Neurologie für die Praxis Rechts der Isar: Schwerpunkte und Angebote

Die Neurologie am Klinikum Rechts der Isar und den zugehörigen Einrichtungen bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Schwerpunkte, Spezialambulanzen und Forschungsaktivitäten, die diese Klinik auszeichnen.

Umfassende Versorgung am MVZ des TUM Klinikums Laim

Seit dem 30. Januar 2025 gehört das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) zum TUM Klinikum Laim. Patientinnen und Patienten profitieren hier von der Kontinuität der bewährten Fachärztinnen und -ärzte. Ein Beispiel ist Frau Dr. med. Christiane Huber, die über 15 Jahre Berufserfahrung in der neurologischen Diagnostik und Behandlung verfügt. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Uniklinik Zürich sowie am TUM Klinikum Rechts der Isar. Sie legt besonderen Wert auf eine sorgfältige Diagnostik, verständliche Beratung und geht aufmerksam auf die Patientinnen und Patienten ein. Ihre fachlichen Schwerpunkte umfassen:

  • Neurovaskulärer Ultraschall
  • Schlaganfall-Diagnostik und -Nachsorge
  • Nervenultraschall
  • Elektroneurographische/myographische Diagnostik

Schlaganfallversorgung und Forschung

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Neurologie liegt in der Akutversorgung und Nachsorge von Schlaganfallpatienten. Dies umfasst die Optimierung der Behandlung von Hirnblutungen und ischämischen Hirninfarkten, insbesondere nach rekanalisierender Therapie (Thrombolyse und mechanische Rekanalisation). Aktuelle Studien untersuchen spezielle Fragestellungen zum Akutmanagement des Schlaganfalls, wie die DISTAL-Studie zur Thrombektomie bei distalen Gefäßverschlüssen und die WE TRUST-Studie zum Ultra-fast Stroke Treatment.

Die Klinik beteiligt sich an der DFG-geförderten ACT in Stroke-Studie, die in Kooperation mit der Klinik für Anästhesie und der Abteilung für Neuroradiologie durchgeführt wird. Diese Studie untersucht die Notwendigkeit einer Narkose während der Rekanalisation. Durch die Teilnahme am German Stroke Registry (GSR) erfolgt eine systematische Evaluierung der Thrombektomien in einem großen Patientenkollektiv. Des Weiteren wird die Entwicklung einer Demenz nach Schlaganfall in der DEMDAS-Studie untersucht. Seit 2024 läuft die DFG-geförderte WATCH AFib-Studie zur Erkennung von Vorhofflimmern bei kryptogenem Schlaganfall mittels Smartwatch.

In Kooperation mit der Abteilung für Neuroradiologie ist die Klinik seit 2024 medizinisch-wissenschaftliches Assoziationszentrum des Neurovaskulären Netzwerkes Südwestbayern NEVAS.

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Neuroradiologie: Diagnostik und minimal-invasive Therapie

Die Abteilung für Neuroradiologie ist auf die Diagnostik und minimal-invasive Therapie von Erkrankungen des Gehirns und der Wirbelsäule spezialisiert. Der diagnostische Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung von Erkrankungen des Gehirns und der Wirbelsäule mittels moderner bildgebender Verfahren wie MRT, CT und Angiographie. Auch die Visualisierung der Gehirnfunktion wird zunehmend wichtiger.

Der therapeutische Schwerpunkt liegt auf der Therapie von Blutgefäß-assoziierten Erkrankungen des Gehirns (z.B. drohender oder akuter Schlaganfall, Hirnblutung) mit minimal-invasiven Kathetertechniken sowie der Schmerztherapie an der Wirbelsäule. Die Abteilung arbeitet eng mit den "Kopffächern" des Klinikums, dem Institut für Röntgendiagnostik und anderen Fachdisziplinen zusammen. In täglichen Konferenzen werden Krankheitsbilder interdisziplinär erörtert. Für Notfälle steht eine neuroradiologische Rufbereitschaft rund um die Uhr zur Verfügung.

Forschung und Lehre

Die Neurologische Klinik engagiert sich intensiv in Forschung und Lehre. Eine BMBF-Nachwuchsgruppe erforscht das Gehirn und seine Erkrankungen, einschließlich der Entwicklung neuer Therapieverfahren. Die Klinik beteiligt sich an der Ausbildung von Studierenden der Humanmedizin, der Psychiatrie und der Psychologie sowie an der nationalen und internationalen Graduiertenausbildung von Medizinern und Naturwissenschaftlern. Parallel zur Facharztausbildung wird ein Clinician Scientist Programm angeboten.

Kinderneurologie am KinderCampus Schwabing

Am KinderCampus in Schwabing bietet die Neuropädiatrie umfassende Leistungen für Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Im Kindesalter befinden sich Gehirn und Nervensystem noch in einem Reifungsprozess, daher sind genaue Kenntnisse der normalen altersgerechten Entwicklung notwendig, um Auffälligkeiten beurteilen zu können. Die Kinder-Neurologen sind hierfür qualifiziert. Die Klinik arbeitet eng mit dem Institut für Humangenetik des Klinikums Rechts der Isar zusammen und bietet modernste molekulargenetische Diagnostik an. Es wird das gesamte Spektrum der elektrophysiologischen Funktionsdiagnostik sowie sämtliche bildgebenden Verfahren eingesetzt.

Spezialsprechstunden und Schwerpunkte

Die Neurologische Klinik bietet verschiedene Spezialsprechstunden für spezifische neurologische Erkrankungen an:

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Neuromuskuläre Erkrankungen

Neuromuskuläre Erkrankungen führen zu einer Schwäche oder vorzeitigen Ermüdbarkeit der Muskulatur. Ursachen können Störungen im Muskel selbst, im Zusammenspiel zwischen Nerv und Muskel, Schädigungen der peripheren Nerven oder Schädigungen der motorischen Neurone sein. Die Klinik bietet alle Möglichkeiten zur Diagnose neuromuskulärer Erkrankungen, einschließlich spezieller Laboruntersuchungen, detaillierter elektrophysiologischer Untersuchungen (Elektroneurographie, Elektromyographie, Evozierte Potentiale), Nervenwasseruntersuchung und Nerven- und Muskelbiopsie. Die Klinik ist Teil des Muskelzentrums Bayern-Süd und bietet Hilfsmittel- und Sozialberatung durch Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) an. Es besteht eine intensive Kooperation mit dem Friedrich-Baur-Institut.

Neuroimmunologische Erkrankungen

In dieser Sprechstunde werden Patientinnen und Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen beraten und behandelt. Sämtliche diagnostische Methoden zur Abklärung und Verlaufskontrolle stehen zur Verfügung. Ziel ist eine individuell maßgeschneiderte Therapie, einschließlich der Auswahl und Einleitung einer geeigneten immunmodulatorischen Therapie sowie der Begleitung während der Therapie. Alle Infusionstherapien stehen in der Ambulanz zur Verfügung.

Bewegungsstörungen

Die Klinik behandelt das gesamte Spektrum von Bewegungsstörungen, die sich durch unwillkürliche Verarmung (Hypokinese), ein Übermaß (Hyperkinese) an Bewegungen oder eine fehlerhafte Bewegungsausführung auszeichnen. Hierzu zählen z.B. Hemispasmus facialis und fokale Spastik. Es erfolgt eine umfassende Diagnosestellung (inkl. moderner bildgebender Verfahren und u.U. genetischer Diagnostik).

  • Morbus Parkinson und atypische Parkinsonsyndrome: In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung wird das gesamte Spektrum weiterführender Therapien angeboten.
  • Dystonien: Verschiedene Dystonieformen werden betreut, wie Blepharospasmus/Meige-Syndrom, zervikale Dystonie, Schreibkrampf und andere aktionsinduzierte Dystonien. Therapie der Wahl ist oft eine Behandlung mit Botulinumtoxin.
  • Spasmus Hemifacialis und fokale Spastik: Diese werden ebenfalls mit Botulinumtoxin behandelt.
  • Tiefe Hirnstimulation: Diese wird bei Patient*innen mit Morbus Parkinson, Tremor-Erkrankungen durchgeführt.

Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Die Diagnose des RLS wird primär durch die klinische Untersuchung und die Anamnese gestellt. Neben laborchemischen Untersuchungen erfolgen, falls notwendig, auch elektrophysiologische, bildgebende Untersuchungen oder eine Überwachung im Schlaflabor. Wichtig ist, mögliche Risikofaktoren für ein RLS, z.B. in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, rechtzeitig zu erkennen und diese wenn möglich spezifisch zu behandeln. Die Therapie umfasst Verhaltensmaßnahmen zur Symptomlinderung und Verbesserung des Schlafes sowie auch eine medikamentöse Therapie.

Choreatiforme Bewegungsstörungen

Patientinnen mit den verschiedensten Ursachen für choreatiforme Bewegungsstörungen werden diagnostiziert und behandelt. Bei ungeklärter Ursache wird ein breites Spektrum bildgebender, laborchemischer und genetischer Untersuchungsmethoden genutzt, um die Ursache der Erkrankung zu identifizieren. Patientinnen mit einer Huntington-Erkrankung können an longitudinalen Verlaufsbeobachtungsstudien und ggf. an interventionellen Studien teilnehmen.

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Neurovaskuläre Ambulanz

In der neurovaskulären Ambulanz werden insbesondere Patientinnen mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen (Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße) betreut. Es werden Nachuntersuchungen nach einem stationären Aufenthalt aufgrund einer neurovaskulären Erkrankung angeboten, insbesondere wenn kontrollbedürftige Befunde erhoben wurden oder erneut über Art und Dauer sekundärpräventiver Maßnahmen entschieden werden soll. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung niedergelassener Kolleginnen auch anderer Fachdisziplinen (wie Gefäßchirurgie, Angiologie) bei der Indikationsstellung für gefäßrekonstruktive Eingriffe. Es besteht eine enge direkte Zusammenarbeit mit dem zertifizierten interdisziplinären Gefäßzentrum sowie der Neuroradiologie des Klinikums rechts der Isar. Ausgewählte Fälle werden zusätzlich im wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Gefäßboard besprochen. Die neurovaskuläre Ambulanz verfügt über das gesamte Spektrum moderner nichtinvasiver Untersuchungsverfahren.

Neuroonkologie

Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für Diagnostik und Therapie notwendig, um für alle neuroonkologischen Patienten und Patientinnen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Prognose individuell die Diagnostik und ein optimales Behandlungskonzept festzulegen. Neben dem Einsatz modernster tumorspezifischer Verfahren müssen der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität höchste Priorität besitzen.

Motoneuronerkrankungen (MND)

Die Ambulanz für Motoneuronerkrankungen (MND) bietet Diagnostik, Beratung und Behandlung für Patient*innen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Spinaler Muskelatrophie (SMA). Zu den Aufgaben der Ambulanz gehört die Stellung bzw. Sicherung einer Diagnose oder die Beurteilung einer geäußerten Verdachtsdiagnose ("Zweitmeinung"). Im Anschluss erfolgen häufig laborchemische Analysen des Blutes und ggf. des Nervenwassers, elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. NLG, EMG, MUNIX) und bildgebende Verfahren (z.B. MRT/CT). Im Rahmen der Ursachenfindung sind in manchen Fällen zudem gezielte molekulargenetische Untersuchungen einer Blutprobe erforderlich. Nach Diagnosestellung erfolgt eine detaillierte Beratung hinsichtlich der individuellen Prognoseabschätzung und Behandlungsmöglichkeiten. Das Therapiekonzept umfasst je nach persönlichem Bedarf den Einsatz von verschiedenen Medikamenten, Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl, Kommunikationshilfen, Hustenassistent) und Heilmitteln (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) sowie eine Unterstützung bei Schluck- und Atemstörungen. Wichtige Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität, die Verzögerung des Krankheitsfortschrittes sowie die Prävention und Behandlung von Komplikationen.

Muskelerkrankungen

Die Diagnostik bei Verdacht auf eine Muskelerkrankung umfasst neben einer gründlichen ärztlichen Untersuchung Laboruntersuchungen und elektrophysiologische Untersuchungen (Elektromyographie und Neurographie) sowie in ausgewählten Fällen eine Kernspintomographie (MRT) der Muskeln. In manchen Fällen ist eine Muskelbiopsie (Muskelprobe) notwendig (gerade bei Verdacht auf eine Myositis), die im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in der Klinik entnommen wird. Die Untersuchung der Probe erfolgt in Kooperation mit dem Friedrich-Baur-Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach der Diagnosestellung werden die Patient*innen langfristig ambulant weiterbetreut. Neben der Mitbetreuung einer ursächlichen Therapie, die bislang nur bei manchen Muskelerkrankungen verfügbar ist, wird Unterstützung bei der symptomatischen Therapie und Verordnung von Hilfs- und Heilmitteln geboten.

Erbliche Neurologische Erkrankungen

Die Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen arbeitet eng mit den anderen Spezialambulanzen der Klinik zusammen. Bei Verdacht auf eine erbliche neurologische Erkrankung ist eine ausführliche Erhebung der Familiengeschichte wichtig, ggf. auch eine klinische Untersuchung von Familienmitgliedern. Bei vielen erblichen Erkrankungen kann mittlerweile durch den Fortschritt der molekulargenetischen Diagnostik ("Next-Generation-Sequencing") die Ursache in einer Blutprobe identifiziert werden. Manchmal ist zur Einordnung von Genveränderungen auch eine Untersuchung gesunder Familienmitglieder sinnvoll.

Musikermedizin

Professionelle Musikerinnen und Musiker sind durch jahrelanges intensives Training sowie hohem Leistungs- und Konkurrenzdruck ganz besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt. In der Ambulanz für Musikermedizin des Universitätsklinikums rechts der Isar arbeitet ein erfahrenes Team aus Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen zusammen und bietet Musikerinnen ein spezialisiertes Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot. Die enge Zusammenarbeit mit professionellen Musikerinnen und Musikpädagogen und Musikpädagoginnen bildet eine ideale Basis zur besseren Erforschung der Ursachen und Entstehung berufsbedingter Erkrankungen bei professionellen Musiker*innen.

Forschungsschwerpunkte

Die Neurologische Klinik forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. Die Forschungsaktivitäten umfassen Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung, im Bereich der Bildgebung sowie im Bereich klinischer Studien, in denen neue Therapieansätze geprüft werden. Im Rahmen des Kompetenznetz Parkinson und des DZNE ist die Klinik mit anderen universitären Zentren verbunden, um gemeinsam die Erforschung von Bewegungsstörungen voranzutreiben.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Ein wesentliches Merkmal der Neurologie am Klinikum Rechts der Isar ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, wie der Neuroradiologie, der Gefäßchirurgie, der Anästhesie und dem Friedrich-Baur-Institut. Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine umfassende und individuelle Betreuung der Patientinnen und Patienten.

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