Die Behandlung von Lungenerkrankungen und schlafbezogenen Atmungsstörungen erfordert ein hohes Maß an Spezialisierung und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Lungenzentren und Kliniken, die diese interdisziplinäre Zusammenarbeit pflegen, können ihren Patienten eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung bieten.
Die Bedeutung der Interdisziplinarität im Lungenzentrum
Unter dem Dach des Lungenzentrums arbeiten die vier Fachbereiche Pneumologie, Thoraxchirurgie, Radiologie und Onkologie eng zusammen. Im Lungenzentrum treffen all unsere Lungenexperten zusammen. Durch die Zusammenarbeit von Spezialisten kann jeder Patient im Lungenzentrum bestmöglich behandelt werden. Besonders am Herzen liegt uns die interdisziplinäre Behandlung unserer Patienten.
Pneumologie (Lungenheilkunde)
Die Pneumologie, auch Lungenheilkunde genannt, ist ein zentraler Bestandteil eines jeden Lungenzentrums. Pneumologen sind Spezialisten für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Atemwege und der Lunge. Möchten Sie sich einen genauen Überblick über das therapeutische Angebot verschaffen?
Thoraxchirurgie
Im Bereich Thoraxchirurgie decken wir die Erkennung und operative Behandlung aller Erkrankungen des Brustkorbs ab, die nicht das Herz bzw. die Hauptschlagader betreffen. Dies beinhaltet alle Erkrankungen der Lunge, des Brustmittelraums, des Brustfells, des Zwerchfells, der Luftröhre sowie des Brustkorbs selbst. Thoraxchirurgische Eingriffe (Pleurodesen - Verklebung der Lungenblätter, videoassistierte Untersuchung der Lungenoberfläche, etc.) werden in enger Zusammenarbeit mit Thoraxchirurgie der Universität Freiburg in Lörrach vorgenommen.
Radiologie
Als zentraler Dienstleister für bildgebende Diagnostik und Interventionen versorgen wir in unserer Klinik alle stationären und ambulanten Patientinnen und Patienten. Eine, oft eher zufällig auf einem Röntgenbild erkannte Veränderung im Lungengewebe und die Beurteilung ihrer Relevanz stellen eine Herausforderung zwischen den verschiedenen Fachbereichen dar. Die Zusammenarbeit mit der Klinik für interventionelle Radiologie trägt entscheidend zur Komplettierung unseres diagnostischen und therapeutischen Spektrums bei.
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Onkologie
Als zertifiziertes Tumorzentrum vereinen wir die Strukturen der Organkrebszentren für Lungen-, Brust-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und optimieren die Abläufe für die an Krebs erkrankten Menschen in unserer Betreuung. Rund 4 000 Krebspatientinnen und -patienten werden jedes Jahr bei uns im Tumorzentrum behandelt. Sie erwartet eine umfassende Versorgung, die sogar über die Entlassung hinausgeht. Dazu gehören u.a. ein 360-Grad-Blick auf jeden Betroffenen, in fach- und hausübergreifende Tumorkonferenzen. Patienten mit bösartigen Erkrankungen der Lunge und des Rippenfells werden in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der onkologischen und thoraxchirurgischen Abteilung im Rahmen des zertifizierten Lungenkrebszentrums betreut.
Schlafmedizin
Schlafmedizin und Heimbeatmung sind eng miteinander verbunden. In der Zusammenarbeit mit der Neurologie sehen wir als Schlafmediziner nach ihrer gesunden Nachtruhe. Die Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin gehört mit insgesamt ca. 120 Betten zu den größten Lungenkliniken in Norddeutschland.
Diagnostik und Therapie im Lungenzentrum
Das Lungenzentrum bietet die stationäre Behandlung für Patienten mit einer akuten Verschlechterung einer bereits bekannten Lungenerkrankung. Zudem diagnostiziert es mit seinem interdisziplinären Team unklare Lungenbefunde und Beschwerden der Atmungsorgane. Unsere Patienten werden nach den neuesten Erkenntnissen und Leitlinien mit modernsten Verfahren und Geräten diagnostiziert und therapiert.
Diagnostische Verfahren
Zur Diagnosestellung derartiger Erkrankungen ist eine umfangreiche Diagnostik einschließlich einer subtilen Beurteilung der Lungenfunktion erforderlich. Die wichtigste und wesentlichste Untersuchungsmethode im Schlaflabor ist die nächtliche Polysomnografie.
Lungenfunktionsprüfung
In unserer Lungenfunktionsabteilung werden umfassende Untersuchungen der verschiedenen Lungenfunktionsparameter durchgeführt:
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- Spirometrie
- Ganzkörperplethysmographie
- Diffusionskapazität
- Blutgasanalyse
- Belastungstests ggf.
Bronchoskopie
Mit der Bronchoskopie (Lungenspiegelung) können z. B. Entzündungen oder andere Veränderungen der Bronchien oder des Lungengewebes erkannt werden. Die thorakalen endoskopischen Untersuchungen in Diagnostik und Therapie stellen einen der Schwerpunkte der Klinik dar. Folgende Verfahren kommen zur Anwendung:
- Spiegelung der Luftröhre und Bronchien (Tracheobronchoskopie)
- Die beiden Techniken sind keine konkurrierenden Verfahren, sondern werden je nach Indikation mit der einen oder anderen Indikation durchgeführt. Interventionelle Untersuchungen werden bei uns unter Umständen als Narkosebronchoskopie mit starrem Instrumentarium durchgeführt.
Bildgebende Verfahren
Bildgebend wird neben dem konventionellen Röntgenbild des Brustkorbes, welches in den Frühstadien häufig keinen eindeutigen pathologischen Befund zeigt, eine Computertomographie (CT) in Dünnschnitttechnik durchgeführt. Der Nachweis von Rippenfell-Erguss (Pleuraerguss) gelingt mit keinem bildgebenden Verfahren so sicher wie mit der Sonographie. Seit vielen Jahren haben wir große Erfahrung mit sonographisch gesteuerten Eingriffen am Brustkorb.
Schlaflabor
Unser Schlaflabor verfügt über sieben polysomnografische Messplätze und zusätzlich zehn polygrafische Messgeräte zum mobilen Einsatz. Unser Schlaflabor umfasst sieben polysomnografische Messplätze.
Therapeutische Maßnahmen
Für die Behandlung von Lungenerkrankungen gibt es ein großes Spektrum an Möglichkeiten in unserem Lungenzentrum. Ziel der therapeutischen Maßnahmen, die im Schlaflabor zur Verfügung stehen, ist es, durch Normalisierung der Atmung einen tiefen und erholsamen Schlaf zur Erholung von Geist und Körper zu erreichen.
Medikamentöse Therapie
Einstellung und Überwachung bei medikamentösen Behandlungen wie z.B. Schlafstörungen können eine unterstützende medikamentöse Therapie, Verhaltensänderungen (sog.
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Beatmung
Auf der spezialisierten pneumologischen Station 2c sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor werden die Patienten auf die Heimbeatmung eingestellt. Diese wird in unserer Abteilung nicht-invasiv, d.h. als Maskenbeatmung durchgeführt. Für die Heimbeatmung stehen in der Klinik spezielle Beatmungsgeräte und -verfahren zur Verfügung.
Lungensportgruppe und Physiotherapie
Nach Entlassung ist eine Teilnahme an der Lungensportgruppe und speziell physiotherapeutischen Maßnahmen ambulant in unserem Hause möglich. Unser Team wird durch eine speziell auf pneumologischem Fachgebiet geschulte Krankenschwester, einer Atmungstherapeutin, unterstützt.
Spezielle Erkrankungen und Schwerpunkte
Einige Lungenzentren haben sich auf bestimmte Erkrankungen oder Schwerpunkte spezialisiert.
Schlafbezogene Atmungsstörungen
Ein weiterer Schwerpunkt der Pneumologie im Kreiskrankenhaus Lörrach ist die Diagnostik von schlafbezogenen Atemstörungen. Im Schwerpunkt des Schlaflabors liegt im Bereich der Behandlung von Atmungsstörungen im Schlaf. Dazu gehört insbesondere die so genannte „Schlafapnoe“, d.h. kurze wiederkehrende Atempausen im Schlaf, die sich akustisch durch lautes Schnarchen im Wechsel mit Atempausen (sog.
Interstitielle Lungenerkrankungen
Durch neue Entwicklungen vor allem in der bildgebenden Diagnostik, aber auch spezifische Pharmakotherapien mit hoffnungsvollen Ergebnissen hat die Bedeutung der interstitiellen Lungenerkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nicht-infektiöse Entzündungen der Lunge werden unter dem Sammelbegriff "interstitielle Lungenerkrankungen" zusammengefasst.
Pneumologische Infektionserkrankungen
In der Tradition der im Jahr 1907 gegründeten Heilstätte „Heidehaus“ behandeln wir im Schwerpunkt „Pneumologische Infektionserkrankungen“ vor allem Patienten mit Tuberkulose - Tendenz steigend. Infektiöse Erkrankungen der tiefen Atemwege und der Lunge werden durch Bakterien, Viren (selten), Pilze und - in unseren Breiten sehr selten - durch Parasiten verursacht.
Endoskopische Lungenvolumenreduktion
Im eigenen Schwerpunkt „Endoskopische Lungenvolumenreduktion“ implantieren wir nach strenger Selektion der Patienten mit schwergradigem Lungenemphysem Ventile und Spiralen. Das Klinikum Fürth betreut pro Jahr etwa 2.500 COPD Patient:innen Grad III bis IV, so dass alle Verfahren der endoskopischen Lungenvolumenreduktion vorgehalten werden.
Kooperationen und Netzwerke
Durch eine enge und nahtlose Kooperation der verschiedenen Abteilungen können wir Ihnen im Lungenzentrum Rhein-Kreis Neuss die umfangreiche und fachübergreifende Abklärung anbieten. Die enge Zusammenarbeit mit den angrenzenden Fachgebieten (Onkologie, Radiologie, Strahlentherapie, Thoraxchirurgie) findet besonders in der onkologischen Konferenz (POK) ihren Ausdruck.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Eine, oft eher zufällig auf einem Röntgenbild erkannte Veränderung im Lungengewebe und die Beurteilung ihrer Relevanz stellen eine Herausforderung zwischen den verschiedenen Fachbereichen dar. Unser Ziel ist es, unseren Patienten als Menschen zu begegnen.
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