Obwohl Symptome wie Schmerzen, Taubheitsgefühle, Bewegungsstörungen und ein verminderter Tastsinn bereits auf eine Nervenschädigung hinweisen können, stehen zahlreiche Verfahren zur Verfügung, um eine sichere Diagnose zu stellen. Der Neurologe ist der Experte für die Feststellung von Nervenschädigungen, da er auf Störungen und Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert ist.
Einführung
Ziel der neurologischen Untersuchung ist es festzustellen, ob, wo und in welchem Ausmaß eine Nervenschädigung vorliegt. Um dies zu erreichen, setzt der Neurologe verschiedene Methoden ein, die von der Anamnese über körperliche Untersuchungen bis hin zu elektrophysiologischen und bildgebenden Verfahren reichen.
Anamnese und Schmerzeinschätzung
Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, in dem der Facharzt sich nach den genauen Beschwerden und der Krankengeschichte erkundigt. Während dieses Gesprächs werden die Art und Intensität der Schmerzen klassifiziert, zum Beispiel als brennend und eher schwach ausgeprägt oder stechend und sehr stark. Der Patient muss seinen Schmerz auf einer visuellen Skala (meist in Form eines Balkens) einschätzen.
Körperliche Untersuchung
Die körperliche Untersuchung umfasst verschiedene Tests, um die Funktion der Nerven zu überprüfen. Dazu gehören die Prüfung von Reflexen, wie beispielsweise dem Kniesehnen-Reflex, den der Arzt auslösen kann, indem er mit einem kleinen Hämmerchen auf die Kniescheibe klopft. Weitere Tests beziehen sich auf die Berührungsempfindlichkeit von Armen oder Beinen. Als Hilfsmittel dient dabei zum Beispiel eine Stimmgabel, die angeschlagen und anschließend an die untersuchte Hautstelle gehalten wird, sodass die Schwingungen nachempfunden werden können. Wenn eine Nervenschädigung vorliegt, können diese Schwingungen möglicherweise nicht wahrgenommen werden.
Elektrophysiologische Untersuchungen
Elektroneurografie (ENG) oder Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG)
Die Elektroneurografie (ENG), auch bekannt als Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG), ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie. Mit dieser Methode wird die Leitfähigkeit und Geschwindigkeit peripherer Nerven gemessen. So lassen sich Nervenschädigungen, Blockaden oder Engstellen zuverlässig nachweisen.
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Bei einer Elektroneurografie misst der Mediziner die Nervenleitgeschwindigkeit, also die Fähigkeit eines Nervs, elektrische Impulse zu leiten. Dafür klebt der Arzt mehrere kleine Elektroden auf die Haut. Der Nerv wird dann über die Elektroden durch einen sanften elektrischen Impuls stimuliert. Gleichzeitig erfassen die Elektroden, wie lange es dauert, bis der Nerv den Impuls an einen Muskel weitergegeben hat. Die daraus gezogenen Messwerte geben Aufschluss über Art und Ausmaß von Nervenschädigungen.
Die ENG ist eine sichere und schonende Untersuchung, die wertvolle Hinweise auf die Funktion der Nerven gibt. Über kleine Elektroden wird ein kurzer Stromimpuls auf den zu untersuchenden Nerv gegeben. Die Reizungen sind ungefährlich, können aber ein kurzes Kribbeln oder leichtes Muskelzucken auslösen.
Was wird untersucht?
Die NLG-Untersuchung dient der Funktionstestung der Nerven in Arm und Bein (sog. periphere Nerven). Kurz gesagt, wird überprüft, ob die Nervenleitung blockiert oder verlangsamt ist und ob die Nervenkabel normal leiten oder geschädigt sind. Liegt ein Nervenschaden vor, können durch die NLG-Untersuchung Aussagen über den Ort, die Art und das Ausmaß einer Nervenschädigung getroffen werden.
Wie wird die ENG durchgeführt?
- Zuallererst werden Klebelektroden auf der Haut angebracht. Über diese Elektroden kann das Nervensignal über einen angeschlossenen Verstärker gemessen werden.
- Um die Nervenfunktion zu messen, müssen die Nerven mit einem (ungefährlichen) Stromimpuls stimuliert werden. Je nachdem welcher Nerv betroffen ist, bzw. welche Fasern eines Nervs (sensible vs. motorische Fasern) gemessen werden sollen, wird der Ort der Ableitelektroden gewählt.
Ist die ENG schmerzhaft?
Leider ist eine NLG-Untersuchung vom Prinzip her nicht ganz angenehm - es müssen die zu untersuchenden Nerven mit Stromimpulsen gereizt werden. Diese Stromimpulse sind spürbar. Die Intensität wird meist als unangenehm empfunden, ist aber erträglich. Die NLG-Untersuchung ist nur wenig schmerzhaft.
Worauf muss man sich vorbereiten?
Zur Nervenmessung müssen Klebelektroden direkt auf die Haut geklebt werden. Bitte am Tag der Untersuchung nicht eincremen. Bei der Untersuchung müssen Uhr und Armbänder abgenommen werden. Für den Winter: die Hände sollten nicht zu kalt sein, das verändert die Messwerte. Diese bitte am Tag der Untersuchung nicht eincremen. Bei der Untersuchung müssen Schuhe und Strümpfe ausgezogen werden, je nachdem auch die Hose - die Beine sollten auf jeden Fall bis knapp über Kniehöhe frei sein. Für den Winter: die Füße sollten nicht zu kalt sein.
Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg
Risiken
Aus medizinischer Sicht ist die Untersuchung völlig ungefährlich.
Wann wird die ENG eingesetzt?
Die NLG-Untersuchung wird am Häufigsten bei Verdacht auf eine allgemeine Erkrankung der Nerven (Polyneuropathie) oder auf eine Schädigung einzelner Nerven (z.B. durch Verletzung, Einklemmung, Nervenkompressionssyndrom oder auch Nervenwurzeleinklemmung infolge eines Bandscheibenvorfalls) eingesetzt. Die NLG- und EMG-Untersuchung ist besonders hilfreich, um Funktionsstörungen von Muskeln, Nerven und Nervenwurzeln festzustellen. Durch eine NLG- und EMG-Untersuchung wird überprüft, ob die Nervenleitung blockiert oder verlangsamt ist und ob die „Nervenkabel“ normal leiten oder geschädigt sind. Liegt eine Polyneuropathie vor? Wie ausgeprägt? Muss zeitnah behandelt werden? Werden Schmerzen durch ein „Nervenproblem“ verursacht? Liegt ein eingeklemmter Nerv vor? Welcher Nerv? Wo genau? Ist der Nerv gereizt oder geschädigt? Wie ausgeprägt ist der Nervenschaden? Nur leicht? Oder drohen bleibende Ausfallserscheinungen? Wie dringend sollte eine Therapie erfolgen?
Unser Ansatz: Der Schlüssel zu einer aussagekräftigen NLG- und EMG-Untersuchung liegt in der genauen Vorbereitung - der neurologischen Voruntersuchung, darauf aufbauend der Formulierung der Fragestellung und der individuellen Untersuchungsplanung. Untersucht werden sollte genau „da wo es weh tut“ (d.h. bei Schmerzen genau der Nerv, der für dieses Areal zuständig ist), bzw. genau die Muskeln, die eine Funktionsstörung zeigen. Eine kurze Standarduntersuchung nach Schema F führt hier oft nicht weiter. Und genau da setzen wir an - wir bieten eine erweiterte moderne Diagnostik, die das individuelle Problem berücksichtigt und zu einem aussagekräftigen Ergebnis kommt.
Elektromyographie (EMG) oder Muskelstromkurve
Bei einer Elektromyographie wird die elektrische Muskelaktivität (also das Zusammenspiel von versorgenden Nerven und Muskelpartie) bestimmt. Der Neurologe führt bei dieser Untersuchung dünne Nadelelektroden durch die Haut in den jeweiligen Muskel ein. Die Elektroden leiten auf den Muskel übertragene Aktivität ab und stellen diese auf einem Bildschirm in Form von Spannungskurven dar. Ist die Muskulatur oder ein dazugehöriger Nerv geschädigt, ist die gemessene elektrische Aktivität verändert (zeigt sich zum Beispiel durch verkürzte oder verlängerte Spannungskurven). Patienten müssen keine Angst vor einem EMG haben, die Einstiche der Nadelelektroden sind mit denen bei einer Akupunktur vergleichbar.
Wie funktioniert das EMG?
Die normale Anspannung eines Muskels wird durch elektrische Signale (welche über die Nerven zum Muskel geleitet werden) gemessen. Durch die EMG-Messung wird u.a. festgestellt, ob die Ansteuerung des Muskels durch die Nervenfasern intakt ist. Anhand der EMG-Untersuchung können Probleme der Nervenansteuerung der Muskeln bereits erfasst werden, bevor es zu einer Kraftminderung kommt. Krafttestung einzelner Fingermuskeln: Die EMG-Untersuchung ist eine Erweiterung der Krafttestung. Mit dem EMG können Probleme der Nerv-Muskelansteuerung festgestellt werden, lange bevor der Nervenschaden so groß ist, dass es zu einem Kraftverlust kommt. Eine EMG-Untersuchung ist immer dann sinnvoll, wenn die Nervenbahnen zu den Muskeln beurteilt werden sollen. Wie schwerwiegend ist der Nervenschaden? Eine wichtige Information für die Therapieentscheidung und ein sehr wichtiges Kriterium für die Beurteilung z.B. Eine Muskelschwäche kann entweder durch eine gestörte Ansteuerung des Muskels (d.h. eigentlich ein „Nervenproblem“, med. Neuropathie) verursacht sein, oder durch Veränderungen des Muskels selbst (also ein „Muskelproblem“, med. Myopathie). Beide möglichen Ursachen können mit der EMG-Untersuchung gut voneinander abgegrenzt werden. Man kann durch das EMG auch sehen, ob sich (z.B. nach einer Nervenverletzung) die Nervenfasern wieder regenerieren. Wenn dies zutrifft, kann man den weiteren Heilungsverlauf abwarten. Wenn nicht, muss weiter gesucht werden, ob es eine fortbestehende Ursache gibt, die eine Nervenregeneration verhindert.
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
Wie wird das EMG durchgeführt?
Die Aufzeichnung erfolgt aus dem Muskel unter Verwendung einer sehr dünnen Nadelelektrode (weniger als halb so dick wie eine Blutentnahmenadel). Diese Untersuchung beinhaltet keine Stromstimulation. Die im Muskel selbst erzeugten elektrischen Signale werden durch die Nadelelektrode abgeleitet, über einen angeschlossenen Computer verstärkt und dann sichtbar und hörbar (und natürlich messbar) gemacht. Man kann sich dies vorstellen wie ein elektrisches Mikrophon in der Nadelspitze, welches die elektrische Muskelaktivität aufnimmt und hörbar macht.
Risiken
Theoretisch besteht (wie übrigens bei jeder Nadelanwendung: Injektion, “Spritze“, Akkupunktur o.a.) das Risiko einer Verletzung von Blutgefäßen z.B. durch die Nadel (Blutungsrisiko) oder einer Keimeinschleppung (Infektionsgefahr). Selbstverständlich werden zur Minimierung der Infektionsgefahr sterile Nadeln verwendet. Diese werden nach Gebrauch entsorgt und nicht wiederverwendet. Wie bei anderen Spritzen und Injektionen auch (im Rahmen einer Schutzimpfung zum Beispiel) kann über einige Tage ein „blauer Fleck“ verbunden mit einem Druckgefühl an dieser Stelle bleiben. Bei angeborener Blutungsneigung oder bei medikamentös starker Blutverdünnung sollte die EMG-Untersuchung aufgrund des Risikos nur bei dringender Notwendigkeit durchgeführt werden.
Zusammenhang zwischen NLG und EMG
Bei der ENG wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen, während beim EMG (Elektromyographie) die elektrische Aktivität im Muskel selbst untersucht wird.
Evozierte Potentiale (EP)
Mit diesen Untersuchungsmethoden können die Nervenbahnen einzelner Sinnesorgane (Seh- und Hörsinn) sowie die sensiblen und motorischen Nervenbahnen gemessen werden. Hierfür werden Elektroden am Kopf und teilweise auch am Rücken angebracht. Je nach Sinnesreiz unterscheidet man folgende Untersuchungen:
- Visuell evozierte Potentiale (VEP): Diese Untersuchung ermöglicht die Überprüfung des Sehnervs sowie der gesamten Sehbahn bis zur Sehrinde im Hinterhauptslappen des Gehirns. Krankhafte Veränderungen finden sich häufig bei entzündlichen Erkrankungen des Gehirns, wie z. B. bei der Multiplen Sklerose.
- Akustisch evozierte Potentiale (AEP): Über einen Kopfhörer werden „Klickimpulse“ abgegeben, wodurch die gesamte Hörbahn stimuliert wird. Somit können Schädigungen im Verlauf des Hör- und Gleichgewichtsnervs erfasst und Informationen über das Stammhirn gewonnen werden.
- Somatosensible evozierte Potentiale (Medianus- und Tibialis-SEP): Mit dieser Untersuchung werden die Leitungsbahnen untersucht, die das Berührungsempfinden an das Gehirn weiterleiten. Mit leichten Stromimpulsen erfolgt die Nervenstimulierung an den Armen und Beinen. Durch diese Untersuchung können unter anderem Schädigungen im Bereich des Rückenmarks aufgezeigt werden, welche z.B. bei schweren Bandscheibenvorfällen, bei Multiplen Sklerose oder bei Tumoren vorkommen.
- Motorisch evozierte Potentiale: Motorisch evozierte Potentiale dienen der Untersuchung der motorischen Nervenbahnen, welche für die Willkürbewegung zuständig sind. Mittels Magnetstimulation über dem Bewegungszentrum im Gehirn (Großhirnrinde) werden die motorischen Nervenbahnen gereizt, die Ableitung erfolgt über einzelne Muskeln an den Armen und Beinen.
Bildgebende Verfahren
Die modernen bildgebenden Untersuchungen wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ermöglichen einen Einblick in das menschliche Gehirn und in die Strukturen von Rückenmark, Nervenwurzeln, Nervengeflechten und Muskulatur. Weiterhin ermöglichen computergestützte Messverfahren, Aussagen über die Beschaffenheit von Nervenbahnen, aber auch das Gehirn und Rückenmark oder den peripheren Nerven, zu treffen.
Ultraschalluntersuchung
Die großen Blutgefäße, die das Gehirn von außen (Halsgefäße/Schlagadern) und innen (in der Schädelkapsel) versorgen, werden mit einer speziellen Ultraschallsonde untersucht. Im Ultraschalllabor können die hirnversorgenden Gefäße extra- und transkraniell (außerhalb des Schädels bzw. durch diesen hindurch) mittels Doppler-/Duplex-Sonografie dargestellt werden. Dies dient der Erkennung von arteriosklerotischen Veränderungen aber auch von Dissektionen oder entzündlichen Prozessen.
Wir bieten die neue Methode der Ultraschalldiagnostik von Nerven an. Die Nervensonographie kann Nervenverletzungen, Nerventumoren oder Einklemmungen von Nerven sichtbar machen. Die Darstellung vieler Nerven gelingt mit dem Ultraschall besser als mit der Kernspintomographie.
Elektroenzephalografie (EEG)
Die Elektroenzephalografie (EEG) ist eine Methode zur Messung der summierten elektrischen Aktivität des Gehirns, der sogenannten Gehirnströme, durch die Aufzeichnung der Spannungsschwankungen des Gehirns an der Kopfoberfläche.
Ein EEG wird zur Untersuchung von Funktionsstörungen des Gehirns eingesetzt. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Die Untersuchung findet in einem bequemen Sessel statt. Eine Haube aus Gummischläuchen wird auf den Kopf aufgesetzt, darunter werden Oberflächenelektroden geklemmt, die die hirneigene elektrische Aktivität aufnehmen. Der Patient sollte während der Untersuchung entspannt sitzen und die Augen locker geschlossen halten. Während der Untersuchung wird der Patient mehrfach aufgefordert, die Augen zu öffnen und wieder zu schließen. Die Untersuchung dauert insgesamt mit Vorbereitung ca. Bei Verdacht auf Epilepsie kann ein Schlaf-EEG nach Schlafentzug sinnvoll sein. Das EEG wird morgens nach einer durchwachten Nacht abgeleitet und der Patient sollte dabei einschlafen und wieder erweckt werden.
Farb-Duplex-Ultraschall
Durch den Farb-Duplex-Ultraschall lässt sich die Durchblutung der Halsschlagader darstellen. Die Besonderheit an dieser Untersuchung ist, dass die Richtung des Blutflusses entweder in Rot oder Blau dargestellt wird.
Doppler-Sonographie
Bei der Doppler-Sonographie (benannt nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler) wird eine Sonde auf die Haut aufgesetzt, die die Blutkörperchen beschallt. Die Bewegung der Blutkörperchen wird von dem Untersuchungsgerät in Zischlaute umgesetzt, die man als Patient bei der Untersuchung mithören kann. Bestimmte Eigenschaften der Zischlaute gestatten dem Untersucher, das Ausmaß von Verengungen über die auftretenden Blutflußgeschwindigkeitesänderungen zu messen.
Duplex-Sonographie
Bei der Duplex-Sonographie lässt sich ein Blutgefäß mit seinem Hohlraum direkt darstellen. Verengungen und Ablagerungen (Plaque) werden direkt bildhaft sichtbar. Der Blutfluß innerhalb des Gefäßes lässt sich farbig darstellen („farbkodiert“).
Optische Kohärenztomografie (OCT)
Die Optische Kohärenztomografie (OCT) erlaubt eine nicht-invasive, gut verträgliche und hochauflösende Untersuchung verschiedener Netzhautschichten des Auges.
Weitere diagnostische Verfahren
Blutuntersuchung
Spezielle Messwerte und Parameter des Bluts können Hinweise auf die Ursache einer Nervenschädigung geben.
Liquoruntersuchung
Mithilfe der Liquoruntersuchung kann entschieden werden, ob Gehirn und Rückenmark von den Nervenschädigungen betroffen sind. Die aus dem Rückenmark entnommene Flüssigkeit ist normalerweise klar. Liegt eine Nervenschädigung vor, ist die Zusammensetzung des Liquors verändert. Für die Gewinnung des Liquors sticht der Facharzt mit einer dünnen Nadel in der Regel zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel.
Die Untersuchung des Nervenwassers wird in unseren Kliniken sehr häufig durchgeführt, da sie bei vielen Erkrankungen des Nervensystems wichtige Hinweise geben kann. Mit einer sehr feinen Nadel wird im Bereich der Lendenwirbelsäule bei Bedarf eine örtliche Betäubung gesetzt. Das Rückenmark kann nicht verletzt werden, ebenso wenig wie mit anderen schlimmen Folgen der Lumbalpunktion gerechnet werden muss. In Einzelfällen können Kopfschmerzen und Schwindel beim Aufstehen auftreten.
Im klinikeigenen Liquorlabor wird die gesamte Diagnostik bei infektiös und autoimmun entzündlichen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, bei Tumorerkrankungen und bei degenerativen Erkrankungen des Nervensystems durchgeführt. Neben dem Grundprogramm der Liquordiagnostik (Zellzahl, Glukose, Laktat, Proteinanalyse) erfolgt in der Regel eine durchflusszytometrische und zytologische Analyse von Liquorzellen. Die Bestimmung von Borrelien-Antikörpern und speziellen Autoantikörpern (anti-MOG, anti-AQP4) wird wissenschaftlich begleitet.
Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal in Höhe der Lendenwirbelsäule. Dabei wird mit einer dünnen Nadel zwischen den Wirbelkörpern bis in den Wirbelsäulenkanal gestochen, der auf Höhe der Lendenwirbelsäule kein Rückenmark, sondern nur noch Nervenwurzeln enthält. Das entnommene Nervenwasser kann nun auf seine Bestandteile, insbesondere Zellen und Eiweiße untersucht werden. Diese Untersuchung ist geeignet, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B. Die Lumbalpunktion kann ambulant in unserer Praxis durchgeführt werden. Dazu sind eine Blutentnahme und eine Aufklärung einige Tage vor der Untersuchung notwendig. Die Punktion wird in der Regel im Sitzen durchgeführt. Im Anschluss ist eine mindestens einstündige Nachbeobachtungszeit notwendig.
Nervenbiopsie
Bei einer Nervenbiopsie wird während eines kurzen chirurgischen Eingriffs unter örtlicher Betäubung durch einen kleinen Schnitt in der Haut eine Gewebeprobe direkt aus einem Nerv entnommen. Der Laborarzt bewertet dann, basierend auf einer mikroskopischen Betrachtung, den Zustand der Nervenzellen. Zeigen die Nervenzellen keine Auffälligkeiten, liegt keine Nervenschädigung vor. Sind hingegen degenerierte oder unterversorgte Nervenzellen zu sehen, leidet der Patient vermutlich an einer Nervenschädigung.
Neuropsychologische Untersuchung
Bei der neuropsychologischen Untersuchung werden Funktionen des Gehirns, wie z.B. das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit oder die visuelle-räumliche Orientierung, überprüft. Nach einem ausführlichen Eingangsgespräch werden in der Regel eine Reihe von Tests absolviert. Hilfreich bei der Diagnosestellung und zur Überprüfung des Verlaufs einer Demenz sind neben der Krankengeschichte zunächst einfache psychometrische Testverfahren wie der MMSE (Mini-Mental State Examination), der Uhrentest oder der DemTect. Wenn Kurztests auffällig sind, kann eine ausführliche Diagnostik, z.B.
tags: #neurologie #nerven #messen