Neueste Studien und Erkenntnisse in der Neurologie: Ein umfassender Überblick über Autoimmun-Enzephalitis und Schlaganfallforschung

Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld, in dem fortlaufend neue Studien und Erkenntnisse gewonnen werden, die das Verständnis und die Behandlung neurologischer Erkrankungen verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse, insbesondere im Bereich der Autoimmun-Enzephalitis und der Schlaganfallforschung, und beleuchtet innovative Therapieansätze und translationale Forschungsprojekte.

Autoimmun-Enzephalitis: Ein Schwerpunkt der neurologischen Forschung

Die Autoimmun-Enzephalitis, eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, bei der sich die körpereigene Abwehr gegen das zentrale Nervensystem richtet und eine Gehirnentzündung auslöst, steht seit ihrer Erstbeschreibung vor etwa 20 Jahren im Fokus der neurologischen Forschung. Betroffen sind häufig junge Erwachsene. Die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) hat sich zu einem wissenschaftlichen Schwerpunkt für diese Autoimmunerkrankungen des Gehirns entwickelt.

Ratgeberbuch zur Autoimmun-Enzephalitis

Ein Forschungsteam um Klinikdirektor Prof. Dr. Christian Geis hat zusammen mit Expertinnen und Experten aus 13 anderen neurologischen Zentren in Deutschland und Österreich das aktuelle Wissen zur Autoimmun-Enzephalitis in einem deutschsprachigen Ratgeberbuch zusammengefasst. Dieses Buch richtet sich an Betroffene, Angehörige, Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte in neurologischer oder psychiatrischer Weiterbildung. Neben verständlich aufbereiteten Informationen zu immunologischen Grundlagen, klinischen Varianten, Diagnostik, Therapieoptionen und Rückfallprophylaxe werden auch Alltagsthemen wie Fahrfähigkeit, Impfungen, Familien- und Berufssituation behandelt.

Mitautor Dr. Jonathan Wickel betonte, dass das Buch als Leitfaden und Orientierungshilfe dienen soll, um informierte Gespräche zu führen und fundierte Entscheidungen zu treffen, ohne jedoch die ärztliche Beratung zu ersetzen.

Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftler

Dr. med. Mihai Ceanga, Neurologe und Nachwuchswissenschaftler in der Sektion Translationale Neuroimmunologie am Universitätsklinikum Jena, wurde mit dem Nachwuchspreis für Neurowissenschaften der Gertrud Reemtsma-Stiftung ausgezeichnet. Die Stiftung würdigte damit Dr. Ceangas herausragende Leistungen in der experimentell-translationalen Forschung sowie sein außerordentliches wissenschaftliches Engagement.

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Dr. Ceanga forscht an den Krankheitsmechanismen von Autoimmun-Gehirnentzündungen und untersucht, wie körpereigene Antikörper gegen Oberflächenproteine von Nervenzellen eine Entzündungsreaktion im Gehirn auslösen.

Forschungsgruppe SYNABS: Interdisziplinäre Erforschung autoimmun bedingter Hirnentzündungen

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe SYNABS, bestehend aus Neurologen, Physiologen, Neuroimmunologen und Mikroskopieexperten, erforscht die Krankheitsmechanismen von autoimmun bedingten Hirnentzündungen. Diese Erkrankungen sind selten, aber schwerwiegend und mitunter lebensbedrohlich. Die körpereigene Abwehr richtet sich gegen verschiedene Rezeptoren an den Kontaktstellen der Nervenzellen, den Synapsen, und stört dadurch die Signalübertragung im Gehirn.

Prof. Dr. Christian Geis, Sprecher von SYNABS, resümierte, dass trotz pandemiebedingter Einschränkungen wichtige Ergebnisse erzielt werden konnten. So wurde beispielsweise ein Wirkstoffkandidat entdeckt, der sich in Zell- und Tierversuchen als wirksam gegen eine Form der autoimmunen Gehirnentzündungen erwiesen hat. Die Forschungsgruppe veröffentlichte über 60 Fachartikel und ermöglichte durch ein internationales Fachsymposium den direkten wissenschaftlichen Austausch.

Die DFG fördert den Verbund für weitere drei Jahre. Die translationalen Fragestellungen werden in acht Teilprojekten bearbeitet, die sich verschiedenen Formen der Erkrankung widmen und im steten Austausch von Modellen, Methoden und Ergebnissen stehen. Die internationale Vernetzung der SYNABS-Gruppe wird durch die Beteiligung von renommierten Wissenschaftlern aus Spanien und Japan, die als Mercator-Fellows gefördert werden, gestärkt.

Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis: Ein gestörtes Protein als Ursache

Eine der häufigsten Formen der Autoimmun-Enzephalitis ist die anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis. Bei dieser Erkrankung ist ein Protein gestört, das bei der Signalübertragung im Gehirn eine wichtige Rolle spielt: der Glutamat Rezeptor vom NMDA-Typ, kurz NMDA-Rezeptor. Antikörper stören die Signalübertragung im Gehirn, indem sie den Rezeptor, an den die Neurotransmitter Glutamat und Glycin binden, in die Zelle aufnehmen. Dies führt zu einer verminderten Signalübertragung an Neuronen des zentralen Nervensystems.

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Die Symptome der anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis reichen von Psychosen über Halluzinationen und epileptische Anfälle bis hin zu Bewusstseinstrübungen und Koma. Patienten beschreiben die Erkrankungssymptome wie ein ‚Feuer im Gehirn‘, das sie nicht beeinflussen können.

Entwicklung neuer Therapieansätze

Ein potentielles Therapeutikum, das aus einem Teil des NMDA-Rezeptors und einem konstanten Teil eines menschlichen Antikörpers besteht, wurde entdeckt. Die krankheitserregenden Antikörper binden dann an dieses Fusionskonstrukt und nicht mehr an die NMDA-Rezeptoren.

Eleonora Loi, Doktorandin am Universitätsklinikum Jena im SYNABS-Konsortium, erklärte, dass die Wirksamkeit dieses Moleküls in kontrollierten Verhaltensstudien mit Mäusen nachgewiesen werden konnte. Die Gedächtnisbildung lief bei Tieren mit Autoimmunenzephalitis, die den Wirkstoffkandidaten erhalten hatten, nahezu wie bei gesunden Tieren ab.

CONNECT-GENERATE: Ein Forschungsverbund für autoimmunbedingte Gehirnentzündungen

Forschungsteams des UKJ widmen sich dem Thema Autoimmun-Enzephalitis in zwei großen Verbundprojekten: der am UKJ koordinierten Forschungsgruppe SYNABS der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem vom Bundesforschungsministerium geförderten CONNECT-GENERATE-Konsortium.

Das Programm umfasste mehr als 60 wissenschaftliche Beiträge, darunter eine Vorstellung der weltweit ersten klinischen Studie, die eine Behandlungsoption bei schwerwiegender autoimmuner Enzephalitis prüft und die am UKJ geleitet wird.

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Prof. Dr. Christian Geis betonte die Notwendigkeit einer individualisierten Verbesserung des derzeit vorherrschenden allgemeinen Behandlungsschemas für Autoimmun-Enzephalitiden, um den Behandlungserfolg langfristig steigern zu können.

Der Verbund CONNECT-GENERATE erforscht autoimmunbedingte Gehirnentzündungen, damit diese schweren Erkrankungen zukünftig besser therapiert werden können. Eine kontrollierte und randomisierte Doppelblindstudie testet die Wirksamkeit und Sicherheit der zusätzlichen Gabe von Bortezomib, einem Wirkstoff, der eigentlich bei Blutkrebserkrankungen eingesetzt wird.

Forschungsförderung durch die Novartis-Stiftung

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung unterstützt das Forschungsprojekt von Dr. Holger Haselmann, der die molekularen Mechanismen von Antikörper-vermittelten Hirnentzündungen erforscht. Das Stipendium wird er für einen Forschungsaufenthalt am Centre Nationale de la Recherche Scientifique in Bordeaux nutzen, um den Mechanismus der Rezeptorinternalisierung bei der Autoimmun-Enzephalitis zu untersuchen.

Schlaganfallforschung: Neue Therapieansätze und Erkenntnisse

Auch die Schlaganfallforschung ist ein dynamisches Feld, in dem kontinuierlich neue Therapieansätze und Erkenntnisse gewonnen werden.

Transkranielle Magnetstimulation (TMS)

Die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist eine nicht-invasive Behandlungsmethode, bei der mithilfe starker Magnetfelder bestimmte Bereiche des Gehirns stimuliert werden. Die Pulsfolgen stimulieren die Hirnregionen so, dass es zu einer therapeutischen Wirkung kommt.

Die TMS-Therapie kann eine Verbesserung von Schlaganfallsymptomen begünstigen, vorrangig die Funktionsfähigkeit von Armen und Händen. Die Behandlung ist schmerzfrei und dauert bis zu 30 Minuten pro Sitzung. Üblicherweise werden 18 Stimulations-Sitzungen in Kombination mit physiotherapeutischer Behandlung durchgeführt.

Prof. Dr. Ulf Ziemann und sein Team in der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit der TMS. Es gibt weit über 50 publizierte Studien, die den Erfolg der TMS belegen.

Schlaganfallversorgung am Universitätsklinikum Münster

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) bietet mit seiner Spezialstation, der Stroke Unit, die bestmöglichen Voraussetzungen für die Behandlung von Schlaganfallpatienten. Dieses zertifizierte Zentrum ist mit 17 Betten eines der größten in Deutschland. Hier kann eine sofortige Akuttherapie gewährleistet werden, um die Folgen des Schlaganfalls möglichst gering zu halten.

Am UKM werden auch Patienten mit allen anderen Formen neurovaskulärer Erkrankungen behandelt. Die Schlaganfall-Station ist 24 Stunden am Tag mit einem diensthabenden Arzt besetzt.

Klassifikation der Parkinson-Krankheit

In einer aktuellen Publikation der renommierten Zeitschrift „Lancet Neurology“ schlagen Prof. Höglinger und andere internationale Autorinnen und Autoren eine biologisch-basierte, dreiteilige Klassifikation für die Parkinson-Krankheit vor. Die bisherige klinische Einteilung wird dem heutigen Wissen über die komplexen Pathomechanismen und die biologische Heterogenität nicht mehr gerecht.

Eine exakte Klassifizierung und Stratifizierung ist essenziell für die Entwicklung krankheitsmodifizierender bzw. kausaler Therapien.

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