Das Neuroradiologische Institut des Universitätsklinikums Erlangen ist auf die bildgebende Diagnostik und Therapie von Erkrankungen und Veränderungen des zentralen Nervensystems spezialisiert. Dazu gehören Gehirn, Rückenmark und benachbarte Strukturen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Neuroradiologie an der Uniklinik Erlangen, von den angebotenen Leistungen bis hin zu den Erfahrungen von PJ-Studenten.
Schwerpunkte des Neuroradiologischen Instituts
Das Institut konzentriert sich auf die therapeutische Neuroradiologie mit minimal-invasiven Behandlungen von Verengungen der hirnversorgenden Arterien (mittels Angioplastie bzw. PTA) und Gefäßfehlbildungen in Gehirn und Rückenmark (Aneurysmen, Angiome und Fisteln) mit ablösbaren Spiralen, Stents und anderen Materialien.
Die Stroke-Unit: Spezialisierte Versorgung bei zerebrovaskulären Erkrankungen
Die Stroke-Unit ist spezialisiert auf die Behandlung von Patienten mit allen Arten akuter zerebrovaskulärer Erkrankungen. Zu den häufigsten Diagnosen gehören Hirninfarkt, transitorische ischämische Attacke (TIA) und intrazerebrale Blutung. Insgesamt stehen 14 voll ausgestattete Behandlungsplätze zur Verfügung.
Nach den Therapien zur Gefäßrekanalisation, die noch in der Notfallambulanz veranlasst werden, stehen auf der Stroke-Unit die differenzialdiagnostische Einordnung der Schlaganfallursache, das Vorbeugen von Komplikationen sowie die Einleitung geeigneter Maßnahmen zur Schlaganfall Sekundärprophylaxe im Vordergrund. Außerdem beginnen bereits hier die frühe Mobilisation, Neurorehabilitation und gezielte Behandlung der neurologischen Ausfallsymptome des Patienten.
Zum Mitarbeiterteam der Stroke-Unit zählen neben Ärzten und über 40 Pflegekräften speziell ausgebildete Therapeuten für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Außer Schlaganfälle behandeln wir auf unserer Stroke-Unit (und Intermediate Care Unit, IMC) auch andere schwere neurologische Erkrankungen, die einer intensiven Überwachung bedürfen. Dies sind zum Beispiel ein komplizierter epileptischer Anfall, eine Hirnhautentzündung oder akute Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Die Station verfügt über die apparative Ausstattung aller neurosonologischen und echokardiografischen Diagnoseverfahren vor Ort.
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Forschung in der Neuroradiologie
In den MRT-Labs des Radiologischen Institutes (Leitung: Prof. Michael Uder) und des Neuroradiologischen Instituts (Leitung: Prof. Arnd Dörfler) aus Erlangen werden neue Bildgebungsverfahren für die Magnetresonanztomographie entwickelt. Die MRT-Labs haben dabei thematisch unterschiedliche Schwerpunkte.
Ein wichtiger Aspekt der Forschung ist die Entwicklung von Bildgebung bei höheren Feldstärken. In der MRT steigt das Signal-zu-Rausch-Verhältnis mit der Magnetfeldstärke. Während klinische Tomographen üblicherweise mit den Feldstärken 1.5 T oder 3 T betrieben werden, sind klinische Geräte der neuesten Generation auch mit 7 T verfügbar. Die höhere Feldstärke geht leider oft mit verstärkten Bildartefakten einher. Beispielsweise sinkt die Wellenlänge des Sendefeldes mit höherer Feldstärke, sodass die Bilder inhomogen ausgeleuchtet sind.
Aktuelle Forschungsprojekte umfassen:
- Evaluation of an interleaved acquisition scheme for improved robustness of channel-wise relative B1+ mapping at 7 T
- Flow-Compensated vs. Monopolar Diffusion Encodings: Differences in Lesion Detectability Regarding Size and Position in Liver Diffusion-Weighted MRI
- Toward Noninvasive High-Resolution In Vivo pH Mapping in Brain Tumors by 31P-Informed deepCEST MRI
PJ-Tertial in der Radiologie der Uniklinik Erlangen
Das PJ-Tertial in der Radiologie der Uniklinik Erlangen bietet Medizinstudenten eine hervorragende Möglichkeit, praktische Erfahrungen in der radiologischen Arbeitswelt zu sammeln. Die Studierenden können in verschiedenen Abteilungen rotieren und die Dauer ihres Aufenthalts in den einzelnen Bereichen selbst bestimmen.
Ablauf des PJ-Tertials
Prinzipiell verbringt man während des PJs 5 Wochen in der chirurgischen Radiologie, wo man Röntgenbilder und CTs befunden kann, mit in die Angio kann und dort bei Eingriffen assistiert und je nach Operateur viel selbst machen darf oder mit in die Sonographie kann. Die Zeit in der Inneren kann man sich zwischen MRT und CT Befundung aufteilen, je nachdem, was einem mehr zusagt, meistens aber in einem Gebiet 2, im anderen 3 Wochen. Darüber hinaus verbringt man normalerweise eine Woche in der Kinderradiologie, eine Woche in der Neuroradiologie und eine Woche in der Gynäkologischen Radiologie. Prinzipiell ist hier sehr viel Spielraum gegeben und man kann auch länger oder kürzer in einem Bereich verbringen, auch Abhängig davon wie viel Urlaub man nimmt.
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In der Inneren und in der Chirurgie steht einem ein eigener Befundungsplatz zur Verfügung, an dem man CTs/MRTs/Röntgenbilder befundet und anschließend mit einem Arzt bespricht, verbessert und dann freigibt. Man bekommt einen Zugang zu allen Befundungsprogrammen und eine Schlüsselkarte zum Öffnen aller Räume.
Lerninhalte und Erfahrungen
- Befundung: Die PJ-Studenten lernen die Befundung von MRTs, CTs und Röntgenbildern. Sie können auch ihre Kenntnisse in der Sonographie verbessern.
- Angiographie: Es besteht die Möglichkeit, im Angio-OP zu assistieren und unter Anleitung selbstständig Hand anzulegen (z.B. Port, Biopsie, Drainage).
- Nadellegen: Das Üben des Nadellegens ist möglich, aber nicht verpflichtend.
- Feedback: Durch das Besprechen jedes geschriebenen Befundes erhalten die Studenten sofortiges Feedback und finden sich schnell in der radiologischen Arbeitswelt ein.
- Selbstständigkeit: Es wird Wert darauf gelegt, dass die Studenten selbstständig arbeiten.
Fortbildungen
- 1x die Woche gibt es eine Assistentenfortbildung ( unterschiedliche Themen von Assistenten für Assistenten; Montag 7.30)
- 1x eine Teamfortbildung (für alle aus der Abteilung von unterschiedlichen Referenten; Mittwoch 16.30)
- 1x die Woche gibt es PJ-Unterricht (Mittwoch 7.40).
Arbeitsbedingungen und Teamklima
Das Arbeitsklima in der Radiologie der Uniklinik Erlangen wird als hervorragend beschrieben. PJ-Studenten werden als Teil des Teams integriert und fühlen sich willkommen. Die Arbeitszeiten sind moderat. Mittagessen ist jeden Tag zum Mitarbeiterpreis möglich und nicht schlecht. Als kleiner Bonus im Sommer: in der Zeit der Sommerferien (für 6 Wochen) finden die Teamfortbildungen im Biergarten statt.
Kritikpunkte
Ein Kritikpunkt ist, dass es keine Bezahlung oder Studientage gab. Ersteres wird aber am gesamten Uniklinikum Erlangen geändert, wodurch kommende PJ-Generationen sich auf eine Vergütung freuen können.
Fazit zum PJ-Tertial
Insgesamt wird das PJ-Tertial in der Radiologie der Uniklinik Erlangen uneingeschränkt weiterempfohlen. Es ist ideal für alle, die ihre Bildbefundungsfähigkeiten ausbauen oder ohnehin in die Radiologie gehen wollen. Ab dem ersten Tag wird direkt mitbefundet, egal ob CT, MRT oder Röntgen. Die restlichen 2 Wochen können dann selbst eingeteilt werden. Die Rotation hängt von der Auslastung der PJ-Plätze ab, hier werden Überschneidungen vermieden, wodurch man eine sehr enge Betreuung erfährt. Als PJler wird man super ins Team eingegliedert und fühlt sich jederzeit willkommen. Hervozuheben ist die extrem gute Stimmung in allen Abteilungen, wodurch man jeden Tag gerne in die Radiologie kommt. Neben den Befunden kann man sein Wissen im Ultraschall verbessern, in der Angiographie helfen oder in der CT/MRT-Vorbereitung am laufenden Band Nadeln legen.
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