Nervenschmerzen nach Verbrennung: Ursachen und Behandlung

Verbrennungen sind schwere Verletzungen, die durch thermische, chemische oder elektrische Einwirkungen auf die Haut entstehen können. Die Auswirkungen reichen von oberflächlichen Rötungen bis hin zu tiefgreifenden Gewebeschäden. Ein häufiges und oft quälendes Problem nach Verbrennungen sind Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt. Diese können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Ursachen von Nervenschmerzen nach Verbrennungen

Nervenschmerzen entstehen als direkte Folge einer Schädigung von "Gefühlsfasern" des Nervensystems. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten, bei denen Schmerzimpulse von Nervenendigungen in den Geweben des Körpers ausgehen, entstehen neuropathische Schmerzen durch die Schädigung selbst.

Mögliche Auslöser der Nervenschädigung sind:

  • Direkte Nervenverletzung: Verbrennungen können Nerven direkt schädigen, insbesondere bei tieferen Verbrennungen, die die Hautschichten durchdringen.
  • Entzündung: Die Entzündungsreaktion nach einer Verbrennung kann Nerven reizen und schädigen.
  • Narbenbildung: Narben können Nerven einklemmen oder komprimieren, was zu Schmerzen führen kann.
  • Engpass-Syndrome: Nerven können zusammengedrückt werden, was als Engpass-Syndrom bezeichnet wird. Ein Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom am Handgelenk.

Symptome von Nervenschmerzen nach Verbrennungen

Menschen mit Nervenschmerzen zeigen oft typische Beschwerden und Veränderungen der Hautsensibilität. Bereits leichte Berührungen oder warmes Wasser können starke Schmerzen verursachen. Die Schmerzen können sich unterschiedlich äußern:

  • Brennend: Ein häufig beschriebener Schmerzcharakter.
  • Bohrend: Ein tief sitzender, nagender Schmerz.
  • Einschießend: Plötzlich auftretende, stechende Schmerzen.
  • Stechend: Ein scharfer, punktueller Schmerz.

Die Beschwerden treten oft in Ruhe auf und können durch leichte Berührungsreize ausgelöst werden (Allodynie). Zudem weisen Betroffene häufig eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit nach anderen schmerzauslösenden Reizen auf (Hyperalgesie). Eine schmerzhafte Nervenschädigung, d.h., ein neuropathischer Schmerz, ist immer dann anzunehmen, wenn die Schmerzausbreitung und eine begleitende Gefühlsstörung (Taubheitsgefühl) dem Versorgungsgebiet eines Gefühlsnervs (sensorischen Nervs) im Gewebe entsprechen. Gleiches gilt, wenn sich das Muster der Schmerzausbreitung mit dem Versorgungsgebiet einer geschädigten Nervenwurzel, eines Rückenmarkabschnittes oder Gehirnbereiches deckt.

Diagnose von Nervenschmerzen nach Verbrennungen

Die Diagnose "neuropathischer Schmerz" kann mit umso größerer Sicherheit gestellt werden, je mehr übereinstimmende Hinweise auf eine Nervenschädigung im Rahmen der Untersuchung und Befragung des Patienten gefunden werden. Für den Nachweis neuropathischer Schmerzen ist es wichtig, Verteilungsmuster, Stärke und Qualität der Schmerzen zu erheben, also beispielsweise ihren brennenden (häufig), bohrenden, einschießenden oder stechenden Charakter.

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Diagnostische Verfahren:

  • Anamnese: Erhebung der Verletzungsgeschichte und Schmerzcharakteristik.
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Schmerzausbreitung, Sensibilität und neurologischen Funktionen.
  • Schmerzzeichnung und Schmerzfragebögen: Zur Dokumentation und Quantifizierung der Schmerzen.
  • Quantitative Sensorische Testung (QST): Prüfung der Hautempfindlichkeit, um Veränderungen der Sensibilität festzustellen.
  • Neurographie: Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Nervenschädigungen zu identifizieren.
  • Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP): Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.
  • Bildgebende Verfahren (CT, MRT): Können eine Nervenschädigung direkt sichtbar machen.

Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen

Die Behandlung von Nervenschmerzen gestaltet sich oft schwierig und zielt in erster Linie darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Schmerzfreiheit kann nur in den seltensten Fällen erreicht werden. Daher sollen realistische Behandlungsziele vor Therapiebeginn gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden. Die Therapie neuropathischer Schmerzen gründet sich vor allem auf eine für jeden einzelnen Menschen individuell abgestimmte Behandlung mit Medikamenten. Sie soll die Beschwerden lindern, bis sich die geschädigten Nerven zumindest weitgehend erholt und neu aufgebaut haben. Es werden unterschiedliche Wirkprinzipien angewendet, darunter häufig die Kombinationsbehandlung mit verschiedenen Medikamenten, die den Nervenschmerz über unterschiedliche Wirkmechanismen lindern. Nicht-medikamentöse Verfahren können ergänzend oder in der Akuttherapie zur Überbrückung der Zeit bis zum Anschlagen der sonstigen Medikamente eingesetzt werden. Darüber hinaus können im Einzelfall, je nach Ausprägung der Beschwerden, physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie sinnvoll sein.

Medikamentöse Therapie:

  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) können bei Nervenschmerzen helfen.
  • Antikonvulsiva: Gabapentin und Pregabalin sind Antikonvulsiva, die häufig zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden.
  • Opioide: In manchen Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, jedoch ist Vorsicht geboten, da sie ein hohes Suchtpotenzial haben.
  • Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster oder -Cremes können lokal angewendet werden, um Schmerzen zu lindern.
  • Capsaicin: Capsaicin-Creme kann bei manchen Patienten helfen, die Schmerzen zu reduzieren.
  • Botulinumtoxin: Botulinumtoxin-Injektionen können in bestimmten Fällen von Nervenschmerzen wirksam sein.

Nicht-medikamentöse Therapie:

  • Physiotherapie: Kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren.
  • Ergotherapie: Kann helfen, Alltagsaktivitäten trotz Schmerzen zu bewältigen.
  • Psychotherapie: Kann helfen, mit den psychischen Belastungen durch die Schmerzen umzugehen.
  • TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation): Kann helfen, Schmerzen zu lindern.
  • Akupunktur: Kann bei manchen Patienten Schmerzen lindern.
  • Entspannungstechniken: Können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu reduzieren.

Weitere Behandlungsansätze:

  • Operation: Wenn Nerven durch Narben oder andere Strukturen eingeklemmt werden, kann eine Operation zur Entlastung des Nervs in Betracht gezogen werden.
  • Schmerztherapie: In spezialisierten Schmerzzentren können verschiedene interventionelle Verfahren zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Verbrennungen im Winter

Auch wenn kein Feuerwerk stattfindet, erhöht die kalte Jahreszeit das Risiko für Brandverletzungen im Innenbereich. Denn Aktivitäten werden meistens in die eigenen vier Wände verlagert, womit sprichwörtlich das Spiel mit dem Feuer beginnt:

  • Wunderkerzen auf engstem Raum
  • Heiße Getränke, bzw. Unfälle mit dem Wasserkocher
  • Zu heiße oder undichte Wärmflaschen
  • Plätzchenbacken mit den Kindern oder der Fondue-Abend mit Freunden
  • Kaminfeuer bzw. offene Flammen jeglicher Art
  • In Brand geratene Adventskränze oder Weihnachtsbäume

Vermeidung von Verbrennungen dieser Art:

Generell sollten Sie bei der Verwendung heißer Gegenstände, Flüssigkeiten und offenen Flammen vorsichtig sein. Zünden Sie Wunderkerzen nur einzeln an und benutzen Sie diese möglichst im Freien. Mit Kindern im Haushalt ist besondere Vorsicht geboten. Daher lassen Sie sie wenn möglich nicht unbeaufsichtigt. Auch wenn sie manchmal im Sommer zum Einsatz kommen, sind sie doch häufiger in der kalten Jahreszeit im Einsatz - die Wärmflaschen. Hier kann es schnell zu Verbrennungen kommen, wenn zu heißes Wasser für die Füllung der Wärmflasche benutzt oder sie ohne die schützende Umhüllung verwendet wird. Auch eine zu lange Nutzung an einer Körperstelle oder ein undichter Verschluss können zu Verbrennungen führen, weswegen man z.B. nicht mit oder auf einer Wärmflasche einschlafen sollte. Dies gilt natürlich auch für Körnerkissen oder ähnliche wärmende Gegenstände, die nicht zu heiß verwendet werden sollten.

Besonders bei offenen Flammen und in Brand geratenen Gegenständen ist schnelles Handeln erforderlich. Die Art der Brandlöschung ist abhängig von der Ursache. Brennendes Fett oder heißes Wachs, z.B. von Kerzen darf keinesfalls mit Wasser gelöscht werden, da die heißen Flüssigkeiten mit dem kalten Wasser extrem reagieren und es zu explosionsartigen Stichflammen kommen kann. Deswegen ist es ratsam, solche Brände durch Abdecken zu löschen.

Verbrennungen können bereits durch leichten Kontakt entstehen.

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Erste Hilfe bei Verbrennungen

Bei einer Verbrennung ist es entscheidend, die Hitzeeinwirkung sofort zu stoppen und so eine weitere Ausbreitung zu vermeiden:

  • Spülen Sie heiße Flüssigkeiten mit klarem Wasser ab und entfernen Sie heiße Gegenstände.
  • Ziehen Sie Kleidung aus, die mit heißer Flüssigkeit durchtränkt ist. Ist der Stoff allerdings durch die Hitze fest mit der Wunde verbunden, darf er erst im Krankenhaus durch einen Arzt entfernt werden.
  • Eine kleine oberflächliche Verbrennung an den Gliedmaßen können Sie im Anschluss kurzfristig mit zimmerwarmem Wasser kühlen, um die Schmerzen zu lindern. Bei Babys und Kleinkindern sollten Sie zur Behandlung einer Verbrennung jedoch nie übermäßig kühlen, da sie sehr schnell auskühlen.
  • Kleine Verbrennungen vom Schweregrad 1 können Sie im Anschluss an Erste-Hilfe-Maßnahmen selbst behandeln, Wundauflagen oder ein Pflaster sind hier normalerweise nicht notwendig.
  • Einen Arzt aufsuchen sollten Sie jedoch bei großflächigen oder tieferen Verbrennungen, wenn Kinder oder das Gesicht, Hände mit Fingern, Füße oder Genitalien betroffen sind. Decken Sie bei diesen Verletzungen die geschädigte Haut bis zur professionellen Versorgung mit einem keimfreien Verband locker ab.

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