Die Neurologie ist ein faszinierendes und zugleich anspruchsvolles Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur befasst. Sie umfasst das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), das periphere Nervensystem (Nerven) und die neuromuskuläre Endplatte. Als eine der größten neurologischen Kliniken Deutschlands bieten wir Ihnen neben den umfassenden diagnostischen Möglichkeiten eines Krankenhauses der Maximalversorgung auch ein breites therapeutisches Spektrum modernster Neurologie. Weiterhin überblicken wir als Lehrkrankenhaus der Universitäten Dresden und Leipzig die neuesten Studien und Erkenntnisse wissenschaftlicher Medizin.
Die Bedeutung der Neurologie im Medizinstudium und klinischen Alltag
Im Medizinstudium ist die Neurologie laut Approbationsordnung eines der Hauptfächer und somit Voraussetzung für die Zulassung zum Zweiten Staatsexamen. Das IMPP stellt im Hammerexamen viele Fragen zur Neurologie, wobei mit rund 8 Prozent reinen Neuro-Fragen bei den insgesamt 320 Fragen zu rechnen ist.
Kaum ein medizinisches Fachgebiet ist im klinischen Alltag so häufig präsent wie die Neurologie. Viele Patienten stellen sich mit Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen vor - unabhängig von der Fachrichtung. Dies betrifft unter anderem die Innere Medizin, Geriatrie, Notfallmedizin und Psychiatrie.
Diagnostisches Spektrum in der Neurologie
Die neurologische Funktionsdiagnostik ist ein entscheidender Baustein in der modernen Medizin. Sie dient dazu, Störungen des Nervensystems präzise zu erkennen, einzuordnen und zu behandeln. Die neurologische Funktionsdiagnostik umfasst eine Reihe moderner Untersuchungsverfahren, mit denen die Aktivität und Funktion von Gehirn, Rückenmark, Nerven und Muskeln überprüft wird.
Neurophysiologische Untersuchungen
Neurophysiologische Untersuchungen dienen der Funktionsbeurteilung von Nerven. Wir bieten an modernen Geräten ein breites Spektrum neurophysiologischer Untersuchungstechniken durch erfahrene Expertinnen und Experten. Es umfasst unter anderem:
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- Motorische Neurographien einschließlich Serienreizungen
- Antidrome und orthodrome sensible Neurographien
- Sympathische Hautantwort
- Blinkreflex
- Elektromyographie (EMG)
- Somatosensibel evozierte Potenziale
- Motorisch evozierte Potenziale
- Visuell evozierte Potenziale
- Akustisch evozierte Potenziale
- Elektroenzephalographie (EEG)
- Elektrookulografie
- Tremor-Analyse
Die Elektroenzephalografie (EEG) ist eine Methode zur Messung der summierten elektrischen Aktivität des Gehirns, der sogenannten Gehirnströme, durch die Aufzeichnung der Spannungsschwankungen des Gehirns an der Kopfoberfläche. Die Elektromyographie (EMG), auch bekannt als Muskelstromkurve, ist eine Methode in der neurologischen Diagnostik. Mit der Untersuchung der Evozierten Potenziale (hervorgerufene Potenziale) wird durch die Reizung eines Sinnesorgans oder eines Nerven die Leitfähigkeit von Nervenbahnen bis zum Gehirn hin untersucht.
- Visuell evozierte Potenziale (VEP): Durch den Blick auf ein Schachbrettmuster, das rasch zwischen schwarz und weiß wechselt, wird die Sehbahn vom Auge bis zur sogenannten Sehrinde des Gehirns im Hinterkopf untersucht.
- Akustisch evozierte Potenziale (AEP): Über einen Kopfhörer werden akustische Reize (Hörreize) ausgesandt und die zentrale Hörbahn, vom Innenohr bis zur sogenannten Hörrinde, des Gehirns untersucht.
- Somatosensibel evozierte Potenziale (SSEP): Bei diesen Untersuchungen wird die Leitfähigkeit des sogenannten sensiblen Systems von den peripheren Nerven (meist an Armen und Beinen) bis hin zum Gehirn untersucht. Das sensible System lässt sich einteilen in ein spinoafferentes System (Bahnen, die über das Rückenmark laufen; hierzu zählen das Hinterstrangsystem, das Vorderseitenstrangsystem und das spinozerebelläre System) und das Trigeminussystem. Über das spinoafferente System werden sensible Wahrnehmungen vom Körper geleitet, über das Trigeminussystem sensible Afferenzen (Impulse) vom Kopf. Bei einer Gesichtslähmung kann mithilfe dieser Untersuchung die Leitfähigkeit des erkrankten Gesichtsnervs (Nervus facialis) festgestellt werden.
- Bei der Untersuchung der motorisch evozierte Potentiale (MEP) werden die sogenannte motorische Rinde des Gehirns sowie spezielle Bereiche des Rückenmarks durch ein nur kurz ausgelöstes Magnetfeld stimuliert, wodurch in den Muskeln von Armen oder Beinen Muskelkontraktionen ausgelöst und gemessen werden. Um die motorische Nervenleitgeschwindigkeit zu bestimmen, wird der zu untersuchenden Nerv künstlich elektrisch gereizt und der Reizerfolg am zugehörigen Muskel gemessen.
Ultraschall-Labor
Im Ultraschall-Labor unserer Klinik stehen alle etablierten und neueren sonographischen Techniken zur Diagnose von Durchblutungsstörungen und anderen Erkrankungen des Gehirns zur Verfügung, darunter:
- Extrakranielle Dopplersonographie
- Extrakranielle farbkodierte Duplexsonographie
- Transkranielle Dopplersonographie
- Transkranielle Farbduplexsonographie
- Kontrastverstärkte Duplexsonographie
- Emboliedetektion
- Bestimmung der Vasomotorenreserve
- Bestimmung der zerebralen Transitzeit
- Plaquemorphologie
- Morphologie von Hirnläsionen, insbesondere Tumoren
- Messung der Ventrikelweite
- Planimetrie der Substantia nigra
Durch den Farb-Duplex-Ultraschall lässt sich die Durchblutung der Halsschlagader darstellen. Die Besonderheit an dieser Untersuchung ist, dass die Richtung des Blutflusses entweder in Rot oder Blau dargestellt wird.
Labordiagnostik
Unser Liquorlabor bietet ein breites Spektrum labortechnischer Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor). Neurochemisch-neuroimmunologische Diagnostik kommt bei Verdacht auf Nerv-Muskel-Übertragungsstörungen und entzündliche Erkrankungen der peripheren Nerven zum Einsatz. Die Untersuchung des Nervenwassers wird in unseren Kliniken sehr häufig durchgeführt, da sie bei vielen Erkrankungen des Nervensystems wichtige Hinweise geben kann. Mit einer sehr feinen Nadel wird im Bereich der Lendenwirbelsäule bei Bedarf eine örtliche Betäubung gesetzt. Das Rückenmark kann nicht verletzt werden, ebenso wenig wie mit anderen schlimmen Folgen der Lumbalpunktion gerechnet werden muss. In Einzelfällen können Kopfschmerzen und Schwindel beim Aufstehen auftreten.
Histologisches Labor
In unserem histologischen Labor werden im Haus entnommene Biopsien des Nervus suralis, der Skelettmuskulatur und der Haut umfangreich histologisch aufgearbeitet und von langjährig erfahrenen ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik ausgewertet.
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QST- und QSART-Labor
Quantitative sensorische Testung (QST) und quantitative Erfassung der Schweißsekretion (QSART) dienen der Diagnostik von Nervenerkrankungen. Die Testungen werden in unserem Labor standardisiert durchgeführt und können gegebenenfalls mit invasiven diagnostischen Maßnahmen wie einer Hautbiopsie oder einer Biopsie eines Unterschenkel-Nervs (Nervus suralis) kombiniert werden.
Foto- und Video-Labor
Im Foto- und Video-Labor werden neurologische Befunde dokumentiert, die vor allem zur Verlaufsbeurteilung genutzt werden.
Bildgebende Verfahren
Die modernen bildgebenden Untersuchungen wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ermöglichen einen Einblick in das menschliche Gehirn und in die Strukturen von Rückenmark, Nervenwurzeln, Nervengeflechten und Muskulatur. Weiterhin ermöglichen computergestützte Messverfahren, Aussagen über die Beschaffenheit von Nervenbahnen, aber auch das Gehirn und Rückenmark oder den peripheren Nerven, zu treffen. Die großen Blutgefäße, die das Gehirn von außen (Halsgefäße/Schlagadern) und innen (in der Schädelkapsel) versorgen, werden mit einer speziellen Ultraschallsonde untersucht.
Spezialambulanzen und Behandlungsschwerpunkte
Für bestimmte neurologische Erkrankungen, Fragestellungen und Therapien bieten wir Spezialsprechstunden an.
Ambulanz für Autoimmunerkrankungen
Hier kümmern wir uns um die Beratung und Behandlung von Patientinnen und Patienten, die an einer neurologischen Autoimmunerkrankung leiden. Sämtliche diagnostische Methoden zur Abklärung und Verlaufskontrolle neuroimmunologischer Erkrankungen stehen in unserer Klinik zur Verfügung; dabei arbeiten wir insbesondere mit der Abteilung für Neuroradiologie eng zusammen. Unser Ziel ist es, Ihnen eine individuell maßgeschneiderte Therapie zu ermöglichen - das betrifft sowohl die Auswahl und Einleitung einer geeigneten immunmodulatorischen Therapie als auch die Begleitung während der Therapie. In unserer Ambulanz stehen alle Infusionstherapien zur Verfügung.
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Ambulanz für Bewegungsstörungen
Wir behandeln das gesamte Spektrum von Bewegungsstörungen. Diese zeichnen sich in der Regel durch eine unwillkürliche Verarmung (Hypokinese), ein Übermaß (Hyperkinese) an Bewegungen oder eine fehlerhafte Bewegungsausführung aus. Hierzu zählen z.B.:
- Hemispasmus facialis
- fokale Spastik
Es erfolgt eine umfassende Diagnosestellung (inkl. moderner bildgebender Verfahren und u.U. genetischer Diagnostik).
Wir behandeln Patient*innen mit einem Morbus Parkinson und atypischen Parkinsonsyndromen (Multisystematrophie, Progressive Supranukleäre Blickparese, Corticobasales Syndrom und Demenz vom Lewy Körperchen Typ) sowie differentialdiagnostisch abzugrenzende Erkrankungen wie z.B. medikamenteninduziertem Parkinsonismus. In fortgeschritten Stadien der Parkinson-Erkrankung bieten wir das gesamte Spektrum weiterführender Therapien an, wie z.B. Apomorphin- und Duodopa-Pumpentherapie sowie die Tiefe Hirnstimulation.
Es werden Patientinnen mit unterschiedlichen Dystonieformen betreut. Hierzu zählen der Blepharospasmus/Meige-Syndrom, die zervikale Dystonie, Schreibkrampf und andere aktionsinduzierte Dystonien (z.B. Musikerdystonie). Therapie der Wahl ist oft eine Behandlung mit Botulinumtoxin. Weiterhin wird der Spasmus Hemifacialis und eine fokale Spastik (z.B. nach Schlaganfall, posttraumatisch/ posthypoxisch, bei Multipler Sklerose) mit Botulinumtoxin behandelt. Momentan führen wir die Tiefenhirnstimulation bei Patientinnen mit Morbus Parkinson, Tremor-Erkrankungen (v.a. sog. essentieller Tremor) und Dystonien durch.
Die Diagnose des RLS wird primär durch die klinische Untersuchung und die Anamnese gestellt. Neben laborchemischen Untersuchungen erfolgen, falls notwendig, auch elektrophysiologische, bildgebende Untersuchungen oder eine Überwachung im Schlaflabor. Wichtig ist, mögliche Risikofaktoren für ein RLS, z.B. Eisenmangel, Schwangerschaft oder Niereninsuffizienz in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, rechtzeitig zu erkennen und diese wenn möglich spezifisch zu behandeln. Die Therapie umfasst Verhaltensmaßnahmen zur Symptomlinderung und Verbesserung des Schlafes sowie auch eine medikamentöse Therapie. Wir beraten auch über aktuelle Forschungsprojekte.
Wir diagnostizieren und behandeln Patientinnen mit den verschiedensten Ursachen für choreatiforme Bewegungsstörungen. Bei ungeklärter Ursache nutzen wir ein breites Spektrum bildgebender, laborchemischer und genetischer Untersuchungsmethoden, um die Ursache der Erkrankung zu identifizieren. Patientinnen mit einer Huntington-Erkrankung können an unserem Zentrum auch an longitudinalen Verlaufsbeobachtungsstudien und ggf. an interventionellen Studien teilnehmen.
Schmerzambulanz
In der Schmerzambulanz der Neurologie werden am Standort Innenstadt Patient:innen mit neuropathischen Schmerzen (z.B. im Rahmen einer Polyneuropathie) sowie radikulären Beschwerden („Ischiasschmerzen“) behandelt. Behandelt werden Patient:innen mit jeglicher Art von primären oder sekundären Kopf- und/oder Gesichtsschmerzen.
Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie (ZIS)
Chronischer Schmerz ist ein bio-psycho-soziales Geschehen, das biologische ebenso wie psychologische, soziale und kulturelle Komponenten hat. Da eine Schmerzkrankheit sehr vielschichtig ist, sollte deshalb auch eine ganzheitliche Therapie erfolgen. Genau hier setzt das ZIS an: Unser Ziel ist es, alle Aspekte der Schmerzkrankheit zu erfassen. Die Einbindung verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht im interdisziplinären Team eine optimale Behandlung. Dabei bauen wir auf unser multimodales Konzept und eine auf unsere Patientinnen und Patienten individuell zugeschnittene Therapie.
Neurovaskuläre Ambulanz
In unserer neurovaskulären Ambulanz betreuen wir insbesondere Patientinnen mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen (Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße). Wir bieten zudem Nachuntersuchungen nach einem stationären Aufenthalt aufgrund einer neurovaskulären Erkrankung an, insbesondere wenn kontrollbedürftige Befunde erhoben wurden oder erneut über Art und Dauer sekundärpräventiver Maßnahmen entschieden werden soll (z.B. Plättchenhemmer, Antikoagulation). Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung niedergelassener Kolleginnen auch anderer Fachdisziplinen (wie Gefäßchirurgie, Angiologie) bei der Indikationsstellung für gefäßrekonstruktive Eingriffe. Es besteht eine enge direkte Zusammenarbeit mit dem zertifizierten interdisziplinären Gefäßzentrum sowie der Neuroradiologie des Klinikums rechts der Isar. Ausgewählte Fälle werden zusätzlich im wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Gefäßboard besprochen. So kann im Rahmen der ambulanten Behandlung neben der initialen Diagnostik ein weiterführendes Behandlungskonzept unter Einschluss konservativer, operativer bzw. interventioneller Optionen erstellt werden.
Die neurovaskuläre Ambulanz verfügt über das gesamte Spektrum moderner nichtinvasiver Untersuchungsverfahren.
Neuroonkologische Ambulanz
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für Diagnostik und Therapie notwendig, um für alle neuroonkologischen Patienten und Patientinnen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Prognose individuell die Diagnostik und ein optimales Behandlungskonzept festzulegen. Neben dem Einsatz modernster tumorspezifischer Verfahren müssen der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität höchste Priorität besitzen.
Ambulanz für Motoneuronerkrankungen
Motoneuronerkrankungen sind eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen, die mit dem Absterben von motorischen Nervenzellen (Motoneuronen) einhergehen. Diese Nervenzellen verlaufen vom Gehirn zum Rückenmark (1. Motoneuron) bzw. vom Rückenmark zum Muskel (2. Motoneuron). Zu der Gruppe der Motoneuronerkrankungen gehören u.a. die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und die Spinale Muskelatrophie (SMA). Zu den Aufgaben unserer Ambulanz gehört zunächst die Stellung bzw. Sicherung einer Diagnose oder die Beurteilung einer geäußerten Verdachtsdiagnose ("Zweitmeinung"). Der erste Schritt ist ein ärztliches Gespräch sowie eine umfassende körperliche Untersuchung. Im Anschluss erfolgen häufig laborchemische Analysen des Blutes und ggf. des Nervenwassers, elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. NLG, EMG, MUNIX) und bildgebende Verfahren (z.B. MRT/CT). Im Rahmen der Ursachenfindung sind in manchen Fällen zudem gezielte molekulargenetische Untersuchungen einer Blutprobe erforderlich. Nach Diagnosestellung erfolgt eine detaillierte Beratung hinsichtlich der individuellen Prognoseabschätzung und Behandlungsmöglichkeiten. Das Therapiekonzept umfasst je nach persönlichem Bedarf den Einsatz von verschiedenen Medikamenten, Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl, Kommunikationshilfen, Hustenassistent) und Heilmitteln (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) sowie eine Unterstützung bei Schluck- und Atemstörungen. Wichtige Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität, die Verzögerung des Krankheitsfortschrittes sowie die Prävention und Behandlung von Komplikationen.
Ambulanz für Muskelerkrankungen
Muskelerkrankungen können erbliche Ursachen (z.B. Muskeldystrophien) und erworbene Ursachen wie z.B. Entzündungen (Myositis) zugrunde liegen. Die Diagnostik bei Verdacht auf eine Muskelerkrankung umfasst neben einer gründlichen ärztlichen Untersuchung Laboruntersuchungen und elektrophysiologische Untersuchungen (Elektromyographie und Neurographie) sowie in ausgewählten Fällen eine Kernspintomographie (MRT) der Muskeln. In manchen Fällen ist eine Muskelbiopsie (Muskelprobe) notwendig (gerade bei Verdacht auf eine Myositis), die im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in unserer Klinik entnommen wird. Die Untersuchung der Probe erfolgt in Kooperation mit dem Friedrich-Baur-Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach der Diagnosestellung betreuen wir die Patient*innen langfristig ambulant weiter. Neben der Mitbetreuung einer ursächlichen Therapie, die bislang nur bei manchen Muskelerkrankungen verfügbar ist, bieten wir Unterstützung bei der symptomatischen Therapie und Verordnung von Hilfs- und Heilmitteln.
Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen
Erbliche Erkrankungen gewinnen in der Neurologie zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft insbesondere Muskelerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Polyneuropathien und Bewegungsstörungen wie z.B. Ataxien, aber auch bei Schlaganfällen gibt es manchmal erbliche Ursachen. Daher arbeitet die Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen eng mit den anderen Spezialambulanzen der Klinik zusammen. Sowohl die diagnostischen Möglichkeiten („Next-Generation-Sequencing“) als auch die kausalen Therapieoptionen (z.B. Antisense-Oligonukleotid-Therapie und Genersatztherapie) befinden sich in einer rasanten Entwicklung. Bei Verdacht auf eine erbliche neurologische Erkrankung ist eine ausführliche Erhebung der Familiengeschichte wichtig, ggf. auch eine klinische Untersuchung von Familienmitgliedern. Bei vielen erblichen Erkrankungen kann mittlerweile durch den Fortschritt der molekulargenetischen Diagnostik ("Next-Generation-Sequencing") die Ursache in einer Blutprobe identifiziert werden. Manchmal ist zur Einordnung von Genveränderungen auch eine Untersuchung gesunder Familienmitglieder sinnvoll.
Ambulanz für Musikermedizin
Professionelle Musikerinnen und Musiker sind durch jahrelanges intensives Training sowie hohem Leistungs- und Konkurrenzdruck ganz besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dies kann zu sehr speziellen körperlichen aber auch psychischen Problemen führen. In der Ambulanz für Musikermedizin des Universitätsklinikums rechts der Isar arbeitet ein erfahrenes Team aus Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen zusammen und bietet Musikerinnen ein spezialisiertes Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot. Wir arbeiten in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musiker-Medizin (DGfMM). Spiel- bzw. gesangsbedingte Beschwerden behandeln wir interdisziplinär, angepasst an die Bedürfnisse der Musikerinnen und Musiker und Sängerinnen und Sänger. Die enge Zusammenarbeit mit professionellen Musikerinnen und Musikpädagogen und Musikpädagoginnen bildet eine ideale Basis zur besseren Erforschung der Ursachen und Entstehung berufsbedingter Erkrankungen bei professionellen Musiker*innen.
Weitere Ambulanzen
- Ambulanz für spastische Bewegungsstörungen: In der Ambulanz für spastische Bewegungsstörungen werden Patient:innen mit einer Bewegungsstörung auf dem Boden einer Schädigung der Verbindungen vom Gehirn zum Rückenmark gesehen und behandelt.
- Fachambulanz für kognitive Störungen: Dies ist eine Fachambulanz für Erkrankungen des Zentralnervensystems, die zur Beeinträchtigung geistiger Leistungen wie z.B. Demenz führen.
Therapieansätze und Forschung
Neben medizinischer Therapie auf höchstem Niveau ist es uns ein weiteres Ziel, Ihnen während Ihres Aufenthaltes auch menschlich zur Seite zu stehen und Ihre Sorgen und Bedürfnisse entsprechend wahrzunehmen. Als regionaler Gesundheitsversorger begleiten wir Ihre Gesundheitsförderung auch über Ihren Aufenthalt hinaus. Hierzu bestehen etablierte Nachsorgeprogramme, die wir in Zusammenarbeit mit den regionalen Hausärzten und neurologischen Kollegen durchführen.
Unsere Klinik forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. So umfassen unsere Forschungsaktivitäten sowohl Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung, im Bereich der Bildgebung als auch im Bereich klinischer Studien, in denen neue Therapieansätze geprüft werden. Im Rahmen des Kompetenznetz Parkinson und des DZNE sind wir mit anderen universitären Zentren verbunden, um gemeinsam die Erforschung von Bewegungsstörungen voranzutreiben.
Herausforderungen und Perspektiven der Neurologie
Die Neurologie wird im Studium oft als herausfordernd empfunden - nicht zuletzt wegen den komplexen anatomischen und funktionellen Zusammenhängen. Das Fach ist theorielastig, aber stark klinisch ausgerichtet. Wer sich früh mit der neuroanatomischen Topografie und der korrekten Durchführung der neurologischen Untersuchung vertraut macht, hat einen klaren Vorteil. Visuelles Denken und systematisches Herangehen helfen dabei, typische Leitsymptome wie Paresen, Sensibilitätsstörungen oder Ataxie korrekt einzuordnen.
Trotz der hohen Dichte an Inhalten wird die Neurologie in manchen Curricula nur über wenige Wochen gelehrt. Daher ist häufig Eigeninitiative beim Lernen gefragt.
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