, besser zu erkennen.

Nervensonographie (Ultraschalldiagnostik von Nerven)

Die Nervensonographie ist eine neue Methode der Ultraschalldiagnostik, die Nervenverletzungen, Nerventumore oder Einklemmungen von Nerven sichtbar machen kann. Die Darstellung vieler Nerven gelingt mit dem Ultraschall besser als mit der Kernspintomographie.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Ergänzend zu den bildgebenden Verfahren und der Biopsie spielen elektrophysiologische Untersuchungen eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Nervenerkrankungen.

Elektroneurographie (ENG)

Bei der Elektroneurographie wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen, also die Fähigkeit eines Nervs, elektrische Impulse zu leiten. Dies ermöglicht die Feststellung von Art und Ausmaß von Nervenschädigungen.

Elektromyographie (EMG)

Bei der Elektromyographie wird die elektrische Muskelaktivität bestimmt. Der Neurologe führt dabei dünne Nadelelektroden durch die Haut in den jeweiligen Muskel ein. Die Elektroden leiten die auf den Muskel übertragene Aktivität ab und stellen diese auf einem Bildschirm in Form von Spannungskurven dar.

Evozierte Potentiale

Evozierte Potentiale sind Hirnstromaktivitäten, die durch Sinnesreize ausgelöst werden. Die Messung evozierter Potentiale erlaubt eine objektivierbare und quantifizierbare Darstellung von Störungen und eignet sich auch für Verlaufsuntersuchungen.

Elektroenzephalographie (EEG)

Das EEG wird zur Untersuchung von Funktionsstörungen des Gehirns eingesetzt. Dabei werden Oberflächenelektroden auf den Kopf aufgesetzt, die die hirneigene elektrische Aktivität aufnehmen.

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