Einleitung:
Neuritis, eine Entzündung der Nerven, kann verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist der Mangel an bestimmten Nährstoffen, insbesondere Proteinen und Vitaminen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Proteinmangel, Vitaminmangel und Neuritis, erklärt die Ursachen und bietet einen Überblick über mögliche Behandlungen.
Ursachen von Neuritis und Nährstoffmangel
Vitamin-B12-Mangel und Neuritis
Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu tauben Zehen und neurologischen Problemen führen. Vitamin B12 ist wichtig für die Nervenfunktionen und die Bildung von Blutzellen. Da der Körper es nicht selbst produzieren kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Vitamin B12 kommt hauptsächlich in tierischen Produkten wie Fisch, Fleisch, Milch und Käse vor. Ein Mangel kann durch eine unzureichende Aufnahme oder bestimmte Erkrankungen verursacht werden.
Thiaminmangel (Vitamin B1) und Neuritis
Thiamin (Vitamin B1) ist essentiell für den Kohlenhydratstoffwechsel und die Funktion des Nervensystems. Ein Mangel kann sich durch Schlafstörungen, Anorexie, Muskelschmerzen und zentralnervöse Ausfallerscheinungen äußern. In schweren Fällen kann es zu Beriberi kommen, die sich in trockener Form (sensorische und motorische Nerven betroffen) oder feuchter Form (Herzinsuffizienz und Ödembildung) manifestiert.
- Trockene Beriberi: Manifestiert sich vor allem an sensorischen und motorischen Nerven. Klinisch fallen diese Patienten durch aufsteigende Sensibilitätsstörungen, Augenmuskellähmungen einschließlich einer Atrophie des N. opticus und einer zerebellären Ataxie auf. Heiserkeit als Zeichen einer Schädigung des N. glossopharyngeus ist ein charakteristisches Zeichen. Eine Beteiligung des Herzens ist bis auf eine Tachykardie selten.
- Feuchte Beriberi: Ist durch das Auftreten einer Herzinsuffizienz und Ödembildung charakterisiert. Im Vordergrund der klinischen Zeichen stehen neben Blässe und Ödemen eine Dyspnoe, Tachykardie und Erbrechen. Die Insuffizienz betrifft vor allem das rechte Herz.
- Infantile Beriberi: Sie kommt bei von Müttern mit Thiaminmangel gestillten Kindern vor; bei diesen Müttern können klinische Symptome durchaus fehlen. Klinisch fallen die Kinder durch Bauchschmerzen, Durchfälle und eine zunehmende Wasserretention auf.
Riboflavinmangel (Vitamin B2) und Neuritis
Riboflavin (Vitamin B2) ist wichtig für viele Stoffwechselprozesse und wirkt indirekt antioxidativ. Ein Mangel ist in Industrieländern selten, kann aber bei ungenügender Aufnahme, z. B. bei Galleabflussproblemen oder durch lichtbedingten Zerfall (Fototherapie bei Neugeborenen), entstehen. Zu den Symptomen gehören entzündliche Schleimhautveränderungen wie Glossitis und Stomatitis sowie Hautveränderungen.
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Pyridoxinmangel (Vitamin B6) und Neuritis
Vitamin B6 ist ein Koenzym für Transaminierungs- und Decarboxylierungsreaktionen im Aminosäurestoffwechsel. Ein Mangel kann durch Medikamente wie Isoniazid oder bei Malabsorptionserkrankungen auftreten. Klinische Zeichen sind Krampfanfälle, periphere Neuritis, Dermatitis und mikrozytäre Anämie.
Niacinmangel und Neuritis
Niacin (Nikotinsäure) ist wichtig für Oxidations- und Reduktionsreaktionen im Kohlenhydratstoffwechsel. Ein Mangel kann durch Störungen der Resorption oder Tryptophanmangel entstehen. Die klassische Mangelsituation ist Pellagra, die durch Dermatitis, Diarrhö und Demenz gekennzeichnet ist.
Proteinmangel und Neuritis
Ein genereller Proteinmangel kann ebenfalls zu neurologischen Problemen führen, da Proteine wichtige Bausteine für Nervenzellen und Neurotransmitter sind. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen können beispielsweise zu einem enteralen Eiweißverlustsyndrom führen, was wiederum einen Proteinmangel verursachen kann.
Magnesiummangel und Neuritis
Magnesium ist essenziell für die Muskelarbeit und den Stoffwechsel. Ein Mangel kann sich negativ auf die Nervenfunktion auswirken.
Weitere Ursachen für Neuritis
Neben Nährstoffmängeln gibt es weitere Ursachen für Neuritis:
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- Druck auf Nerven: Eng sitzende Schuhe oder Strümpfe können die Blutzirkulation beeinträchtigen und zu Taubheitsgefühlen in den Zehen führen. Auch ein Bandscheibenvorfall oder das Karpaltunnelsyndrom können Nerven quetschen.
- Toxine: Stoffwechselgifte, Medikamente oder Schwermetalle können Nerven schädigen.
- Nervenverletzungen: Verkehrsunfälle oder Schnittwunden können Nerven verletzen oder durchtrennen.
- Infektionen: Nervenentzündungen können durch Infektionen verursacht werden.
- Diabetes: Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können zu einer diabetischen Neuropathie führen, die sich durch Kribbeln, Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle äußert.
- Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATM): Hierbei wird das Protein Alpha-1-Antitrypsin (AAT) durch einen genetischen Defekt nicht mehr oder nicht in ausreichender Menge hergestellt. Dies kann zu Schäden in der Lunge und Leber führen.
Symptome von Neuritis
Die Symptome von Neuritis sind vielfältig und hängen von der Ursache und dem betroffenen Nerv ab. Häufige Symptome sind:
- Taubheitsgefühle in den Zehen oder Fingern
- Kribbeln oder Brennen
- Schmerzen
- Muskelschwäche oder Lähmungen
- Sensibilitätsstörungen
- Gangunsicherheit
- Augenmuskellähmungen
- Herzinsuffizienz
- Ödembildung
- Schlafstörungen
- Anorexie
- Hautveränderungen (Dermatitis, Glossitis)
- Psychische Veränderungen
Diagnose von Neuritis
Die Diagnose von Neuritis umfasst verschiedene Schritte:
Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die aktuellen Beschwerden.
Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Reflexe, die Sensibilität und die Muskelkraft.
Zusatzuntersuchungen: Je nach Verdacht werden weitere Untersuchungen durchgeführt, wie z. B.:
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- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der Nerven Signale weiterleiten. Eine Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit deutet auf eine Schädigung der Myelinscheide hin.
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln. Sie kann Hinweise auf eine Schädigung der Nerven oder Muskeln geben.
- Blutuntersuchungen: Diese können Hinweise auf Nährstoffmängel, Entzündungen oder andere Erkrankungen geben. Wichtig sind hierbei die Bestimmung von Vitamin B12, Thiamin, Riboflavin, Pyridoxin, Niacin, Folsäure, Albumin, Alpha-1-Antitrypsin und anderen relevanten Parametern.
- Hautbiopsie und QST-Test: Diese Untersuchungen werden durchgeführt, um eine Small Fiber Neuropathie (SFN) zu diagnostizieren.
- MRT: Eine Magnetresonanztomographie kann Veränderungen im Gehirn oder Rückenmark zeigen.
- Untersuchung des Urins: Hier kann die Alpha-Amylase-Aktivität gemessen werden.
- Messung der Transketolaseaktivität in Erythrozyten: Diese Methode dient zur Beurteilung des Thiaminversorgungszustands.
- Messung von 1-N-Methylnikotinamid im Urin: Dient zur Beurteilung des Niacinstatus.
- MRT des zervikalen Myelons: Nachweis hyperintenser Darstellung der Hinter- und oder Seitenstränge.
- Sensibel evozierte Potentiale (SEP): Medianus und Tibialis-SEP - fraktionierte Messung.
- Visuell evozierte Potentiale (VEP): Bei V.a. Optikusatrophie.
- Magnetisch evozierte Potentiale (MEP): Bei V.a. eine Pyramidenbahnschädigung.
- Augenärztliche Untersuchung: Bei V.a. Optikusatrophie.
- HNO-ärztliche Untersuchung: Bei V.a.
Behandlung von Neuritis
Die Behandlung von Neuritis richtet sich nach der Ursache:
Nährstoffmangel: Bei einem Mangel an Vitaminen oder Proteinen erfolgt eine entsprechende Substitution. Dies kann durch eine Ernährungsumstellung oder durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erfolgen.
- Vitamin B12: Orale Therapie mit 1000-2000 µg/Tag über eine Woche, danach 1000µg/Woche bis zum 4. Monat, dann 1000µg/Monat. Bei neurologischer Manifestation parenterale Therapie mit 1-2x /Woche 1000µg intramuskulär oder (abhängig von Schwere der Symptome) 5-7 Tage 1000µg Hydroxycobalamin intramuskulär oder intravenös/subkutan. Danach 2x1000µg in den Wochen 2-4. Erhaltungsdosis 1000µg/Monat.
- Thiamin: 30 mg Thiamin/kg/Tag + Biotin. Bei kardiovaskulärer Form der Beriberi: 50-100 mg Thiamin/Tag i.v. für einige Tage, dann Weiterführung der Dosis p.o.
- Riboflavin: Die tägliche Substitution mit 0,3-0,6 mg Vitamin B2 verhindert die Entstehung des Riboflavinmangels unter Fototherapie.
- Pyridoxin: Zur Unterbrechung eines akuten Krampfanfalls werden 100-200 mg Vitamin B6 benötigt. Die Erhaltungsdosis beträgt ca. 50mg/Tag p.o.
Druck auf Nerven: Hier können entlastende Maßnahmen wie das Tragen von bequemem Schuhwerk oder physiotherapeutische Übungen helfen. In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um den Nerv zu entlasten.
Toxine: Die Exposition gegenüber Toxinen sollte vermieden werden. Gegebenenfalls ist eine Entgiftung erforderlich.
Infektionen: Nervenentzündungen werden mit antiviralen oder antibiotischen Medikamenten behandelt.
Diabetes: Eine gute Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um die diabetische Neuropathie zu behandeln. Zusätzlich können Schmerzmittel und andere Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern.
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Bislang gibt es keine ursächliche Therapie. Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung einer gezielten Therapie.
Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Pregabalin oder Gabapentin eingesetzt werden.
Weitere Therapieansätze:
- Alpha-Liponsäure: Kann zur Aktivierung von Reparaturmechanismen eingesetzt werden.
- Uridinmonophosphat: Begünstigt den schnellen Wiederaufbau wichtiger Membranbestandteile.
- Homöopathie: Verschiedene homöopathische Mittel können zur Behandlung von Neuritis eingesetzt werden, z. B. Tropfen von Meckel Spenglersan, Metabiarex S Tropfen, To-ex spag. Peka N Tropfen, Hechocur spag. Peka N Tr., ITIRES spag. Peka N Tr., RELIX spag. Peka Tr. aa 50.0 (Pekana), M.f.s. dent. tales, tägl. (Syxyl), RMS Städtgen Tropfen.
- Schüssler Salze: Die Kombination aus Nr. 3 (D12), Nr. 7 (D6) und Nr. 11 (D6) kann hilfreich sein.
Prävention von Neuritis
Einige Maßnahmen können helfen, Neuritis vorzubeugen:
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen ist, ist wichtig für die Gesundheit der Nerven.
- Vermeidung von Druck auf Nerven: Bequemes Schuhwerk und eine gute Körperhaltung können helfen, Druck auf Nerven zu vermeiden.
- Vermeidung von Toxinen: Der Kontakt mit Toxinen sollte vermieden werden.
- Gute Blutzuckereinstellung: Bei Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um Nervenschäden vorzubeugen.
- Regelmäßige Fußpflege: Regelmäßige Pflege der Füße und Zehen ist wichtig, um Nervenstörungen vorzubeugen.
- Mehr Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung und unterstützt den Körper dabei, fit zu bleiben.
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