Rückenschmerzen sind zu einer weit verbreiteten Volkskrankheit geworden, die Menschen jeden Alters betrifft und die Lebensqualität erheblich einschränken kann. Im Ruhrgebiet gibt es zahlreiche spezialisierte Einrichtungen und Experten, die sich der Diagnose und Behandlung von Rückenschmerzen widmen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Therapieansätze, spezialisierte Zentren und Anlaufstellen für Patienten mit Rückenschmerzen im Ruhrgebiet.
Ursachen und Diagnose von Rückenschmerzen
Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule sind ein allgegenwärtiges Thema für Patienten jeden Alters. Sie bedeuten Einschränkungen im Alltag und eine Verminderung der Lebensqualität. Die Ursachen von Rückenschmerzen können vielfältig sein. Dazu gehören unter anderem:
- Bandscheibenerkrankungen
- Verengungen des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
- Instabilitäten der Wirbelsäule (z. B. Wirbelgleiten)
- Wirbelbrüche bei Traumen oder Osteoporose
- Tumorerkrankungen der Wirbelsäule
- Entzündungen der Wirbelsäule (Diszitis, Spondylitis)
- Deformitäten der Wirbelsäule (Skoliose, Kyphose)
- Muskuläre Verspannungen und Fehlhaltungen
Um die genaue Ursache der Rückenschmerzen zu ermitteln, ist eine umfassende Diagnostik erforderlich. Diese kann folgende Verfahren umfassen:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche Untersuchung durch, um die Schmerzursache einzugrenzen.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Zur Beurteilung der knöchernen Strukturen der Wirbelsäule. Es besteht die Möglichkeit zur Anfertigung von Ganzwirbelsäulen-Röntgenaufnahmen. Zudem steht die modernste Form der Rasterstereographie zur röntgenstrahlenfreien Vermessung von Wirbelsäulen-, Rumpf- und Beindeformitäten statisch und dynamisch zur Verfügung.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Zur Darstellung von Weichteilstrukturen wie Bandscheiben, Nerven und Rückenmark.
- Computertomographie (CT): Zur detaillierten Beurteilung von Knochen und zur Planung operativer Eingriffe.
- Duplex-Sonographie: Der arteriellen und venösen Gefäße
- Neurologische Untersuchung: Zur Überprüfung der Nervenfunktion und zum Ausschluss neurologischer Ursachen der Schmerzen.
Konservative Behandlung von Rückenschmerzen
In den meisten Fällen können Rückenschmerzen erfolgreich konservativ behandelt werden. Ziel der konservativen Therapie ist es, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Muskulatur zu kräftigen. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:
- Schmerztherapie: Medikamentöse Schmerzbehandlung mit Schmerzmitteln, entzündungshemmenden Medikamenten oder Muskelrelaxantien. Bei bestimmten chronischen Schmerzsyndromen wenden wir Schmerzmodulierende Stromverfahren (Neuromodulation) an, die durch gezielte elektrische Stimulationen Schmerzsignale reduzieren oder verändern können.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Korrektur von Fehlhaltungen.
- Osteopathie: Manuelle Behandlung zur Lösung von Blockaden und Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens.
- Mikrotherapie: Gezielte Injektion von Medikamenten in die Nähe der Nervenwurzeln oder Wirbelgelenke zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Hochpräzise mikrotherapeutische Instrumente werden eingesetzt.
- Weitere konservative Maßnahmen: Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen, Akupunktur, Elektrotherapie, Korsettversorgung.
In der orthopädischen Schmerztherapie geht es neben der Behandlung akuten Schmerzen insbesondere um die konservative Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Als „Bochumer Wirbelsäulenkonzept“ haben wir hierzu eine Schmerztherapie entwickelt, die ein interdisziplinäres Behandlungskonzept darstellt. Unter Berücksichtigung einer definierten Behandlungsstrategie werden Patienten mit chronischen Rückenschmerzen behandelt.
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Operative Behandlung von Rückenschmerzen
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der operativen Behandlung ist es, die Ursache der Schmerzen zu beseitigen, die Wirbelsäule zu stabilisieren und neurologische Ausfälle zu verhindern. Zu den operativen Verfahren gehören:
- Dekompression von Nervenstrukturen: Bei Spinalkanalstenose oder Bandscheibenvorfall werden die einengenden Strukturen entfernt, um die Nerven zu entlasten.
- Stabilisierungsoperationen (Spondylodese): Bei Instabilitäten der Wirbelsäule werden Wirbelkörper miteinander verbunden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
- Bandscheibenersatz: Beschädigte Bandscheiben werden durch künstliche Bandscheiben ersetzt, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten.
- Korrekturoperationen: Bei Deformitäten der Wirbelsäule (Skoliose, Kyphose) werden die Wirbelkörper begradigt und stabilisiert. Sämtliche operativen Techniken im Rahmen der Deformitätenkorrektur werden angeboten (dorsale Korrekturtechniken, ventrale Korrekturtechniken, kombinierte Techniken, mitwachsende Implantate für die wachsende Wirbelsäule, etc.).
- Minimalinvasive Verfahren: Moderne Operationstechniken ermöglichen es, viele Eingriffe minimalinvasiv durchzuführen. Dabei werden kleine Hautschnitte verwendet, um die Operation durchzuführen. Dies führt zu weniger Schmerzen, einer schnelleren Genesung und kürzeren Krankenhausaufenthalten. Wir versuchen, mit minimal-invasiven Eingriffen größtmögliche Behandlungserfolge zu erzielen. Im Sinne einer schonenden Behandlung für den Patienten.
Spezialisierte Zentren und Einrichtungen im Ruhrgebiet
Im Ruhrgebiet gibt es eine Vielzahl von spezialisierten Zentren und Einrichtungen, die sich der Diagnose und Behandlung von Rückenschmerzen widmen. Dazu gehören unter anderem:
- Wirbelsäulenzentrum NRW (Hamm): Eine Verbindung der Klinik für Neurochirurgie sowie der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Hier ermöglichen wir die Behandlung der Wirbelsäule auf höchstem Niveau. Mit unserer Expertise für operative Versorgung behandeln wir auch komplexe Wirbelsäulenerkrankungen und -verletzungen.
- Rücken Zentrum Ruhr (Bochum): Die Behandlung von degenerativen (verschleißbedingten) Erkrankungen der Wirbelsäule beginnt in unserem Rücken Zentrum Ruhr mit einer ausführlichen individuellen Beratung und der gezielten Abklärung Ihrer Schmerzursachen.
- Essener Rückenschmerz-Zentrum der Universitätsklinik für Neurologie: Hier verfolgen wir einen anderen Ansatz: In enger Kooperation mit den Kliniken für Neurochirurgie, Orthopädie, Anästhesiologie, Psychosomatik und Psychiatrie bündeln wir unsere Expertise, um Ihnen eine wirklich interdisziplinäre, individuell zugeschnittene Behandlung anzubieten. Drei tragende Säulen bilden dabei das Herzstück unserer Therapie: die Physiotherapie, die medizinische Trainingstherapie und die Schmerzpsychotherapie.
- Wirbelsäulenzentrum der Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum: Das Wirbelsäulenzentrum der Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum ist auf die Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule spezialisiert. Unser Ziel ist es, in der operativen und konservativen Versorgung von Wirbelsäulenleiden höchste Behandlungsqualität zu gewährleisten. Dafür steht ein erfahrenes interdisziplinäres Team bereit, das modernste diagnostische und therapeutische Verfahren einsetzt.
- Schön Klinik Düsseldorf: Die Schön Klinik Düsseldorf wurde als erstes Wirbelsäulenspezialzentrum in Düsseldorf von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) zertifiziert. Sollten Ihre Beschwerden durch eine konservative Therapie nicht besser werden, können wir durch unsere große Erfahrung in der minimalinvasiven Chirurgie bereits durch einen kleinen Eingriff Ihre Schmerzen nehmen. Häufig kommen unsere Patientinnen und Patienten erst nach jahrelanger "Ärzteodyssee" zu uns.
- Praxis für Neurologie Dortmund und Unna: Hier werden Patienten mit Rückenschmerzen mit Ausstrahlung im Bein (Lumboischialgie) behandelt. Unser Gesamtkonzept beinhaltet eine individuelle Beratung, umfassende Aufklärung und eine auf Sie zugeschnittene Behandlung mit weiterer ambulanten Versorgung.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine erfolgreiche Behandlung von Rückenschmerzen erfordert oft eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Im Ruhrgebiet gibt es zahlreiche Einrichtungen, die eine interdisziplinäre Behandlung anbieten. Dabei arbeiten beispielsweise Neurologen, Orthopäden, Neurochirurgen, Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten und Psychologen zusammen, um den Patienten eine umfassende und individuelle Behandlung zu ermöglichen.
Innovationen und moderne Verfahren
Die Behandlung von Rückenschmerzen hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Im Ruhrgebiet werden moderne diagnostische und therapeutische Verfahren eingesetzt, um den Patienten eine bestmögliche Versorgung zu bieten. Dazu gehören unter anderem:
- Minimalinvasive Operationstechniken: Diese ermöglichen es, viele Eingriffe schonender und mit weniger Komplikationen durchzuführen.
- Navigationstechnologie: Bei komplexen Operationen an der Wirbelsäule wird Navigationstechnologie eingesetzt, um die Genauigkeit der Operation zu erhöhen und das Risiko von Komplikationen zu verringern. In modernsten Operationssälen verfügen wir über neueste Röntgen-3D-Navigationssysteme sowie ein OP-Mikroskop. Darüber hinaus haben wir die Infrastruktur eines intraoperativen Neuromonitoring zur Überwachung der Nervenfunktionen und Reduktion des Risikos von neurologischen Beeinträchtigungen während der Operationen.
- Neuromodulation: Bei chronischen Schmerzen, die auf andere Therapien nicht ansprechen, kann Neuromodulation eingesetzt werden, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
- Biologische Therapien: In bestimmten Fällen können biologische Therapien eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren und die Heilung zu fördern.
Prävention von Rückenschmerzen
Um Rückenschmerzen vorzubeugen, ist es wichtig, auf eine gesunde Lebensweise zu achten. Dazu gehören:
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- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung stärkt die Rumpfmuskulatur und verbessert die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Um etwas dagegen zu tun, ist regelmäßige Bewegung mit physiotherapeutischer Beratung das A und O - und zwar nicht erst dann, wenn Rückenschmerzen schon da sind, sondern auch zur Prävention.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann helfen, Fehlhaltungen und Verspannungen zu vermeiden.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D ist wichtig für gesunde Knochen.
- Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen und Rückenschmerzen führen. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
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